Claudia am 17. September 2018 — 9 Kommentare

Gegen den Feminismus der Schwäche – Flaßpöhler bei PRECHT

Ein großartiges Gespräch über „Die Zukunft von Mann und Frau“ lief gestern im ZDF in der Reihe „PRECHT“. Die Philosophin Svenja Flaßpöhler hat sich zur Geschlechterdebatte in einer Weise positioniert, die mir aus der Seele spricht. Schaut es euch doch mal an:

In einer unaufgeregten, aber dennoch engagierten Weise kommen wichtige Streitthemen und kulturelle Entwicklungen der letzten Jahrzehnte zur Sprache: Geschlechtsunterschiede, die Rolle der „Leiblichkeit“, Dekonstruktion / Judith Butler, #Metoo, Abkopplung der Sexualität von der Partnerschaft (Reproduktionstechnik, Cybersex, externe Gebärmütter?), Kapitalismus, Zukunft der Zweierbeziehung, neue Lebensformen und viele mehr.

Auch Autobiografisches fehlt nicht: Sowohl Flaßpöhler als auch Precht sind Kinder feministischer Mütter und erzählen, was das in ihrem Leben bedeutet hat.

Mir ist Flaßpöhler erstmalig im Rahmen der #Metoo-Debatte aufgefallen, denn sie traut sich, gegen die Opfer-Ideologie anzutreten, die vor allem von jüngeren Feministinnen verbreitet wird. Viele der im #Metoo-Kontext aufgeführten Situationen seien doch solche, in denen Frau keineswegs völlig „ohnmächtig“ sei, also ihre Handlungs- und Entscheidungsmacht nutzen sollten, anstatt – typisch für unsere Zeit – vom Staat Einschränkungen der Freiheit zu Gunsten totaler Sicherheit zu verlangen, was Flaßpöhler im Gespräch so beschreibt:

„Vater Staat muss eigentlich die Realität so umgestalten, dass die Frau in ihrerer infantilen, schützenswert kleinen Position keinerlei Gefahr läuft, irgend eine Übertretung erfahren zu müssen“.

Statt dessen plädiert Flasspöhler für die Stärkung weiblicher Potenz – und schert sich wenig um die nie ausbleibenden Vorwürfe des „Victim Blamings“. Mich hat das seit eh und je gestört: jeglicher Versuch über weibliche Möglichkeiten des Widerstands in nervigen Situationen zu sprechen, werden damit gerne abgebügelt (oder als Blogkommentar gar nicht erst frei geschaltet).

Das Gespräch im PRECHT-Format unterscheidet sich von gängigen Talkshows, weil nicht das Herauskitzeln von Widersprüchen im Fokus steht. Es ist sozusagen ein „geschützter Raum“, in dem sich ein Gedankengebäude in aller Ruhe entfalten kann – auch mal was Schönes! Streitgespräche haben wir ja schon mehr als genug.

Svenja Flaßpöhler: Die potente Frau: Für eine neue neue Weiblichkeit (Werbelink)

Diskussion

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9 Kommentare zu „Gegen den Feminismus der Schwäche – Flaßpöhler bei PRECHT“.

  1. Das klingt recht gut, schaue ich mir mal an!

  2. Ja, das war recht spannend.
    In der Minute 42 bis 43 (dann endete das Video) sprach die Philosophin von dem, was sie sich wünscht für die nächsten 20 Jahre.
    Das war – in meinen Augen – recht wenig und recht viel: Selbstbewussteres Auftreten der Frauen.
    Aber da alles immer recht viel Zeit braucht, mehr als man sich wünscht, sind das vernünftige Wünsche.

    Man muß ja auch eines sehen: Das Patriarchat gibt es schon seit Jahrtausenden. Deshalb braucht man unbedingt Geduld.

    Ich denke auch, falls unsere Welt einfach so weitergeht, ohne grössere äussere Katastrophen, daß sich das Geschlechterverhältnis massiv ändern könnte.
    Sex, Kinder gebären, Familie, da könnte grösserer Wandel passieren.
    Natürlich gibt es die steinharte Lehre, die niemand aushebeln kann, daß das Kind im Uterus eine Unmenge „mitbekommt“. Die notwendigen Bakterien, erste Informationen über die Welt, Geborgenheit ect., aber durchaus denkbar, daß man auch das alles abbilden könnte. Irgendwann.

    Wie Du sagst, Claudia, unaufgeregtes Interview. Das Gegenteil: Aufgeregtsein, Schuldzuweisungen ect, wo führt das letzlich hin?

  3. @Gerhard
    .

  4. Da haben sich diese talkshowschwätzer (sorry for that) hohe Ziele gesetzt.
    Immerthin haben sie erkannt, dass ein Mann nicht wissen kann wie es ist, als eine Frau zu empfinden (sinngemäß) und vice versa.

    Länger konnte ich leider nicht zuhören. Das ist Philosophie auf dem Niveau von 12-jährigen. Und es ist nicht nur nicht die halbe Wahrheit, sondern Kinderphilosophie.

    Jemand der sich berechtigter Weise als Philosoph bezeichnet, sollte auch seinen Ronald D. Laing studiert haben und infolgedessen wissen, dass nicht ein einziger Mensch begreifen kann, wie sein Gegenüber ihn wahrnimmt.
    Laing hat das wunderbar in seiner „Phänomenologie der Erfahrungen“ in einem kleinen gelben Reclam Band anno 1973 sehr schön herausgearbeitet…

  5. @Hermann: leider empfinde ich diese Kritik als ziemlich am Thema vorbei. Es hilft nicht, auf Absolutheitsansprüche zu pochen („dass nicht ein einziger Mensch begreifen kann, wie sein Gegenüber ihn wahrnimmt.“), wenn es darum geht, über das umstrittene Thema Geschlechtsunterschiede zu sprechen!

    Dass sich Precht und Flasspöhler hier auf den Konsens einigen, dass es ein anderes Erleben ergibt, ob der Körper von Testosteron oder Östrogen geflutet wird, finde ich gut und richtig. Das betrifft nämlich die meisten Männer und Frauen, woran Abweichungen im Einzelfall nichts ändern.

    Wenn wir uns darauf zurück ziehen, dass kein Individuum mit Fug und Recht über andere irgend etwas aussagen kann, weil man dessen Erleben ja nicht wirklich „von innen“ nachvollziehen kann, können wir uns JEDE gesellschaftlich relevante Diskussion sparen – denn dabei geht es immer um Unterschiede, um Gruppen in unterschiedlichen Situationen und (im Schnitt) auch unterschiedlichem Erleben. Politik wäre allenfalls noch auf Basis algorithmisch in Echtzeit erhobener Statistiken möglich – unvorstellbar und auch nicht wünschbar!

    Dass Precht heute DER Philosoph ist, den man kennt – und nicht mehr Sloterdijk – finde ich gut. Er spricht sehr verständlich über Problematiken, die Menschen in ihrem Erleben vorfinden – ohne elitäres Schäume schlagen, ohne die bei S. durchaus bewundernswerten Wortakrobatiken und Begriffsgewisster. Und: ohne elitäres Gehabe, das jede Kritik und Vertiefung mit Einwänden a la: na, lies du erstmal (beliebige Werke einsetzen)…., bevor du mitreden kannst!

  6. “ ob der Körper von Testosteron oder Östrogen geflutet wird, “
    Das stimmt so nicht, Claudia. Auch Frauen „beziehen“ Testosteron. Ich denke, das weißt Du.

  7. Die Gefahr, @Gerhard, dass es langweilig wird, nehm`ich in Kauf:
    .
    aber sowas von!

  8. Hhm…, meine absolute Zustimmung findet auch besonders dein letzter Absatz zu „DER Philosoph…..“, @Claudia.

  9. @Gerhard: klar weiß ich das. Aber WESENTLICH WENIGER als Männer, ganz ebenso wie Männer wesentlich weniger Östrogen haben als Frauen. Der Unterschied ist gewaltig und relevant fürs Erleben.

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