Claudia am 26. Februar 2009 — 11 Kommentare

Finanzkrise: Wann kommt der Google?

Dass es – zumindest virtuell – viel zu viel Geld gibt, das in keiner Weise mehr mit Waren und Dienstleistungen abgedeckt ist, entnehme ich den vielfältigen Infos und Erläuterungen der letzten Monate. Eigentlich müssten die Geldbesitzer bzw. die Eigner der zunehmend uneinbringlichen Forderungen (faule Kredite, toxische Papiere etc.) neun Zehntel ihrer prekären Werte VERNICHTEN, damit das Ganze wieder ein wenig ins Lot kommt – aber sowas macht natürlich niemand freiwillig.

Also versucht man, all das Problematische unter den Teppich zu kehren, bzw. in „Bad Banks“ auszulagern, um zumindest Zeit zu gewinnen. Ob das unter verstaatlichten oder privaten Rahmenbedingungen stattfindet, ist im Grunde egal: im ersten Fall haftet der Steuerzahler direkt, im zweiten Fall indirekt, denn die Realwirtschaft befindet sich ja quasi in Geiselhaft des Finanzsystems. Die Banken müssen gestützt werden, da scheinen sich alle einige zu sein, die nicht auf einen totalen Crash spekulieren – und den finden eigentlich nur Leute spannend, die immer schon nur Gift & Galle auf alles Bestehende sprühen.

Altes Gold? Neues Geld?

Um die gewaltigen Schulden (die ja jemand Anderes Forderungen bzw. Vermögen sind) wegzubekommen, müsse, wie manche meinen, eine „gemäßigte“ Inflation kommen, die das Geld nicht allzu schnell, aber doch binnen einiger Zeit deutlich entwertet, und damit auch all die aufgelaufenen Schulden. Viele rechnen damit, dass das bald los geht, vielleicht ist deshalb hierzulande die Kauflaune noch so gut (ich schaffe mir auch grade ein paar „Langfrist-Güter“ an). Andere meinen, es brauche eine Währungsreform: zurück zum Goldstandard bzw. zu einem neuen Welt-Dollar, dessen Einführung mit einem Schlag wieder handhabbare Verhältnisse bringen würde. Wie das gehen sollte und WER den einführen soll (entgegen den alten Finanz-Mächten, die natürlich keine Enteignung wollen, genauso wenig wie „der kleine Sparer“), bleibt allerdings sehr fraglich.

Nebenwährung „Google“ ?

Ja, zugegeben, das ist eine ziemlich verrückte Idee. Wenn ich mich allerdings frage, WER über eine stabile und nahezu weltweit zugängliche Infrastruktur für eine neue „Verrechnungseinheit“ für Waren und Dienstleistungen verfügt, fällt mir nur Google ein. Wie wäre es also, wenn Big G. ähnlich den Tauschbörsen eine Art „Nebengeld“, eben den „Google“ einführen würde, mit dem man im Netz dann handeln könnte? Sollen sich doch ein paar hochkarätige Finanz-Experten zusammen setzen und sich Modalitäten einfallen lassen, wie das mittels Nutzung und Ausweitung bestehender Strukturen (Google-Accounts) machbar wäre. Natürlich ist das JETZT noch gar nicht erlaubt – aber um derlei Kleinkram hat sich Google ja noch nie ausschweifend gekümmert (man denke an das Projekt, alle Bücher dieser Welt einzuscannen…). Und wer weiß, was bei einer Zuspitzung der Lage noch alles möglich wird, was heute undenkbar erscheint.

Um auch die nicht-vernetzte Bevölkerung ans Google-Geld anzuschließen, könnten kleine Wechselstuben entstehen, ähnlich den Ebay-Shops, wo man sich Googles auszahlen lassen, bzw. in die jeweils nationale Währung tauschen könnte. Welche Rolle das „Ersatzgeld“ in einer Krise spielen kann, dafür gibt es sogar Beispiele, wie etwa Argentinien – Wikipedia schreibt dazu:

„Schon in den 1990er Jahren war infolge der steigenden Arbeitslosigkeit eine große Anzahl von Tauschringen entstanden, in denen nicht nur Waren, sondern vor allem Dienstleistungen ausgetauscht wurden. Diese Aktivität nahm in den Krisenjahren stark zu. Die Marken der Dachorganisation der Tauschringe Red Global de Trueque (RGT), die Créditos, wurden ab 2001 zu einer inoffiziellen Komplementärwährung zum Peso. Eine unkontrollierte Expansion dieser Aktivität sorgte jedoch für ständige Abwertungen des Crédito durch die RGT, so dass das Tauschen nach der Erholung der Wirtschaft um 2003 immer weniger attraktiv wurde und so an Bedeutung verlor.“

Immerhin, die Wirtschaft hat sich wieder erholt.

Im Grunde wäre das „Nebengeld“ die Verrechnungseinheit in einer Ökonomie der Bartergeschäfte, also ein zwischen vielen organisierter Tauschhandel. Dass man sowas heute übers Internet organisiert, erscheint selbstverständlich – und WER wäre da besser geeignet als Google, deren SUCHE eh schon weltweit und massenhaft genutzt wird?

Diskussion

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11 Kommentare zu „Finanzkrise: Wann kommt der Google?“.

  1. Du lässt ausser acht, dass ein weltweites Finanzsystem auf Gewalt gebaut ist. Der Dollar ist nur deswegen die Leitwährung weil das Us-Militär das im Zweifel durchsetzen kann. Hat Google jetzt schon eine Armee? Ich hoffe nicht.

  2. Wenn der Dollar aber wegen allzu vielen Schuldenmachens entwertet.. was dann?? Und: die Nutzung der „Verrechnungseinheit“ wäre ja freiwillig – den Argentiniern musste man ihre Nebenwährung auch nicht aufzwingen…

     

  3. Wo hat sich die Wirtschaft denn erholt? Das fängt doch bei uns in Deutschland gerade erst an.
    Hab letzten gelesen das die Ammis das Problem ganz einfach lösen. Sie drucken einfach unmängen neues Geld für die Banken, diese können wiederrum das geld nach Asien bringen wo sie sehr hohe zinsen bekommen… Also ich bin sehr gespannt ob wir nicht demnächst eine Inflation bekommen.

  4. @Ranger: in Argentinien nach der großen Finanzkrise hat sich die Wirtschaft wieder erholt – lies halt mal weiter, ich habs ja verlinkt!

    Inflation wird ja als EINE mögliche Methode, die extrem angeschwollene Schuldenblase zu verkleinern angesehen. Im Moment klappt das noch nicht, frag mich nicht, warum…

  5. Eine Nebenwährung hat was, würde aber nicht die gigantischen Schulden ‚beseitigen‘. Die deutsche Staatsverschuldung liegt bei über 1.5 Billionen EURO und wächst pro Sekunde um 4.434 EURO. Da hilft keine Nebenwährung.

  6. Das mit dem Missverhältnis zwischen Wertschöpfung und Geldmenge würde ich eher regional betrachten. Der US-amerikanische Konsument übernimmt sich bei einer Sparquote von nahe Null seit vielen Jahren hemmungslos, und dass etwa China seine Währungsreserven trotz permanentem exzessivem Außenhandelsdefizit der USA nach wie vor in Dollar anlegt, ist wohl nur durch die gegenseitige Abhängigkeit zwischen beiden Volkswirtschaften (wenn der Yuan gegenüber dem Dollar zu stark aufwertet, verliert China seinen Exportvorteil gegenüber Osteuropa) und den mangelnden Glauben an die politische Stabilität des Euro-Raums (Stichwort: Lissabon-Vertrag) erklärbar. Aus rein währungstechnischer Sicht wäre China mit einem Euro-Guthaben viel besser beraten; erste vorsichtige Tendenzen in diese Richtung hat China ja bereits angedeutet, und es ist ein durchaus geschicktes Timing, jetzt seinen Dollar-Stapel zu verkaufen und den Erlös in die Stimulierung der eigenen Wirtschaft zu stecken, solange die verängstigte Welt ausgerechnet den Dollar als sicheren Hafen betrachtet, und das trotz einer Netto-Kreditaufnahme der Amis von gut 12% im laufenden Jahr.
    Die Weg-Inflationierung der Schulden halte auch ich für ein nahe liegendes Szenario. Verlierer der Aktion wären diejenigen, die aus ihren bestehenden Geldanlagen nicht herauskönnen – in erster Linie die Rentner (deren Ansprüche mit abgewertet werden, wie wir in den letzten Jahren ja beobachten konnten), in zweiter Linie die Käufer niedrig verzinslicher Staatsanleihen und die Anleger von Lebensversicherungen mit einer garantierten Rendite, die dann unterhalb der Inflationsrate liegen würde. Sachwerten wie Aktien und Immobilien tut eine Inflationierung nicht sonderlich weh; insofern würden sich die „alten Finanzmächte“ mit einer solchen Situation prima zu arrangieren wissen.
    Regionalwährungen wie „den Google“ gibt es in Deutschland ja bereits (http://www.chiemgauer.info/). Es ist eine Frage des Vertrauens der Bürger, wo sie ihr Geld anlegen (Gold ist letzten Endes auch nur eine Art Währung, sein praktischer Nutzen für den Normalbürger ist gering). Um ein solches Vertrauen im großen Stil zu rechtfertigen, müsste Google allerdings eine Art überstaatliche Institution sein – andernfalls droht dem Unternehmen in Krisenzeiten genauso eine Verstaatlichung wie jetzt den Finanzunternehmen. Insofern ist das mit der militärisch begründeten Macht des US-Dollars durchaus plausibel. Den Verschuldungsgrad kann man mit einer Alternativwährung tatsächlich nicht reduzieren – man kann lediglich durch Währungsspekulationen die Besitzverhältnisse umverteilen: Wer auf die richtige Währung setzt, profitiert zu Lasten derjenigen, die falsch geraten haben und deren Währung an Kaufkraft verliert.
    Das mit dem „Geld drucken und in Asien hochverzinslich anlegen“ ist nicht so einfach. Carry-Trader machen es bisher genau umgekehrt: Sie „drucken“ in Japan bzw. der Schweiz Geld (sie nehmen niedrigverzinsliche Kredite in japanischen Yen bzw. Schweizer Franken auf) und legen das Geld hochverzinslich in westlichen Währungen an. Das Problem an der Sache ist, dass man dabei Währungsverluste machen kann – was diverse deutsche Gemeinden bereits an den Abgrund des Bankrotts gebracht hat (und diejenigen deutschen Landesbanken, die hochverzinsliche Island-Anleihen in Landeswährung gekauft haben, gucken derzeit ziemlich bedröppelt aus der Wäsche). Gäbe es tatsächlich eine risikolose Methode zum Geldverdienen, dann wären die Investmentbanken die Ersten gewesen, sie zu nutzen – sie hätten ja einfach Anlegergeld mit ihren Hedgefonds einsammeln können. Die von den amerikanischen Rating-Argenturen mit „AAA“ eingestuften Subprime-Kreditverbriefungen mit ihren hohen Kupons sahen für Dilettanten so aus, als wären sie eine solche Methode, weshalb ja so viele deutsche Landesbanken dort hemmungslos zugeschlagen haben… Rendite gibt es aber niemals ohne Risiko, und der deutsche Steuerzahler darf nun u. a. mit der Fast-Pleite von Schleswig-Holstein die Rechnung dafür bezahlen, dass unsere Staatsbeamten im großen Casino mitspielen wollten, ohne die Regeln zu beherrschen.

  7. Danke Michael! Ein sehr erhellender Kommentar! Und verrückt ist es schon, dass nun überall „der Staat“ es richten soll, angesichts der von dir aufgezeigten blauäugigen Mitwettereien der öffentlichen Hände zu Lasten der Steuerzahler. Solche Spekulationen sollte m.E. im öffentlich-rechtlichen Bereich schlicht verboten werden!

  8. Also das mit dem Google Ersatzgeld kann ich mir auch nur sehr schwer vorstellen. Im Endeffekt wäre es doch auch nicht viel mehr wert, als der Euro. Außerdem hatte doch Deutschland schon von 1914 bis 1923 eine Inflation, da hat das Geld sein Wert verloren. In den folgenden Jahren besserte sich zwar die Situation wieder, doch als dann 1929 die Weltwirtschaftskrise kam, sah es wieder nicht so rosig aus. Da kann man nur abwarten, ob sich das ganze noch einmal wiederholt, ich hoffe es nicht.

  9. Die Idee mit dem „google“ ist ja nicht so schlecht, allerdings finde ich, dass der Gockel schon jetzt viel zu mächtig ist. Jetzt noch im Finanzsystem einen dermaßen großen Hebel in die Hand zu bekommen, wäre äußerst bedenklich.

  10. @Manfred:  das wird ziemlich unwichtig, wenn die derzeitigen Währungen zusammen brechen – was ich natürlich nicht hoffe!

  11. Geniale Idee.

    Sich einfach aus dem bestehenden System verabschieden und ein neues nutzen.

    Wenn das neue (systemisch betrachtet) besser ist und damit einen Strukturbruch oder Paradigmenwechsel verursachen kann, wird das alte, überholte oder anachronistische System von ganz alleine bedeutungslos werden und zurecht ins Museum oder auf das Mittelalterfestival verschwinden.

    Siehe zum Beispiel der gebundene Brockhaus vs. Wikipedia oder der Buchhandel vs. Amazon oder der Bibliotheken-Karteikasten vs. Google Books oder das Kleinanzeigenblatt vs. eBay oder das Typenrad vs. Microsoft Word, oder der CCD vs. den Kleinbildfilm oder die Pferdekutsche vs. das Kraftfahrzeug oder die Ganzkörperbehaarung vs. Hennes & Mauritz etc. pp. ad infinitum.

    Achtung: das neue System muss nicht unbedingt „moralisch“ besser sein als das alte — es muss einfach effizienter sein und besser funktionieren, so dass die Leute nur noch das neue System nutzen und das alte schlicht mit Verachtung bedenken.

    Also ich finde den Denkansatz wenn auch noch unausgereift so doch äußerst erfrischend. Warum soll ausgerechnet ein jahrtausendealtes Geldsystem für die aktuelle Zeit noch sinnvoll sein, wenn schon ganz andere Traditionen zu Recht den Bach hinunter gegangen sind (siehe Beispiele oben).

    Ich frage mich sowieso schon lange, warum ich einem promovierten Volkswirtschaftler* Tausende von Euro pro Jahr hinterherwerfen muss, damit ich überhaupt noch meine Steuern bezahlen kann?

    Oder warum ich für die Verlegung von mehreren Quadratmetern Marmorfußboden in diversen Wolkenkratzern zuständig sein soll, damit ich ein Online-Girokonto haben kann?

    Wie krank ist das eigentlich?

    Grüße vom Adminator

    * auch bekannt unter dem Begriff „Steuerberater“

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