Claudia am 27. Dezember 2012 —

Haben wir Zeit? Verrinnt sie? Können wir sie uns nehmen?

Thinkabout hat ein besinnliches Posting mit dem Titel Die Zeit ist immer veröffentlicht. Darin reflektiert er das Zeit-Problem, wie es heute vielen vertraut ist: Zuwenig Zeit für alles, was wir tun wollen, tun könnten, tun sollten. „Zeitmanagement“ gilt als angemessener Umgang mit der vermeintlich immer knappen Zeit, doch hift das wirklich? Ist es doch bloß eine elaborierte Form der ToDo-Liste, die wir sowieso alle im Kopf (und im Gefühl!) haben.

„Sich das Bewusstsein erarbeiten, Zeit zu haben, ist pure Lebenskunst. Und etwas ganz Wundervolles. Das, immerhin, wissen wir alle. Fangen Sie jetzt nicht auch noch an, Ihren guten Vorsätzen Zeitmanagement hinzuzufügen (was ja wahrscheinlich eh schon drauf steht). Nein. Greifen Sie einfach zu. Nehmen Sie davon. Gehen Sie spazieren. Machen Sie ein Telefonat, das schon lange wartet, weil Sie sich die Zeit dafür nicht gegönnt haben“.

Ja, so einfach geht das. Für die meisten aber nur an Feiertagen, und nur, wenn man sich diese nicht mit einem Feiertagsprogramm voll stopft.

Wenn ich mal nichts tun muss…

Weihnachten war für mich eine schöne Auszeit! Einfach mal gar nichts tun, auch nicht „Online-Präsenz“ zeigen, Weihnachtsgrüße posten, Weihnachtsbotschaften senden, an alle Welt mailen – angesichts meiner auf sieben Blogs, drei soziale Netzwerken, mehrere Foren und acht Mail-Accounts verteilten Aktivitäten hab‘ ich das gar nicht erst versucht. Es wäre stressiger gewesen als das ganze Rest-Jahr!

Statt dessen also NICHTS getan. Was war das konkret? Abgesehen vom Besuch eines alten Freunds an heilig Abend mit gutem Essen und Geplauder, war ich alleine und hab‘ es genossen, einfach meinen Impulsen zu folgen. Geleistet hab‘ ich dabei gar nichts, nicht mal im Sinn von „forcierter Besinnung“. Sondern ganz ohne Eile im Web über Themen gelesen, zu denen ich sonst nicht komme, auch mal einen halben Tag über den richtigen Mixer recherchiert, um in Zukunft mehr Grüne Smoothies in meine Ernährung einzubinden. Zwischendurch hab‘ ich mir was gekocht, bin tatsächlich eine halbe Stunde spazieren gegangen – und hatte auch kein Problem damit, vor der Glotze zu hängen und herum zu zappen. Das Elend der Welt wollte ich allerdings mal NICHT sehen, weder als Doku noch als Fiction.

Hab‘ ich diese Zeit also „verschwendet“?? Kann man Zeit überhaupt verschwenden, besitzen, managen, verlieren? Ich könnte mich vervierfachen und dann alle vier Klone locker ganztags beschäftigen – hätte ich so vervierfacht MEHR ZEIT?

GIBT es ZEIT?

Rund um den Weltuntergangs-Hype am 21.12. erinnerte ein Blogger daran, dass jedes Datum auf diesem Planeten 48 Stunden „in Gebrauch“ ist. Dieses leicht absurd wirkende Phänomen der Zeitzonen auf der sich drehenden Erde macht deutlich, dass es „in Wirklichkeit“ so etwas wie Zeit gar nicht gibt. Es existiert nur Bewegung von Materie und Licht im Raum, wobei selbst diese Koordinaten unserer Weltwahrnehmung wissenschaftlich lange schon grundstürzend zur „Raumzeit“ relativiert wurden.

Hat das alles etwas mit mir und meinem Alltag zu tun? Alles und nichts! Das Gefühl, keine oder nicht genug Zeit zu haben, ist eine Folge der Machtergreifung des Verstands in Form des berechnenden Denkens, verbunden mit der Potenzierung der Handlungsmöglichkeiten, die uns in der heutigen Welt offen stehen.

Das lässt sich am Mixer-Beispiel gut zeigen: Viele Informationen sagen mir, dass es unglaublich viel gesünder wäre, den Anteil grüner Blattgemüse in der Ernährung drastisch zu erhöhen. Das soll sogar gegen vielerlei Krankheiten helfen bzw. ihnen vorbeugen. Faktisch schaffe ich es aber nicht, das mittels normalem Essen umzusetzen. Wer mag schon dauernd soviel Grünzeug verschlingen? Die Lösung ist die Zubereitung von Mixgetränken aus 50% Grünzeug und 50% Obst, verflüssigt mit genug Wasser. Und selbstverständlich bietet der MARKT gefühlte 1000 Mixer, um das Problem zu lösen – preislich so zwischen 20 und 1500 Euro. Da eine Entscheidung zu treffen, braucht dann halt einen guten halben Tag! Zeit, die anderswo wieder fehlt….

Die ganze Angelegenheit ist Folge der Dominanz rechnenden Denkens: Mache ich dies oder jenes, wird es mir (vielleicht) besser gehen. Und schon bin ich verstrickt in eine „Zeit-fressende“ Aktivität, die definitiv nichts mit realweltlich vorhandenen Gelüsten, Empfindungen, Gefühlen und Befindlichkeiten zu tun hat. Niemand verlangt nach „grünen Smoothies“, so lange man sie nicht kennt, von ihren „Problemlöserqualitäten“ nicht überzeugt ist.

Wir wissen allerdings immer mehr darüber, was wir noch alles tun könnten und sollten. Jede nicht verwirklichte Möglichkeit, von der wir wissen, verstärkt das Gefühl, nicht genug Zeit zu haben.

Allein das darüber nachdenken hilft mir, daran nicht zu verzweifeln – und mich beim „Zeit verschwenden“ nicht schlecht zu fühlen. Ein weiterer Denkanstoß ist die Frage nach dem Subjekt der Entscheidungen: ist es wirklich so wichtig, dass ICH etwas tue oder lasse? Inwieweit ist es z.B. sinnvoll, für die eigene Gesundheit zu „arbeiten“? Sollte es nicht zu denken geben, dass es eine noch nie dagewesene „Lebe-gesund-und-tu-was-dafür-Welle“ gibt, während auf der Ebene der Politik die „Alternativlosigkeit“ herrscht?

Diese Fragen transzendieren das Thema Zeit – und der Artikel ist sowieso schon zu lang. Ich mache also hier Schluss und wünsche allen Mitlesenden angenehme Zwischenjahres-Tage.
Mit VIEL ZEIT für alles, was Ihr Euch wünscht!

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Diskussion

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14 Kommentare zu „Haben wir Zeit? Verrinnt sie? Können wir sie uns nehmen?“.

  1. @Claudia, was ist der „Sinn des Lebens“? Eine große philosophische Frage, die sich für manche Menschen in einer für sie glücklich machenden und einfach erscheinenden Antwort erschöpft: Essen und Trinken.

    Und nicht alle großen Fragen, müssen keine Antworten haben.

    Seit längerer Zeit denke ich auch immer wieder über die „Zeit“ nach, besonders auch, wenn Thinkabout mal wieder einen Anstubser gibt, oder auch du.

    Und obwohl ich in diesen Tagen absolut keine Zeit finden würde, diesen Kommentar zu schreiben, nehme ich sie mir auf einmal. Damit ist für mich schon ein Teil des Rätsel gelöst.

    Zeit hat ein Anfang und ein Ende. Und auf dieser Zeitachse kämpfen meine unterschiedlichsten Motivationen, die versteckt und getarnt sich nicht immer mit ihrem wahren Gesicht zeigen wollen, um den größten Anteil auf dieser wertvollen Achse.
    Ich habe derzeit nicht vor, in dieses Kräftespiel einzugreifen, denn es ist für mich eine Frage des Vertrauens, dass alles, was aus mir heraus geschieht, seine Richtigkeit und Berechtigung hat. Das Vertrauen liegt darin, nicht alles jetzt und heute zu verstehen, welche Wege ich warum gehe. Ich vertraue dabei meiner höheren Macht – meinem Unterbewusstsein. Das Sammelbecken meines 60-jähirgen Lebens, auf das ich fast keinen direkten Zugriff habe.

    Zeit in irgendein Projekt zu geben, dass einen vielleicht über Tage und Wochen rastlos zu einem Punkt treibt, an dessen Ende irgendeine endorphine Belohnung steht, sei sie Wohlstand, Anerkennung, Liebe, … entspringt meines Erachtens nach tiefen menschlichen und individuell verschiedenen Motivationen und Wertigkeiten. Wir sollten ihnen gestatten, ihre Wertigkeit selbst zu bestimmen. Wie du schon schreibst: „Einfach meinen Impulsen zu folgen“.

    Das nicht fließen zu lassen würde für mich heute heißen, in natürliche Abläufe einzugreifen. Das will ich nicht – und deshalb lasse ich einfach gescheh`n, was geschieht.

    Und wenn sich die Motivationslage mal irgendwann verschiebt ist es mir doch irgendwie möglich, obwohl ich gar keine Zeit habe, mir diese Zeit zu nehmen – denn die gehört, um mir doch noch ein wenig „Herr im eigenen Haus“ vorgaukeln zu können: MIR.

  2. Das Mass an Zufriedenheit, das ein Mensch in seinem Leben empfinden kann, ist direkt davon geprägt, wie gelassen er mit der Tatsache umzugehen weiss, dass die Zeit, so wie er sie erst mal begreift, vergeht.

  3. Lieber Thinkabout, ich denke nicht nur oft darüber nach, über was wir schreiben, sondern auch, warum wir schreiben.
    Manchmal muss ich einfach schreiben oder kommentieren, damit meine labilen Selbstkonstruktionen Festigkeit erhalten.

    Das wir Menschen die Realität so deuten können wie wir sie im Moment brauchen, also auch wie ich das in meinem obigen Kommentar tue, halte ich für eine unserer größten menschlichen Fähigkeiten. Noch vor wenigen Jahren wäre das für mich inakzeptabel gewesen. Heute denke ich: Wäre das Geschehen der Welt sonst immer zu ertragen?

    Sicher, diese Konstruktionen haben mit der naheliegenden Möglichkeit der Selbstlüge und des Selbstbetruges ihre Schattenseiten. Aber wo Schatten ist – da ist auch Licht.

    Und ob Zufriedenheit ein Geschenk ist, das einem vom Himmel her in den Schoß fällt, oder ich mich selbst dafür in Bewegung setzen muss um ihr entgegen zu gehen – hhm, ja – wie ist das?

  4. Ihr Lieben, habt Dank für Eure Kommentare! Die geben mir das Gefühl, nicht „ins Leere zu schreiben“, Ihr erhaltet mir damit die Freude am Bloggen!

    @Menachem: toll, deine Gelassenheit und dein Vertrauen auf „das Unbewusste“. Ich hab da gelegentlich die Sorge, bei dem, was „aus mir heraus geschieht“ eben einfach alten Gewohnheiten und Routinen oder irgendwelchen Ängsten und Befürchtungen, sowie den Sehnsüchten nach Spektakel und Unterhaltung zu folgen – womit ich nicht zufrieden bin. Aber irgendwie muss ich trotzdem, „auf die richtige Motivationslage warten“, kann das aber befördern, indem ich mich gedanklich damit beschäftige, was ich gerne anders hätte.

    @Thinkabout: hm, kommt es nicht eher darauf an, was wir jeweils mit unserer Zeit anfangen? Ob wir sie „erfüllen“ mit dem, was uns wichtig ist – anstatt sie „tot zu schlagen“, z.B. durch Starren auf einen Bildschirm, in dem erfundene fremde Leben und ihre Konflikte gezeigt werden?

    Da fällt mir ein: der Trend weg vom Text und hin zum Video, den ich im Web bemerke, den empfinde ich als „Zeitraub“. Die gleichen Gedanken, die da ein Redner von sich gibt, kann ich als Text in einem Bruchteil der Zeit erfassen – und es stört mich dann, dass der „Publisher“ sich die Mühe nicht macht, seinen Beitrag zu verschriftlichen. Ich hab gefühlt nicht mehr soviel Lebenszeit für all diese Videos…

  5. Etwas beschämt deiner lobenden Worte, @Claudia, ich nehme sie sehr gerne an. Lieben Dank dafür.

    Doch auch ich bin ein homo oeconomicus und vielleicht wären diese Zeilen thematisch besser auf deinem blog „Kunst des Alterns“ plaziert, aber der ja hat seine Pforten geschlossen :)

    „Ich hab gefühlt nicht mehr soviel Lebenszeit für all diese Videos…“

    Auch ich spüre das mit bald 61 Lebensjahren ganz deutlich, deutlicher, als jemals zuvor. Und bei aller Gelassenheit betrachte auch ich Zeit als ein endliches und sehr kostbares Gut. Mit was füllen wir sie noch? Was ist noch wichtig, was nicht mehr?

    Und so habe ich beschlossen, wie du z.B. keine Videos mehr deiner beschriebenen Art schauen willst, nicht mehr zu lesen – von den großen Werken/Kunstwerken der Literatur.

    Dafür habe ich auch nicht mehr genug Lebensrestzeit, so, wie auch schon mal vor kurzem hier auf deinem blog, kommentiert.

    Das hat für mich auch etwas mit den ersten Abschieden zu tun. Meine Motivation, doch noch ein belesener Mann zu werden, der im Literaturkreis ein gewichtiges Wort mitreden kann, ist gegen 0 gesunken. Das werde ich nicht mehr. Der Einsatz ist der Mühe nicht wert. Meine Wünsche und Träume beginnen sich mit der Realität und dem noch Machbaren strenger abzugleichen.

    Anderes rückt in den Fokus. Ja, wie können wir die Welt zu einem Guten verändern. Dein letzter Beitrag. Und unsere Wege mögen sehr unterschiedlich sein, aber die Motivation, ist die Gleiche.

    Toll!

    Nun war ich in den letzten Tage fast etwas traurig, das ich bei dem wahnsinnig großen Arbeitsstress der nächsten Wochen keine Gelegenheit mehr finden würde, ein wenig über das vergangene zu reflektieren. Nun ist es mir doch noch gelungen. Unverhofft. Großartig. Und ich möchte relativieren:

    Ja, das Internet ist und bleibt für mich ein großartiges Medium. Aber es wäre ein totes Ding ohne die Menschen, die es zum klingen bringen.

  6. Liebe Claudia,
    ja, die Freude am Bloggen erhalten….tut Not…tut gut…
    Hier auf Deinen Seiten treffe ich auf Menschen, die wartende Tiefendinge in mir zu Klingen bringen- wie es da oben steht, von Menachem geschrieben.
    Und noch immer klingen die Schreibimpulskurse in mir nach….
    Gruß von Sonja

  7. hallo ihrs:)

    alos für mich ist zeit eine reine (perfide) Erfindung der Schweizer Eidgenossen, genauer: der Uhrenhersteller.
    man kann „zeit“ messen, aber nur, weil wir alle glauben dass es zeit gibt die mit messgeräten nachvollzogen werden kann.

    tatsächlich gibt es keine zeit, ich kann sie nicht anfassen, ich kann sie nicht sehen, riechen oder hören schon garnicht.
    Zeit ist eine konvention, nichts weiter.

    Klar ist, dass unser Sprachgebrauch es ermöglicht über diese Konvention zu reden, aber : Zeit (oder sonstige Konventionen) ist nur eine Idee, sonst nix:)

    Ich versuche dem Termindruck und allen anderen terminierten Dingen (im Rahmen meiner arbeit und sonstigen Abhängigkeiten) meine Verfügbarkeit gegenüberzustellen und wenns einigermassen funktioniert anforderung und leistung in Einklang zu bringen. Manchmal klappts; manchmal hat eben die ein oder andere Seite der Waagschale einen gewissen Hang zur Unschärfe:)

    Zeit ist relativ, zumeist versuche ich für mich diesem Planeten das zu geben was sein sollte und nehme mir dafür die Freiheit zwischen den mir möglichen Handlungsoptionen
    so zu wählen, dass mir noch genügend Freiraum bleibt um auch mal nix zu tun.
    Ein Mixer -beispielsweise- kommt bei mir nicht in diese
    „optionsvielfalt der Handlungsmöglichkeiten“ da ich so gut wie alle Nahrungsaufnahmen auswärts erledige, von wenigen selbstgebratenen Bratkartoffeln, Spiegeleiern und ähnlichem abgesehen.

    Ernährung ist eine wichtige Sache, schon klar, aber:
    ich lebe immer noch und so schlecht gehts mir eigentl nicht obwohl ich ernärungstechnisch absolut sowas von hinterm mond lebe, dass ich schon längst wegen diverser fehlender Grundbausteine „gesunder Ernährung“ das zeitliche gesegnet haben müsste.

    nun, ich zappel noch und freu mich, dass du,verehrte Claudia,
    nach wie vor die Zeit findest dein Digital Diary immer wieder mit neuen, interessanten Inhalten zu füllen.

    gruss in die runde
    ingo,sz

  8. Man darf sich nicht soviel vornehmen – einige Handlungsstränge am Tag genügen. Sobald man beginnt, mit Zeit „zu wirtschaften“, wirds krumm.

  9. @Ingo
    Ach, bitte nicht. Wir Schweizer können nicht auch noch für die Schaffung der Zeit und des Drucks, der daraus wird, verantwortlich sein, und dann auch noch aus pekuniären Interessen. Es reicht schon, dass wir die Steuerhinterziehung erfunden haben sollen… *lächel.

    @Claudia
    Zitat:

    hm, kommt es nicht eher darauf an, was wir jeweils mit unserer Zeit anfangen? Ob wir sie “erfüllen” mit dem, was uns wichtig ist – anstatt sie “tot zu schlagen”, […]

    Provozierende Gegenfrage: Werden wir je dem Anspruch genügen können, unsere Zeit zu nützen? Je knapper sie uns wird, um so unzufriedener könnten wir werden, wenn wir nicht ganz schnell nachsichtiger mit uns selbst werden.
    Nein, ich denke, es geht z.B. gerade darum nichts tun zu müssen, um Zeit sinnvoll werden zu lassen. Es gibt keine Vorgabe, was als Resultat sinnvoll ist – nur über die Haltung zur Zeit lässt sich verbindlich sagen, ob wir uns darin Segen oder Mühsal sind.

  10. Ich denke, wir sollten uns auch den Luxus gönnen, Zeit „sinnlos“ zu vergeuden. Das macht uns geradezu jung, nicht so sehr auf ein „Konto“ Zeit zu schauen, eines das verwaltet gehört, das in Kategeorien eingeteilt ist.

  11. Oft lese ich still mit.
    Danke Claudia, danke an alle!

    „Ab und zu wird einem gesagt: „Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens“. Dies erweckt den Eindruck, es gebe für diesen „Rest“ ein Mass, etwa durch den Jahrgang und die daraus abzuleitende statistische Lebenserwartung. Das mag für Versicherungsgesellschaften ein Thema sein, aber für mich und für Sie? Niemand weiss, wie lange sie oder er noch leben wird. Die Frage nach dem Lebens-Guthaben ist denn auch gar nicht quantitativ, sondern qualitativ gemeint. Memento mori, sagten die Römer und erinnerten einander daran, dass jedes Leben begrenzt ist, eine „Leihgabe auf Zeit“. Das Bewusstsein dieser Grenze kann uns dazu anstiften, Prioritäten zu setzen, zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden, wählerischer zu leben, anspruchsvoller, qualitätsbewusster!“

    Quelle: Edmond Tondeur †2009
    http://www.reife.ch/Winter03/et1-leben.html

    Gruß
    Matthias

  12. „tatsächlich gibt es keine zeit, ich kann sie nicht anfassen, ich kann sie nicht sehen, riechen oder hören schon garnicht.“

    Nun, Ingo, mit der Luft, die wir zum atmen brauchen, verhält es sich doch ebenso. Und die „Luft“, haben die auch die Schweizer erfunden:) ?

    Mir geht es ähnlich, wie ich Claudia und Gerhard, verstehe. Das „Nichtstun“ oder „Tun wie wir es wollen“, auch im meinetwegen sinnlosen, empfinde ich als den notwendigen Widerstand, um in den ständig auf mich niederprasselnden Optimierungsverkündigungen ein wenig mich „Selbst“ daraus zu erretten. Und selbst, wenn wir in so vielem gleich sind, möchte ich die Freiheit der Zeit-Entscheidung selbst treffen – auch, wenn diese unorientiert, unkoordiniert, unproduktiv und sinnlos erscheinen mag. Einem Dritten gegenüber! Sei`s drum.

    Das ist mir mein nur noch kleiner und möglicher individueller Rahmen in dieser Welt wert.

  13. hallo menachem:)
    also das juckts mich doch etwas:)
    ich nehme einen luftballon, puste ihn auf
    und lass ihn platzen.und wenn ich mir dazu
    vorher ein knoblauchgericht mit Zwiebeln
    gegönnt haben sollte, könnte ich die rausgeplatzte
    luft wahrscheinlich sogar riechen:)
    den Eidgenossen traue ich einiges zu, aber lebensnotwendige dinge freiwillig zu erfinden und GRATIS an alle abzugeben,
    also das wäre denn doch etwas, das dem Nationalen Selbstbewusstsein erheblich widersprechen würde, hm?
    ja. ich bin auch für freizuegigen umgang mit den lebensgegebenen momenten, die uns allen leider nur begrenzt zur Verfügung stehen.carpe diem und so:)

    gruss im sz

  14. Ja, Menachem, jeder, der mal die besondere Freiheit gefühlt hat, etwas spontan, ohne Blick auf Eignung, bisheriger Ausrichtung und Geschmack, Nutzen, Sinnhaftigkeit und Beitrag zu tun, weiß, daß es heilsam sein kann, die krude Macht der Zeit hinter sich lassen zu können.