Claudia am 22. Dezember 2019 — 2 Kommentare

Herzlich willkommen, Jahresendzeit!

Endlich ist es vorbei mit der gewöhnlichen Geschäftigkeit. Anders als ein Wochenende und anders als bloß individueller Urlaub vermittelt die kollektive Auszeit ein viel größeres Gefühl der Entspannung. Niemand erwartet irgend etwas von mir, bzw. ich kann zu Recht erwarten, dass dem so ist.

Ein paar Jahre lang hab‘ ich um diese Zeit gemütliche Online-Kurse für Jahresendzeitmuffel veranstaltet, und zwar unter dem Motto: „Wenn die Nacht am tiefsten ist – Schreibimpulse und Begegnungen zum Jahreswechsel“. Vom 21.12. bis zum 3. Januar gab es jeden Tag einen Schreibimpuls: ein Kurztext, ein Gedicht, ein Bild – halt eine möglichst inspirierende Schreibaufgabe.

Logo Schreibimpulse
Die dafür entworfene geschützte Plattform bot den Teilnehmenden einen Fluchtort für die höchst persönliche Besinnung zum Jahresende, unabhängig von den jeweiligen Weihnachtsunternehmungen, in die sie verstrickt waren. (In Memoriam ein Blick auf die Kursseite im Webarchiv und auf einen der Schreibimpulse, die ich außerhalb der Kurse veranstaltete)

Es waren unvergleichlich dichte und intensive Tage, insbesondere für mich, die ich ja viel mehr dran bleiben musste als die Mitschreibenden. Irgendwann sehnte ich mich dann doch wieder nach einer pflichtenlosen Jahresendzeit, doch denke ich noch heute mit Freude an diese Kurse zurück.

Gemeinsamkeit als Erlebnis und Schreibimpuls

In der friedlich freundlichen Frühzeit des Webs hatte ich schon auf ähnliche Weise zum Mitschreiben aufgerufen, allerdings zu weniger persönlichen Themen. Die Einsendungen kamen per Email, denn interaktive Blogs gab es noch nicht. Ein Beispiel dafür ist etwa die Leserdiskussion „Was ist Wirklichkeit?„, die ich mit Zweifeln an noch vorhandenen Gemeinsamkeiten eröffnete:

„Erleben wir nicht heute, daß die gemeinsame Welt in lauter kleine Privatwelten auseinanderfällt? Können wir uns noch darüber verständigen, was die wirkliche Welt ist??? Was ist überhaupt Wirklichkeit? Was ist Wahrheit? (Und für Spezialisten: Was ist Virtualität?) Ich freue mich über die rege Beteiligung und danke allen Einsendern!“

Das war 1996, also vor 23 Jahren, doch ist die Frage heute aktueller denn je. Wegen ihr bin ich vom Jahresendzeitmuffel zur Jahresendzeitfreundin geworden, die ganz und gar nichts mehr gegen Weihnachten hat, trotz des ganzen Konsumrummels, den ich früher so besserwisserisch kritisierte.

Wie gut, dass es noch Tage gibt, an denen sich die Menschen  aus dem Rattenrennen heraus ziehen und ihr persönliches Glück mit Familie und Freunden zelebrieren. Auch geholfen und gespendet wird weit mehr als sonst, wie schön! Wo ich in jungen Jahren nur Heuchelei erkennen konnte, sehe ich jetzt das Positive an Weihnachten: es heißt „Fest der Liebe“ und zumindest der Anspruch, in diesen Tagen die freundlichen Seiten des eigenen Charakters zu zeigen, wird weitgehend geteilt.

Mich freut es, in anderen Blogs Texte zu finden, die versuchen, diesen Geist der Weihnachtstage einzufangen. Zum Beispiel den Blogpost von Henning Uhle:

Weihnachtsfrieden: Das Jahr sagt leise servus.

„Die Waffen schweigen, man ist mal leiser und lässt mal den lieben Gott einen guten Mann sein. Nach der “besinnlichen Adventszeit”, in der es eigentlich nur um den Kaufrausch ging, darf man es wirklich mal ruhiger angehen lassen. Aber nebenher hilft diese Zeit vielleicht auch dabei, dass Menschen mal eine Runde abrüsten. Das kann eigentlich nie eine blöde Idee sein.“

Diesem Wunsch kann ich mich nur anschließen, auch wenn es hier im Blog zum Glück immer sehr zivilisiert zugeht! Dafür bedanke ich mich bei Euch, denn diese friedliche Insel gäbe es nicht ohne Euch, die Ihr immer wieder zeigt, dass gute Gespräche im Netz auch heute noch möglich sind.

Wer Lust hat, etwas über das eigene Erleben rund um Weihnachten zu schreiben, ist herzlich zum Kommentieren eingeladen. Auch entsprechende Blogposts könnt Ihr gerne verlinken!

Diskussion

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2 Kommentare zu „Herzlich willkommen, Jahresendzeit!“.

  1. weihnachten, ein tag wie jeder andere?

    dreihundertfuenfundsechzigtagemalvierundsechzigsin
    ddreiundzwanzigtausenddreihundertsechzigmalsonnena
    ufgangvierundsechzigmalfruehlingsommerherbstundwin
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    htenuebereinkunftwiewiruntereinanderinformationena
    ustauschenundsomitdasueberlebendereigenenartaufdie
    semseltsamenplanetendermitmordsthempoumsolkreistsi
    chernzugedenken.

    einer dieser vielen tage also ist etwas besonderes?
    warum?weil uns der sonnenaufgang taeglich aufs neue
    verspricht, dass es auf ewig so weitergeht?

    mit welcher wirklichen sicherheit koennen wir davon
    ausgehen, morgen frueh die naechste rundehamsterrad
    anzutreten?

    unser selbstbewusstsein bestimmt die algorythmen,
    die jedem von uns auf individuellste weise die theo-
    retischen zeitdosierungen unserer terminierten tage
    im voraus einschätzen; schätzen? ja eher schaetzen
    als berechnen, zukunft ist nicht berechenbar und
    plaene nur in begrenztem umfang im Stande, ein chao-
    tisches System von spannungsverhaeltnissen wirbelnder
    atomverbindungen ueberhaupt auch nur wahrzunehmen.

    fuer mich denke ich, dass dieses jahr in aller ruhe
    zur neige gehen wird, ein paar kerzen, einfaches essen
    und eine beheizte wohnung werden meiner restlebensge-
    faehrtin und mir dem kommenden trubel der naechsten
    anstehenden ereignisse einen ruhigen, realen ort der
    entspannung bieten.

    ich werde vermutlich keine besondere Empathie fuer
    hoerensagenimplantierter besinnlicher geschichten
    empfinden, was allerdings nicht bedeutet, dass ich
    mich nicht ueber zweieinhalbwochen urlaub freue.

  2. @Ingo: lieben Dank für deine Eindrücke rund um Weihnachten! Ich mache auch kein großes Aufhebens ums „Familienfest“, da ich hier in Berlin sowieso keine Familie habe. Aber zwei liebste Freunde und Wahlverwandte, die heute zum essen kommen. In der Wohnung sieht nichts nach Weihnachten aus und grade bin ich noch dabei, ein wenig zu putzen… :-) Allerdings hab ich mit beim Lädchen grade noch einen Weihnachtsstern gekauft, ein bisschen Weihnachtszitat muss halt doch sein.
    Alsdenn: dir wünsch ich fröhliche Weihnachten ohne Nervereien!

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