Claudia am 20. Januar 2024 — 7 Kommentare

Physischer Kontakt toppt Online-Meetings

Unzählige Video-Podcasts finden statt, indem ein Interviewer jemanden einlädt und sich ein Gespräch zu Thema X entwickelt. Wie ich an mir bemerke, bevorzuge ich Formate, bei denen sich die Personen physisch gegenüber sitzen. Die meisten Gespräche finden natürlich „virtuell“ statt, wobei das besser oder schlechter visualisiert wird. Da muss mich das Thema schon SEHR interessieren, damit ich dabei bleibe.

Auch mit der Video-Telefonie über Zoom et al konnte ich mich nicht anfreunden und telefoniere mit Freunden noch immer ohne Webcam. Allein für meine Schwester hab‘ ich mir die Cam angeschafft, das ist dann auch immer sehr nett, aber das Bedürfnis, auch mit Anderen so zu kontakten, kommt einfach nicht auf. Da bin ich wohl „gewohnheitsmäßig veraltet“! :-)

Dass auch da draußen in der Geschäftswelt der physische Kontakt das virtuelle Gespräch toppt, unterstreicht die Erfahrung des Maschinisten, der im Vertrieb arbeitet und das Herumreisen gegenüber einem Kontroller rechtfertigen musste:

Warum fahren Sie überhaupt? Könnte man das nicht mit Webex machen?“

(ah klar, die übliche Video-ist-doch-billiger-als-hinfahr’n-Revue, hier ist mein Textbaustein, ratter ratter:)

„Nein. Erfolgreicher Vertrieb resultiert aus persönlichem Kontakt und dadurch entstehendem gegenseitigen Vertrauen. Virtuell ist kühl, virtuell ist steril, virtuell ist schlecht fürs Geschäft. Kunden wollen den Händedruck. Den direkten Blick in die Augen. Die Physis. Den leichten Geruch des Eau de Toilettes in der Nase. Das Pfefferminz, das man davor noch schnell nimmt. Das kann Webex nicht. Auf Webex bin ich kein potenzieller Partner, sondern gesichts- und sicher bald auch geschlechtsloses Avatar.“

Wundert mich nicht wirklich!

Diskussion

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7 Kommentare zu „Physischer Kontakt toppt Online-Meetings“.

  1. Das Problem dabei ist halt, dass es auf den Geschäftsbereich ankommt und sämtliche Betriebsorganisation auf US-Strategien basiert, die eben immer noch nicht 1:1 hierzulande anwendbar ist.

    Zudem sind die Managementsysteme auch noch narzisstisch und bilden in viez Fälle n nur Katastrophenmanagement ab, wie Scrum, Agile & Co.

    Es gibt aber sicher auch Anwendungsgebiete für Webex und Co..
    Den Meeting Bullshit , z. B..

  2. In Präsenz: langes Labern, wenig Effizienz, oft habe ich das Gefühl Lebenszeit vergeudet zu haben. Klar, man hört alles und sieht die Nasen, aber das ist auch alles.
    Online: man versucht sich zu beschränken, Aufgaben werden verteilt, man kann auch mal stumm schalten, wenn man nur zuhören muss – aber irgendwie ist es nicht gewollt. (= meine Meinung, meine Erfahrung, nur meine Perspektive, mein Bruchteil)

    Es ist ähnlich zum Online-Unterricht. Da hatte ich oft den Stoff von 90 Minuten in 60 durch und hatte noch Zeit zur Wiederholung, für Rückfragen. Und hab mich gefragt: warum bin ich so verdammt schnell? Ja. Weil keiner zu spät kommt, weil nicht aufs Klo gewechselt werden muss, weil keine Bauarbeiterablenkungen draußen zu sehen sind, vielleicht auch, weil die Verbindung manchmal abbricht und man die Angst hat, dass man das hier gesehene nicht noch hundert Mal hören wird…
    Ich kam 2020 relativ glücklich (=weil effektiv, aufs Lernen konzentriert) aus dem Lockdown und hab danach so eine Breitseite von Hass auf Online zu spüren bekommen. Und zumeist von denen, die „weil es technisch halt nicht ging“ nicht gemacht haben.

    Aber das ist wie gesagt nur meine Erfahrung, meine Meinung und kein Vorwurf.

  3. „Und zumeist von denen, die „weil es technisch halt nicht ging“ nicht gemacht haben“. So, @Holger, kenn ich es auch.

    Ich denke, wenn man sich persönlich bereits gut kennt, sind online-Treffen eine absolut ideale Alternative. Wenn virtuell und real dann noch in einem gesunden Mix aufrecht erhalten wird nimmt eine Beziehung, ob privat oder geschäftlich, m.E. keinen Schaden.

  4. ich stimme Menachem zu.
    Es gibt aber Leute, die kommen damit nicht klar, habe ich selbst so erlebt. Die hören nicht zu, schlafen manchmal sogar ein. In einem solchen Fall sollte man wohl auf physische Begegnung drängen. Wir Menschen sind verschieden.

  5. Danke für Eure Sicht der Dinge! Mir ist völlig klar, dass es da ganz unterschiedliche individuelle Erfahrungen und Vorlieben gibt – ist für mich kein Aufreger. Dass Holger von einer „Breitseite von Hass auf Online!“ berichtet, finde ich wieder mal ätzend! Was ist nur mit den Leuten los? Muss es immer gleich „Hass“ sein?

  6. @Claudia: in der Tat, warum gleich Hass. Das habe ich mich dann auch gefragt. Es gab einige Kolleginnen und Kollegen, die am Anfang des Lockdowns und des Distanzunterrichts zumindest fragten, sich dann mit Mails durchwurschtelten, aber immerhin interessiert waren. Als dann wieder Präsenz war, kam aber die große schweigende Mehrheit zum Zug und sprach von Scheißonlineunterricht, vor Ort sei besser etc PP. In der Zeit hat man dann auf Teufel komm raus jede mögliche Lücke genutzt irgendwie Unterricht in den Räumen zu machen, teils sogar tief in der Grauzone…

    Das (also die Ablehnung) hatte aber schon lange Tradition. Eine Kollegin hatte den ersten Onlinekurs bereits 2009 fertig, durfte ihn auch einsetzen, galt aber bei vielen als verschroben usw.
    Ich habe dann als jüngerer Kollege (damals) begeistert mitgemacht, aber Unterstützung gab es partout nicht. Online war Quatsch, wozu, das braucht man nicht, die ganze Palette an Sprüchen. Durch den Lockdown hatte ich dann gehofft, jetzt würde sich was ändern, aber da kam eher eben dieser Hass zum Vorschein. So, vorher, konnte man es halt leicht ignorieren, aber jetzt kam halt raus, dass man mit Mitte 40 bis 60 eben doch von „Computern“ keine Ahnung hatte und so weiter… Es ist sicherlich in vielen Bereichen anders, aber hier lief es schief.

    @Menachem: genau, gut verteilt, mal so mal so macht es Sinn. Und die Teilnehmer nutzen die verschiedenen Möglichkeiten auch – online konzentriert, offline eben mit eher sozialer Komponente.

  7. @Holger: Distanzunterricht oder „Online-Kurse“ meinen ja ein weit größeres Spektrum an Tools als die „Online-Meetings“ (Zoom, Webex etc.), auf die ich mich bezog. Ich bin ein Fan von Online-Kursen und habe selbst – zusammen mit einem Software-Entwickler – Kurse zum „Kreativen Schreiben“ entwickelt (z.B. „Erotisches Schreiben„, hier in der Wayback-Machine) und einige Jahre erfolgreich durchgeführt. Als Selbständige hatte ich halt auch das Privileg, alles an der entstehenden Plattform selbst gestalten zu können – ich wurde nicht mit der Forderung konfrontiert: Nun mach mal, irgendwie, aber schnell! Von daher kann ich den Frust der Lehrenden in Teilen verstehen, da gab es wohl kaum genügend Hilfen während der Lockdowns, um das „Online-Lernen“ mit Freude praktizieren zu können – oder stimmt mein Eindruck nicht?
    „…mit Mitte 40 bis 60 eben doch von „Computern“ keine Ahnung“ – das ist allerdings wirklich gruslig!
    Mit der zeitgemäßen Weiterbildung der Lehrenden scheint es insgesamt nicht zum Besten zu stehen.

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