Claudia am 02. Februar 2001 — 1 Kommentar

Über Stromausfall und Buhmänner

Nachdem sich die Fehlfunktionen des Geräts und das Behördenchaos gestern wieder ein wenig beruhigt hatten, konnte ich heute morgen gerade mal 10 Minuten am PC arbeiten, dann war plötzlich der Strom weg: in der ganzen Wohnung, überall im Schloß, im ganzen Dorf Gottesgabe! Gleichzeitig ist heute der erste Tag dieses Winters mit ordentlich Schnee, der auch liegen bleibt. Die Zentralheizung kann nicht heizen ohne Strom und das bedeutete: noch ca. eine Stunde, dann würde es so richtig ungemütlich werden!

Was tun, wenn nichts zu tun ist? Ich ging raus in den Schnee, der Kälte entgegen, besser als hier zu sitzen und die Abkühlung zu erleben. Leider haben wir einen E-Herd, also war nicht mal mehr Kaffee kochen möglich! (Eine der nächsten Anschaffungen ist ein Esbit-Kocher!) Vorher wollte ich es aber noch genau wissen, rief die WEMAG an und meldete den Stromausfall. In der Warteschleife wurde mir erzählt, dass die WEMAG nun auch eine Website und sogar „ein E-Mail“ habe, WOW! Der dann doch endlich zugeschaltete Kundendienst belehrte mich: Kein Stromausfall, sondern „geplante Abschaltung in der LPG Gottesgabe“. (So, ich bin also noch immer Bewohner einer LPG!) Man habe doch rechtzeitig benachrichtigt.

Wirklich? Mag sein, doch mich erwischt es jedes Mal gänzlich uninformiert. Denn die WEMAG benachrichtigt die Opfer ihrer großflächigen Abschaltungen ganz physisch durch die Aufstellung eines Plakats irgendwo an einer Dorfstrasse. Als hätte jemand Grund, hier zu Fuß im Dorf herumzulaufen! Genau wie ich treten die Leute aus ihren Häusern und setzen sich ins Auto, wer definitiv laufen will, meidet das Dorf und wandelt durch Wald und Feld. Ich frage die Frau bei der WEMAG, ob sie nicht per E-Mail benachrichtigen könnten: „Das machen wir nicht“, so die erschöpfende Auskunft. Schade, dass man den Strom nicht per Satellit beziehen kann, die WEMAG hätte mich lange nicht mehr als Kundin!

Der Hauch kalifornischer Verhältnisse hat mich jedenfalls wieder ins Grübeln gebracht. Man stelle sich vor, der Strom bliebe mal länger weg! Und: Ist es nicht verrückt, alle Häuser und Wohnungen so zu bauen, dass es keine Alternativen mehr gibt? Nicht zum kochen, nicht zum heizen? Und erst die Bürobauten mit ihren Klimaanlagen, Belüftungen und den nicht mehr zu öffnenden Fenstern…

BSE, Klärschlemme als Dünger

Das läßt mich vom Strom zur Nahrungsmittelproduktion kommen, die ja seit Monaten die Republik erregt, ohne dass wirkliche Änderungen in Sicht sind. Dank BSE kommen wenigstens mal alle Sauereien in die Medien, die normalerweise nicht berichtenswert erscheinen. Besonders schockiert hat mich ein Artikel in der ZEIT, der davon handelt, dass die Klärschlemme der Kläranlagen, in denen sämtliche Chemikalien, Bakterien und Viren hoch angereichert landen, von den Bauern „als Dünger“ auf den Feldern verteilt wird, gegen eine Prämie von 300,- pro Tonne. Guten Appetit! Immerhin hatte man das Beimengen der Klärschlemme zum Viehfutter verboten, dafür muss mensch dankbar sein, findet Ihr nicht auch?

Die Bauern wollen nicht „zu Buhmännern gestempelt werden“, höre ich fast täglich im Radio. Ich meine: Man muß sie nicht erst dazu stempeln! Sie demonstrieren ja nicht etwa, wenn irgend eine neue ekelhafte Machenschaft von ihnen verlangt wird, weil sie ins lange vorhandene Wahnsinnssystem passt, sondern erst dann, wenn irgend ein Vorfall dieses System kurzfristig stottern läßt! Und von mir „als Verbraucher“ zu erwarten, ich solle „über die Ladentheke Politik machen“, ist ein verdammt zynischer Rat angesichts dessen, was mittlerweile alles an schauderhafter „Normalität“ zu Tage tritt. Steht etwa auf den Etiketten: hergestellt aus mit Antibiotika vollgestopften Schweinen, gewachsen auf Klärschlamm der Metropolen Hamburg und Berlin?

Diskussion

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Ein Kommentar zu „Über Stromausfall und Buhmänner“.

  1. […] vier Tagen bin ich im einschlägigen Kaufstreik (siehe letzter Eintrag). Im Schweriner Bioladen 100 Mark gelassen für einen Einkauf, der woanders 50,- und beim […]

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