Claudia am 25. Dezember 2016 — 3 Kommentare

Mal was zu Weihnachtsliedern, mit Beispielen

Den optimalen Zeitpunkt hab‘ ich natürlich verpasst, aber heute gilt es ja auch noch: Ich wünsch Euch allen frohe Weihnachten, fröhliche Feste oder entspannte Tage, wenn Ihr zu den Jahresendzeitmuffeln gehört! :-)

Gestern wollte ich eigentlich noch arbeiten, hab‘ mich dann aber doch von der Weihnachtsstimmung erfassen lassen. Aus meiner seit den Teeny-Jahren andauernden Anti-Haltung (böses Konsumterror-Fest!) bin ich ja lange rausgealtert und genieße die ruhigen Tage: weder erwarten Kunden etwas von mir, noch hab‘ ich familiäre Verpflichtungen, die diese Zeit strukturieren, noch fühl ich mich einsam, wie es von Menschen erwartet wird, die den „heiligen Abend“ allein zuhaus verbringen. Einfach mal nichts tun, bzw. nichts Nützliches tun sollen – die kollektive Auszeit verschafft mir einen Freiraum, der rein individuell nicht herstellbar ist. Danke Weihnachten!

Nach einem „Friede den Gärten“-Beitrag im Gartenblog und ein bisschen Blogroll-Surfen kam ich auf die Idee, mal nach Weihnachtsliedern zu schauen, die ich gerne höre. Medial schallt es ja aus allen Kanälen, aber das meiste finde ich schier unerträglich. Soviel Kitsch, zuckersüßer Schmalz, Weinachtspathos ohne Ende – mir kräuseln sich die Fußnägel! Dagegen helfen keine rationalen Überlegungen, kein „Gönnen-Können“, es gruselt mich einfach, wenn gestandene Erwachsene so bemüht weihnachtsromantisch daher singen.

Dennoch gibt es ein Liedgut, das mir ohne diese Gefühlsirritationen einfach so zu Herzen geht: italienische Kinderchöre. Hier zum Beispiel mit einem klassischen italienischen Weihnachtslied, das in seiner Gemütlichkeit zum Ohrwurm geraten kann:

Immer noch tausendmal angenehmer als dasselbe von Helene Fischer!

Dass ich sowas ohne innere Widerstände hören kann, hat damit zu tun, dass in meiner Herkunftsfamilie ein Tonband (=altertümlicher Tonträger) voller italienischer Weihnachtslieder existierte. Nach dem obligatorischen Absingen von „Oh du Fröhliche“ und der Beschallung mit deutschen Weihnachtsliedern während der „Bescherung“ kam zu späterer Stunde der Italia-Sound – schließlich verbrachten wir jeden Sommer den Familienurlaub dort und mein Vater pflegte ein feuchtfröhliches Italien-Fan-Tum, durchaus auch am heiligen Abend. Die Peinlichkeit der Rituale eines aufgesetzten Familienfriedens, die ich so ab 13 überdeutlich spürte, wich dann langsam von mir.

Abgesehen von der persönlichen Historie spielt bei meiner Präferenz für von Kindern gesungene Weihnachtslieder auch mit, dass das ganz normale Singen im Alltag bei Erwachsenen seit dem „tausenjährigen Reich“ praktisch ausgestorben ist. Wir lassen nur noch singen, mal abgesehen von jenen, die Singen als Hobby betreiben. Und klassische Weihnachtslieder sind nun mal Volkslieder, die nehme ich anders wahr als x-beliebige sonstige Musik mit Stimme. Zu den Kindern passt auch diese ungebrochene Weihnachtsbegeisterung, wogegen ich das den Erwachsenen einfach nicht abnehme.

Hier noch ein Lied aus der Italia-Reihe. Kindern verzeihe ich auch mal einen leicht schmalzigen Touch, wenn dann die Rede beginnt, geht’s wieder:

Beim Stöbern auf Youtube fand ich dann auch diese beiden Mädels, die Stille Nacht, heilige Nacht“ auf Russisch darbieten und ganz offensichtlich großen Spaß an ihrem „großen Auftritt“ mit allem Schnickschnack drumrum hatten:

Da ich nun schon mal dabei war, stöberte ich nach weiteren Weihnachtslieder in der Kategorie „schmerzfrei hörbar“. Dank der Einigung von Google und GEMA geht das deutlich besser als letztes Jahr. 2016 hat eben auch hier und da was Gutes gebracht!

John Lennons „John Lennon -„Happy Xmas (War Is Over)“ ist nach Ende des Vietnam-Kriegs entstanden und wird ganz unterschiedlich visualisiert auf Youtube zu Gehör gebracht. Hier die harmlose, Weihnachtsstimmungs-kompatible Version:

Dazu schreibt der Einsteller:

„Other videos seem to have war pictures, famine, sadness and the like. John Lennon’s Happy Christmas is about peace, love, and happiness. Let’s try to embrace that and not focus on the atrocities.“

Wer starke Nerven hat, kann sich das eindrucksvolle Offical-Video ansehen, das die grässliche Realität des Kriegs vor Augen führt. Leider ist der Krieg nicht für immer zu Ende gegangen und heutige Bilder wären nicht weniger furchtbar.

Verfremdung hilft

Weiter: Verfremdung ist auch ein Mittel, um den gängigen Weihnachtspathos zu umschiffen. Hier „Kommet Ihr Hirten“, wunderschön a capella gesungen von der „Hörband“:

Auch der Ort der Aufführung spielt eine Rolle. So kann ich auch „ernsthaft gesungene“ Lieder gut ab, wenn sie in ungewohntem Rahmen stattfinden. Wie bei den (unechten) Flashmobs auf Bahnhöfen, hier mit dem WDR-Kulturmob:

Mittlerweile ist das vermeintlich spontane Singen auf Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen ja nicht mehr wirklich irritierend. EDEKA hat sich da was wirklich Neues einfallen lassen:

Ein Weihnachtslied meiner Kindheit, das ich wegen seines „neutralen“ Textes noch lange selbst auf der Gitarre spielte: „Es ist für uns eine Zeit angekommen“ besingt vor allem den Schnee, der an Weihnachten ja meist fehlt. Es erinnert mich an meine Mutter, die es uns gerne vorgesungen hat, mit ein paar Gitarren-Akkorden begleitet. Neben der klassischen Version (hier ein Kinderchor) beeindruckt diese Version:

Ganz allein gesungen, vierstimmig a capella – schon toll! Hier die Geschichte des Lieds, das ursprünglich ein Sternsingerlied aus der Schweiz war. Der „weltlichere Text“ ohne christliche Bezüge, mit dem es bis heute gesungen wird, ist zur Nazi-Zeit entstanden.

Mega-Kitsch und ein neues Weihnachtslied

Eine Fundsache aus dem Jahr 1954 möchte ich Euch noch zeigen, die so kitschig ist, dass es heut schon wieder als ansehbare „Verfremdung“ durchgeht – wenn auch nicht wirklich ans Herz:

Wie es klingt, wenn jemand versucht, ein „neues Weihnachtslied“ zu erschaffen, „frei von öberhöhtem Kitsch oder heiligem Ballast“:

Gewünscht und Wunsch erfüllt in einem. Gar nicht mal schlecht!

***

Zum Schluss dieser Weihnachtslieder-Betrachtung nochmal das Lied der Lieder – und zurück zum italienischen Kinderchor:

Leider funktioniert das Stoppen per Code nicht mehr, danach geht es mit nervigen Jingle Bells weiter….

Ich wünsch Euch wunderschöne Weihnachtstage!

Diskussion

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3 Kommentare zu „Mal was zu Weihnachtsliedern, mit Beispielen“.

  1. Danke für diesen Beitrag, zumal in dem Jahr, als George Michael nun wirklich sein „Last Christmas“ hatte. Musik ist unheimlich wichtig (nicht die endlose Kaufhausmusik) und gerade jetzt mit Kind entdecke ich das wieder neu.

    Dieses Jahr stehe ich voll auf J. S. Bach, insbesondere die Sonate No. 4 in C Minor aber auch dieses Minimalistische seiner Klavierstücke hat es mir angetan.

    Ich wünsche noch entspannte Tage „zwischen den Jahren!“

  2. Schrecklich. Diese Links auf grässliche Weihnachtssongs. Hast Du wenigstens am 24. um 20 Uhr einen Joint gehabt.?

  3. Wär dem so, würde ich das sicher nicht hier hinschreiben!

    Aber hey: wirklich alles „schrecklich“? Warum?

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