Claudia am 07. Dezember 2012 — 20 Kommentare

Mehr Ordnung, weniger Zerfaserung – ein Blog wird still gelegt

Wenn mich etwas sehr persönlich berührt, ist das Digital Diary der richtige Platz, darüber zu schreiben. Das hab‘ ich kürzlich recht deutlich gespürt, als ich hier nach der Sendung „Hart aber fair“ einen Artikel zum Thema „Recht auf einen medizinisch betreuten Freitod“ schrieb.

Genau dasselbe Thema hatte ich in meinem Blog „Kunst des Alterns“ schon verbloggt. Es hatte „dort“ sogar eine recht hochkarätige Diskussion gegeben – und doch fühlte ich mich nicht motiviert, das Thema im „Themenblog“ fortzuführen. Ganz im Gegenteil, ich war froh, dass HIER nun auch mal aufgenommen zu haben.

„Altern“ braucht eine Kategorie, kein eigenes Blog

Das Altern ist nun mal Teil meines persönlichen Lebens. Wenn mir dazu etwas einfällt, geht es mir meist recht nah. Ungern lagere ich das dann ins Extra-Blog aus, wo gerade mal füf bis 20 Leute hin finden. Wollte ich, dass es besser läuft, müsste ich mindestens zwei bis dreimal pro Woche über Altern schreiben – und das ist mir einfach zuviel. Ich beschäftige mich innerlich nicht so oft mit dem Thema – meine Güte, wir alle altern, ich mag davon nicht so ein Aufhebens machen!

Eine Perspektive wäre, das Blog professioneller aufzuziehen. Aber auch da sind meine Kapazitäten begrenzt und ich investiere die zur Verfügung stehende Energie dann lieber dort, wo für mein Empfinden mehr bewegt wird: etwa auf „Unverbissen vegetarisch“, wo ja schon ein super Grundstein gelegt ist (das „Buch zum Blog“ erscheint im TRIAS-Verlang im Frühjahr 2013).

Kurzum: Ich hab‘ das Kunst-des-Alterns-Blog heut quasi „still gelegt“. Der Beitrag „Mein Problem mit diesem Blog“ ist vorerst der letzte. Er zeigt auch ein paar Perspektiven auf, zum LÖSCHEN gibts derzeit keinen Grund. Aber ich musste einfach einen Punkt setzen, damit mich nicht innerlich das schlechte Gewissen verfolgt, das mich daran erinnert, dort endlich mal wieder was zu posten.

Und jetzt fühl ich mich schon ein bisschen sortierter!

Diskussion

Kommentare abonnieren (RSS)
20 Kommentare zu „Mehr Ordnung, weniger Zerfaserung – ein Blog wird still gelegt“.

  1. Sehr schade.

    Aber im Grunde ist es so: Wenige wollen sich mit dem Altern beschäftigen – da kannst Du noch so anregend darüber „sprechen“ – deswegen wird’s noch lange kein Hit.
    Die Dinge verschieben sich da extrem langsam.

  2. Traurig, aber irgendwie verständlich! Das war der Grund, warum ich vor zwei Jahren alle vier Blogs vereint habe und nun nur noch mein Castle aufrecht erhalte. Das ist zwar dadurch ein Mischblog mit verschiedenen Themen/Kategorien, für mich allerdings wesentlich einfacher zu verwalten.

    Grüße aus TmoWizard’s Castle tu Augsburg

    Mike, TmoWizard

  3. Schade, schade, schade,
    im Grunde ist es zu verstehen, dass du das Blog nicht weiterführen willst. Könntest doch auch mit copy und paste die „Altersartikel“ zweimal erscheinen lassen, oder?
    Ich finde, dass man so langsam Front gegen den Jugendwahn machen sollte und ein kleiner Beitrag dazu wäre ein solcher Blog, der sich GENAU zu diesem Thema äußert. Denkt bloß an so beschränkte Äußerungen wie: man ist so alt, wie man sich fühlt, oder er hat ein junges Herz, Senioren- usw. usf. Alt sein wird als schlecht gewertet – ist es aber nicht. Hier gilt es, sich zu Wort zu melden. Also Claudia … bleib dabei!

    (ächz, der Artikel von „Blog“ war mir nie ein Problem, jetzt weiß ich, dass es laut Duden sowohl das – 1. Wahl – als auch der Blog heißen „darf“)

  4. @Peter:

    schön, dass hergefunden hast! :-)

    Um ein punktgenaues Blog „gegen den Jugendwahn“ zu schreiben, müsste ich mich irgendwie als Opfer fühlen – dem ist aber nicht wirklich so. Klar, ich nehme die Erscheinungen des Jugendwahns in der Kultur durchaus wahr und finde den Stress, den sich da offenbar viele machen, komplett überflüssig. Selber mach ich mir aber keinen Stress.

    Z.B. in der Arbeitswelt: dass viele Unternehmen Ältere lieber entlassen, ist für die Entlassenen schlimm – ich aber gehöre zu denen, die gar nicht erst hingegangen sind. In meinem ganzen Leben hatte ich keinen unbefristeten (!) Arbeitsvertrag mit 9to5-Job – und glaubs oder glaubs nicht: ich wollte das auch nie!

    Thema Beziehung/Erotik: ja, es stimmt, wenn Männer in die Wechseljahre kommen, dürfen es gerne mal 20 Jahre jüngere Frauen sein – und rein statistisch ergibt sich da ein Problem für die Frauen derselben Generation. Trifft mich allerdings auch nicht, denn ich bin schon selber drauf gekommen, dass es mal was ganz Anderes und sehr bereichernd ist, einen deutlich jüngeren Partner zu haben. :-)

    Mode?
    Zuviel Sack und Asche in den Läden für Ältere? Ist auch nicht mein Problem, denn ich laufe wohl lebenslänglich in schlichten, vor allem bequemen Klamotten herum, die ich mir heute aus Gründen der Nachhaltigkeit gerne gebraucht kaufe – da bekommt man Qualität, die in neu sündhaft teuer wäre, falls es sie überhaupt noch gibt.

    Kurzum: ich bin nicht die richtige Person für ein Anti-Jugendwahn-Blog. Aus meiner Sicht ist dieser Wahn (soweit er Ältere überhaupt betrifft) eher ein Problem von Menschen, die sich in der Jugend nicht genug ausgelebt haben und dann erschreckt bemerken, dass nicht alle Zeit der Welt bleibt, um das nachzuholen. Trifft mich auch nicht, meinem Lebensstil von früher trauere ich nicht nach und auf den Stresslevel und die Abenteuer-Dichte von damals kann ich heute gut verzichten! :-)

    Du kritisiert „im Herzen jung geblieben“ und ähnliche Sprüche. Für mich heißt das: im Herzen fühlt er/sie noch manchmal wie ein Teenager oder Twentysomething – tja, warum denn nicht? Was daran richtig oder falsch, gut oder schlecht sein könnte, wär tatsächlich einen Blogpost wert – wie überhaupt die Sortierung der Zuschreibungen bestimmter Eigenschaften zu Lebensaltern.

    Den schreib ich in Zukunft aber lieber wieder HIER. :-)

  5. Na ja, ich denke, das sehen wir unterschiedlich. Ich fühle mich 68 zugehörig und vermisse nun meine Generation, die sich unter der gesellschaftlichen Realität weggeduckt hat. Ich mach dir ein Beispiel: du weißt, ich schreibe. Um wahrgenommen zu werden, musst du als Nobody an Schreibwettbewerben teilnehmen. Was glaubst du, wieviele Schreibwettbewerbe es gibt, die eine Altersbeschränkung bis 30 haben. 30! Nicht 18! Einer sogar bis zum Geburtsjahr 1962, also fünfzig. Da fühle ich mich schon diskriminiert, da sind wir alle über 50 diskriminiert. Und Euphemismen sind immer ein Anzeichen für die negative Wahrnehmung eines Phänomens. Senior ist so ein Begriff. Die erwähnten Redewendungen sind es auch. War es früher so, dass junge Männer sich einen Gehstock zugelegt haben, einen Bart wachsen ließen, um älter auszusehen, so ist es heute umgekehrt. Weder das eine, noch das andere ist gut.
    Es geht im Kern darum, dass wir Alten als gleich-wertig anerkannt werden. Und das werden wir nicht. Lest einfach mal den Zeit-Artikel, den ich auf meinem Blog zitiere.
    Und was Mode angeht …. du kannst dir nicht vorstellen, wie mir die aktuelle Mode am Arsch vorbei geht. Ich habe wirklich eine Woche lang im Netz gestöbert, bis ich einen knöchellangen Mantel gefunden habe (Gothic-Ware), trage einen Hut usw. Und ich vermisse nichts in meiner Jugend, auch wenn sie nicht besonders reich an Abenteuern war. Noch nicht mal einen Tripper hatte ich :-) Nö, damit muss man kein Problem haben, um für das einzutreten, was man für richtig hält.

  6. Ich muß hier einspringen und Claudia beipflichten. Mit stösst der Spruch „Man ist so jung wie man sich fühlt“ nicht auf. Ich finde, der Spruch stimmt. Nur daß man vielleicht das Wort „jung“ gegen „lebendig, engagiert, unternehmungslustig ect“ eintauschen könnte. Jung ist also in besagtem Spruch nicht unbedingt eine Bezeichnung des Alters, sondern eher der Lebenseinstellung. So wird das sicher auch gelesen.

  7. Sorry, wollt gar nicht hier her:) Wollte auf „Die Kunst des Alterns“.

    Macht mal bitte jemand das Licht an, damit ich mich nicht immer verlaufe:)

  8. Hallo Gerhard,
    ;-) freut mich, dass du MIR Recht gibst. Ich sehe es nämlich auch so: jung wird assoziiert mit „lebendig, offen, dynamisch usw.“ und im Gegenzug wird alt mit „krank, schwerhörig, stur, besserwisserisch, zurückgeblieben und Hansi Hinterseer“ gleichgesetzt. Und genau da liegt das Problem. Ich, und nicht nur ich, halte sehr viel davon, dass Sprache unser Bewusstsein prägt, und dass es auch umgekehrt gilt, dass unser Bewusstsein durch Sprache geprägt wird. Zu sagen: du bist nicht wirklich alt, wenn ich jemand loben will, heißt klar übersetzt: alt sein ist schlecht, du bist nicht schlecht. Wer mich aber wirklich anerkennt, muss auch mein Alter anerkennen.

    Sprache ist wichtig, und Sprache zeigt, wie jemand denkt, oft auch, wenn er sich verstellen möchte.

  9. Ich denke, dass jedes Lebensalter seine Eigenheiten hat, die sozusagen im statistischen Mittel (!)durchaus stimmen. Diese Eigenheiten (der Jugend, des mittleren Alters, des Alters) können in unterschiedlichen Situationen mal Vorteil, mal Nachteil sein.

    Z.B. Jugend:

    Begeisterungsfähigkeit, Wagemut / Risikobereitschaft, Flexibilität, große Belastbarkeit

    -> einerseits bedeutet das Lebendigkeit, Einsatzbereitschaft & Fähigkeit, Offenheit für Neues – so kann man Held/in sein und Großes leisten, Dinge wirklich verändern, radikal und mit vollem Einsatz Politik machen oder „neue Märkte erschließen“…

    -> Aber eben auch recht einfach gnadenlos ausgebeutet werden: Gelockt mit ein wenig Anerkennung, am Halsband des eigenen Ehrgeizes und „Jemand sein wollen“ geführt, arbeiten sie sich bereitwillig in den Burnout für eine neue „virale Kampagne“ oder die innovative Gestaltung einer Verpackung für noch ein Produkt, das man eigentlich nicht braucht. Und auch als Held kann man ja früh sterben…

    z.B. Alter:

    Lebenserfahrung, Gelassenheit, Vorsicht/Voraussicht, Beharrungsvermögen, Weisheit des Herzens

    -> einerseits bedeutet das mehr innere Zufriedenheit, ein großes Potenzial an Mitmenschlichkeit und Verständnis, weniger Gefahr, irgendwelchen Verführungen des Augenblicks zu verfallen, insgesamt mehr Überblick in Bezug auf den SINN einer Sache oder Unternehmung, nicht nur für einen selbst, sowie die Fähigkeit, etwas von mehreren Standpunkten aus zu beurteilen;

    -> andrerseits droht die Verknöcherung und Vergreisung: Grundsätzliche Skepsis gegenüber allem Neuen („früher war alles besser“), Egozentrik, Besserwisserei, Unbeweglichkeit, Verbitterung und „inneres Verwelken“, weil man sich kaum noch begeistern kann, sondern alles mit „das ist doch nur…“ beschreibt. Und selbst die Fähigkeit, alles von verschiedenen Seiten sehen zu können, bringt ein Defizit an Entschluss- und Tatkraft: Wenn ich nicht mehr so genau sagen kann, wer der BÖSE ist, kann ich auch nicht mehr gut kämpfen.

    Das heute in unserer Kultur „alt = schlecht“ gesetzt wird, liegt m.E. an den ökonomischen Rahmenbedingungen. Man will nicht „weise Voraussicht“ und Sich-Bescheiden, sondern braucht die Gier nach Mehr fürs unverzichtbare Wachstum und total flexible Menschen, denen die Arbeit der oberste Wert ist, für den sie auch bereit sind, wie Nomaden von einem prekären Job zum nächsten quer durch die Lande zu ziehen. Hauptsache, keine „Lücke im Lebenslauf“, bzw. keine auf Renitenz hinweisende Pause im Frondienst des globalisierten Kapitals. (Jawoll, jetzt mach ich mal grad einen auf Geisler! :-)

  10. Jaaaaaaaaaaa …!!! Genau das ist, was ich auch meine. Es geht um die Anerkennung eines jeden Lebensalters, nicht darum, die Jugend abzuwerten. Die Kooperation von Jung und Alt in Unternehmen, in der Verwaltung, in den Schulen, der Politik und der Wissenschaft, das wäre wünschenswert. Dabei denke ich, dass nur die Schwerpunkte in den Tugenden und Lastern der Lebensalter ein wenig anders liegen. Sturheit beispielsweise ist beileibe nicht ein Altersmakel, aber sie entwickelt sich bei einigen Menschen, die diese Eigenschaft schon in jungen Jahren hatten, im Alter stärker heraus. Und du, liebe Claudia, wirst ja wohl nicht für dich die Negativeigengschaft „nicht-mehr-begeisterungsfähig-sein“ in Anspruch nehmen ;-) Ich für mich übrigens auch nicht. Aber es stimmt schon: man läuft nicht mehr jeder Mode in der Medizin, in der Kleidung und im Denken hinterher.
    Fordern wir Alte unsere Würde in der Gesellschaft zurück, bemühen wir uns um unser Selbstbewusstsein aber werden wir nicht überheblich gegenüber den nachwachsenden Generationen, dann wird ein Schuh daraus. ABer eines muss uns klar sein: Geschenkt wird uns das nicht!

  11. Ich weiß wirklich nicht, Peter, wieso das für Dich ein so großes Thema ist! Ich mit meinen 58 begegne Alters- Abwertung kaum.( Schon mal schon auf ner Technoparty, wo mich ein besoffener Schnösel als „alter Sack“ bezeichnete. Nun, das ist eben der Preis ;-), wenn man in so etwas geht. Da kann so etwas passieren.

    In einer Welt, in der es ohne Vorurteile offenbar nicht geht, werde ich jedenfalls nicht um jeden Preis jedwedes Vorurteil, jedwede vorgefasste Meinung bekämpfen. Punktuell bei wichtigen Themen schon, aber nicht auf der ganzen Breite.
    Also, sag uns doch, wieso Dich das Thema so anficht. Vielleicht habe ich Deine spezielle Motivation auch überlesen. Das mag sein!

  12. Hallo Gerhard,
    tja … zum Teil liegt die Motivation in mir selbst. Vielleicht „glaubst“ du nicht an die Charakterprägung durch das Geburtsdatum, dennoch: ich bin Zwilling :-) und die „kämpfen“ immer für irgendetwas. Zum zweiten wurde ich in den 68ern sozialisiert. Wir glauben daran, dass man die Welt irgendwie verändern kann, denk an das Lied „We shall overcome“. Das bekomme ich aus mir nicht mehr raus und äußert sich nun mal so, dass ich den Mund aufmache. Drittens – und das ist wohl der Hauptgrund – kann ich es überhaupt nicht leiden, für blöd gehalten zu werden. Und als Alter und als Mann (mein zweites „Kampfthema“)wirst du das. Jetzt könnte man das natürlich meinen, das sei Quatsch, so schlimm ist sei es nicht. Wenn du versuchst jenseits der 60, trotz Sicherheiten, einen langfristigen Kredit zu bekommen, jenseits der 70 ein Auto zu mieten , jenseits der 50 einen Job zu suchen und mitbekommst, wie du getröstet wirst, weil du 60 bist, dann weißt du vielleicht, was ich meine. Lies den Artikel, den ich in meinem Blog bespreche: http://hispal.blogspot.de/2012/09/generation-erblast-ein.html, dann weißt du auch, was auf uns zukommt: ein Verteilungskampf, der nicht zwischen Reich und Arm (Kaptialvermögen und Arbeitskraft) verläuft, sondern zwischen Jung und Alt. Genügt das als Erklärung? So lange Blogbeiträge sind mir immer ein Graus.

  13. @Peter: na sowas! Lange Blogbeiträge sind dir ein Graus? Hätte ich jetzt nicht gedacht…! :-)

    Wie Gerhard gehöre ich zu jenen, die 1968 grade mal das Teeny-Alter erreicht hatten. Dennoch wurde ich an einem hessischen Gymnasium von der Kulturrevolution erfasst und „kämpfte“ begeistert mit: in Form von Schülerstreiks, ersten Demos (mitgegangen ohne den Sinn der Sache wirklich zu verstehen), aber vor allem durch Übernahme und Mitleben der Hippie-kulturellen Werte: bunte Klamotten, freie Liebe, Experimente mit bewusstseinsverändernden Drogen und Renitenz gegen althergebrachte Autoritäten und Traditionen.

    Die „Ernsthaftigkeit“ der richtigen 68er hat sich uns meist nicht vermittelt, die K-Gruppen fand ich nach kurzem Beschnuppern unerträglich. Wirklich politisch wurde ich erst Anfang der 80ger „sozialisiert“, TonSteineScherben und Fehlfarben, sowie die trotzig-fröhliche DaDaDa/LaLaLa der neuen deutschen Welle waren mir näher als „We shall overcome“.

    Da ich es selbst so erlebt habe (Hausbesetzungen, Sanierungs/behutsame Stadterneuerung, alternative Wohn- Arbeits- und Lebensweisen…) erscheint mir die Gesellschaft veränderbar, jedoch gesellte sich zu dieser Erkenntnis im Lauf der Zeit auch die andere: wir selbst sind nicht sooooooo schnell komplett änderbar, wie man es als junger Mensch, der sich selbst noch nicht kennt, meint.

    „ein Verteilungskampf, der nicht zwischen Reich und Arm (Kaptialvermögen und Arbeitskraft) verläuft, sondern zwischen Jung und Alt.“

    Den sehe ich SO krass nicht. Denn Alte und Junge sind ja keine voneinander total geschiedenen Klassen, sondern miteinander verwandt! Vielfach unterstützen Alte die Jungen und Umfragen ergeben immer wieder, dass es so ein emotionales Gegeneinander gar nicht gibt.

    Selber erlebe ich, wenn ich mal wie kürzlich einige Feste mit Leuten zwischen 25 und 30 besuche, dass ich mich da nicht als komische Alien fühlen muss, sondern ganz gut in Gespräche komme, wobei mir interessiert zugehört wird. Ich erlebe eigentlich keine Diskriminierung, allenfalls Berührungsängste mit dem Thema Alter – auch und gerade bei Gleichaltrigen, bzw. Leuten ab 50.

    Dass es rund um den medizinischen Fortschritt Auseinandersetzungen um die Ressourcenverteilung gibt und geben wird, ist verständlich. Das aber ist ein eigenes Thema, das weit mehr Facetten hat als mit der schematisierenden Alt/Jung-Brille erkennbar ist. Da empfehle ich die Bücher und Artikel des Arztes Michael de Ridder, der sich lange schon für eine Wende in der Medizin hin zu mehr palliativer Medizin einsetzt – kurz gesagt hin zu mehr menschlicher Zuwendung und lindernder Behandlung, statt exzessiver Ops und „kurativen“ Behandlungen, die angesichts vieler chronischer Krankheiten oft nur wenig oder gar nichts bringen, aber jede Menge Kosten für Medikamente und Geräte. Hier ist das „Feindbild“ dann eher BigPharma und die Gerätehersteller, die den größten Teil des Kuchens für sich beanspruchen – und nicht die Jungen, die den Alten nichts gönnen….

  14. Hallo aber auch!!!! Weil mir lange Blogbeiträge habe ich mit „… nichts gönnen“ schon Schluss gemacht. Hätte sonst ja das Dreifache gegeben.
    Claudia, ich habe mich offenkundig falsch ausgedrückt: dieser Verteilungskampf wird von interessierter Seite (unbewusst) auf diese Schiene Jung-Alt geschoben, um von den wirklichen Problemen abzulenken (Reich-Arm, Produktionsfaktor Kapital und Arbeit, hoher Außenhandelsüberschuss und anwachsende Geldvermögen …). Und was diese Verteilungskämpfe angeht, vergesst nicht: wir stehen am Anfang eines Prozesses, nicht mitten drin.
    Gutes Buch für die Ressourchenverteilung ist auch: Welt mit Zukunft von Radermacher. Der würde euch gefallen.
    Bis dann … Wir kämpfen weiter für Mutterrecht und Blutrache!!!!

  15. Peter, Deinen Schlußsatz verstehe ich nicht, aber dennoch: Ich möchte Dir durch ein Beispiel beipflichten in der Wahrnehmung von alt und Jung in der Gesellschaft.
    Jüngstes Beispiel:
    Vorweg: Ich bin leidenschaftlicher Schachspieler.
    Nun ist gerade in London das Chess Classics zuende gegangen.
    Carlsen, gerade 22 geworden, gewann knapp das Turnier vor dem überragend spielenden Kramnik, der 15 (!) Jahre älter ist. In der Presse wird der Turniersieg mehrheitlich als Triumph der Jugend gesehen und Kramniks Leistung wird nicht immer adäquat erwähnt. Dabei hat sich der in diesem Sport schon fast alte Spieler quasi neu erfunden und seine 20-jährige Karriere in den Top 10 (!) gekrönt durch sehr feines und lupenreines Spiel. Offenbar war er mit 37 noch nicht gewillt, sich allmählich zurückzuziehen, sondern es mit der Motivation (!) und dem Stellungsgefühl des Jungstars aufzunehmen und durch jüngstes Studium und Training eine Spielweise zu generieren, die erneut top level ist und kaum mehr gesteigert werden kann.
    Aber wie ich für mich jetzt analysierte: „Jung“ und „neu auf der Bildfläche“ schlägt in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit „alt“ und „bekannt“, aber deutlich. Niemand analysiert genauer die Leistungen, man schaut nur auf das Begriffspaar alt-neu.

  16. ;-)
    Hallo Gerhard,
    den Schlusssatz kann man auch nicht verstehen. Der stammt vom Frankfurter Front-Theater, einer linken Kabarett-Gruppe der 68er. Das war eine Zeit, als es ständig Losungen gab, ständig wurde für oder gegen etwas gekämpft. Das hat die Truppe auf den Arm genommen und ich mich mit dem Schlusssatz auch. Immer für irgendetwas kämpfen, und wenn es noch so bescheuert ist. Ok, ok … für die veränderte Wahrnehmung des Alters einzutreten ist nicht bescheuert, es ist notwendig. Noch ein Beispiel dazu:
    Ich bin augenblicklich immer auf der Suche nach Schreibwettbewerben. Lies dir mal das hier durch (Altersbeschränkung): http://www.uschtrin.de/pr_kempowski.html
    Euch noch frohes Schaffen ….

  17. Interessanten Film zum Thema heute Abend auf 3Sat gesehen:
    Die wilden Alten
    Pensioniert und mitten im Leben
    Film von Hanspeter Bäni

    Text zuklappen
    Die Fahrt in den abgelegenen Nordzipfel Albaniens ist nicht ungefährlich. Vor allem für eine Frau, die alleine unterwegs ist. Die 68-jährige Barbara Hausammann weiß sich jedoch zu helfen: Auf den Beifahrersitz ihres Geländewagens setzt die Schweizerin eine als Mann verkleidete Puppe, um so den Eindruck zu erwecken, sie sei von einer Schutzperson begleitet. Seit ihrer Pensionierung versucht die rüstige Rentnerin die Bergregion Nordalbaniens für westliche Abenteuertouristen zugänglich zu machen. Eine Aufgabe, die sie voll und ganz erfüllt. Dies trifft auch auf Hans Fischer zu. Im Alter von 73 Jahren lässt er sich für viel Geld zum DJ ausbilden, um mit Progressive House und harten Beats junge Menschen zum Tanzen zu bringen. Unter dem Künstlernamen DJ Gats versucht Fischer an Aufträge zu kommen. Doch viele Clubbesitzer winken ab, weil der Senior viel zu harte Musik auflegen möchte. Von unbändiger Lebensenergie erfüllt ist auch Heiri Müller. Vor fünf Jahren ließ er sich frühzeitig pensionieren, nachdem er 25 Jahre lang die „Tagesschau“ moderiert hatte. Seither hat er seine große Leidenschaft, das Singen, zum Beruf gemacht. „Ich werde immer ungezügelter und wilder“, sagt der 66-jährige über seine neue Karriere. Albert Nufer indes war schon immer wild und eigenwillig. Konsequent entsagt sich der kleine Mann mit dem langen Bart der Konsumwelt, kommt ohne Radio, Fernsehgerät und Computer aus. In seiner bescheidenen Wohnung gibt es weder einen Stuhl, einen Tisch noch einen Kühlschrank. Der 70-Jährige geht fast immer barfuß und bezeichnet sich selbst als „Alt-Hippie“.
    Die Dokumentation „Die wilden Alten“ porträtiert Rentner, die sich wenig um Konventionen kümmern und sich kompromisslos selbst verwirklichen wollen.

  18. @Peter, das mit der Altersbeschränkung habe ich gelesen, kenne aber den Hintergrund dazu nicht.
    Ich denke in diesem Zusammenhang gerne an ein Interviewbuch von Henry Miller, der darin sagte: Meine Jugend begann mit 42. Erst mit 42 ging die Saat der schriftststellerischen Bemühungen auf, d.h. erst ab da stand er zu seinem Output. So habe ich das jedenfalls vom Lesen und der Aufnahme her in Erinnerung.

  19. Den Hintergrund der Altersbeschränkung kenne ich auch nicht. Aber eine Altersbeschränkung auf 50 Jahre erscheint mir – gelinde gesagt – hirnrissig. Man darf nur BIS zum fünfzigsten Lebensjahr teilnehmen. Ältere nicht. Die Begründung liegt im Dunkel. Hätten die Leute eine, sie hätten mir auf meine wütende Mail geantwortet.
    Ein anderes Beispiel für Altersdiskriminierung: Gesundheits- und Reaktionstests für Alte. Die sind wichtig, keine Frage. Wo aber bleibt die Forderung nach solchen Tests für Jüngere? Hat nicht der 45-Jährige mit dem Nachlassen der Sehkraft zu tun? Kommt es nicht vor, dass jemand gesundheitliche Probleme hat, die das Führen eines KFZ von vornherein verbieten? Ich denke schon. Gefordert wird es aber nur für Ältere, obgleich die Unfallstatistik eine solche Forderung nicht notwendig macht.

  20. Hallo Sonja,
    Mensch …. da habe ich doch glatt einen Film verpasst. Muss mal sehen, ob der noch Online steht.
    Genau in diesem Geist, den du schilderst, sind meine Kurzgeschichten geschrieben. Es ist endlich an der Zeit, dass WIR uns zu Wort melden, nicht nur die Senilbeigefraktion der Alten, die bei der volkstümlichen Hitparade und Hansi Hinterseer feuchte Augen bekommt.

Was sagst Du dazu?

*) Pflichtfelder. E-Mail wird nicht veröffentlicht