Claudia am 13. Juli 2019 — 7 Kommentare

CO²: Wasch mich, aber mach mich nicht nass!

Der Deutsche Mieterbund ist beunruhigt, meldet der Spiegel, denn eine CO²-Steuer könnte glatt das Heizen verteuern:

„“Es kann nicht sein, dass die dadurch entstehenden Kosten im Bereich der Heizung auf die Mieter umgelegt werden“, sagte Mieterbund-Präsident Lukas Siebenkotten den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Mieter hätten „keinen Einfluss darauf, wie ihre Wohnung geheizt wird“. Das entscheiden schließlich die Vermieter, weshalb diese auch die zusätzlichen Kosten einer CO2-Steuer im Heizungsbereich zahlen sollten.“

Auch wenn es hier um Mieterinteressen zu Zeiten viel zu hoher Mieten geht: Selten hab ich ein so dummdreistes Argument gehört! Ich bin selber Mieterin und habe tatsächlich keinen Einfluss auf die ART der Heizung – aber sehr wohl kann ich bestimmen, wieviel ich heize! Es macht einen großen Unterschied, ob ich die ganze Wohnung (2 Zimmer, Küche, Bad) heize, oder ob ich nur mein Wohn-/Arbeitszimmer, in dem ich mich tagsüber aufhalte, auf gemütliche Temperatur bringe. Als der Gaspreis mal ein, zwei Jahre lang extrem hoch lag, konnte ich so die Kosten deutlich senken. Als der Preis wieder gesunken war, wurde ich wieder etwas lässiger im Heizverhalten – ja, das ist kritikwürdig, aber ich bin eben auch nicht immer bei den Guten.

Die Erfahrung beweist jedenfalls: Verteuerung CO²-lastiger Ressourcen mindert deren Verbrauch. Eine Selbstverständlichkeit, die eigentlich alle klaglos hinnehmen müssten, die sich derzeit in großer Mehrheit für „mehr Klimaschutz“ aussprechen. Statt dessen gibt es Kritik von allen Seiten, sobald Pläne zur Erreichung auch nur der Klimaziele 2030 (minus 55% im Vergleich zu 1990) konkret werden.

Für den Fall, dass die Steuer (oder ein entsprechend wirksames Verfahren) trotzdem kommt, wird vollständiger finanzieller Ausgleich gefordert, wie DIE ZEIT berichtet:

„Der Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Klaus Müller, betonte, für Verbraucher sei die soziale Ausgestaltung der CO₂-Bepreisung wichtig. „Die Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung müssen vollständig an die Gruppe der privaten Haushalte zurückfließen“.

und

„Unionsfraktionsvize Andreas Jung (CDU) schlug in der Schwäbischen Zeitung vor: „Im Gegenzug zu einer CO₂-Bepreisung müssten die bisherigen Energie-Belastungen wegfallen – zum Beispiel die EEG-Umlage. Das entlastet jeden Stromkunden.“

Wie absurd ist das denn? Der Aufschlag für die Energiewende hin zu den Erneuerbaren soll wegfallen, weil eine Steuer die CO²-Emission senken soll? Ist die Energiewende dann etwa verzichtbar?

Auch ich bin für „soziale Ausgestaltung“ in dem Sinne, dass wer z.B. Auto fahren MUSS (etwa als Pendler oder Landbewohner) einen Ausgleich bekommt, sobald der Benzinpreis drastisch steigt (auch der Hartz4-Satz müsste erhöht werden, da der Verbrauch bei ALG2-Empfängern bereits minimal ist). Aber wo bliebe denn die „Steuerungsfunktion“ der Steuer, wenn allzu große Gruppen aufgrund von Rückzahlungen oder sonstigem Ausgleich gar keinen spürbaren Anreiz hätten, ihren Verbrauch zu senken?

Die Wirtschaftsweisen haben in ihrem Gutachten festgestellt, dass der effektivste Weg zur Erreichung der Ziele im Bereich Verkehr und Heizen liegt. Ich halte das für wahr – und wenn man es ernst meint mit den Klimazielen, dann muss Heizen und Verkehr auch deutlich teurer werden.

Momentan ist das Fliegen extrem billig und weil es noch keinerlei Pläne gibt, das zu ändern, verbreitet sich in manchen Kreisen die „Flugscham“: man muss auf einmal rechtfertigen, warum der nächste Billigflug unbedingt sein muss. Das ist doch eigentlich gut so, oder?

Aber Verkehrsminister Scheuer zeigt sich alarmiert und warnt davor, „Flugscham zu fördern“. Könnte ja tatsächlich passieren, dass weniger geflogen wird! Und dann fällt die Welt ein, wie wir wissen, denn Wachstum ist alles und ohne Wachstum ist alles nichts.

Womit wir am Knackpunkt der Debatte angekommen sind: Würde sich eine Mehrheit tatsächlich klimafreundlich verhalten, deutlich weniger fliegen, weniger Auto fahren, weniger „verbrauchen“, dann bräche die Wirtschaft zusammen, der es sowieso schon nicht mehr so gut geht. Und DAS kann doch niemand wollen…

Also scheiß aufs Klima, im Salon auf der Titanic wurde ja auch bis zuletzt gefeiert. Was soll man sonst auch machen?

Diskussion

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7 Kommentare zu „CO²: Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“.

  1. Der Mieterbund hat insofern Recht, dass die CO2-Steuer für Vermieter keine Anreize setzt, alte Heizungen aufzurüsten und in Wärmedämmung etc. zu investieren, da er die Heizkosten in seinem Mietobjekt ja nicht bezahlen muss. Aber das spricht nicht gegen die CO2-Steuer, sondern zeigt nur, dass sie noch nicht weit genug geht. Vermieter müssen davon unabhängig in die Verantwortung genommen und (am besten durch einen Mix aus drohenden Strafzahlungen und Subventionen für Verbesserungen) gezwungen werden, ihre Häuser zu modernisieren. Überhaupt, wieso hat nicht jedes einzelne Haus in Deutschland Solaranlagen auf dem Dach?

  2. Die CO2-Steuer auf Heizöl und -gas erhöht schon den Anreiz für Vermieter, nur eher indirekt.
    Wenn die Warmmiete eines Hauses deshalb SEHR hoch ist, ist das Haus relativ unattraktiv gegenüber dem baugleichen Haus mit Holzpellets-Heizung gegenüber. Mittelfristig wird das schlecht gedämmte, CO2-lastig geheizte Haus immer mehr Leerstand aufweisen, wenn der Vermieter nicht entweder die Kaltmiete senkt oder aber eine CO2-Verarmung durchführt (Dämmung, neue Heizung, neue Fenster, Kombination daraus).
    Das kann sich insbesondere dadurch lohnen, dass der Vermieter die Miete nach der Sanierung um die Heizkostenersparnis erhöht, so dass die Warmmiete am Ende gleich bleibt.
    Ist natürlich immer auch ein Rechenexempel.

  3. Containerschiffe, Öltanker, Frachter, Kreuzfahrtschiffe laufen mit billigstem, schwerem Dieselöl; dem giftigsten Treibstoff, der überhaupt erhältlich ist. Allein die fünfzehn grössten Schiffe der Welt stossen pro Jahr so viele Schadstoffe aus wie 750 Millionen Autos, errechnete der Naturschutzbund Deutschland in einer Studie. Die Weltflotte von rund 90’000 Schiffen verbrennt etwa 370 Millionen Tonnen Treibstoff pro Jahr und pustet 20 Millionen Tonnen Schwefeloxid in die Luft.

    spielt diese Tatsache auch eine Rolle in den Berechnungen der CO2 steuer?

    ich verstehe nicht, wie man den Klimaschutz der Erde auf nationaler Ebene mit CO2 Steuer überhaupt einpreisen kann, wenn rundrum auf dem Rest vom Globus das zig-tausendfache an Dreck in die Atmosphäre täglich eingebracht wird ohne dass sich darüber irgendeine Experten CO2 Steuerkommision lange damit aufhält.

    15 grosse Schiffe: pro Jahr genau soviel (CO2)/Schadstoffe wie 750 Millionen Autos.
    wo ist da die Verhältnismässigkeit?

    „soziale Gerechtigkeit, Ausgewogenheit:

    alles nur Geschwafel ohne realen Bezug zu den wirklichen (Klima)- Verhältnissen auf diesem Globus. Der Wind macht vor Ländergrenzen nicht halt.

    wäre es nicht ehrlicher dem Steuerzahler gegenüber wenn man eine
    Gesamt-Kopfsteuer, die Atmen und ausatmen ebenso wie geldverdienen
    (sozialversicherungspflichtige Tätigkeiten) ganz einfach alle Steuern
    zu einem Titel zusammenfzuführen und am Jahresende 85% der Gesamteinnahmen der Bürger direkt in den Staatsäckel einzuheimsen.

    das Gesamte Steuergesetzwesen einstampfen und einfach jede Einkommensquelle direkt mit 80% Staatsabgaben belegen. Finanzämter schliessen, die Finanzbehörden in Ruhestand senden und einfach direkt aus der Lohntüte absaugen.

    das spart Personalkosten.
    und ministerposten und expertengremien und das ganze lobbyistengeraffel.

    gruss von der rems
    ingo

  4. […] diesem Beitrag inspiriert hat mich der Kommentar von Ingo unter dem letzten […]

  5. @Mycroft: Witzig, genau darauf bin ich gerade in einem Gespräch mit einem Bekannten auch gekommen, noch bevor ich deine Antwort gelesen habe ^^ Du hast natürlich Recht. Es wird so jetzt so getan, als hätten Vermieter wirklich gar kein Interesse daran, ihre Häuser aufzurüsten, weil sie die Heizkosten ja umlegen können. Es klingt sogar teilweise, als wäre das für sie ein willkommener Bonus, was selbstverständlich Unsinn ist: An höheren Heizkosten verdient der Vermieter keinen Cent mehr.

    Trotzdem darf man sie dabei meinetwegen „unterstützen“, sei es nun durch günstige Darlehn, Subventionen oder eben drohenden Strafzahlungen :)

  6. sorry da hab ich das ziel verwechselt:)
    löscht du bitte den anderen wieder?

    https://www.youtube.com/watch?v=ZYXrGlYAZOg

    nochmal was zu EXpertenwissen:
    das klima ändert sich, das ist mir inzwischen klar geworden.
    ABER!

    das klima hat sich schon immer geändert!

    in dem verlinkten video geht es um die Klimadaten in Deutschland über einen längeren Zeitraum.

    es geht darum WIE und WO gemessen wurden und wie sich die Messpunkte und somit die unvereinbarkeit von Messdaten im Lauf der Zeit verändert haben/wurden.

    es ist alles nur schein,
    der ganze sermon um CO2 steuer fusst auf unzulässigen Angaben, gefälschten Statistiken und hirnrissigen Planungsvorgaben.

    manchmal kann man garnicht soviel zu sich nehmen wie
    man erbrechen könnte.

    „man fragt sich, warum es unsere Politiker so eilig haben die CO 2 Steuer einzuführen“

    gruss vonner rems
    ingo

  7. Nach neuesten NASA-Daten:

    „In der Tat beschleunigen sich die Kohlendioxidkonzentrationen in der Atmosphäre, die bereits ihren höchsten Stand seit mindestens 800.000 Jahren erreicht haben , mit Geschwindigkeiten, die in der Vergangenheit und in der Geologie ihresgleichen suchen.

    „Die jüngsten Zahlen sind nur eine weitere Erinnerung daran, dass die Auswirkungen der durch den Menschen verursachten Erwärmung nicht länger subtil sind“, sagte Mann. „Wir sehen, wie sie sich sowohl in Bezug auf beispiellose extreme Wetterereignisse als auch in Bezug auf die Art von extremen Temperaturen im planetarischen Maßstab, die durch diese jüngsten Zahlen verraten werden, auswirken.“ “

    für Ingo übersetzt per Google Translate aus
    https://mashable.com/article/warmest-june-climate-change-trend-2019.amp/

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