Claudia am 15. April 2023 —

Atomkraft? Nein danke! Heute wird abgeschaltet.

AKWs 1961 - 2023Heute ist also wirklich Schluss, die letzten drei AKWs werden abgeschaltet. Begleitet vom Jammern und Klagen der CDU/CSU und FDP, die den Ausstieg 2011 in der schwarz-gelben Koalition selbst so beschlossen hatten.

Noch 30.000 Generationen werden sich um den strahlenden Abfall sorgen müssen. 30 AKWs müssen zurückgebaut werden, eine Herkulesarbeit, die Jahrzehnte benötigt und Unsummen verschlingt. Die Kosten pro AKW sollen sich zwischen 1,5 und 2 Milliarden bewegen, wobei Geld nicht das einzige Problem ist. Auch abgesehen von der ungeklärten Endlagerfrage (das ja niemand im „eigenen“ Bundesland haben will!) gibt es Probleme mit den Unmassen Bauschutt, die beim Rückbau anfallen und – eigentlich – auf Deponien gelagert werden könnten. Die weigern sich allerdings, wie man in einem Bericht über den Rückbau des AKWs Biblis lesen kann. Und ob der Abfall überhaupt auf eine Deponie darf, beschäftigt seit fünf Jahren die Gerichte.

Atomkraftwerke sind alles in allem eine Mega-Technologie, die man ohne Rücksicht auf die Folgen und Verluste in der Zukunft aufgebaut und genutzt hat. Zuletzt brachten AKWs grade mal 5% der Stromproduktion. Ein sehr viel teurerer Strom als jener, der durch Erneuerbare geliefert wird. Bis zum Jahr 2030 sollen Erneuerbare 80% des Stroms erzeugen, je schneller dieses Ziel erreicht wird, desto mehr wird die Preis-dämpfende Wirkung der Erneuerbaren spürbar werden.

Gut, dass Schluss ist mit dem Atomstrom, auch wenn wir noch lange lange die Folgen werden tragen müssen!

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Diskussion

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8 Kommentare zu „Atomkraft? Nein danke! Heute wird abgeschaltet.“.

  1. Endlich ist zumindest hier dieses Thema Geschichte und ehrlicherweise konnte man sich die Laufzeitverlängerung auch stecken. Das war wieder nur einer der „Kompromisse“ an eine ewiggestrige FDP als Koalitionspartner und dank des hirnmarternden medialen Grossangriffs dabeiso wie jetzt der Abgesang dazu, bei dem eine Technik emotionalisiert und vermenschlicht wird.

    Ein einziger Artikel in der Tagesschau, welcher die Risiken, Kosten und Vergleiche beim Nutzen der Atomenergie weltweit sachlich berichtete, ist bereits nicht mehr zu finden. Darin stand u.a., dass der Anteil weltweit generell rückläufig ist und auch die geplanten oder im Bau befindlichen AKW im Grunde Investruinen sind. In GB wird das im Bau befindliche in Hinkley Point signifikant teurer und trotzdem wird eine Subvention auf den Strompreis über 35 Jahre dazu bezahlt, sonst würde sich der Kasten überhaupt nicht rechnen.

    Stattdessen wird auf die Tränendrüsen gedrückt und sentimental über das Befinden der Arbeiter in den AKW berichtet und in den umliegenden Kommunen. Als wenn das die einzigen Unternehmen wären, in denen „Arbeitsplätze“ abgebaut werden und dazumal die Beschäftigten dort ja wenigstens weiter Arbeit haben beim „Rückbau“ – auch so eine Phrase.

    Hier ein passender Beitrag des Graslutschers.

    In D hat man mit dem zweiten Atomausstieg die Altlasten famos an den Bund abgetreten, während die Betreiber bis zum jetzigen Zeitpunkt kassiert haben.

    In F wird Kernenergie ebenfalls immer mehr zum Verlustgeschäft und „rechnet“ sich eigentlich nur, weil die EdF bereits seit Jahren vom französischen Staat ausgehalten wird. Wie sich angesichts der technischen Probleme, dem hohen Schadstand und der reduzierten Leistungsfähigkeit der französischen AKW speziell im Sommer durch warme Flüsse und niedrige Wasserstände entwickeln wird, ist kaum abzuschätzen. Aber auch Frankreich wird sich drehen müssen, um seine Energieversorgung zu sichern. Dabei bezieht es bereits jetzt mehr Strom aus Erneuerbaren aus D als im Gegenzug Atomstrom aus F nach D eingespeist wird.

    Die langen Linien über das aus meiner Sicht nie realistische „Endlager“ oder die auch jetzt noch strahlenden Altlasten mit allem Pipapo sind da noch gar nicht bedacht, aber eines ist mit Blick auf den Testlauf des AKW Greifswald jetzt schon klar: Länger, teurer, riskanter bleibt auch nach dem Ende der eigentlichen Produktion ein Teil dieses Energieerzeugens!

  2. @Thomas: danke für deinen ausführlichen und den Artikel sinnvoll ergänzenden Kommentar! Habe glatt die Tagesschau angeschrieben, wo der verschwundene Artikel ist – mit deiner Beschreibung.
    Wie das nervt, dieses Geweine und Gewarne aus FDP, CDU/CSU! Da sind die Betreiber ja weiter:

    „Der Chef des Energiekonzerns EnBW, Andreas Schell, fordert im Interview mit dem ZDF heute journal, das Ende der Atomkraft in Deutschland zu akzeptieren. Statt öffentlich darüber zu diskutieren, sollte die Debatte auf den Umbau des Energiesystems gelenkt werden. „

  3. Nicht nur unsere nachfolgenden Generationen werden da was zu wuppen haben. Wohin der ganze Abfall wohl gegangen ist?

  4. Die Bayern wollen übrigens noch gerne bei der Kernkraft bleiben.

    https://www.zdf.de/nachrichten/politik/soeder-will-akw-weiterbetreiben-100.html

    Die Sachsen würden das auch gerne, haben aber die Mittel nicht dazu.

    Dann wollen wir mal schauen, wie lang der Ausstieg wohl tatsächlich währen wird.

  5. Kernkraft ist immer ein Zuschussgeschäft gewesen. Keine andere Stromgewinnung ist teurer. Das Hauptargument gegen Kernenergie aber dürfte tatsächlich die fehlende Endlagerung sein. Schade ist allerdings, dass man sich mit der Entscheidung gegen Kernkraft vermutlich gleich von der Forschung verabschiedet hat.

    Hier schien mir die Kernfusion im Gegensatz zur Kernspaltung mindestens die weitere Forschung wert zu sein. Ganz grundsätzlich denke ich, dass wir hier in der Bundesrepublik aufpassen müssen nicht vom Hochtechnologieland in eine Art Zulieferland zu geraten.

    China will das Land in den nächsten fünf Jahren weltweit zu einem führenden Standort des industriellen Fortschritts machen und die größte Volkswirtschaft der Welt werden. Die Chinesen sind nicht zimperlich diese Ziele auch zu erreichen. Wie schnell eine Technologie abwandert haben wir beispielsweise ausgerechnet im Solarbereich gesehen.

    Und – mit jeder aus Deutschland abgewanderten Technologie wandert der Wohlstand mit ab.

  6. @Peter Auch die Solartechnik wurde von vornherein subventioniert. Es ist nur eine Frage der Zeit, wie lange man da mit den Budgets von China und den USA mithalten kann, wenn man alle Infos in die Cloud schiebt. Auch wenn Altmaier & Co sicherlich auch eigene Interessen verfolgten.

    Wenn der Binnenmarkt was hergeben würde, sähe vieles anders aus. So produzieren wir eh für den Export.

  7. Danke und gern geschehen;-)

    Beim Volksverpetzer gibt es inzwischen einen nahezu identisch lautenden Beitrag.

    Den nächsten Fail bringen auch die ÖR gleich hinterher, indem sie Söders Quatsch einer bayerischen Insellösung in epischer Breite als Aufmacher und Clickbaiter nutzen, nur um einen gefühlten halben Tag später die völlig logische Ansage zu liefern, dass so etwas ohne Weiteres gar nicht möglich ist. Die Ansage dazu, dass es sich hier um rein populistischen Wahlk(r)ampf handelt, vergessen sie leider wieder.

    Gruß
    Thomas

  8. […] In den Kommentaren zum Blogpost über die Abschaltung der AKWs schrieb Thomas (Siewurdengelesen): […]