Claudia am 02. Februar 2001 — 0 Kommentare

Schluss mit dem Schweinefraß!

Gestern haben mein Lebensgefährte und ich beschlossen, Ernährung und Einkaufsverhalten konsequent umzustellen. Ein Artikel in der Berliner Zeitung („Kippen Sie Mayonnaise drüber!“ – ich werde ihn hier verlinken, sobald er im Online-Archiv auftaucht) hat das Faß zum Überlaufen gebracht. Es ging nicht um Rindfleisch, sondern um alles andere, um die ganz normalen und legalen Sauereien der Nahrungsmittelindustrie. Gezwungen durch die übermächtigen Handelskonzerne, die hohe „Eintrittspreise“ für die gnädige Aufnahme in die Supermärkte kassieren und den Produzenten die Preise vorschreiben, ist das, was dort dann im Regal steht, in vielen Fällen zusammengerührter Dreck. Nicht die Qualität oder Originalität eines Produkts steht im Mittelpunkt der Anstrengungen, sondern die Bemühung, es „analysefest“ zu machen: es so zu designen, dass die staatliche Lebensmittelüberwachung mit den analytischen Methoden ihrer Kontrollabors nichts mehr finden kann: tausend Tricks bis hin zum Betrug.
Neben den „Designern“ sind bei diesen Machenschafften soganannte „Psychophysiker“ unverzichtbar: Fachleute, die herausfinden, was im Mund ablaufen muß, damit im Gehirn der Prozeß stattfindet, der zum Weiteressen und Weiterkaufen führt. Im Ergebnis können mittels dieser Erkenntnisse dann teure Rohstoffe durch billigere ersetzt werden, durch irgendwelche aufwendig gestylten Abfälle, Hauptsache, das Geschmackserlebnis stimmt. Wer glaubt, er könne ja per Etikett kontrollieren, was drin ist, irrt. Unser Gesetzgeber hat zwar allerlei Deklarierungspflichten für Zutaten erlassen, aber gleichzeitig festgelegt, dass die meisten Stoffe nicht mehr als Zutaten gelten, sondern nur als „Zusatzstoffe“ die nicht deklariert werden müssen: also z.B. alle Stoffe, die die Lebensmittel maschinenfreundlich machen, bis hin zu Bestandteilen aus asiatischen Menschenhaaren (läßt die Brötchen beim „Backen vor den Augen des Kunden“ richtig duften, was sie von selber nicht mehr täten, da es sich um vorher tiefgefrorene „Backlinge“ handelt.).

Der mentale Ekel

Seit Wochen lese ich nun diese Artikel und mittlerweile baut sich ein gewisser Ekel auf. Eigentlich mag ich z.B. die Joghurts von Almighurt, hab‘ sie regelmmäßig gekauft und abends als leichten Nachtisch gegessen. Seit ich weiß, dass die Fruchtstückchen keine Fruchtstücke sind, sondern in vielfältigen Verarbeitungsschritten erst hergestellte „Fruchtzubereitungen“ aus Wasser, Stärke und Aromastoffen (getrocknet, gemahlen, gepresst, gekocht, gefroren, geformt, gewürzt…), habe ich das seltsame Erlebnis, dass es einerseits auf der Zunge immer noch schmeckt, andrerseits ein hintergründiger Ekel aufkommt, wenn ich auf diese „Fruchtzubereitungen“ beisse. Und lange schon hab‘ ich darüber nachgedacht, was eigentlich die Ötker-Pizza soviel besser schmecken läßt als alle anderen Pizzas: ähnlich wie Whiskas, das Katzen weit mehr schätzen als Kitekat et al, muss da was drin sein, was geradezu süchtig macht, vermutlich das Ergebnis einer kreativen Sternstunde der Psychophysiker.

Doch damit ist jetzt Schluß. Ab jetzt sind sämtliche Fertiggerichte und Halbfertigprodukte gestrichen, von der Pizza über die Leberwurst und die Salatgewürzmischung bis hin zu Fleischsalat und Dosenfisch. Grundnahrungsmittel und Gemüse werde ich im Bioladen kaufen, ansonsten nur noch Dinge, denen ich ganz genau ansehe, WAS es ist: frischer Fisch statt Krabbensalat, Schinken aus dem Hofladen statt „Du-darfst-Leberpastete“. Ja, ich darf, aber ich will nicht mehr!

Bin ich zu pingelig? Lächerlich empfindlich in Gesundheistfragen? Schließlich rauche ich doch auch wieder (nach fast 3 Monaten ohne), und das ist bei weitem schädlicher als der Industriefraß. Aber mir geht es gar nicht zuerst um die Gesundheit, sondern diese Nahrungsmittelmafia kotzt mich einfach an! Keine Mark will ich diesem System mehr in den unersättlichen Rachen schmeissen, soweit ich es vermeiden kann. Es ist menschenverachtend, wie diese Leute uns mit ihren Hightechtricks dazu bewegen, die widerlichsten Dinge noch als wohlschmeckend zu empfinden und teuer zu bezahlen. Wenn ich „von der Ladentheke her“ Politik machen soll, dann heisst das für mich jetzt einfach: Wegbleiben, Supermärkte weiträumig umfahren. Und: einfacher essen, das ist tatsächlich auch gesund und wird mich von meinem Übergewicht befreien, das ich nicht unwesentlich den „Psychophysikern“ der Konzerne verdanke.

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