Sollte ich nicht lieber gemütlich übers Bloggen bloggen, anstatt das krasse Weltgeschehen zu kommentieren? Oder über das eisige Wetter, den Stromausfall in Berlin, die „schlecht aufgestellten“ Behörden in Sachen Katastrophenvorsorge? Könnte, sollte, müsste… egal, Trump nervt gerade am meisten, mit Abstand!
Wie ein Raubritter führt sich die Trump-Clique in Venezuela auf:
- Alles Öl, da seit Monaten dort gelagert ist und wegen US-Sanktionen nicht ausgeliefert werden kann, soll nun also nach USA geliefert und dort „vermarktet“ werden.
- Das Maduro-Regime darf ohne Maduro weitermachen, weil das „sicherer“ wirkt als wenn Wahlen stattfinden könnten und womöglich die Opposition an die Macht käme.
Es geht dabei nicht nur ums Öl allein: Venezuela soll „Agenten“ aus China, Russland, Kuba und Iran ausweisen. Das sind aus hiesiger Sicht zwar wahrlich keine Sympathieträger, aber insbesondere China hat viel in Venezuelas Infrastruktur investiert und sich seine Darlehen durch Öl-Lieferungen absichern lassen:
- Bis zuletzt gingen große Teile der venezolanischen Ölexporte nach China: im Jahr 2025 waren es zeitweise bis zu 80 % der gesamten Rohölexporte des Landes, um Schulden zu bedienen und Einnahmen für die desolate Wirtschaft zu generieren.
- Chinesische Staatsunternehmen wie CNPC und Sinopec halten Anteile an Ölfeldern mit Reserven von mehreren Milliarden Barrel – die können sie vermutlich jetzt abschreiben, genau wie die Darlehen.
Das sind jetzt nur einige der aktuellen Trumpschen Schandtaten. Er droht auch Kolumbien und Mexiko, vor allem aber will er Grönland: zwar wird berichtet, er würde „eine nicht militärische Lösung bevorzugen“, aber wer kann sich denn noch auf etwas verlassen, was Trump sagt? Aus 60 internationalen Organisationen ziehen sich die USA zurück, auch aus dem wichtigen Klimarahmenvertrag der Vereinten Nationen, der 1992 von 200 Staaten angenommen wurde. Und trotz der seit Trumps Amtsantritt nochmal massiv gesteigerten Schulden der USA, will er die Militärausgaben drastisch erhöhen: Von 901 Milliarden auf 1,5 Billionen Dollar. Die Rüstungsindustrie soll schneller Waffen produzieren und keine Dividenden an Aktionäre mehr zahlen. Das sagt er nicht nur, sondern will es durch Zahlungsstopp erzwingen:
„US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, Rüstungsunternehmen wie RTX an der Ausschüttung von Dividenden oder dem Rückkauf eigener Aktien zu hindern, solange sie die Waffenproduktion nicht beschleunigen. Dieser seltene präsidentielle Eingriff in die Wall-Street-Gepflogenheiten sorgte für Kursverluste bei Rüstungsaktien und signalisiert umfassende Veränderungen für den amerikanischen militärisch-industriellen Komplex“.
Trump und „die Märkte“
Man mag sich fragen, warum ich das zitiere, denn die Interessen der Rüstungsaktienbesitzer sind nicht meine und vermutlich auch nicht die der hier Mitlesenden. Der Grund: Als Trump am sogenannten „Liberation Day“ im April seine absurden Zölle verkündet hat, gab es einen heftigen Börsencrash – kein Wunder! Aber: zu meinem Erstaunen bewegte das Trump recht zügig dazu, von seiner Zollliste abzurücken, setzte sie für 90 Tage aus und gab allen betroffenen Staaten die Gelegenheit zu Verhandlungen. Woraufhin sich „die Märkte“ so zügig erholten wie noch nie nach einem Crash.
Wie die Aktien (und Anleihen!) reagieren, bewegt Trump also mehr als alles andere und kann ihn tatsächlich ausbremsen! Seitdem beobachte ich „die Märkte“ und schaue ab und an die Video-Berichte von Markus Fugmann („Fugi“), der täglich den Stand der Dinge kommentiert. Das Besondere: Bezüglich der geopolitischen Vorgänge fühle ich mich dadurch schneller und besser informiert als durch Herumlesen in unseren Leitmedien, die oft nur sehr punktuell berichten und – außerhalb der Zahlschranke! – selten größere Zusammenhänge thematisieren.
Hier ein Beispiel von gestern: Trump gegen Russland, China, Iran: Wer gewinnt – Öl gegen seltene Erden.
Seine humorig-zynische Art ist vielleicht gewöhnungsbedürftig und seine gelegentlichen Seitenhiebe gegen hiesige Energiepolitik geben gewiss Anlass zum Widerspruch, aber er ist alles andere als langweilig und die Info-Dichte ist beispiellos.
Dieses Jahr sind Zwischenwahlen in den USA und viele Analysten vermuten, dass Trump alles Erdenkliche tun wird, um „die Märkte“ nicht zu schocken und die Illusion von Wirtschaftswachstum aufrecht zu erhalten. Kann sein, kann auch nicht sein, schließlich agiert Trump selten „vernünftig“, was sich nicht nur an seinen Rüstungsvorhaben wieder krass zeigt.
Genug für heute! Das nächste Thema wird wieder gemütlicher – versprochen!
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Und sonst:
- Unter dem nicht ganz so großen Stein (Buddenbohm & Söhne)
- Entzündung oder Erleuchtung? (Geist & Gegenwart)
- Was werden erst die anderen von uns denken, wenn wir uns selbst nichts zutrauen und die Selbstachtung verlieren? (Horst Schulte)
- Unkomplex (Fliegende Bretter)
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2 Kommentare zu „Trump raubt Venezuela aus, doch geht es nicht nur um Öl“.