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Claudia Klinger am 17. März 2011

Energie sparen und Oberarme trainieren: die Handkaffeemühle

Ingo schrieb in den Kommentaren zum letzten Artikel

“Es gibt auch ‘ne einfachere Variante:
Kühlschrank still legen.
Geschirrspüler, Wäschetrockner, Fön, “Toaster” und all die vielen Konsumdinger, die “das Leben leichter machen” kritisch im eigenen Haushalt begutachten. Jedes Gerät einen Tag lang mit einem Messgerät überwachen, Verbrauch ermitteln und dann: still legen auf was man “freiwillig im Dienste des Weltfriedens” verzichten (kann) will.”

Das gibt mir die Gelegenheit, hier mal meine neueste Errungenschaft in dieser Hinsicht vorzustellen:

Die Handkaffeemühle.

Das ist ein Vorkriegsmodell, das ich bei Ebay ersteigert habe. Sie erinnert mich an meine frühe Kindheit, auch meine Großmutter hatte so eine. Ich kann sie so einstellen, dass sie die für meine klassische italienische Espresso-Kanne (eine große für 9 Tassen!) genau richtige Korngröße zustande bringt. Allerdings muss man dafür mehrere Minuten kurbeln und die Mühle dabei fest auf die Unterlage drücken, was man in den Oberarmen durchaus spürt! Wahlweise kann man im Sitzen mahlen und sie zwischen die Schenkel klemmen – auch das spüren etliche Muskeln recht deutlich als “Arbeit”.

Auf die Idee war ich gekommen, als das vorherige Elektro-Modell den Geist aufgab. Überall wird doch zu “mehr Bewegung im Alltag” geraten. Und es ist ja tatsächlich ein bisschen pervers, wenn ich einerseits zu Kieser gehe und dort auf äußerst elaborierten Geräten widerwillig schlaffe Muskeln trainiere, andrerseits aber jede kleine Anstrengung im täglichen Leben vermeide!

Die Mühen der Ebene

Es mag den Lesern total marginal vorkommen, zweimal am Tag ein paar Minuten Kaffee zu malen – aber schon DIESE KLEINIGKEIT kostet anfänglich einige Überwindung. Erstmal freute ich mich natürlich über das neue alte und wie ich finde hübsche Gerät. (Man gucke sich nur mal die sorgfältig verzahnten Ecken an! Sowas gibts in der heutigen Welt der “Produkt-Optimierungen” nicht mehr!).

Alsbald nervte es dann aber doch, mich auch nur wenige Minuten so einer körperlich-mechanischen Verrichtung zu widmen, wenn ich Kaffee haben wollte. So ein Tun unterscheidet sich doch sehr von den anstrengungslosen Mausklicks, mit denen ich “gefühlt” viel bewirken kann. (Dass dieses “Rumklicken” alles andere als unschädlich ist, hatte ich allerdings schon leidvoll erlebt.). Ich dachte daran, mir wieder eine “Elektrische” zuzulegen, doch rettete mich meine Faulheit und Aufschieberitis in Sachen “Besorgungen machen” über diese Anpassungsprobleme hinweg.

Selber Kaffee malen: Sparsam, sportlich, meditativ

Mittlerweile hab’ ich mich dran gewöhnt, male routiniert und schnell die nötige Menge, wechsle dabei auch mal die Halte- bzw. Kurbelhand, damit beide Oberarme was davon haben – und nutze ansonsten die kurze Zeit, um ein wenig den Kopf frei zu bekommen und “mich zu sammeln”.

Kaffee selbst zu malen spart nebenbei gesagt auch wirklich jede Menge Geld. Ein Kilo Bohnen kostet unter 10 Euro, gemalener Kaffe ist deutlich teurer, gar nicht zu reden von so Sachen wie “Pads”, die für Kaffeemaschinen verwendet werden. Damit kostet der Espresso dann fast soviel wie im Restaurant!

Der Energie- und Rohstoffspareffekt dieser Art der Kaffee-Zubereitung kann sich wie ich finde sehen lassen:

  • keine dolle elektrische Espressomaschine gekauft, sondern eine schlichte Mocca-Kanne;
  • keine elektrische Mühle erworben, die Strom braucht und früher kaputt geht als eine mechanische;
  • eine “Gebrauchte” erspart die Herstellung einer neuen Mühle.

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9 Reaktionen zu “Energie sparen und Oberarme trainieren: die Handkaffeemühle”

  1. Susan schreibt:

    *kicher*
    Gute Idee. Macht meine Tante schon von jeher so.
    Frisch gemahlener Kaffee hat auch ein ganz anderes Aroma, allerdings befüchte ich, daß ihc frühmorgens zu dieser Anstrengung einfach nicht in der Lage bin.

  2. limone schreibt:

    die ist ja schön. :-)
    wir hatten in den frühen 80ern eine, damals neu gekauft, mit keramikkörper, die an der wand hing. der kaffee landete in einem kleinen plexiglasbehälter, und, ja, da wusste man ihn plötzlich ganz anders zu schätzen. ;-)

    da krieg ich glatt lust, mir auch wieder eine zu ersteigern.

    (es gibt doch sogar welche, die gleichzeitig musik machen… ?? meine mich zu erinnern…)

  3. Claudia Klinger schreibt:

    @limone: dann achte drauf, dass die Öffnung fürs Einfüllen groß genug ist! Manchen Modellen merkt man an, dass früher jede einzelne Bohne sehr wertgeschätzt wurde…

    @Susan: Sooo schwer ist es nicht!!

  4. ingo schreibt:

    @limone: dann achte drauf, dass die Öffnung fürs Einfüllen
    groß genug ist! Manchen Modellen merkt man an, dass früher
    jede einzelne Bohne sehr wertgeschätzt wurde…

    @Susan: Sooo schwer ist es nicht!!

    wie wärs mit einer erneuten E=mc2 revolution?
    kleinste Kaffebohnen werden gespalten,
    setzen Aroma frei und ihre Splitter reichern
    später Wasser mit Geschmack an.

    Es hat den Anschein, als seien wir das Produkt
    einer langen Reise herunter von den Bäumen ab
    in die Supermärkte, letztendlich geschaffen
    dankbar und kritiklos verschleuderte Energie
    in Form von völlig überfluessigen Luxusgütern
    mit gröstmöglichstem Aufwand zu verbrauchen?

    Durch unseren Hunger nach Verbrauch sichern wir
    den Produzenten die Nachfrage, sind damit -grundsätzlich
    gesehen- mit verantwortlich für die weltweiten ständig
    wachsende Nachfrage nach Energie, möglichst billig
    produziert.

    Der Mensch ist dem Grunde nach faul.
    Produzenten wie Verbraucher.
    Was sollte also einen Energieproduzenten (wie bspw.
    Kernkraftwerksbetreiber) davon abhalten stets den
    Weg des geringsten Widerstandes zu beschreiten
    und den einmal eingeschlagenen weg “Kernkraftwerk”
    stur einzuhalten, wenn auch mal das ein oder andere
    kollaterale Missgeschick andere Dinge behaupten?

    Es war ein langer Weg von E.Fermis ersten
    Geistesblitzen über die steinigen Pfade wissenschaftlicher
    Ignoranz, politischer Inkompetenz, Bestechlichkeit,
    persönlicher Eitelkeiten (Otto Hahn/Meitner),
    langwieriger Lobbiistenarbeit, Milliarden Geldeinheiten
    Entwicklungskosten bis zum ersten AKW -angefertigten
    Kilowatt. Warum auf eine solche Geschichte verzichten?
    Ich vermute Produzenten werden erst dann auf andere
    Produkte umsatteln wenn das ursprüngliche produkt
    Nicht mehr in ausreichender Menge nachgefragt wird.

    Das könnte eine Kaffebohne, handgemahlen, durchaus
    als Symbol einer Zeitenwende charakterisieren.
    fehlt nur noch regenerativ hergestellte Energie zum
    kochenden Wasser und den andern benötigten Utensilien
    (Kaffetasse, löffel, Tisch, Haus etc) und fertig ist die
    schöne neue welt.

    (und es würde wieder sinn machen, Tischlerlehrlingen
    das Zinken beizubringen)
    zitat:
    Man gucke sich nur mal die sorgfältig verzahnten Ecken an!
    Sowas gibts in der heutigen Welt der “Produkt-Optimierungen”
    nicht mehr!.
    zitat ende.

    gruss ingo

  5. Ille schreibt:

    Das wäre ja mal ein neues Geschäftsmodell: solche alten handbetriebenen Produkte in modernem Look und mit neuer Technik verkaufen.

  6. myrna schreibt:

    hallo Claudia :-)
    Deine Kaffemühlengedanken möchte ich weiterspinnen oder vielmehr ausdehnen auf die seit einiger Zeit angebotenen Dynamo-Lampen-Radios, die in Katastrophengebieten sehr sinnvoll eingesetzt werden könnten. Ich besitze selber eines und finde diese Kombigeräte, womit sogar Handys aufgeladen werden können als absolut genial. Bestimmt werden solche auch in Japan produziert und sollten jetzt eigentlich dort nebst all den anderen Notwendigkeiten grosszügig verteilt werden! Es würde ganz bestimmt nicht nur den Informationsstand der Betroffenen anheben können, sondern auch die trostlose Grundstimmung. – Bloss: wo anpacken, damit sowas in Gang gesetzt werden kann??

  7. Claudia Klinger schreibt:

    Hi Myena,

    aus unerfindlichen Gründen war dein Kommentar im Spam gelandet – sorry!

    Dynamo-Radios gibts, sogar bei Amazon und Ebay. Nur der Bedarf scheint gering… aber ich überlege, mir eins zuzulegen, so als Vorsorge, falls mal der Strom ausfällt!

    Den Japanern mit diesen Geräten zu kommen, würde jetzt wohl eher deprimieren als helfen.

  8. myrna schreibt:

    Mein Gedanke war, dass es in dieser Lager-Situation nebst Isolation keinen Strom gibt und diese Radio-Lampen Kombination mehrere Funktionen erfüllen könnte. Natürlich sollten diese kostengünstigen kleinen Geräte nicht über ebay oder sowas bezogen werden, sondern in Japan selber!
    Mein ‘Kick’, wenn Du so willst, ist, dass niemand an sowas denkt, weil die Primärbedürfnisse natürlich im Vordergrund stehen, und dennoch wäre es meiner Meinung nach nicht nur eine Hilfe, sondern mehr. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich persönlich in einer vergleichbaren Situation so etwas zu schätzen wüsste.

  9. Kreatives Stromsparen: Die Hochdusche oder lass Wasser fließen schreibt:

    [...] positive Nebeneffekte, z.B. als alltägliches Fitnesstraining, wie das Benutzen einer manuellen Kaffeemühle oder auch eines Spindel-Rasenmähers. Gleichzeitige verringern diese Alternativen auch die [...]

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