Ich lese mich gerade durch die aktuelle „Ranteria“ und bin ganz amüsiert – zugegeben nach zwischenzeitlichen Irritationen. Wieder einmal scheint es um Kritik zu gehen, aber das reicht bei weitem nicht, um die eigenartigen Auseinandersetzungen zu beschreiben, die ab und zu hochkochen (=mehrere, aufeinander reagierende Blogposts).
Da regt sich Herr Tommy über allerlei Leute auf, die unverlangt mit Standard-Tipps und klischeehaften Abwertungen kommen: „Windows-User gelten in einigen Kreisen als zerebralentkernte Dumpfbacken. “ Ja, das ist so und nicht erst seit vorgestern (gäääähhhhn…). Mich hat dieser Text in keiner Weise getriggert, grade weil ich das alles lange kenne und keinen Grund sehe, mich an derlei Debatten zu beteiligen (das Alter… :-)
Dann schreibt Henning Uhle, dass er sich nicht nerven lässt. Und: „Ich mache das so, wie ich das für richtig erachte. Und wenn es mir zu bunt wird, bin ich halt weg von den Plattformen„. Na klar, schließlich gibt es keinen Zwang, sich in Räumen aufzuhalten, die einem nicht gut tun!
Bis hierher sind es ganz normale Blogartikel: man schreibt sich von der Seele, was gerade – oder immer mal wieder – nervt.
Aber Achtung, jetzt tritt auf: „Rantgebiet“ mit dem provozierenden Text „Alte weiße Erklärbären dulden keine anderen Erklärbären neben sich„. Er benennt und verlinkt die beiden als Erklärbär Nr.1 und Erklärbär Nr.2, schmäht sie als „alte weiße Männer“ und lässt kein gutes Haar an ihren Äußerungen. Um dann zu offenem Alten-Bashing überzugehen, indem er Erklärbär Nr.3 einführt:
„Da die Rentnergruppe allerdings auf ihrer Terrasse nicht allein ist, kommt noch der Erklärbär Nr. 3 aus dem Nebenzimmer des digitalen Altenheims um die Ecke und kommentiert nicht nur umfangreich, sondern applaudiert selbstverständlich noch einmal dazu.“
Das alles auf einem komplett anonymen Blog ohne Kommentarfunktion! Klar, so lässt sich leicht ranten! Obwohl:
„Ein „Rant“ ist eine leidenschaftliche und emotionale (Wut)Rede. Der englischen Bedeutung nachempfunden, ist jemand der „rantet“ am Schimpfen. Sich exzessiv über etwas auslassen, weil es einen einfach so sehr aufregt, wird durch soziale Medien immer leichter.“ (Netzwelt)
Ich glaube nicht, dass Rantgebiet.de sich „so sehr aufregt“, dass er nicht anders kann, als rumzuschimpfen. Eher nehme ich an, dass er sich amüsiert und über die Aufmerksamkeit freut, die ihm dank seiner Provokationen zuteil wird. Liest man weiter, wird klar: Der Verfasser der Rants bleibt nicht nur anonym und spricht von sich als „wir“, sondern gibt auch sonst absolut nichts von sich preis. Möglichst „hochwertiges“ Lästern über andere Blogger ist der ganze Inhalt – ok, kann man machen, der Name „Rantgebiet“ ist ja Warnung genug.
In Zwischen Kritik, Gefühlen und der Anonymität gibt es sogar ein Statment dazu:
„Die Anonymität dient hier einfach dazu, der Bloggeria ihren eigenen Spiegel vorzuhalten. Wäre es nicht anonym, hätte die Holzhammer-Methode keinerlei Auswirkungen.“
Was für Auswirkungen sollen das sein? Vielleicht die so erschimpften Links, die dem Grantler mehr Wert sind als Kommentare? Ich weiß es nicht, habe aber wohl bemerkt, dass es ein stark verzerrender Spiegel ist, den er da vorhält. Nervig finde ich, dass dieser Anonymus sogar ein Pseudo verweigert, mit dem man ihn ansprechen bzw. zitieren könnte.
Warum ich am Ende doch eher amüsiert als abgestoßen bin? Weil ich den Wunsch, gesehen werden zu wollen ohne sich zeigen zu müssen, irgendwie tragisch und komisch zugleich finde. „Reibung erzeugt Wärme“ – vielleicht ist das die Hoffnung, nicht nur von Rantgebiet?
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Und sonst:
Landwehrkanal 03/26 (Betonflüsterer)
„Ein Typ mit einem grünen re:publica 23-Shirt kommt mir entgegen. Ein Blogger. Oder einer, der Blogger liest. Der Loser. Weiß nicht, dass alle Welt heute bei Tiktok hirnfrittierende Videoclips wischt. Und Buchstaben eine Mikroaggression sind. Mit seinem Shirt als Diagnose. Die arme Sau.“
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