Claudia am 20. Oktober 2020 — 7 Kommentare

Rauchen, Dampfen, Marktwirtschaft

Mein Themenblog „Vom Rauchen zum Dampfen“ hatte ich Anfang 2019 verkauft. Wenig später wechselte ich wieder zur Zigarette (selbst gedreht). Warum? Weil mir das Gefrickl mit den komplexen Dampfgeräten zu umständlich wurde. Das Besorgen, Aufladen und Beaufsichtigen der Spezial-Akkus hat genervt. Meine relativ großen und schweren Dampfen mitschleppen, die passenden „Coils“ vorrätig halten – was für ein Aufwand, verglichen mit der Einfachheit analogen Rauchens!

Viel Watt und fette Wolken

Zudem hatte sich der Markt in eine ganz andere Richtung entwickelt: Nicht mehr das gewöhnliche MTL (Mund zu Lunge) dampfen gab den Takt der Innovationen vor, sondern das DTL: Dampf direkt in die Lunge ziehen, wie beim Kiffen! Das Ganze dann mit immer mehr Watt: während „klassische“ Dampfen mit 8 bis 12 Watt auskamen, hatten die neuen Dampfen bis zu 200 Watt! Damit das so schöne Mega-Dampfwolken gibt, mit denen vor allem Männer gerne glänzen und wetteifern.

dampfender junger Mann

Menschen wie ich, die einfach nur dampfen statt rauchen wollen, ohne deshalb zum Technik-Freak zu mutieren und die Mitmenschen krass zu umnebeln, waren für die Hersteller unwichtig geworden. Das Fachsimpeln über möglichst niedrige Widerstände (SubOhm-Dampfen) und die technischen Herausforderungen, die die neuen Geräte dafür meistern mussten – alles nicht meine Welt!

Kannst du ja ignorieren, hatte ich lange gedacht. Ist aber nicht so, denn für meine einst hochpreisigen Dampfgeräte gab es bald keine Ersatzteile mehr und die einzige, noch für den diskret (!) dampfenden MTL-Fan angebotene Alternatíve war auch nicht grade einfach zu handhaben, sondern machte immer wieder Schwierigkeiten. Kein Wunder, dass ich die Lust auf das ganze Generve verlor.

Wow, der Markt hat sich gewandelt!

Aber hey, seit gestern weiß ich: es gibt für mich neue Hoffnung, vom Rauchen wieder zum Dampfen wechseln zu können. Offenbar ist das Reservoir der technik-affinen Super-Dampfer ausgeschöpft und nun werden wieder jene bedient, die EINFACH NUR DAMPFEN wollen!

Zu Zeiten meines Rückfalls ins Rauchen hatte ich grade noch mitbekommen, dass sogenannte „Pod-Systeme“ auf den Markt gekommen waren. Einfache Sticks, an denen man nur ziehen musste – und das obere Teil (mit Liquid und Coil in einer undurchsichtigen Kapsel) austauschen, wenn das Liquid verbraucht war. Für mich damals keine Lösung: ich sah es als Versuch, mit dem Dampfen genauso viel Profit zu machen wie mit dem Rauchen, denn die „Pods“ hielten ja nicht lange und mussten ständig nachgekauft werden.

Mittlerweile vom Rauchen wieder frustriert (zu teuer, zu viel Gestank und Dreck!), schaute ich also gestern mal wieder hin, was es so gibt. Und siehe da, es gibt seit 2019 einen regelrechten Hype rund um Pod-Systeme, die nun NACHFÜLLBARE Pods haben, die auch einige Zeit halten. Nach Sichtung diverser Artikel und begeisternden Videos fand ich die seit vielen Monaten meistgelobte Pod-Dampfe, das Uwell Caliburn Kit. Hab‘ ich mir bestellt und hoffe jetzt das Beste! Endlich EINFACH dampfen, keine Akkus mehr, sondern direkt aufladen (und dabei sogar dampfen können), 2 ml Liquid eigener Wahl einfüllen – und das alles bei nur 11 Watt wie früher, ein Gerät zum diskreten MTL-Dampfen, nicht für die spektakuläre Wolkenproduktion! Nicht zu vergessen: Das Ding wiegt nur 30 Gramm – meine letzte Dampfe dagegen 200!

E-Shop-Betreiber berichten, dass sie diese Teile (die auch noch preislich weit unter dem zuletzt für gute Dampfgeräte Üblichen liegen) mittlerweile massenhaft verkaufen. Umsteiger loben, dass es damit gelungen sei, das Rauchen endlich hinter sich zu lassen.

Ich bin ja so gespannt… und stelle fest: der Markt passt sich ja doch den Wünschen der User/innen an! Und das sogar in relativ kurzer Zeit.

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Bild von Krystian Graba auf Pixabay

Diskussion

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7 Kommentare zu „Rauchen, Dampfen, Marktwirtschaft“.

  1. Gestank und Dreck? Das ist ja sozusagen der Grund fürs Rauchen. Die Welt ist doch so schon viel zu „digital“, „clean“ und desinfiziert.

    Frage, was meinst du mit: „DTL: Dampf direkt in die Lunge ziehen, wie beim Kiffen! “ Ist das nicht auch das normale Zigaretterauchen DTL? Dachte ich immer, aber ich bin wirklich kein Auskenner in diesen Dingen.

  2. @Gilbert: aber nein! Als Raucherin zieht man den Rauch erst in den Mund – und während die Zigarette bereits wieder weg von den Lippen ist, zieht man ihn in die Lunge. Das ist VIEL SOFTER als DTL – man nimmt auch weniger Rauch auf, die Hälfte geht in die Luft.
    Wie ich dann beim Aufkommen des DTL-Dampfens beiläufig erfahren habe, sollen Asiaten immer schon DTL-Rauchen, während in Europa MTL übich ist. Wusste ich bis dahin auch nicht.
    Gestank und Dreck waren für mich immer „Kollateralschäden“ – ich stehe wirklich auf Nikotin. Schützt vielleicht auch vor Corona! :-I

  3. Verstehe, danke – wieder etwas gelernt. Du schreibst jetzt:

    „Als Raucherin zieht man den Rauch erst in den Mund – und während die Zigarette bereits wieder weg von den Lippen ist, zieht man ihn in die Lunge.“

    Aber das macht man beim Kiffen doch ganz genauso. Was meinst du dann, wenn du oben im Text schreibst „Dampf direkt in die Lunge […] wie beim Kiffen“?

  4. Beim Kiffen erst in den Mund und dann in die Lunge und die Hälfte des guten Krauts verpufft in die Luft? Das ist bei mir zwar schon mehr als ein Vierteljahrhundert her aber an eine so Art des Einatmens kann ich mich nicht erinnern.

  5. @Brendan: Meine Beschreibung bezog sich ausschließlich auf das RAUCHEN (MTL=Mund zu Lunge), nicht auf das Kiffen (DTL-Direkt in die Lunge, ebenso wie beim „SubOhm-Dampfen“).

    @Gilbert: das wäre mir neu! Hab noch niemanden so kiffen gesehen, aber das will ja nichts heißen! Kann mir aber vorstellen, dass es manche eben nicht anders wissen und genauso kiffen wie sie rauchen. Anfänglich ist DTL ja mindestens gewöhnungsbedürftig! (Alles andere ist jedoch extreme Verschwendung und mindert den Effekt deutlich).
    DTL: Man zieht den Dampf (oder Rauch, beim Kiffen) DIREKT in die Lunge, atmet ihn also direkt ein. Während man bei MTL nicht einatmet, sondern den Dampf bzw. Rauch erst im Mund sammelt und DANN einatmet (während ein Teil wieder entweicht, weil man dabei den Mund öffnet).

  6. @Claudia: ich weiß. Mein Kommentar bezog sich auch auf Gilbert. Sorry.

  7. Ok, na wie gesagt, bin kein Auskenner. Wenn ihr Kiffen sagt, meint ihr das Rauchen einer Bong vielleicht? Da sehe ich DTL. Wenn ich Leute einen Joint kiffen sehe, dann sehe ich, dass sie das machen wie bei einer Zigarette: Erst in den Mund ziehen und dann inhalieren. Aber ihr habt sicher Recht – die einen so, die anderen so.

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