Claudia am 28. Februar 2001 — 0 Kommentare

Die Suche nach MEHR

Der PC funktioniert wieder. Es ist tatsächlich der größte anzunehmende Unfall gewesen: Motherboard kaputt! Gestern morgen nach Berlin gefahren, Gerät bei INDAT in der Brandenburgischen Straße abgegeben, vier Stunden später wieder abgeholt. Kosten: schlappe 270 Mark und nur 27,- für die Arbeit! Ich weiß schon, warum ich extra so weit fahre…

In den letzten Tagen erreichten mich ein paar Leserbriefe von der Art, die mich besonders zum Weiterschreiben motivieren. Offensichtlich sind „da draußen“ Menschen, die mein Geplauder nicht langweilt – schon ein Wunder, wenn man bedenkt, dass es hier keine „Linie“ gibt, kein festes Thema, keine intimen Enthüllungen und nur selten eine richtig agressive Hetzrede auf die Übel der Welt. Wenn ich von den Mails ausgehe, lesen hier gerne Menschen, die nach einem Sinn suchen, die MEHR erwarten, als nur die Chance, bzw. die Last, in dieser Welt ein nützliches Rädchen sein zu dürfen.

1000 Tipps fürs richtigere Leben

Diesen Impuls teile ich, mein ganzes Leben lang schon. Allerdings bin ich im Lauf der Zeit von allen – einfachen und schwierigen – Rezepten abgekommen. Vom „Dagegen sein“ auf Teufel komm raus genauso, wie vom besser, anders, oder auch all-ein-sein wollen. Selbst das Drin-sein hat mich enttäuscht :-) Versuchsweise hab‘ ich die verschiedensten Weltanschauungen ausprobiert, einschließlich kurzfristiger Ausflüge in die jeweiligen Welt- und Selbstverbesserungssysteme. Werde glücklicher Vegetarier, meditier dich zur Erleuchtung, faste dich fit & gesund, denk‘ dich positiv zum Erfolg, sei hier & jetzt, sprich mit deinem inneren Kind, achte auf die Träume, sieh‘ zu, daß du dein Ego los wirst, schau auf deinen maschinenhaften Verstand, befrei‘ dich aus der „Blase der Wahrnehmung“ und folge den Worten des Lehrers, denn alleine bist du nur eines: falsch!

Trotz dieser eher zum Schmunzeln anregenden Aufzählung bin ich allen Einflüssen und allen lebenden und nicht-mehr-lebenden Menschen dankbar, denen es gelungen ist, mich für kurz oder länger von den eingefahrenen Pfaden der Gewohnheit abzulenken. Immer habe ich etwas gelernt, wenn auch oft nicht das, was ich „nach Voschrift“ hätte lernen sollen. Macht aber nichts, im Gegenteil, das ist der Kern der Sache: Endlich einmal bemerken, dass man sich das Leben nicht abnehmen lassen kann! Es ist zwar richtig, daß wir zunächst in übernommenen Konditionierungen mehr oder weniger fest stecken. WOHIN wir aber, ihre Umklammerung lockernd, aufbrechen sollen, kann uns niemand sagen.

Fremde Himmel

Wer als Kleinkind noch in die christliche Kirche eingeführt wurde, wird sich erinnern: Das vorgegebene Ziel war DER HIMMEL. Hatten wir aber je Gelegenheit, selbst zu entscheiden, ob wir dahin wollen? Auch später ist man dann aus purer Frustration, aus Verzweiflung oder Langeweile heraus allzu bereit, fremde Erlösungs- und Paradiesvorstellungen anzunehmen, seien sie nun in einem Jenseits, im Absoluten, oder etwas new-age-gemäßer im „hierjetzt“ angesiedelt. Die Suche nach dem „mehr“ verbindet sich allzu schnell mit dem Streben nach Anerkennung bei Anderen (wir sind halt Primaten!), das je Eigene gilt als nichts, als das Falsche – und der Markt hat das gut erkannt. Die Buchläden sind voll von Ratgebern, wie man besser, tiefer, glücklicher, schöner, zufriedener und faltenfreier leben kann. Bis vor einigen Jahren hab‘ ich ganze Regalmeter von Erbaulichem verschlungen, viel gesammelte Weisheit und Wirrniss aus 2500 Jahren. Geholfen hat es nichts, wirklich belehrt und verändert hat mich immer nur das Leben selbst. Natürlich ist es gut, zu lesen und dadurch den Raum der Möglichkeiten, den man sich vorstellen kann, zu erweitern. Den Schritt von der Möglichkeit zur Wirklichkeit macht man aber selbst – oder eben nicht.

Es wird gerade soviel geredet und geschrieben über das Zeitalter des Individuums. Das Individuelle scheint sich jedoch darin zu erschöpfen, daß für jeden eine große Auswahl an Lehren & Lehrer zur Verfügung steht, die allesamt eines nicht unbedingt erleichtern: Sich auf sich selbst zu besinnen. Was bleibt denn übrig, wenn ich mal alles beiseite lasse, was ich als Anzustrebendes gehört, gelesen, eingebläut bekommen und freiwillig geglaubt habe?

Und wenn da nichts ist? Schlimmer noch, irgend ein schädlicher, spirituell unkorrekter ungesunder Schrott? Vielleicht so etwas Furchtbares wie „die Sehnsucht nach der nächsten Currywurst mit Pommes und Mayo“ ?

Dafür hab‘ ich ein Rezept! Ehrlich, du kannst es ausprobieren, es wird funktionieren: Gehe tief in die Currywurst hinein! Iß erst eine, dann noch eine, und NOCH eine….

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