Claudia am 19. November 2009 — 1 Kommentar

Kleine Medienlese zwischendurch: Streetart, Information-Overflow, Leistungsschutzrecht

Also ich finde den aus ein bisschen Pappe mal eben gebastelten „starken Baum“ am Kottbusser Tor in Berlin Kreuzberg künstlerisch wertvoller als den „Pimmel über Berlin“, mit dem sich die TAZ aufwändig und formatfüllend ihre Richtung Springer-Gebäude zeigende Ostwand verzieren ließ. Zwar darf Satire alles, na klar, aber damit haben sich die TAZler einen Schuss ins eigene Knie verpasst: der Gegner wird sich freuen, dass seine „Lieblings-Linken“ nun täglich unter seinem Gemächt durchgehen müssen, wenn sie zur Arbeit gehen – ein echter Flop!

Schirrmachers Kopf kommt nicht mehr mit

Dass Kommentatoren den SPON-Artikel Frank Schirrmachers „Intelligenz und Computer – mein Kopf kommt nicht mehr mit“ als „vor allem anstrengend. Eine Qual, die kein Ende finden wollte“ bezeichnen, bestätigt im Grunde nur, was er schreibt:

„Informationen fressen Aufmerksamkeit, sie ist ihre Nahrung. Aber es gibt nicht genügend Aufmerksamkeit für all die neuen Informationen, nicht einmal mehr in unserem eigenen persönlichen Leben. Unsere Köpfe sind die Plattformen eines Überlebenskampfes von Informationen, Ideen und Gedanken geworden, und je stärker wir unsere eigenen Gedanken in das Netz einspeisen, desto stärker werden wir selbst in diesen Kampf miteinbezogen.“

Der Artikel gibt einen Vorgeschmack auf das diese Woche erscheinende Buch Paybackwarum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen. Darin beschreibt Schirrmacher seine Sicht auf die schier überwältigende Macht der Informationstechnologie und warnt vor den Risiken des Freiheitsverlusts, der entsteht, wenn sich Menschen ganz in ihre eigene Berechenbarkeit fügen. Wie man trotz der Datenflut die eigene Kreativität bewahren kann, soll ebenfalls Thema sein, doch im Vordergrund steht die Kritik, die den Leser zur Selbstreflektion zwingt: Stimmt das allles wirklich so? Lasse ich mich vom Info-Strom und meinen Gerätschaften treiben?

Werden Links genehmigungspflichtig?

Dass sich Netz-User bezüglich der „Holzmedien“ und ihrer Online-Ableger so gar nicht gängeln lassen und lieber per Google, Rivva und Co. gefundene Einzelartikel ansteuern als die „Bündelung“ der Verlage zu goutieren, ist den Verlegern lange schon ein Dorn im Auge. Mit dem Hammer des „Leistungsschutzrechts“ wollen sie ihre alten hohen Profite in die neue Zeit retten: Wer auch nur kurze Ausschnitte aus ihren Artikeln zitiert und verlinkt, soll zahlen – wie genau, damit halten sie noch hinterm Berg, was nichts Gutes ahnen lässt und vielen Spekulationen Raum bietet.

Im schlimmsten Fall wird Zitieren und Verlinken genehmigungs- bzw. kostenpflichtig, was auf eine Beerdigung der Öffentlichkeit, wie wir sie im Netz kennen, nutzen und schätzen hinaus läuft. Auch dieser Beitrag wäre dann aufgrund der Zitate und Links illegal, und Blogs und kleine Medien wären von heute auf morgen verschwunden, denn niemand hätte die Kapazitäten, um all die alten Seiten an die neue Lage anzupassen – sofern überhaupt möglich.

Dass es nicht so weit kommt, ist zu hoffen: so dämlich und hinterweltlerisch kann selbst Schwarz-Gelb nicht sein! Und so wird es wohl auf eine erweiterte VG-Wort, eine Abgabe wie für die GEZ bzw. eine Form der Kulturflatrate hinaus laufen – wir dürfen gespannt sein! Sympathien gewinnen die alten Medien mit derlei Vorgehen jedenfalls nicht. Mal schauen, ob ihnen der Stein, den sie werfen wollen, nicht selber schwer auf die Füße fällt.

Diskussion

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Ein Kommentar zu „Kleine Medienlese zwischendurch: Streetart, Information-Overflow, Leistungsschutzrecht“.

  1. … was kuemmert mich die deutsche Rechtssprechung, wenn ich im Ausland einen Link finde und ihn einsetze. Erwarten die Medienleute allen Ernstes, dass ich mich erst mit ihren Vorschriften und Bedingungen auseinandersetze? Dieses Ansinnen ist so unsinnig wie die amerikanische Post, die glaubte, ihr Defizit wieder zum Verschwinden zu bringen, indem sie per Gesetz durchsetzen koenne, dass fuer jedes elektronische Mail 5 Cents zu bezahlen sei.

    Die Post haette damals besser die neue Zeit erkannt, und sich anstatt auf Briefmarken abzustuetzen, auf die elektronischen Chancen konzentriert.

    Besser mit der Zeit gehen und die neuen Moeglichkeiten nutzen. Eben zum eigenen Nutzen. Das gilt auch fuer die Verlaege. Ich hab kein Rezept, aber sicher werden sie eines finden.

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