Thema: Weltgeschehen

Claudia am 21. Dezember 2018 — 3 Kommentare

Lügenpresse? Nein, Märchenpresse!

Eine kleine Sammlung wichtiger Texte über das „Geschichten erzählen“ im Journalismus. Plus weiteres Material rund um den Märchenerzähler #Relotius, der zuverlässig geliefert hat, was heute als preiswürdiger Journalismus gilt.

Mich berührt dieses Journalismus-Gate sehr, weil ich mir ernsthaft Sorgen mache, wem man eigentlich noch irgend etwas glauben kann. Allerdings: jenen, die ständig so lautstark „Lügenpresse“ rufen, trete ich nicht bei. Denn ihnen geht es auch nicht um Fakten oder gar Wahrheit, denn ihre radikal daher schimpfenden Bubble-Medien verletzen die Grundwerte korrekter Pressearbeit oft weit mehr als die gescholtenen „MSM“. Zudem kann man auch in der aktuellen Debatte erkennen, dass es noch viele engagierte Journalistinnen und Journalisten gibt, die beim #Journalismuserneuern gerne dabei wären. Ihre Namen wird man sich in Zukunft merken müssen, wogegen die Namen der Medien, die „Marken“, zunehmend irrelevant werden, wenn es um Vertrauen geht.

Und nun zu den Texten: Weiter → (Lügenpresse? Nein, Märchenpresse!)

Claudia am 20. Dezember 2018 — 2 Kommentare

Wort des Tages: Tatsachenfantasie

Der SPIEGEL legt offen – und Ullrich Fichtner erzählt:

„So lässt sich sagen, dass Claas Relotius, 33 Jahre alt, einer der auffälligsten Schreiber des SPIEGEL, ein bereits vielfach preisgekrönter Autor, ein journalistisches Idol seiner Generation, kein Reporter ist, sondern dass er schön gemachte Märchen erzählt, wann immer es ihm gefällt. Wahrheit und Lüge gehen in seinen Texten durcheinander, denn manche Geschichten sind nach seinen eigenen Angaben sauber recherchiert und Fake-frei, andere aber komplett erfunden, und wieder andere wenigstens aufgehübscht mit frisierten Zitaten und sonstiger Tatsachenfantasie. Während seines Geständnisses am Donnerstag sagte Relotius wörtlich: „Es ging nicht um das nächste große Ding. Es war die Angst vor dem Scheitern.“ Und „mein Druck, nicht scheitern zu dürfen, wurde immer größer, je erfolgreicher ich wurde.“

aus: SPIEGEL legt Betrugsfall im eigenen Haus offen

Ein Drama – und für mich kein Grund zur Häme. Eher für Mitgefühl… sogar mit Claas Relotius selbst, der hier publizistisch vernichtet wird. Und zwar mittels demselben Bilder- und metaphern-reichen Story-Telling, das die Journalistenpreise nur so regnen lässt! Das haben auch die „Salonkolunmisten“ bemerkt und gar köstlich angeprangert: Weiter → (Wort des Tages: Tatsachenfantasie)

Claudia am 26. November 2018 — 4 Kommentare

Klassenkampf von oben: Geht doch backen nachts um halb eins!

Da sitzen sie also zusammen bei Anne Will und diskutieren, wie es mit den zu Recht in Verruf geratenen Hartz4-Sanktionen weiter gehen soll:

  • Jens Spahn (Gesundheitsminister) steht zum derzeitigen System und will höchstens bei 57plus ein wenig moderater werden beim „Fordern“.
  • Lars Klingbeil (SPD-Generalsekretär / Seeheimer Kreis) prophezeit riesige Jobverluste durch Digitalisierung, will aber nur hier und da ein bisschen Bürokratie abbauen, vielleicht in einigen Härtefällen und bei Jugendlichen etwas weniger sanktionieren, ist aber ansonsten mit Spahn („Druck erhalten“) recht einig.
  • Die Abschaffung von Hartz4 fordert Sahra Wagenknecht (Die Linke), die das immer wieder zitierte „Lohnabstandsgebot“ durch höhere Mindestlöhne erreichen will. Dass Menschen gezwungen würden, unterbezahlte Jobs und sogar Leiharbeit anzunehmen, habe zu einem riesigen Niedriglohnsektor geführt. Denn nach Hartz4 sei „zumutbare Arbeit“ – anders als früher – heute „jede Art Arbeit“, ungeachtet der bisherigen Qualifikationen. Der Staat mache sich so mitschuldig an der zunehmenden Tarifflucht und daran, dass viele von ihrem Einkommen nicht mehr Leben können und keine auskömmlichen Renten entstehen.
  • Noch radikaler dann Michael Bohmeyer vom Verein „Mein Grundeinkommen“: Er schwärmt vom motivierenden Schub, den ein bedingungsloses Grundeinkommen für Arbeitende wie Arbeitslose bedeute: Wer sich abgesichert fühle, mache sich daran, in einer selbst gewählten Arbeit oder Selbstständigkeit zwanglos Einkommen zu erwirtschaften.

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Claudia am 04. November 2018 — 5 Kommentare

Geht gar nicht: Von Trump geträumt

Verdrängung ist auch nicht das Wahre. Seit Wochen ignoriere ich große Teile der Weltpolitik, weil ich keinen Sinn darin sehe, mich ständig folgenlos aufzuregen. Ja, folgenlos, denn was kann ich schon machen gegen Trumps Handelskriege, gegen absurde Sanktionspolitiken, Aufrüstung und ständige Hass-Tiraden gegen lateinamerikanische Flüchtlinge? Weiter → (Geht gar nicht: Von Trump geträumt)

Claudia am 30. Oktober 2018 — 4 Kommentare

#Merkelgehtweg

Wirklich überraschend war das nicht. Für Merkel war der Montag nach der Hessenwahl der letzte Termin, um halbwegs selbstbestimmt ihren Rückzug einzuleiten. Dass sie auch gleich ankündigt, nach ihrer Kanzlerschaft kein politisches Amt mehr anzustreben, hab‘ ich so erwartet. Ich glaube, sie hat so richtig die Nase voll vom politischen Geschehen, und auch vom extrem hohen Maß an Arbeitseinsatz und Selbstdisziplin, das sie über viele Jahre bringen musste, um den eigenen Ansprüchen an die Kanzlerschaft gerecht zu werden.

Angela MerkelZweifellos hat Angela Merkel die CDU modernisiert, so sehr, dass auch Linke und Grüne sich oft genötigt sahen, sie gegen ihre Feinde zu verteidigen. Nach Kohl war sie die reine Erholung, in vieler Hinsicht, ich will jetzt gar nicht in die Einzelthemen einsteigen. Ihre zurückhaltende, sachliche Art, die viele als „mangelnde Führungskraft“ brandmarkten, vermittelte auch eine Atmosphäre der Gelassenheit: ja, es gibt Probleme, aber das wird schon, wir arbeiten daran! Weiter → (#Merkelgehtweg)

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