Thema: Weltgeschehen

Claudia am 11. Februar 2018 — 3 Kommentare

7 Forderungen an den Heimatminister

Da es in der neuen GroKo ein Heimatministerium geben wird, will ich kurz zusammen zu fassen, welche Probleme der neue Heimatminister dringend angehen muss:

  1. Stopp der Mieterverdrängung: Durch die seit Jahren immens steigenden Mieten verlieren viele Menschen ihre Heimat im Kiez und werden in weit entfernte anonyme Plattenbauten oder gar aus der Stadt verdrängt. Der Minister ist gefordert, mit einem breiten Maßnahmenkatalog gegen diesen unzumutbaren Heimatverlust vorzugehen, der oft den Verlust sämtlicher sozialer Bezüge, Isolation und Einsamkeit zur Folge hat.
  2. Schluss mit der Zwangsmobilität: Arbeitslose werden vom Jobcenter gezwungen, sich bundesweit zu bewerben. Gewachsene Bindungen gehen so verloren, der Mensch wird zum wurzellosen Wanderarbeiter degradiert. Die Zumutbarkeitsregelungen sind sofort zu ändern, so dass niemand mehr unfreiwillig in ein völlig fremdes Bundesland mit gänzlich anderer lokaler Kultur umziehen muss (von Bayern nach Schleswig Holstein, man stelle sich dieses Elend nur mal vor!)
  3. Kampf der Landflucht: Wegen der extremen Ausdünnung der Infrastruktur in vielen Dörfern und Gemeinden sind immer mehr Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen und in die Städte zu ziehen. Kein Arzt, kein Nahverkehr, keine akzeptable Netzverbindung, oft nicht mal mehr ein Supermarkt: viele Dörfer veröden, obwohl sie doch naturnahes Wohnen ermöglichen, das sich – eigentlich – viele wünschen. Der Minister ist gefordert, eine konzertierte Aktion gegen die Landflucht zu organisieren, die Infrastruktur zu verbessern und zukunftsweisende Modellprojekte anzuschieben, um die ländliche Heimat vieler Betroffener als lebenswertes Umfeld zu erhalten.
  4. Zuwanderer besser integrieren, Hürden abbauen: Dass sogar noch die dritte Generation von Einwanderern allein wegen ihres Migrationshintergrunds ausgegrenzt wird, ist ein unerträglicher Missstand. Alle Menschen mit einer Bleibeperspektive müssen darin unterstützt werden, in ihrer Wahlheimat auch heimisch werden zu können. Kampagnen gegen Ausgrenzung, neue Gesetze (z.B. bzgl. Familienzusammenführung und Bewerbungsverfahren in großen Firmen, verbesserte Anerkennungsverfahren) und ein stets wortgewaltiges Eintreten für die Bereitschaft zur Integration auch auf Seiten der Alteingesessenen sind erste Schritte in die richtige Richtung.
  5. Kiezstrukturen erhalten: Heimat findet im Kleinen statt, im persönlichen Nahbereich gewachsener Nachbarschaften. Die Verdrängung kleiner Gewerbetreibender zu Gunsten großer Ketten verändert die Stadtteile unwiderruflich in anonyme Habitate, die überall gleich aussehen. Kunst- und Kulturprojekte, soziale Einrichtungen aller Art können keine Mieten zahlen wie Starbucks oder H&M. Erste Ministerpflicht ist somit der Kampf gegen die breite Vernichtung der Heimat vieler Menschen, deren Wohnumfeld zu Tode gentrifiziert wird.
  6. Heimat muss wählbar bleiben: Dass ein Mensch nicht gezwungen werden darf, seine Heimat zu verlassen, leuchtet allen ein, die sich in ihrer angestammten Umgebung heimisch fühlen. Es ist allerdings auch zu unterbinden, dass Menschen institutionell gezwungen werden, in ihrer Heimat zu verweilen. So wird es derzeit den Beziehern von Grundsicherung im Alter verunmöglicht, ihren Wohnort in einem Land mit günstigeren Lebenshaltungskosten zu wählen, ohne ihre Grundsicherung zu verlieren. Schluss damit! Herr Minister, lassen Sie die Alten ziehen! So werden auch Stadtwohnungen frei, ein positiver Nebeneffekt für alle, die im heimischen Kiez keine neue Wohnung finden.
  7. Regionale Produktion stärken: Kleinteilige bäuerliche Strukturen, die gesunde Nahrungsmittel in der Region herstellen, müssen viel stärker gefördert werden. Der Heimatminister ist gefordert, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um den Ausverkauf von Agrarflächen an global agierende Spekulanten (Investmentfonts, Heutschrecken..) zu stoppen. Gemeinden muss es möglich sein, die Ansiedlung von Massentierhaltern zu verhindern: da der Fleischverzehr hierzulande sinkt, dienen weitere Massenställe lediglich dem Export, während die im Übermaß anfallende Gülle die heimische Landschaft und das Trinkwasser verdreckt.

Wie Ihr seht, kann man „rund um die Heimat“ durchaus Politik machen, ohne in Nationalismus und Deutschtümelei zu verfallen. Ich fürchte allerdings, dass der neue Heimatminister eher weniger Lust auf die angesprochenen Themen hat – und das nicht allein wegen mangelnder Zuständigkeit (die ich in meiner Liste NICHT berücksichtigt habe).

Claudia am 10. Februar 2018 — 1 Kommentar

Drei politikverdrossene Zitate, nix Besonderes

Nur mal so notiert, zum selber Bloggen über die Ereignisse reichts grade nicht:

„Schulz stürzte so tief, dass er nach dem Parteivorsitz auch auf das Amt des Außenministers verzichten muss, weil die Wähler und auch die Mitglieder der Partei angewidert waren von dem Postengeschacher der Spitzengenossen.
Nach außen erklärten diese in den vergangenen Monaten ein ums andere Mal, dass es ihnen nur um die Sache gehe, um die Menschen im Lande, um gute Politik zum Wohle des deutschen Volkes. Doch dann konnten alle in den Zeitungen minutiös nachlesen, wie Martin Schulz und die Seinen eine ganze Nacht lang nur um Posten und Pöstchen pokerten und nicht um eine bessere Politik rangen zum Beispiel für Arbeitnehmer, Rentner, Mieter oder Patienten.“

aus: Der erste Wahlverlierer ist gefallen / Cicero

„Stundenlang habe man sich angeschwiegen, selbst Ministerpräsidenten hätten sich irgendwann in der Nacht irgendwo auf den Boden gelegt und geschlafen, während andere noch am Tisch gesessen und weiter geschwiegen hätten. Wenn es stimmt, was CSU-Chef Horst Seehofer über den Ablauf der Koalitionsverhandlungen in Berlin erzählt, dann haben wir es nicht mehr mit verantwortungsbewusst handelnden Menschen, sondern mit einer Selbsterfahrungsgruppe zu tun, deren psychisch schwer gestörte Teilnehmer sofort in ärztliche Behandlung gehören und nicht auf die Regierungsbank im Reichstagsgsgebäude.“

aus: Selbsterfahrungsgruppe Reichstag / Die Kieker

Sixtus Tweet

Claudia am 29. Januar 2018 — 7 Kommentare

Da haut mich einer einfach um!

Hätte nicht gedacht, dass mir mal sowas zustößt! Ich bin die Unauffälligkeit selbst, wenn ich so an einem Winternachmittag unter trübem Himmel gedankenversunken meiner Wege gehe. Heute führte mich dieser Weg – wie jeden Sonntagnachmittag – ins Kreuzberger Bergmannkiez. Gedankenverloren bog ich in eine Nebenstraße der Bergmannstraße ein. Die Gegend kenne ich in- und auswendig, denn 20 Jahre war das meine Berliner Heimat. Vielleicht ein Grund mehr, nicht besonders aufmerksam auf irgendwelche Mitmenschen zu achten. Bei diesem miesen Wetter ist sowieso kaum jemand unterwegs.

Plötzlich trifft mich ein heftiger Schlag von rechts, der mich sofort zu Fall bringt. Ich knalle aufs Pflaster, kann mich aber mit den Händen abfangen. Schlage zum Glück nicht mit dem Kopf an die Hauswand, doch meine Knie schürfen übers harte Pflaster. Das merke ich allerdings erst später, denn noch bin ich völlig perplex. Ja Himmel, was ist denn hier los?

Ich rapple mich auf und sehe: ein offensichtlich wütender Um-die-30, der mich auch noch anpöbelt, während ich noch immer mehr erstaunt bin als erzürnt. Im vollen Bewusstsein, selbst keinen Anlass zu dieser Gewalttätigkeit gegeben zu haben, erlebe ich das ganze eher wie einen Film: betrifft mich nicht persönlich, bin nur zufällig Opfer dieses Zorns, der vermutlich ganz andere Gründe hat. Und passiert ist mir ja auch nicht viel…

„Spinnst du?“ sag ich dann doch noch.
„Was torkelst du hier auch so besoffen daher…!“
„Ich bin völlig nüchtern“, sag ich, anstatt mich endlich in eine korrekte Gegenaggression reinzusteigern. Langsam wundere ich mich selbst, warum das nicht passiert. Der Typ wirkt weiterhin, nun ja, „gewaltbereit“, ich hab‘ aber mit sowas keine Erfahrung. Dafür auch null Angst. Was ist nur mit meinem Gefühlsleben los?

WAS FÄLLT IHNEN EIN? DAS GEHT GAR NICHT! WIR HOLEN DIE POLIZEI!

Das bin nicht ich, die ich noch ganz damit beschäftigt bin, zu realisieren, dass mich ein XY „einfach so“ auf der Straße nieder schlägt. Vielleicht weil ich ihm nicht rechtzeitig ausgewichen bin? Sehr nah kann er nicht gewesen sein, denn auch wenn ich mit den Gedanken ganz woanders bin (und nicht etwa aufs Smartphone starre!), laufe ich normalerweise nicht in Leute rein. Die Straße bzw. der Gehsteig ist doch auch wirklich breit genug:

in Kreuzberg

WIE GEHT ES IHNEN? SIND SIE OK?

Ein Paar, auch so um die 30, hatte alles mitbekommen, da sie ein paar Meter hinter mir gelaufen waren.

Ich stand nun wieder aufrecht, klopfte mir den Staub von den Knien und murmelte: „Danke, alles ok! Keine Umstände bitte…“ –

ICH HOL JETZT DIE POLIZEI, DAS GEHT JA GAR NICHT
DASS DER EINFACH EINE FRAU UMHAUT…
SOWAS KANN MAN NICHT EINFACH HINNEHMEN..!

Die beiden steigern sich da richtig rein, jedenfalls ist das mein Eindruck. Inhaltlich muss ich ihnen allerdings recht geben. Es stimmt ja: Wir können und sollen es nicht einfach hinnehmen, dass Leute „einfach so“ im öffentlichen Straßenland übergriffig und sogar gewalttätig werden. Und jetzt bin halt zufällig ich das Opfer und kann die beiden doch nicht einfach stehen lassen mit ihrem beispielhaften Engagement!

Ich, das Opfer! Und als solches gleich mit Pflichten. Beides ist mir verdammt neu und gewöhnungsbedürftig, deshalb reagiere ich insgesamt eher schleppend. Merkt zum Glück niemand, die kennen mich ja nicht.

Der Aggressor steht noch immer aufgeblasen da und pöbelt – jetzt im Streit mit dem Mann, der die Polizei holen will – weiter. Es geht alles so schnell, dass ich die laufenden Wortwechsel nicht referieren kann. Übrigens ist er blond und blauäugig, spricht Deutsch wie du und ich – kein Fitzelchen Migrationshintergrund!

Entschuldigen Sie bitte – offensichtlich hat er geschnallt, dass die beiden ihm tatsächlich Schwierigkeiten machen könnten und will die Kuh vom Eis haben. Dabei schaut er mich immer noch aus hoch rotem Kopf an, als sei ich schuld an seinen Ausrastern. Ist mir egal, ich winke beschwichtigend mit der Hand, wegen mir könnte mit alledem jetzt gerne Schluss sein. Schließlich bin ich auf dem Weg zu einem guten Freund, um mit ihm in bewährter Manier einen schönen Sonntag mit Yoga, gutem Essen und Tatort zu verbringen.

Der Rabauke macht nun Anstalten, abzuhauen. Das will der Kämpfer gegen unzivilisiertes Verhalten allerdings nicht zulassen und folgt ihm. Die beiden tanzen umeinander, geraten ein wenig aneinander und wieder auseinander – es ist (noch?) kein echtes Kämpfen, nur ein Verfolgen, bei dem auch der Verfolgte, ehemals Agressor, immer noch so tut, als hätte er die Macht und müsse nicht rennen.

Mit dem weiblichen Teil des engagierten Paars bleibe ich zurück. Wir warten fünf Minuten, während deren Verlauf ich nachfrage, ob ich irgendwie auffällig gelaufen wäre – man weiß ja nie! Sie versichert mir, dass ich weder torkelte noch Schlangenlinien zog, sondern ganz normal gelaufen sei.

Das ist auch mein Gefühl. Aber hey: Shit happens – auch wenn du nix dazu tust!

***

Wir tauschten dann noch Telefonnummern aus für den Fall, dass meine weitere Mitwirkung als Opfer gebraucht würde. Meine Sorge, der Gewalttäter könne ihrem Mann eventuell gefährlich werden, konnte sie beruhigen:

20 Jahre Kampfsport. Da mache ich mir keine Sorgen!

Bei meinem Freund angekommen und nurmehr in Leggins checkte ich noch meine schwarze Jeans: Links ein Loch im Knie, die Hose ist hin. Hat 30 Euro gekostet, nicht die Welt, aber es ärgert mich trotzdem. Dreissig Euro Sachschaden wegen dieses Spinners!

Aber NOCH MEHR kann ich mich drüber ärgern, dass solche Hosen vor 30 Jahren wegen eines einzigen Sturzes aufs Plaster nicht gleich kaputt waren.
Was für eine versch(r)obene Emotionalität!

Claudia am 24. Januar 2018 — 6 Kommentare

Der bessere Talk: Schaut doch mal PHOENIX-Runde, z.B. jetzt zur #Groko

Talkshows werden vielfach kritisiert, teilweise in Grund und Boden geschimpft: Kindergarten-Gezänk, Show-Charakter, oberflächliches Themen-Hopping, wahlweise zu willfährige oder zu unverschämte Moderatorinnen – all das meint die Mainstream-Talkshows Anne Will, Maischberger, Maybritt Illner et al und hat seine Berechtigung. Weiter → (Der bessere Talk: Schaut doch mal PHOENIX-Runde, z.B. jetzt zur #Groko)

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