Claudia am 15. Februar 2012 — 27 Kommentare

Von der Personalisierung des „großen Gesprächs“

Über die Umstrukturierung des Internets weg von den Inhalten hin zu Personen

Die Sinnkrise beim Bloggen ereilt jeden mal, erst recht, wenn man das schon viele Jahre macht. Dabei weiß ich noch gar nicht, ob „Sinnkrise“ das richtige Wort ist für meine aktuellen Irritationen in Sachen „ins Web schreiben“. Es geht auch nicht allein um den Verlust von Blog-Kommentaren durch die „sozialen Netze“ – auch wenn ich das jetzt hier als Einstieg ins Thema nutze.

Kommentare ab in die Netzwerke?

Robert Basic hat in seinem neuen Technik-Magazin Buzzriders das Kommentieren gar nicht erst erlaubt – deshalb nenne ich es auch nicht mehr Blog. Zur Begründung schreibt er:

Es ist nicht mein Ansinnen, wie die klassische Presse alles an sich zu reißen, was man an Lesern bekommen kann. Mein Anliegen ist primär, dass Ihr Euch darüber unterhaltet, wenn es mir gelingt, Euch zu aktivieren. Sich über Technologien und deren Auswirkungen den Kopf zu machen. Wo sonst als bei Euch, in Euren Wohnzimmern und sozialen Netzen, auf Facebook, auf Twitter, G+ sollte das passender sein? Warum sollen hier die Diskussionen stattfinden? Das macht keinen Sinn für mich. Eure Themen, Eure Gespräche.

Das heißt doch auf gut Deutsch: verschont mich mit Eurem Gequatsche, erwartet nicht, dass ich präsent bin und mitdiskutiere – ab jetzt bin ich nurmehr „Publisher“ und konzentriere mich auf meine Inhalte.

Ok, das kann und darf jeder machen, wie er mag. Erwähnenswert erscheint es mir, weil ich ja selber merke, dass das Kommentieren auf Blogs abgenommen hat, und dass sich immer mehr Menschen den andersartigen Strukturen der „Sozialen Netze“ unterwerfen, um sich auszutauschen. Anders als Blogartikel und Foren sind Gespräche in diesen Netzen nicht nach Themen strukturiert, sondern entlang an Personen – eine grundstürzend ANDERE Situation mit Folgen für das „große Gespräch der vielen mit den vielen“, die kaum mal diskutiert werden.

Wenn Personen wichtiger werden als Themen

Eine Diskussion unter dem Original-Artikel im Blog des Verfassers ist ein duch Thema und Autor/in definier- und erinnerbarer „öffentlicher Ort“. Ein virtueller, jedoch beständiger Platz, der als Agora dienen kann, wo man sich den gemeinsamen Belangen widmet.

Wogegen in den sozialen Netzen nur chaotische Vernetzungen verschiedenster Individuen existieren, die vielfach „Things“ (Artikel, Videos…) verlinken, wobei gelegentlich unter solchen Verlinkungen Gespräche entstehen. Gespräche, die aber niemals „alle“ zu gleichen Bedingungen lesen können, denn A ist ja mit B, C und D vernetzt, wogegen ein User E es nicht mitbekommt, wenn er nicht auch A abonniert/eingekreist hat.

So ergeben sich geschichtslose Kurzzeit-Stimmfühlung-Partys, die binnen Stunden, spätestens Tagen aus der „Sicht“ geraten. Letzteres gilt auch für die seltenen hochkarätigen Diskussionen – z.B. die kürzliche Diskussion über Urheberrecht, die ich jetzt nur wieder finden kann, indem ich in den Postings von Stefan Münz zurück blättere, durch dessen Hinweis ich sie fand. Wobei ich mich nur deshalb an die Herkunft der Info erinnern kann, weil ich Stefan seit den Anfängen des Webs kenne. Für die meisten meiner „Vernetzten“ gibt es solche Erinnerungsstützen nicht.

Strukturelle Marginalisierung

Die potenziell emanzipative Kommunikation der Vielen mit den Vielen wird durch diese uns schon so selbstverständlich erscheinende Umstrukturierung genauso entmachtet und marginalisiert, wie es schon der traditionellen Politik passiert ist: PERSONEN verdrängen THEMEN. Es ist interessanter, wer etwas sagt und wen er damit vermutlich kritisiert, als der Inhalt, um den es geht. Und in der Social-Media-Variante gibts überhaupt NUR NOCH Personen als Kanäle für alles Mögliche. Interessiert mich, was jemand zum Thema GARTEN schreibt, kann ich ihn abonnieren, bekomme dann aber ALLES, was derjenige verlautbart. Und weil das zunächst recht unterhaltsam ist, fällt kaum jemandem der Effektivitätsverlust der allgemeinen Personalisierung unangenehm auf.

Es heißt, das Internet vergesse nichts. Das stimmt nur teilweise und nur auf der technischen Ebene, indem z.B. bei Facebook sogar Gelöschtes auf dem Server bleibt. Der aktuelle Trend geht eher in Richtung des großen Vergessens, indem nicht die Inhalte, sondern Personen – gleich auch noch meist mit Klarnamen – als strukturierende Elemente fungieren. Personen, die heute zu diesem und morgen zu jenem etwas sagen – warum sollte man da zurück blättern?

Große Resonanz und interessante Gespräche tragen so zunehmend nicht mehr zum Wert der Webseite bei, die das Thema in die Welt brachte, sondern vermehren die Reputation der Person, die sie verlinkt hat – eine grundstürzende Änderung! Pech für alle, die lieber Artikel schreiben als ein möglichst großes Aufhebens um die eigene Person zu machen, bzw. fortwährend „präsent zu sein“.

Und warum passiert das?

Und WARUM wurde und wird alles zunehmend personalisiert? Warum investieren Unternehmen Unsummen in die ursprünglich als „Vernetzung von Freunden“ aufgekommene neue Struktur? Warum ignorieren immer mehr Software-Automatismen den hier und da noch wählbaren „User-Namen“ und verwenden statt dessen den Klarnamen, wenn sie Zugriff z.B. auf den Twitter-Account bekommen?

Ihr ratet es sicher: Weil nur eine Person etwas kaufen kann. Ein Internet, in dem sich User unter Pseudonymen rund um Themen und Inhalte versammeln, ist nicht zweckdienlich. Deshalb wird es zügig umgebaut, so dass alle Inhalte, die eine Person teilt, verlinkt, kommentiert oder auch nur anklickt, darüber Aufschluss geben, was man ihr noch verkaufen könnte.

An sich ist „verkaufen wollen“ nichts Böses. Besser mir wird angeboten, was ich vermutlich brauche, als dass ich den Briefkasten mit Bergen unnützer Prospekte voll geschmissen bekomme. Dass dem aber sämtliche anderen Werte und Erfordernisse untergeordnet werden, so dass das „große Gespräch“ über not-wendige Weltveränderungen strukturell zersplittert und zerstört wird, ist ein verdammt hoher Preis!

Diskussion

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27 Kommentare zu „Von der Personalisierung des „großen Gesprächs““.

  1. Der Wegfall vielerorts von herkommlichen Blogkommentaren und die Verlagerung in die verschiedenen sozialen netze, hat lange Zeit für Kopfschütteln und vielfach für Frust gesorgt. Dabei spielt es letztlich eigentlich keine Rolle wo ich present bin und Kommentare bekomme, so denn das Thema nur anspricht.

  2. @Uwe: es geht nicht nur um den „Verlust von Blogkommentaren“!!! Und weil das offenbar so rüberkommt, wenn man nur die ersten Sätze liest, hab ich den Anfang jetzt verändert.

  3. Eine meiner Ansicht nach sehr treffende Analyse. Ich dachte zunächst, der Grund ist einfach der riesige Erfolg von Facebook, die Tatsache, dass Menschen eben genau das wollen. Aber dass Facebook genau so aussieht, wie es aussieht und dass alle anderen das so nachbauen und nicht Themen in den Vordergrund stellen (wenn man von Pinterest absieht, dass allerdings auch eine lupenreine Marketingmaschine ist) hat wohl in der Tat exakt die von Dir postulierten Gründe.

    Für sich genommen ist der Preis verdammt hoch. Ich behaupte, wenn man andere destruktive Effekte des Marketings hinzunimmt ist der Preis sogar so unfassbar viel zu hoch, dass nur die Werbung, die immerwährende und allgegenwärtige Lobby für sich selbst erklären kann, dass wir das mit uns machen lassen. Ich habe dazu neulich geblogt: http://schrotie.de/index.php/2012/01/wider-die-werbung/

  4. Ich bin da geteilter Meinung. Selber versuche ich, gleich im Blog zu kommentieren, aber das liegt an meinem vielleicht veraltetem Ortsverständnis: hier wurde es geschrieben, hier sage ich was dazu. Nur: wo ist „hier“? Und da komm ich auch Deinem Argument der Auffindbarkeit näher. Das schlechte Auffinden älterer Diskussionen in den Netzwerken kenn ich auch, halte das aber für keinen Fehler der Idee, Dinge in seinen Netzwerken zu besprechen, sondern für einen Fehler der zugrunde liegenden Technik. Und ich kommentiere mittlerweile in so vielen Blogs… wenn ich da nicht ab und an die Drop-In-Mails durchsuche, weiß ich auch nicht mehr, in welchem Blog unter welcher Adresse gerade ein mir noch präsentes Gespräch statt fand. Da seh ich kaum einen unterschied mehr zu den beiden grossen sozialen Netzwerken.

    Das personalisieren der Gesprächsrunde entspricht dem Bedürfnis vieler Menschen, denke ich. Ich spreche lieber mit Leute, die ich zumindest vom hören-sehen kenne. Eben in meinem sozialem Netzwerk. Und da greifen die kommerziellen „Social“-Netzwerke eben mit ihrem Angebot.

    Manchmal sehe ich auch ein ellen langes Kommentargespräch, würde gerne mich darüber austauschen, aber mit niemandem aus dem Kommentargespräch. Sondern mit meinen Bekannten. „Weisst Du, was für ein spannendes Gespräch ich letztens gelesen habe? Was sagst Du dazu?“

    Ich finde die Idee, einfach ganz auf Blogkommentare zu verzichten, hat etwas. Der Nachteil: die Kommentatoren zerstreuen sich in ihre eigentlich doch meist kleinen Zirkeln. Das halte ich wieder für einen großen Nachteil. Und: der Blogschreiber bekommt manche Gespräche gar nicht mit und JA: ich will die mitbekommen. Das ist eine meiner Antriebsfedern: ich will mich über meine Dinge (auch) unterhalten. Mitsprechen wenn über „mein“ Thema gesprochen wird.

  5. @Chräcker: ich will nicht grundsätzlich nur mit Leuten diskutieren, die mir irgendwie bekannt sind. DASS sie das sind, hat oft genug den Grund, dass sie in mancher Hinsicht „Gleichgesinnte“ sind. Bespreche ich Themen nur mit ihnen, halte ich mich in meiner Blase der Wahrnehmung auf und bekomme u.U, gar nicht mit, was MAN dazu so denkt. Und DAS ist es, was mich vornehmlich interessiert, wenn ich nicht grade über ein Gartenblümchen, sondern über politische Themen reden will.

    Was ich hier beklage, ist das Verschwinden von Öffentlichkeit. Und zwar einer Öffentlichkeit, zu der potenziell „alle“ Zugang haben – und nicht nur jene, die zufällig mit denen, die schon da waren, vernetzt sind. Auch Blogs sind ja durch die chronologische Struktur schon vom Geist der Nicht-Achtung der Themen gezeichnet: als wäre es das Wichtigste, WANN etwas erschienen ist – und nicht WAS.

    Das Internet brachte die großartige Möglichkeit für alle Nutzer, sich mit potenziell allen über alles auszutauschen – und kaum hat sich das richtig ausgebreitet, wird es so strukturiert, dass das Gesprochene/Geschriebene zu bloßem Unterhaltungsgeblubber marginalisiert wird. Folgenloser Austausch von Erregungszuständen…

    Ich nehme allerdings an, dass das Bedürfnis der Menschen nach Inhalts-orientierter Kommunikation nicht ganz verschwinden wird. Die vielen noch existierenden Foren und Gruppen zu Spezialthemen sprechen dafür – das wird sich nicht so schnell alles in chaotische „Kreise“ auflösen. Hoffe ich wenigstens!

  6. Ich sagte ja auch nicht „nur“ ;-) Aber die meisten Leute die ich kenn (und ich wage mal zu sagen: überhaubt…) wollen gar nicht unbedingt alles in der Öffentlichkeit bereden. Und das die grossen Netzwerke das bedienen und die Leute das goutieren liegt nicht daran, das die Leute sich gerne zur Ware machen oder den mechanismus der Vermarktung nicht verstehen. Es behagt ihnen einfach. Gerne mit neuen Leuten, aber innerhalb einer eigenen „Raumsicherheit“ oder „Kontakschutzzone“. Und das entspricht auch dem normalen Leben der meisten.

    Ich würd mich vor fremden Leuten sofort zu wiederum fremden Leuten auf eine Podiumsdiskussion einlassen. Aber ich ahne, das viele das niemals machen möchten.

    Ich glaube nicht, das die Leute das abbilden, was die sozialen Netzwerke ihnen vorbasteln, sondern das der eine große Anbieter verstanden hat, was die Leute diesbezüglichwollen. (Was ihn in der Summe nicht ehrbarer machen muß, keine Frage.) Und das spiegelt sich an der steigenden Abwanderung der Kommentare.

  7. Hallo,
    Sie haben mich inspieriert. Danke dafür!
    Hier meine Gedanke zum Thema:
    http://tibamietz.blogspot.com/2012/02/damit-worte-widerhallen-eine-hommage.html

  8. hallo ihr Internetten:)

    ich liebe es ohne gesicht, geschichtslos,
    unfassbar, ANONYM in jedweder Hinsicht zu einem
    Thema, das mir durch den Kopf geht, meine gedanken dazu
    zu äussern. Anonym (natürlich bin ich nicht so weltfremd,
    dass es im Wortsinne Anonym gibbetnich..)
    darum einfach die gedanken festzuhalten, den Inhalt –>NICHT<– die Person.
    Personenkult ist mir zuwider, Helden sind diejenigen die
    zuerst ins gras beissen und so..

    Information must run free.
    gestern abend lief auf arte "hintergründe zu Wikileaks"
    mein lieber scholli, was da so abging und welche Abgründe
    privater und öffentlicher Natur sich da aufzeigten,
    (Spiegel, NewYork Times, The Guardian, Einzelpersonen und Staastorgane, vornehmlich von USA und Schweden) bewies
    -für mcih- eindringlich, dass Information WIRKLICH absoluten Vorrang vor persönlichen oder "institutionellen" interessen hat.

    Nur: wen Juckts?
    heute kümmert es niemanden mehr, was in den drei
    Lastwagenladungen voller Geheimdokumente wirklich stand,
    all die Völkerrechtsverletzungen Greueltaten und sonstigen
    Narreteien "grossr Namen",-(Politiker, Militärs, Diplomaten etc etc);- Niemand redet heute noch über FAKTEN, die eigentlich die Westliche Welt (die Info-Welt)in ihren Grundfesten erschüttern sollte.

    und WARUM????
    nun, ein in sich geschlossenes System
    (Nachrichten verbreiter,
    Nachrichten-Erzeuger
    Nachrichten-Aufbereiter
    Nachrichten-Verursacher)
    hat sich eine erfolgreiche Schlammschlacht hinter den Gardinen geliefert, da konnten die paar Leute von Wikileaks
    nicht lange mithalten.

    wir leben in einer konformen Welt, die immer stromlinienförmiger in allen Bereichen der öffentlichkeit
    wird, wir alle werden zug um zug "oeffentlich" beherrschbarer, unsere Meinung ist nur noch ein Aspekt
    wie eine Ware oder eine Idee "an den Mann gebracht" werden soll, die ideologische Schlacht um politische, soziale,
    kulturelle (humane) Belange scheint mir schon längst geschlagen, wir sind alle Artikel im Regal. was noch fehlt
    ist der chip im Hirn und die nummer auf der stirn, aber auch daran wird schon längst gearbeitet.

    brave new world.
    und: wo ist die Nachhaltigkeit von relöevanten Informationen abgeblieben?

    nun, alles kann nur gut werden, darum: gruss an alle die bleiben:)

  9. Das mit den „Kurzzeit-Stimmfühlung-Partys, die binnen Stunden, spätestens Tagen aus der “Sicht” geraten“, hat man auch beim Bloggen. Da wird ein Thema angerissen, mal kurz querdiskutiert und ist dann „weg“, bevor es überhaupt richtig „warm“ wurde.
    Schade, wenn es sich um solche Sachen wie das Messitum handelt. Da verbirgt sich das große Thema Einsamkeit, Sinnentleertheit, Halt verlieren ect, aber…auf zum Nächsten!

  10. Ich bin weder bei Facebook und anderen. Mir liegt das Thema am Herzen, darüber möchte ich schreiben, meine Meinung einbringen und auch über die Meinungen der anderen nachdenken. Mitunter kommt man zu ganz anderen Schlüssen. Auch hinter den Boggern stecken Menschen, und wenn sie immer wieder auftauchen, weiß man auch ein bißchen Bescheid, was ihnen am Herzen liegt und man kann auch ein längeres Gespräch haben.
    Soviel erst mal für heute.

  11. Danke, Claudia, für diesen großartigen Beitrag. Danke, Gerhard, dass du erinnerst – die Themen sind alle nicht mit einem Beitrag oder Kommentar abgeschlossen. Sie ruhen nur. Sie brauchen wohl Zeit, in denen wir Positionen finden können.

    Ich glaube, Claudia, auch in Netzwerken finden sich die Menschen zusammen, die sich mit einem Thema beschäftigen. Und da ist es wohl gut, dass alle aus einer anderen Richtung kommen, doch – scheint sprübar, dass sie ein gemeinsames Ziel haben. Unterschiedlich in der Meinung, es erreichen zu können.

    Der Wegfall der Kommentare kann viele Ursachen haben. Aber dir ein großes Danke, dass du das nicht als Messlatte nimmst, weniger zu schreiben ( wie auch ganz dankbar erkannt, dass du wieder öfter in letzter Zeit schreibst).

    So kann ich im Moment nicht viel auf meinem blog schreiben. Nicht nur, das mir die Zeit fehlt. Auch sind viele Dinge noch nicht so geordnet, dass sie verbaliesiebar sind.

    Aber im Lesen und Kommentieren, auch und besonders auf deiner Seite, nähern sie sich langsam einen Punkt, über die ich dann vielleicht wieder einmal schreiben will/muss.

    Ich wünsche dir weiterhin die Kraft und Freude, trotz scheinbar mangelnder Kommentare, besonders die kleinen und profanen Dinge zu beschreiben.

    Manchmal bestätigen sie mich in meiner fast zu erliegenden Kraft, weiter meinen Weg zu gehen.

  12. Danke!

  13. Vielen Dank für diesen ausgezeichneten und anregenden Beitrag. Ich versuche wohl trotz knapper Zeit wieder mehr Blogartikel zu schreiben bzw. alle Social Media Beiträge ebenfalls als Blogartikel zu veröffentlichen.
    Doch am Ende kam eine sehr wichtige Frage zu kurz
    „Und warum passiert das?“
    Es liegt nicht nur an am Verkaufen, das an Personen geknüpft ist. Die andere Seite ist: die Personen müssen ja mitmachen. Warum tun sie das? Ich befürchte, dass dies zum großen Teil an unseren Reformen im Bildungssystem liegt. Wenn man die Schule (schnelleres Abitur nach 12 Jahren, Vernachlässigung von Geschichte und alten Sprachen) und die Universität (Bachelor-Verschulung) an vordergründig ökonomischen Notwendigkeiten ausrichtet, mangelt es am Ende an Bildung (statt reiner Ausbildung), an selbstständigem Denken und eben an Diskussionskultur und Interesse am reinen Thema und Inhalt.
    P.S.: Ohne Google+ wäre ich allerdings nicht auf diesen Artikel gestoßen. Vielleicht sollte man soziale Netzwerke eher als Such- und Hinweismaschinen nutzen, Diskussionen aber bewusst im „statischen Netz“ führen, wo sie nicht im Strom der Zeit versanden.

  14. Mir ist heut Nacht noch was eingefallen. Ist es nicht auch ein bissel komisch sich darüber zu beschweren, das die sozialen Netzwerke eigentlich nur dazu dienen, das Anbieter so bequem eine homogene Zielgruppe für ihre Werbung zusammen bekommen und dann soziale Netzwerke selber intensiv zu Werbezwecken zu nutzen? Wenn man die drei Grossen, ich nehme mal google+, FB und Twitter, verfolgt, dann findet man, nicht selten automatisierte Werbung für Blogartikel und nicht selten auch Werbung für die eigene Twittermeinung (wenn die auch noch in die beiden anderen automatisch versendet werden) – und das ist noch offensichtlicher, wenn man dann dort, wo man die Artikel bewirbt, gar nicht darüber reden will, sondern nur um Aufmerksamkeit wirbt.

    Und bitte: ICH finde Werbung durchaus in Ordnung, auf viele Blogartikel käme ich sonst nicht und ich kommentiere auch am liebesten im Blog selber. Ich ärgere mich aber auch nie über dieses Geschäftsmodell der Netzwerke und nenne das traurig.

  15. @alle: jetzt mal herzlichen Dank Euch allen, die Ihr mittels Eurer engagierten Beiträge zeigt, dass ein ruhigeres und weniger flüchtiges miteinander „sprechen“ durchaus noch möglich ist! :-)

    @schrotie: Danke für den Link zu diesem tief schürfenden und umfassenden Artikel zum Thema Werbung. Den kommentiere ich dann aber „dort“. :-)

    @Ingo: mir kommt kein Chip ins Hirn, den ich nicht selbst programmiert habe! :-)

    @Gerhard:
    danke für deine Mahnung, Themen wie das Messitum nicht gleich wieder zu vergessen. Wobei ich ja nicht wirklich vergesse, wenn ein Artikel geschrieben und die Diskussion „ausgelaufen“ ist, sondern einfach nicht weiß, was ich sonst noch tun könnte – so als Nichtbetroffene. Ganz gewiss kümmere ich mich aber, wenn ich jemanden mitbekomme, der Tendenzen in diese Richtung zeigt. Das war schon ein paar mal in meinem Leben der Fall, da muss ich mich nicht der Ignoranz schuldig sprechen.
    Das Gespräch als solches endete in der Feststellung, dass man Menschen, die sich verkriechen, ja auch nichts Aufzwingen kann – und das stimmt ja letztlich, denn die Alternative wäre Überwachung und Verlust der städtischen Freiheit des „Leben und Leben lassens“ – was ja auch niemand will.

    @Menachem: hab Dank! Es tut im allgemeinen Geschwurbel der endlos vielen Texte von allüberall verdammt gut, wenn jemand sagt, dass er es bemerkt und sogar schätzt, dass ich wieder mehr schreibe!

    @Bernhard:
    interessant, dass du die verschwindende Befassung mit „alten Sprachen“ mit ins Bildungsdefizit einrechnest! Ich erinnere mich, es selber ausgesprochen blöd gefunden zu haben, dass ich LATEIN lernen musste (sogar bis zum großen Latinum). Es hat mir dann später ein wenig beim Italienisch lernen geholfen, doch viel entscheidender waren da die Familienurlaube, die mich in eine Umgebung versetzten, wo ich es halt SPRECHEN musste – insbesondere, wenn ich Zeit abseits der Eltern verbringen wollte.

    @Helen: für mich stellt es sich eher so dar: klar will ich nach wie vor meine Meinung zu allerlei Themen schreiben, die mich umtreiben und darüber mit Anderen diskutieren. Aber wenn ich mich dabei ganz aufs Blog beschränke, erreiche ich nurmehr wenige Leser/innen, die auch noch „abbröckeln“, wenn ich nicht SEHR REGELMÄSSIG neue Beiträge bringe. Denn über Suchmaschinen kommen vornehmlich Leute, die hier nicht unbedingt das finden, was sie suchen – das sind die „Kurz-drauf-Gucker-und-wieder-Verschwinder“. Und die Surfgewohnheiten der 90ger, als man noch von Homepage zu Homepage klickte, haben sich nun mal verändert: heute erwarten die Leute, dass die Infos/Hinweise/Links zu ihnen kommen – und nicht sie sich suchend darum bemühen müssen.
    Das kann ich beklagen, doch hilft das in der Sache nicht weiter. Will ich Leser, auch solche, die hier öfter vorbei kommen, dann muss ich die gegebenen Kanäle bedienen – anders wäre auch DIESES GESPRÄCH nicht zustande gekommen!

    @Chräcker: womit auch dein Einwand beantwortet ist. Ich finde es nicht „komisch“, die sozialen Netwerke zur Werbung für meine Blogartikel zu nutzen. Es bleibt mir gar nichts anderes übrig! Manchmal stelle ich auf G+ die Kommentiermöglichkeit dann sogar ab, wovon ich aber zugunsten einer Bitte um Kommentare IM BLOG wieder abgekommen bin. Ich bin ja keine jugendliche Radikale, die noch meint, mit Totalverweigerung was zu erreichen! :-)

    Was mich aufgrund des raumgreifenden „Geschäftsmodells“ der Netzwerke befürchte, ist das tendenzielle Verschwinden anderer, unabhängiger Webprojekte. Wenn alle nurmehr auf FB und Co. diskutieren und dort ihre „Seiten“ ausbauen, bleibt das ja nicht folgenlos fürs ganze Web. „Blogs? Das ist doch so 2003…“ sagte neulich ein Kommentierer irgendwo. Die Enteignung der Individuen schreitet auch auf andere Art voran: die Datenhaltung auf dem eigenen PC wird ja gerade auch „vorgestrig“, da die „Wolke“ viel bequemer ist, insbesondere, wenn man auch etliche mobile Geräte nutzt.
    Und zugleich kommen all die Gesetze a la ACTA und Co, und es tobt ein Kampf um die Herrschaft über die Inhalte, der weit über die berechtigten Interessen von Künstlern, Autoren und Kreativen hinaus geht – aber ich belasse es jetzt mal dabei, bevor ich vom 100sten ins 1000ste komme!

    Immerhin können solche Gespräche hier und heute noch stattfinden – danke dafür!

  16. Genauer würde ich nicht von einer Umstrukturierung weg von Inhalten hin zu Personen sprechen, sondern von einer Klärung der Zwecke der ganzen Veranstaltung.

    Wer bisher glaubte, das Internet sei eine Art ‚Manna für alle‘, das vom Himmel falle, weswegen Ansprüche wie ’net neutrality‘ gerechtfertigt und durchsetzbar seien, sollte sich eines Besseren belehren lassen. Das Internet ist eine kommerzielle Veranstaltung zum Zwecke der Gewinnerzielung, die sich der Mittel der Werbung, der moralischen Alterung, der Monopolisierung des Angebotes und der Ausnutzung sowie Formierung von Gebrauchs- und Konsumgewohnheiten, Geschmacksmustern und Lebensstilen bedient.

    Daß Menschen sich darin als soziale Wesen betätigen (wollen), sollte weder verwundern, tun sie das ja auch in Kraftfahrzeugen, Discotheken, politischen Parteien und auf Pauschalreisen, noch zu Hoffnung Anlaß geben, daraus entstünden auf eine neuen Weise (d.h. ohne die Anwendung von organisierter Macht, irgendwie basisdemokratisch, über die Grenzen von ökonomischen, religiösen, politischen und sozialen Interessen und deren jeweiligen Gruppierungen und Strati hinweg) neue Formen eines womöglich demokratischen Miteinanders oder einer Verfaßtheit von Gesellschaft, die dem jeweiligen Betrachter aus Gründen politischer, religiöser oder allgemein weltanschaulicher Couleur jeweils herzlich willkommen wären.

    Die Faszination der ‚Technik‘ Internet verblaßt in den nächsten Jahren zusehends, nehme ich an, und die Generation der mit ihrem Entstehen Aufgewachsenen und daher es vielleicht ewtas zu unkritisch Bewundernden (das sind nicht diejenigen, die das Netz bereits vorgefunden haben), welche das offizielle Gesicht ‚des‘ Internet bis dato geprägt hat, wird sich irgendwann so wehmütig an die Kindertage des Netzes erinnern, wie vor ihnen die Pioniere des Rundfunks an die Zeiten der nicht-kommerziellen Vielfalt der drahtlosen Nachrichtenübertragung und des Amatuerfunks.

    „It was a fine idea, but they fucked it up!“

    Was bleiben wird, denke ich, ist die Hilfsfunktion des Internet für das tägliche Leben in einer rasanten, globalen, arbeitsteiligen Welt. Die immense und nicht mehr zurück zu schraubende Beschleunigung des Transportes von Dingen und Informationen, die noch einmal (wie es schon die Printmedien und nach ihnen Rundfunk und Fernsehen taten) um Größenordnungen über die individuellen Verarbeitungskapazitäten des Einzelnen hinaus gehen wird, so daß dieser nochmals doppelt und dreifach auf sein blindes Vertrauen an ihm glaubwürdig vorkommende Fütterungsinstanzen angewiesen ist.

    Ich fürchte, jemand, der für sich eine kritische Distanz zu Normalität und Alltag wahren möchte, wird nicht umhin kommen, das Internet lediglich als bequemen Fahrkartenautomaten und wieselflinke Auskunftei zu Hause auf dem Schreibtisch oder unterwegs in der Hand- bzw. Jackentasche zu benutzen, ansonsten aber sich bemühen müssen, von diesem technischen, kommerziellen Medium gänzlich unabhängige Wege eines kritisch überprüfbaren Informationsaustausches zu suchen oder sich zu erhalten (so er noch über welche verfügt). Frei Haus per flatrate wird das alles sicherlich nicht ausgeliefert werden, schon gar nicht vom lieben provider um die Ecke ohne alle Profitinteressen.

    „Es geschieht eben nichts Gutes, außer du tust es.“

    Worin letztlich aber vielleicht doch eine kleine Chance entschleunigter Medien liegen mag, dann aber leider als eher hochpreisiges Segment eines Luxusmarktes, etwa für jene, die es sich (noch) leisten können oder wollen, auf eine überprüfbare Qualität von Produkten und Dienstleistungen (und das sind Waren ebenso wie Informationen) zu pochen.

  17. Naja, aber Claudia, mit Deinem „bleibt nichts anderes übrig“, das die anderen Werbenden auch sagen, unterstützt und fütterst und nutzt Du (wie ich ja finde durchaus berechtigt) genau das Geschäftsmodell, das nun anderseits beklagt wird. Und beides passt für mich nicht so zusammen. Entweder ist es gut, dort Leute Zielgruppensortiert zu erreichen oder es ist nicht gut. Wennn nicht, muß man halt die Leute woanders erreichen. Und da gab es auch vorher eigentlich keine wirkliche Alternative. FDa können aber die Netzwerke nichts für. Das Angebot eines RSS-readers war ja doch sehr Nerdlastig.

    Die Gesprächsverteilung als Preis muß dann eben bezahlt werden. Der liegt aber nicht am Geschäftsmodell „Zielgruppen orientierte Werbefläche“ – denn die ist doch für Euch (auch) Werbende eben DER Grund, warum die Netzwerke bestückt werden und damit positiv bestätigt werden.

    Der Preis ist deswegen da, weil viele Menschen eben echt blöderweise gerne mal unter Bekannten reden und teilweise nicht so gern auf öffentliche Podiumsgespräche stehen. Und das es Netzwerke gibt, die DAS anbieten, kann man kaum als Fehler im System ansehen. Da muß man sich eben drauf einstellen.

  18. @Susanne: wie schön, dich auch mal wieder hier zu begrüßen! :-) Und wie des öfteren, muss ich deine umfängliche Einlassung erstmal sacken lassen…

    Anders aufgrund des Vorlaufs gehts mir grade bzgl.

    @Cräcker:

    es ist ein übliches Missverständnis, dass ich bezüglich der Weltaspekte, die ich hier im Diary „beklage“, eine konsequente Gegenstrategie kennen müsste – und mich in diesem Sinne verhalten. Ich bin keine radikale Jugendliche mehr, die heute gegen dies und morgen gegen das mit vollem persönlichen Einsatz „kämpft“ – und dabei meint, der Hinweis, man solle sich eben RAUS HALTEN (weiter gehende Variante: verbieten! oder: Macht kaputt, was Euch kaputt macht!), genüge als Konzept.

    Ganz im Gegenteil: je älter ich werde, umso deutlicher sehe ich stets mehrere Seiten, mehrere Vor- und Nachteile, sehe Nutznießer und Profiteure, die Freunden der Nutzung UND die Kollateralschäden, sehe mich selbst als Täterin und Opfer, Konsumentin und Produzentin, etc. usw.

    Aber gelobt worden ist „das Internet“ bzw. heute „die sozialen Medien“ nun wirklich genug! (Ja, Susanne! :-) Da muss ich nicht zu jedem kritischen Beitrag noch ausgewogen erzählen, was ich AUCH gut finde und natürlich für meine Zwecke nutze (wie etwa die Möglichkeit, ein solches Kommentargespräch unter heutigen Bedingungen überhaupt noch hinzubekommen!)

    Du schriebst:

    „aber Claudia, mit Deinem “bleibt nichts anderes übrig”, das die anderen Werbenden auch sagen, unterstützt und fütterst und nutzt Du (wie ich ja finde durchaus berechtigt) genau das Geschäftsmodell, das nun anderseits beklagt wird. Und beides passt für mich nicht so zusammen.“

    Dann erzähl ich mal in einem analogen Beispiel, wie ich so ein Thema und das persönliche Verhältnis dazu erlebe:

    Früher gab es in Städten unzählige kleine Fachgeschäfte, Tante Emma Läden und Wochenmärkte. Dann kamen die Kaufhäuser, Ketten und Fußgängerzonen, die vielen von ihnen den Garaus machten.

    Allerdings war es immer noch möglich, als freier Bürger jede Fußgängerzone zu betreten und zu schauen, was es da so gibt, bzw. einzukaufen – und ich fand das gar nicht mal nur schlecht, schließlich waren diese Fußgängerzonen für Einkaufsvorhaben wirklich sehr praktisch (wie auch das Kaufhauskonzept „alles unter einem Dach“ ganz praktisch war. Und es gab ja MEHRERE…).

    Letzter Stand: die Shopping Mall (der walled garden) mit Wachdienst und „Hausordnungen“ (=Richtlinien, AGB etc.). Alles noch viel schicker und sauberer jetzt, aber die Macht, über den Zutritt zu entscheiden, haben jetzt private Unternehmen.

    Über all das kann ich schreiben und es kritisieren, OBWOHL ich es gelegentlich nutze bzw. genutzt habe (mittlerweile nutze ich eher Stadium 4: lass es dir schicken…). Ich nutze diese Konsummöglichkeiten aus denselben Motiven, wie andere auch: Beqemlichkeitsvorteile, sowie unterhaltsames „ist ja alles so bunt hier“, bzw. weil es Alternativen zum Teil nicht mehr gibt oder sie nur mit erheblichem Aufwand zu nutzen wären.

    TROTZDEM kann und will ich ihre negativen Seiten sehen, bedauern und darüber schreiben – um gemeinsam darüber nachzudenken, was man ändern könnte/sollte. Jenseits des wohlfeilen Tipps zur persönlichen Totalverweigerung.

    Da z.B. das Recht bei uns durchaus von der Politik / von Menschen gesetzt wird, wäre es im Beispiel möglich, dass sich viele Bürger dafür einsetzen, in den Shopping-Malls allgemeine Menschen- und Bürgerrechte durchzusetzen. Bis hin zum Versammlungs- und Demonstrationsrecht.

    Das ist ein anderer Weg als persönlich aufopferungsvolle Verweigerung, ja. Die kann im übrigen auf diesem Weg durchaus phasenweise massenkompatibel werden, wie etwa der Shell-Boykott gezeigt hat.

    Ach, ich ufere aus, sorry.. hast mich zu einer Verallgemeinerung inspiriert, die durchaus einen extra Artikel wert ist. Danke dafür! :-)

    Zurück zur Nutzung der Netzwerke: ich nutze sie nicht zur „zielgruppen-orientierten Werbung“, sondern poste dort alles öffentlich. Dass das nicht für alle anderen gilt, deren Postings ich hier und da kommentiere, bedauere ich, kann es aber nicht ändern. Insgesamt ist es dieser Aspekt, weshalb ich GooglePlus aktiv nutze, FB aber nicht. Denn auf G+ ist der Trend zu „öffentlich“ doch recht stark…

    Es soll ja m.E. durchaus ALLE Varianten von Kommunikationsstrukturen geben – aber wenn eine droht übermächtig zu werden, dann ist es schon ein paar kritische Beiträge wert!
    Und klar mach ich die in den Netzwerken bekannt – wo denn sonst? :-)

  19. @Claudia, danke für Deine Antwort!
    Mir ging es nicht nur um „was ich sonst noch tun könnte“, sondern auch um die Nachbarfragen, wieso es soweit kommen kann. Welche Faktoren „zwingen“ einen Menschen in die Einsamkeit, in die Abschottung, in die Verwahrlosung? Das war m.E noch nicht ausgeschöpft.
    Aber im Grunde muß ich zugeben: Mich stört fast immer das Austrocknen einer interessanten Diskussion. Das gab es häufig auch hier und ist vermutlich auch nicht anders möglich. Mit dieser Enttäuschung muß man umgehen können.

  20. Ich bin durch eine Seitenwerbung auf Deinen Blog/Digidiary aufmerksam geworden. Bin also ein Toddler hier und versuche mich ein bißchen anzupassen.
    Daß einige Beiträge in den Hintergrund geraten und dann abrutschen, ist ja dem Neuen anzurechnen.

    Die Menschen nutzen das Internet verschieden, für die einen ist es unverzichtbar von Berufswegen, für die anderen ist es Spaß, Unterhaltung und was weiß ich. Wer wenig Zeit hat, wird sich auf bestimmte Sachen konzentrieren, für mich ist das ein Blog, und den hoffe ich gefunden zu haben.

    An @Cräcker hast Du geschrieben, daß mit dem Älterwerden sich Probleme nicht nur von einer Seite zeigen, es gibt Erfahrungen, und ich gehöre zu einem älteren Semester.
    Schauen wir mal.

  21. Lieber Gerhard, aber trotz aller Enttäuschung, hat sich doch auf dieser Seite eine kleine Verbundenheit der Lesenden und Kommentierenden ergeben. Ich freu mich immer wieder, bekannte Namen über den Kommentaren zu finden.

    Und je nach Befindlichkeit und Tageskondition mag ich mich mal gerne hier zoffen. Öfter mal auch NICHT. Aber in der Summe – auf jeden Fall ein Gewinn.

    In Ent-täuschung und Ansprüche, das sag ich jetzt mal für mich allein dahin, lerne ich, mühselig und über einen langen Zeitraum, das Idealisierung und Realität in einem steten Kampf sind. Und ich glaube auch, das es gut ist, dass das so ist – und auch so bleiben sollte.

    Was würde sonst aus unseren Träumen?

  22. @Claudia

    Mein herzlicher Dank für das freundliche Willkommen. Ich lese ja weiterhin häufig hier, habe jedoch den Eindruck, daß Du Deinen Fokus mehr Richtung google+ verschoben hast, wo ich zwar hin und und wieder hinein schaue, doch als Nichtmitglied keine Kommentare hinterlassen kann (was ich angesichts der dort allgemein dominierenden Art der Kommentare nicht allzu sehr bedauere).

    Die automatisierten Vernetzungen behagen mir ohnehin ganz und gar nicht, ich bin ein großer fan des aktiven ‚pollings‘ und hasse es, mich passiv als ‚interrupt driven‘ zu fühlen – auch wenn das der große Trend war und ist. Ich fühle mich nicht dann als in der Welt handelnde Person, wenn nur genug Maschinen es mir lauthals ins Gesicht schreien, das macht mich eher unsicher und desorientiert.

    Sondern fühle mich nur dann halbwegs bei mir, wenn ich dorthin auf meinen eigenen Beinen zu gehen versuche, wo ich hingehen will, und denjenigen das mit meiner eigenen Stimme mich zu fragen traue, den ich ich das fragen will, was mich interessiert.

    Dazu möchte ich jedoch nur ungern von Robotern an die Hand genommen werden oder durch Spezialbrillen in die Gegend glotzen müssen, selbst auf die Gefahr hin, daß mir so eminent wichtige Themen wie Patentstreitigkeiten um die Randgestaltung von Tablettcomputern oder das aufregende Drama des Kampfes um den gleichschnellen Zugang via Spielkonsole zu seinen Mitspielern durch die Lappen gehen.

    So isses! ;-)

  23. @Susanne: es gibt immer mal wieder Zeiten, in denen mein Aktivitäts-Fokus sich etwas verschiebt – bin darüber auch ganz glücklich, denn es heißt ja, dass ich noch im Stande bin, mich versuchsweise auf Neues einzulassen. :-)
    Nie und nimmer aber würde ich mein „Home“ aufgeben, und das ist nun mal das Digital Diary. Hier schreib ich über die Erfahrungen, die ich anderswo mache – und „dort“ findet sich im allgemeinen Geschwurbel durchaus manche Inspiration. Auch bekomme ich da mit, was eine mir nahe Zielgruppe (= die sehr Web-Aktiven) grade so wichtig findet. Ein Info-Kanal also.

    ‘interrupt driven’ ist meine Alltagswelt allerdings GAR NICHT. Noch nie hab ich ein Mailprogramm so eingestellt, dass es klingelt oder PopUps zeigt, wenn eine Mail herein kommt. Und „Robots“ bzw. Automatismen nutze ich vor allem als Sender. Das erspart nämlich wirklich Idiotenarbeit und Lebenszeit, wenn ich nicht selber überall den Link zum neuesten Blogbeitrag posten muss, wo sich mit einiger Wahrscheinlichkeit Leute lesend herum treiben, die mein Thema interessieren könnte.

    Den größtmöglichen „interrupt“, das Telefongespräch, hab ich seit vielen Jahren auf wenige, meist private Vorkommnisse beschränkt – sonst würde ich wirklich irre werden und käme zu gar nichts mehr!

    @Gerhard:
    da fehlt es dir offenbar ein wenig am eigenen Blog! Denn hättest du eines, würdest du den „fehlenden Aspekt“ als eigenen Artikel bringen und dann dafür sorgen, dass die hiesige Lese&diskutier-Gemeinde davon erfährt!
    Aber auch ohne das: da du es jetzt hier eingebracht hast, nehme ich das Thema gerne als Anlass, selbst mal darüber zu schreiben. Schließlich bin ich die meiste Zeit in meiner Wohnung mit mir alleine – fühl mich aber nicht einsam. Grund, darüber nachzudenken…

    @Menachem: ja, so ist es. Und ich merke auch, dass es mir FEHLT, wenn länger kein Gespräch mit eben jenen Teilnehmer/innen zustande kam. (Von denen durchaus mal jemand auf Dauer verschwindet, dafür kommt ab und an jemand Neues hinzu.) Man könnte sagen, das ist die Art, wie ich mich auf eine gewisse Weise „einsam“ fühlen kann – da hilft dann auch kein zufälliger „Überschriften-Erfolg“, der plötzlich mal tausende Leute anzieht, die daher kommentieren (wenn überhaupt) wie bei Heise oder SPON.

    @Helen: „Toddler“ musste ich erstmal googeln – und Wikipedia sagt:
    „A toddler is a young child, usually defined as being between the ages of one and three“.

    Ach so, ein Wort für „Neuling“! Schön, dass du her gefunden hast!
    Dass ich im älter werden zunehmend mehr mögliche Standpunkte bzgl. eines Themas sehe (wichiger noch: mitfühlen kann), gerät mir des Öfteren zur Schreibblockade! Denn da stellt sich dann im von mir präferierten „Text-Format“ die Sinnfrage: wenn ich nicht klar sagen kann, was nun einzig wahr und richtig ist, wozu soll ich dann andere Menschen mit meinen Texten belästigen? (Deshalb beneide ich manchmal die Belletristiker: die können einfach mehrere Personen erschaffen, die die unterschiedlichen Haltungen repräsentieren und ausleben!)

    Zum Glück entsteht beim Verfassen dann doch oft ein Trend – alles sortiert sich ein wenig. Und irgendwann hab ich auch begriffen: das Gesamtgespräch (Artikel PLUS Kommentargespräch) ist und kann weit mehr, als ich alleine per „Auslöser-Posting“ bringen könnte/sollte/müsste.

  24. Sehr schöner Artikel, der gut zum Thema passt

    * Der Tod des Cyberflaneurs

    (Ich danke Sonja, die mir den Link per Mail zukommen ließ.

  25. „Soziale Netzwerke“ – wird das nicht heute vornehmlich als irgendein Internetsystem verstanden?
    Dabei gab es die doch schon immer – nur anders, halt nicht virtuell.

    So komme ich auf den Gedanken, wenn ich den „Tod des Cyberflaneurs“ lese, das Facebook doch nur eine gelungene Mutation der „sozialen Netzwerk Evolution“ ist.
    Es gab neben Facebook bestimmt viele andere Mutationen, doch diese hat sich als „überlebensfähig“ bewährt.

    Egal, wie ich`s nehme, ob Zuckerberg jetzt den richtigen Riecher hatte für das, wie und was ein „soziales Netzwerk“ bedienen soll, oder ob nur die richtigen Würfel gefallen waren für das System, was genau die Wünsche der „user“ erfüllt. Es tut es jedenfalls.

    Und wenn 845 Mio Menschen dies nutzen ist vielleicht gerade für die Nichtnutzer die Frage, was ist sozial, was die haben und ich nicht?

    Bin ich so gesehen asozial und ausserhalb der Norm?

    Vielleicht, so denke ich, ist der Mensch als soziales Wesen viel oberflächlicher als wir es gerne sein möchten – das ist auch nicht so anstrengend, ist auch mit weniger Veantwortung verbunden, dafür aber mit mehr Fun.

    Den Wunsch nach Verbundenheit kann man in Facebook fast wirtschaftlich optimal lösen: Minimaler Input – maximaler Output. Und auch das „Geben“ wird optimiert, mit, ich glaube sie nennen sich, „Kommentormaten“ oder so ähnlich. Mit lediglich einem Click wird eine Antwort generiert und dabei eine Menge Energie gespart, die durch das mühselige Tippen einzelner Buchstaben auf einer altmodischen Tastatur verschleudert wäre.

    Wenn das so ist, dann isses halt so. Und um von der Oberfläche in die Tiefe zu gelangen, müssen wir eventuell noch ein langes Stück auf der Strasse unserer zu erarbeitenden „Zvilisationsleistungen“ gehen.

    O.K., ich bin dabei. Aber bitte, gemach, gemach :)

  26. „Der Tod des Cyberflaneurs“
    von wegen: es lebe die flaneur!
    „die totgeglaubten leben länger:)“

    vom kauderwelsch zum Draft-Ing.dipl.red.mat.dr.dr.:)
    flanieren gefällt mir.
    ein beispiel zum flanieren mit google oder sonstiger
    Suma deiner vertrautheit:

    und wenn ich so wandere in
    jedwedem Tal über berge
    schlawandere bar jeder qual
    und lächelnd mir brandere
    mir ists nicht wirklich egal:)

    —————————
    suchbegriff „kauderwelsch“
    —————————

    http://www.google.de/#hl=de&gs_nf=1&cp=5&gs_id=v&xhr=t&q=kauderwelsch&pf=p&sclient=psy-ab&biw=972&bih=628&source=hp&pbx=1&oq=kaude&aq=0&aqi=g2g-s1g1&aql=&gs_sm=&gs_upl=&bav=on.2,or.r_gc.r_pw.,cf.osb&fp=c2b540a2117ea26e

    ——————————
    eines der interessant erscheinenden Themen:
    ——————————

    http://www1.spiegel.de/active/quiztool/fcgi/quiztool.fcgi?id=58850

    „Was sagt Financial zu dem Draft?“ Unternehmensberater verwenden eine Geheimsprache, die für Außenstehende
    kaum zu verstehen ist. Doch anders als Juristen-Kauderwelsch infiziert Beratersprech immer mehr Berufszweige.

    Sie haben 10 von 10 Punkten.

    KPIs, Capex oder Balanced Scorecard – Ihnen macht keiner etwas vor. Sie sind für jede Challenge gerüstet. Nur mit normalem Deutsch hapert es ein bisschen. Aber da Sie im Office leben und einen Allnighter nach dem anderen durchziehen, ist das eigentlich egal.

    (gröööhlll! ich bin „nur“ tischler und
    kann eine suchanfrage formulieren)

    fehlende sprachkenntnisse wurden mit gezielten
    suchanfragen bei google erschlossen:)

    eine heitere halbe stunde im netz, völlig ohne kauf
    mit eigenerzeugter Satire und hirnrisswendigen nachgedenkten humoranfälligen einzelgedänkelchen.

    nur zu empfehlen und garnicht teuer:)

    gruss ingo

  27. […] Freunden und virtuellen Bekannten zu vernetzen und auszutauschen. Claudia Klinger macht sich in „Von der Personalisierung des großen Gesprächs“ so ihre Gedanken über die möglichen (negativen) Folgen und Nebenwirkungen einer […]

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