Claudia am 24. Juni 2022 —

Gas-Krise: Kalt spülen geht auch!

Als die Diskussionen rund um ein möglicherweise „totales“ Energie-Embargo gegen Russland los gingen, dachte ich mir gleich: Putin wird das Gas abdrehen, dann muss sich hier niemand mehr darüber streiten, wer trotz Krieg noch wieviel Gas bezieht.

Nun kommt das also tatsächlich und die Aufregung ist groß. Schon die bisherigen Aufrufe von Habeck zum Energie sparen empfanden nicht wenige als Zumutung, als böse Beschränkung ihrer „Freiheit“. Jetzt – nach Ausrufung der Gasalarmstufe 2 – drehen die Bekloppten völlig durch: Habeck sei schuld, ein unfähiger Minister, er sollte zurück treten, die Grünen hätten das „von langer Hand geplant“ und wollten unsere Wirtschaft kaputt machen. Man brauche doch nur Nordstream 2 „in Betrieb nehmen“ und solle gefälligst die Sanktionen zurück nehmen – wie blöde muss man eigentlich sein, um so zu denken?

Für mich ist das ein echtes Rätsel! Wie kommen die auf die Idee, Habeck könne einfach so ein Ende der Sanktionen beschließen? Weder regiert er alleine, noch könnte Deutschland im Alleingang die Embargo-Beschlüsse über den Haufen werfen. Wir würden – gleich nach Putin – zum gehassten Paria-Staat, der vor Putin zu Kreuze kriecht.

Der Berliner Wirtschaftssenator Schwarz sagte heute: „Jeder Kubikmeter Gas, den wir jetzt nicht verbrauchen, macht die Speicher voller und hilft uns, Putins Plan zu durchkreuzen“.  Und ich habe festgestellt: Man kann auch kalt spülen, mit fettlösendem Spülmitte echt kein Problem! :-)  Das ist natürlich eine Marginalie, aber neben dem Kochen ist das Spülen zur Zeit meine einzige Gas-verbrauchende Aktivität. Auch das Kochen einzuschränken, ist durchaus möglich: Viel Salat ist sowieso gesünder.

Im übrigen bin ich froh, dass mein Hauseigentümer so weise war, pro Wohnung einen Kachelofen stehen zu lassen, sogar funktionstüchtig. Neulich hab‘ ich ihn getestet, er funktioniert einwandfrei. Sogar Briketts von der Vormieterin liegen noch ein paar hier rum – ich bin also für die Gaskrise halbwegs gerüstet.

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Diskussion

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15 Kommentare zu „Gas-Krise: Kalt spülen geht auch!“.

  1. Ich sehe, du bist bestens gerüstet :-) Wir machen uns auch Gedanken, was wir machen können. An die Spülmaschine hatte ich z.B. noch gar nicht gedacht. Was die wohl dazu sagt, wenn das Wasser kalt bleibt?

    Ist es nicht ungeheuer spannend, wie – jedenfalls in meiner Wahrnehmung – die Wissenschaftler (Prof. Hirschhausen, SfF, z.B.) nun, nachdem es mit dem Gas vielleicht ernst wird, gar nichts mehr zu hören ist? Sie forderten bekanntlich sofort und komplett auf russisches Gas und Öl zu verzichten. Wo sind die Stimmen heute?

    Außerdem interessiert mich sehr der Ausgang des Scharmützels zwischen der FDP und den Grünen hinsichtlich der drei Atomkraftwerke, die nach Meinung vieler in Deutschland in dieser Krise weiterbetrieben werden sollten. Vermutlich wird es noch eine Weile dauern, bis die Grünen über ihren Schatten springen und doch noch zustimmen. Sobald klar ist, ob Putin nach den Wartungsarbeiten die Mengen auf niedrigem Niveau hält oder weiter zurückfährt, werden wir es wissen.

  2. Wegen mir dürfen sie ruhig zustimmen, ohne dass ich ihnen das ankreide (als Wählerin mit Grün-Präferenz). Die Lage ist nun mal wie sie ist und ob die 3 AKWs nun ein wenig länger laufen oder nicht, ist mir recht egal. Es kommt wohl eher darauf an, ob das überhaupt machbar ist.

  3. Spülmaschine und kaltes Wasser??? Da löst sich das Pulver (wahlweise Tabs) nicht auf und die Programme laufen nicht korrekt ab, im schlimmsten Fall fällt die Maschine ganz aus. Aber Spülmaschinen haben eine eigene Heizung und wärmen ihr Wasser selber an. Als übrigens mal mal ein Abfluß zugesetzt war, lief das Wasser beim Abpumpen in die Duschwanne (die Rohrleitungen hängen zusammen) – und da hab ich erst mal gesehen, wie unglaublich wenig Wasser die Maschine braucht. Ich hätte mit der Menge niemals Geschirr gespült bekommen.
    Ich hab kein Gas, von einer früheren Tätigkeit bei einem Gasanbieter weiß ich, daß in der Straße auch keine Leitung liegt. Gottseidank…
    Die Grünen sind für mich Verräter an ihren eigenen Ideen – dies allerdings nicht erst jetzt, sondern schon seit Jahren.
    Und AKW’s werden seit neuestem als grüne Energie angepriesen… Ich entsinne mich an einen Kommentar in einer Tageszeitung vor Jahren: hätten die Steinzeitmenschen Atomkraft gehabt, würde der Müll HEUTE NOCH strahlen. Und da reden wir von Zeiten im sechsstelligen Bereich (ab Altsteinzeit) – es gibt Material mit erheblich längerer Strahlungsdauer, wo man schnell in siebenstelligen Zahlen landet, also im Bereich von Millionen Jahren. In der Zeit können Gebirge verschwinden und Meere zu Land werden – soviel zu sicheren Endlagern.
    Da kommts dann auf ein paar Monate längere Laufzeit tatsächlich nicht mehr an – sofern der eigentliche Beschluß nicht wieder zurückgenommen wird!

  4. „Spülen mit der Maschine braucht im Durchschnitt 50 Prozent weniger Wasser und 28 Prozent weniger Energie als Handspülen“, lautet das Ergebnis einer Vergleichsstudie der Universität Bonn mit 200 Haushalten in Deutschland, Italien, Schweden und Großbritannien.
    Spülmaschine oder spülen per Hand? | Umweltkommissar …
    Ob das stimmt? Zumindest beim Geschirrspülen von Hand mit kaltem Wasser ist der Energieverbrauch geringer, als mit der Maschine. Man kann natürlich auch die Maschine auf „Kalt“ stellen. Das ganze Thema ist sehr komplex!

    Stichwort Atomkraftwerke:
    Auch ich finde, dass die 3 noch aktiven Kraftwerke im Hinblick auf die kritische Energieversorgung vorerst nicht abgeschaltet werden sollten.

  5. In Sachen Spülen: ich spüle mit der Hand.

    @Holly: das derzeit besonders beliebte Grünen-Bashing verstehe ich nicht! Schlielich sind sie es, die – noch – gegen den Weiterbetrieb der 3 AKWs sind – ganz im Gegenteil zu mir (habe grün gewählt). In der jetzigen Lage kann man das m.E. aus guten Gründen vertreten, schließlich steuern wir auf erheblichen Energiemangel zu. Da wirkt das Festhalten am Ausstieg JETZT doch recht ideologisch. Insgesamt denke ich, dass es eher eine Frage der Machbarkeit ist.

    @Fred: Aus dem Artikel zur Studie: „Die Studie wurde jedoch von vier Haushaltsgeräte- und Spülmittelherstellern finanziert.“ Und sehr wahrscheinlich wurde der Ressourcenverbrauch bei Produktion, Lieferung und Entsorgung NICHT eingerechnet.

  6. @Claudia
    wegen der Grünen – um die drei AKW’s geht es mir da nicht. Meine Verärgerung liegt viel weiter in der Vergangenheit.
    Und beim Spülen von Hand geht es ja nicht nur um Heiß oder Kalt, sondern auch um den Wasserverbrauch. Und ich weiß, wieviel Wasser ich brauche, wenn ich von Hand spüle – eventuell dreimal am Tag – anstatt einmal die volle (kleine) Maschine laufen zu lassen.

  7. Mein Beitrag mit der Spülmaschine war natürlich nicht ernst gemeint. Schade, dass man so etwas (als Erwiderung auf Claudias kaltes Spülen von Hand) heute erklären muss, damit man nicht missverstanden wird.

  8. @Horst
    Hatte ich auch so gesehen – aber bevor es einer doch probiert und dann den Techniker braucht… ;o) Denn man versucht ja wirklich alles Mögliche und Unmögliche, um zu sparen.

  9. Am Verhalten meiner Spülmaschine werde ich nichts ändern, die läuft bei mir auch nur etwa einmal in zweieinhalb Wochen. Allerdings kann ich etwas Gas direkt sparen (Gas-Zentralheizung im Mehrfamilienhaus), indem ich die Heißwasserleitung zum Waschen und Duschen, Zähneputzen, Spülen deutlich weniger aufdrehe.

    Übers Heizen sprechen wir dann spätestens Ende Oktober/Anfang November…

  10. @Boris: Der Herbst wird hart. Ich denke, wir drehen unsere Heizung, die ohnehin nur im Wohnzimmer und im Bad läuft noch 2 Grad runter. Aber dann… hilft nur noch ein dicker Pullover. Hoffentlich wird das mit Corona nicht zu arg. Das fehlte jetzt noch.

  11. Noch eine kleine Maßnahme zur Verminderung meines Gasverbrauchs, an die ich erst kürzlich dachte:

    Bisher spülte ich zur Kaffeebereitung (ich brühe von Hand mit dieser japanischen Ausstattung von Hario) die Behälter mit heißem Wasser vor, damit der Kaffee am Ende die optimale Temperatur länger halten kann.

    Inzwischen spare ich mir das komplett, ich spüle kalt vor und der Kaffee bleibt trotzdem lange genug trink-heiß in der Thermosflasche – die Maßnahme hätte ich mir von Anfang an sparen können.

    Erkenntnis: Man muss auch mal seine kleinen Luxus-Angewohnheiten hinterfragen… ES GEHT DOCH!

  12. Letzten Endes ändert das Verhalten quasi wenig bis nichts am Kriegsverlauf und was mir bei der ganzen Diskussion am meisten stinkt, dass diejenigen sicher am wenigsten verzichten werden, die Verzicht jetzt predigen. Viele Andere dagegen werden sich bei der zu erwartenden Preisentwicklung von ganz alleine „einschränken“, weil sie sich den Zimt dann kaum noch leisten können.

    Für mich ist das eher ein Art Schwarze-Peter-Spiel, weil neben Gas auch andere Primärenergieträger bislang zu einem Gutteil eher günstig aus Russland eingekauft wurden. Egal welche Art des Heizens/Kochens/etcpp. genutzt wird, neben dem Sprit sind wir von vielem weiter abhängig und damit zu erpressen. Dadurch werden die Sanktionen zu dem Bumerang, der in erster Linie „die Kleinen“ und die fiktive Mittelschicht jetzt trifft.

    Die Diskussion um die Laufzeiten der AKW ist für mich ein Phantom. Die Betreiber als die größten Interessenten haben entgegen den Äußerungen mancher Politiker und Lobbyisten weitestgehend klar gemacht, dass angesichts des zu erwartenden Gewinns die Aufwendungen viel zu hoch sind für neue Genehmigungen, Sicherheitsnachrüstungen und dergleichen mehr. Dieses Gespenst ist damit hoffentlich wirklich und endgültig tot. Es laufen nch genügend dieser Zeitbomben in anderen Ländern. So btw. kommt Uran als Rohstoff mehrheitlich auch aus Russland.
    Egal was einem da vorgekaut wird, gibt es immer ein statistisches Risiko, dass so ein Ding irgendwann auch einmal in unserer relativen Nähe einen GAU erfährt. Dann können wir unsere Diskussion auf Wolke 7 weiter führen.

    Eine echte „Schuld“ an dieser Misere tragen zu einem Gutteil diejenigen, die jetzt Sparen labern und gleichzeitig die größten Bremser bei den Erneuerbaren und den Forschungen zu Speichertechnologien usw. waren. Das hätte nicht alle jetzt anstehenden Probleme gelöst, aber vieles entschärfen können und damit immerhin etwas Dampf aus der Gratwanderung Klima/Umwelt – Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und damit hauptsächlich Russland genommen.

    Grüße
    Thomas

  13. Ja, es gibt viele kleine Maßnahmen, wo man etwas Energie und/oder auch Wasser sparen kann. An der Wasserspar-Front (es ist elendig und lange trocken hier in Berlin) bin ich im Garten gut dabei: Kein Rasen, kein Sprengen, kein Pool, Regenwassertonnen, nur seltene Leitungsentnahmen.

    1992/93 war ich mit der Konzeption und Durchführung von „Klimakampagnen“ für Miethaushalte beschäftigt: Energie sparen durch vielerlei kleine Maßnahmen. Die Mieter hatten gute Einsparungserfolge, doch waren die nicht wirklich nachhaltig. Sobald die „Animateure“ weg waren, setzt üblicherweise der gewohnte Schlendrian wieder ein. Politisch ergab sich damals durch vielerlei derartige Kampagnen das Fazit, dass man Einsparungen TECHNISCH ermöglichen/durchsetzen muss. Das Verhalten ist zu sporadisch und sprunghaft.
    Nun ist es ja anders, da wirklich eine Rationierung droht. Bin echt gespannt, ob und was sich ändert.

  14. @Thomas / Siewurdengelesen: Wir haben gleichzeitig geschrieben – in Sachen Kriegsverlauf und Schuld an der Abhängigkeit stimme ich dir voll zu! Übrigens höre und lese ich auch immer mal wieder, dass auch Sanktionen in der Geschichte noch nie einen Krieg beendet hätten. Damit will ich nicht sagen, dass wir da umsteuern sollten, sondern zitiere das nur mit einer gewissen Verzweiflung.

  15. Die Grünen sind die einzigen, die über ihren Schatten springen und gescheite Politik machen: LNG-Terminals, Kohle… Und das alles, weil die dämliche Union Energie-, Wärme- und Verkehrswende einfach komplett verpennt und die Gasspeicher (gegen Grüne Vorwarnung vor genau diesem Fall) verkaufen hat lassen. Die schwarze Null wird uns Milliarden kosten.