Claudia am 09. September 2013 — 2 Kommentare

Furchtbare Erkenntnis: um wirklich etwas zu bewegen, braucht es die ANDEREN.

…und die sind halt alle schier unerträglich anders! Der nicht ganz unbekannte Blogger mspro hat heute eine sehr persönliche Kritik an der Demo „Freiheit statt Angst“ formuliert. Ich hatte, während ich meinen Kommentar dazu schrieb, gar nicht bemerkt, dass das ein mspro-Artikel ist. Bin allein mittels der philosophisch verlockenden Headline „Freiheit statt … was eigentlich?“ über Rivva auf dem Beitrag gelandet, dessen webdesignerische Optik in keiner Weise an frühere mspro-Leseerlebnisse erinnerte. Ein Standardblog wie viele – so sah es aus. Und vom Text her vermutete ich eine sehr verletzte neo-feministische junge Frau und Netzaktivistin, deren Kopf mit allerlei altlinken Memen belastet ist.

Damit lag ich falsch, ja! Aber für die vermittelten Inhalte, die mir auf der Seele brennen, ist das letztlich egal. Es geht um Tabus und historisch-bedingte moralische Begriffe-Zensur, um altlinke Meme und deren verdientes Ende.

Zur Doku und evtl. zum mitdiskutieren (hier oder dort) bilde ich das Geschriebene mal eben ab:

Schließe mich @soulless an. Wie @Jonas verstehe ich nicht, was an der Datenkrake antisemitisch sein soll. (?) Und auch nicht, warum die Kritik an NSA/PRISM etc. sowie diversen, ins Totalitäre weisende Tendenzen der US-Politik und Gesetzgebung gleich “Antiamerikanismus” sein soll. (Das ist genauso falsch, wie jegliche Kritik an der israelischen Politik gleich “antisemitisch” zu nennen). Tempora etc. werden im Übrigen doch genauso kritisiert!

Mit “Om13Gate” [Link nur für hier eingefügt] und dem Fake-Skandal hatte das Thema der Demo definitiv nichts zu tun. Was du persönlich mit der Forderung nach (unüberwachter) freier Entfaltung des Individuums assoziierst, ist gwiss individuell verständlich. Aber WIE ANDERS hätte denn die Demo nach deiner Vorstellung deshalb sein sollen?

Genau wie du den 68ern vorwirfst, ihre alten Ideologie-Süppchen zu kochen, könnte man denselben Vorwurf Menschen machen, die immer noch zusammen zucken, wenn jemand “Volk” -sagt!

Dabei gibt es dazu seit dem ungemein erfolgreichen Slogan “Wir sind das Volk” wieder vornehmlich positive Assoziationen (danke, liebe ehem. Ossis!!!).

Zweifellos sind damit doch heute – ganz ohne nazi-antike “völkische” Nebengedanken – die Bürger dieses Landes gemeint, die im Sinne des Grundgesetzes der SOUVERÄN sind, der die Politik letztlich zu bestimmen hat bzw. haben sollte.
DAS war es doch, was die Bürger der ehemaligen DDR mit viel Mut auf den Straßen massenhaft zum Ausdruck brachten: “WIR, das Volk, von dem Ihr immer redet und dem Ihr angeblich dient, sagen jetzt, was Sache ist!”

Ebenso “Deutschland”: Seit der WM 2006 ist das eigentlich kein Problem mehr, nicht gemerkt?

Ein paar ewig Altlinke (manchmal gar jung an Jahren) wollen halt partout das MEM erhalten, dass es in Deutschland irgendwie sündhaft sei, den eigenen Staat korrekt zu benennen und auch mal über dessen Interessen zu diskutieren. Schließlich ist dieser Staat der Rahmen, in dem wir verfassungsgemäß gefordert sind, mitzubestimmen, ziemlich doll mitzubezahlen, sowie Regeln und Sanktionen mitzuertragen (und natürlich auch: seine vielfältigen Zuwendungen/Umverteilungen in Anspruch zu nehmen! ).

Was für ein wenig hilfreicher Bullshit, diese Diskussion schon mittels Begriffe-Zensur zu erschweren, indem man gleich alle als “deutschnational” in einem ganz anderen, außerhalb der merklich geschrumpften Neonazi-Szene längst überwundenen Sinne diskriminiert, die über “Deutschland” sprechen.
(Mir ist übrigens nicht in Erinnerung, was genau du gemeint haben könntest… aber ich hab auch nicht ALLES gehört, was auf der Demo gesagt wurde).

Kurzum: wer es wirklich Ernst damit meint, dass diese Sache mit der Totalüberwachung ein Punkt ist, den man nicht hinnehmen, sondern wirklich wegkriegen muss, sollte dann auch mal etwas OPEN MINDED die Realitäten zur Kenntnis nehmen: Um etwas zu bewegen, braucht es DIE MASSEN. Das kann nur – wenn überhaupt – gelingen, wenn nicht jedes Individuum und jede von irgendwas besonders betroffenen Gruppen IHR DING zur Blaupause jeglichen Miteinanders machen.

Geht das denn gar nicht: Das GEMEINSAME sehen – und für seine Verwirklichung zu kämpfen? Und dafür zur Not alles andere, in unseren Zeiten der individuellen Verwirklichung ständig MEHR werdende Trennende mal beiseite zu lassen?

Was ich sage, gefällt Dir vielleicht nicht, aber mir ist “diese Sache” wirklich wichtig und ich sehe nicht, wie man da weiter kommen könnte, wenn solche Ansprüche ans “zusammen kämpfen” gestellt werden, wie du sie hier zum Ausdruck bringst!

Aber ja, ich verstehe dich, hab’ auch entsprechende Erlebnisse: Als z.B. die erste Welle der Snowden-Enthüllungen in der Welt bekannt wurde und sich vielfache Entrüstung formulierte, musste ich zu meinem Schrecken bemerken, dass ich meinungsmäßig “Seit an Seit” mit der Tea-Party stand!
Auch Netzpolitik.org hat das damals bemerkt und den Spruch abgelassen “Auch Sarah Pallin kann mal was Sinnvolles sagen!”

Trotzdem – es war ein seltsames Gefühl.

Womit ich aber nicht sagen will, dass ich auf der FSA13 irgendwelche Leute bemerkt hätte, die mir ähnlich weit entfernt vorgekommen wären wie die Tea-Partry. Jedenfalls nicht mit dem, was sie dort sagten, auf Schilder geschrieben hatten oder sonstwie zum Ausdruck brachten.

Und ja: da war “die Mitte der Gesellschaft” – auch Ältere und Eltern mit Kindern. Die gewiss keinen Bock auf eine militante Demo mit schwarzem Block und martialischer Polizeibegleitung hatten. Schön, dass sowas bei der FSA vermieden werden konnte. Es wäre der Sache nicht dienlich gewesen, ganz im Gegenteil.

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2 Kommentare zu „Furchtbare Erkenntnis: um wirklich etwas zu bewegen, braucht es die ANDEREN.“.

  1. [..] wie ich lernte, daß andere anders sind, wie ich heute damit umgehe und warum es schwierig ist, etwas mit anderen gemeinsam zu tun, mit denen man nichts gemein hat ;-) … [..]

    ich verstehe ganz gut, daß mspro so seine schwierigkeiten hat, sich „dazu gehörig“ zu fühlen. auch weil mir nicht mehr klar ist, zu „was“ eigentlich. sicher nicht zu diesem zänkischen haufen, in dem jedem klar ist, was der jeweils andere so falsch macht oder denkt, aber nie, was an der eigenen sicht auf die dinge nur ein hip zusammengestoppelter meinungsmix aus dubiosen quellen ist.

    pallin kann übrigens im grunde nie das richtige sagen, weil der gedanke, der sie dazu geführt haben würde, immer ein falscher, weil gemein, neidisch und die anderen verachtend wäre. zumal er eh nur dazu dienen sollte, sich anzubiedern oder abzugrenzen, wogegen oder wofür orientiert sich da immer an dem aktuellen meinungsmarktwert des gedankens.

    ansonsten geniesse ich natürlich die formulierung „ein paar altlinke“, weil, links waren wir ja alle einmal, als wir noch dachten, wir wüssten, was das ist „links“.

    heute sind wir nur noch alt, was uns vor sätzen wie „DIE altlinken 68er“ bewahrt ;-)

  2. […] Freiheit statt … was eigentlich? – eine wenig begeisterte, ja teilweise richtig jammervolle Demokritik von Michael Seemann (mspro). Da die Kommentare schnell geschlossen wurden, hab’ ich dazu auch noch was gebloggt: Furchtbare Erkenntnis: um wirklich etwas zu bewegen, braucht es die ANDEREN. […]

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