Claudia am 11. Oktober 2017 — 8 Kommentare

E-Book? Nein danke!

Der E-Book-Markt wächst nicht, sondern stagniert seit drei Jahren. Mein E-Book-Konsum stagniert mit. Felix Richter schreibt dazu auf Statista:

…trotz aller technischen Verbesserungen im Bereich E-Books bzw. E-Reader kommt das digitale Lesevergnügen in Deutschland nicht so recht vom Fleck. Laut Zahlen des digitalen Branchenverbands Bitkom hat sich der Anteil der E-Book-Leser hierzulande in den vergangenen drei Jahren kaum verändert. Demnach liest nur jeder vierte Deutsche zumindest gelegentlich E-Books.

Infografik: Papier schlägt E-Book | Statista Mehr Statistiken bei Statista

Bitcom-Präsident Achim Berg meint, das läge an den hohen Preisen, die kaum niedriger seien als das gedruckte Buch. Das ist sicher ein wichtiger Grund, aber für mich ist ein anderer ausschlaggebend: Ein E-Book gehört mir nicht wirklich. Ich darf es nicht weiter verkaufen, sondern erwerbe lediglich eine „Leselizenz“. Das Verleihen wurde zwar mittlerweile vom EuGh legalisiert, jedoch nur für Bibliotheken (Onleihe). Als Nutzerin muss ich mich mit unterschiedlichen Angeboten zum Mehrfach-Nutzen auseinander setzen (z.B. kann man bei Amazon/Kindle auf 6 verschiedenen angemeldeten Geräten lesen), einfaches problemloses Verleihen geht nicht. Und schließlich: dank DRM ist es extrem kompliziert bis schier unmöglich, E-Books auf andere Lesegeräte zu übertragen. Wer mal eben Einstiegsinfos über die verschiedenen Formate, Plattformen und die mit dem Erwerb einher gehenden Bindungen an Anbieter, Accounts und Geräte sucht, muss sich auf eine längere Lernkurve einstellen – und natürlich ist das alles immer im Fluss.

Unerreicht ergonomisch: das gedruckte Buch

Selber bin ich immer schon eher IT- und Netz-affin, also hab‘ ich anfänglich gedacht, das E-Book würde ein Renner, auch bei mir. Ist aber nicht so gekommen, ganz im Gegenteil sind mir heute die Vorteile gedruckter Bücher bewusster denn je. Ich kaufe zwar deutlich weniger Bücher als früher, ziehe aber die jeweiligen E-Versionen gar nicht erst in Betracht. Sogar „Fettlogik überwinden“ (Werbelink), das es zunächst nur als E-Book gab, hab ich später nochmal als Printbuch gekauft: zum Verleihen, zum „eben mal rein schauen“, während ich am PC sitze – ganz ohne Gefummel mit Lesegerät, womöglich Cloud-Zugang und dergleichen.

Kürzlich hab ich mir das Buch Judith Butler – eine Einführung (Werbelink) gekauft, um mal eine Gesamtdarstellung des Denkens dieser einflussreichen Philosophin zu studieren, einschlieißlich der Rezeptionsgeschichte. Kein leichter Stoff, aber hundertmal verständlicher als die Originalwerke (1998 erhielt sie in Denis Duttons Zeitschrift Philosophy and Literature einen Ersten Preis in einer Bad Writing Competition, die besonders schlecht geschriebene Fachprosa auszeichnet). Hin- und Herblättern, Lesezeichen in unterschiedliche Kapitel einlegen, immer wissen, wo ich im Buch ungefähr bin – all das geht natürlich auch im E-Book, aber nicht so einfach, intuitiv und schnell. Wenn z.B. ein Balken anzeigt, wieviel ich schon gelesen habe, ist das natürlich abhängig von der eingestellten Schriftgröße. Einmal umstellen und es ist wieder anders – der „zusätzliche Komfort“ ist mir eher Last als Lust, weil ich ständig „Technik mitdenken“ muss.

Versierte E-Book-Leser/innen werden mir vermutlich widersprechen. Mag sein, dass man sich an all das gut gewöhnen kann, so dass auch ein E-Book als ergonomisch wahrgenommen wird. Aber hey, ich bin nur ein Beispiel für die große Mehrheit, die nach einigen Versuchen nicht wirklich Lust auf E-Book bekommen hat. Dass der Markt stagniert, zeigt, dass sich das auch nicht groß ändert.

(Bei alledem beziehe ich mich übrigens auf E-Books des klassischen Büchermarkts. Nicht auf die E-Books in offenen Formaten, die viele Autorinnen und Autoren über ihre Webseiten und sozialen Medien verbreiten.)

Diskussion

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8 Kommentare zu „E-Book? Nein danke!“.

  1. Liebe Claudia, ich war schon immer Bücherliebhaber. Es ist einfach ein haptisches Vergnügen – und wir sind doch solche Wesen oder?

    Unlängst habe ich ein altes Buch wieder in die Hand genommen: „Wenn Du Buddha triffst…“. Ich war erstaunt, in ihm unterstrichen Passagen zu finden. Ich dachte, ich hätte es nicht gelesen.
    Weiter: Ich gehe gerne in Buchhandlungen. Gerade, weil Du wieder „Fettlogik“ erwähnt hast: Ich gehe oft an Samstagen von einem weit ausserhalb der Stadt gelegenen Parkplatz in die Stadt. Ich habe da wunderbare Anlaufstellen an Buchhandlungen. Man kennt mich da in einem oder zweien, ich kann ein wenig diskutieren.
    Leseproben ziehe ich im Netz, habe aber auch schon welche in Buchandlungen bekommen.
    Wissenschaftliche Artikel im Netz drucke ich mir aus. Am BS kann ich nicht unbegrenzt lesen. Ausserdem müsste ich zu den Stellen, wo ich jeweils in den Manuskripten aufhörte, leicht zurückkehren können.
    Bücher verleihen tue ich nicht (wer macht das schon?), aber ich stelle sie gerne mal in Leseplätze in einem Ferienhotel.
    Blöde an Büchern ist, daß Du sie immer mitschleppen musst, wenn Du verreist oder unterwegs bis. Doch hatte ich das sehr selten, daß ich das aktuelle Buch zuhause vergaß.
    Letztes Jahr war ich mit dem Auto verreist und nahm mir eine kleine Kiste mit neuen Büchern mit, sodaß ich Auswahl hatte, falls mir mehrere nicht zusagen sollten.
    Insgesamt ist mir Bücherlesen ein sinnliches Vergnügen (!) – und heutzutage gibt es neue kleinere Verlage mit wirklich hübschen Ideen!

  2. Entsorgen geht mit eBook aber einfacher. Meine Buddhabücher musste ich zu Fuß in den Papiercontainer tragen. Ich habe einfach keinen Platz mehr Papierbücher zu lagern.
    Ottmar

  3. @Ottmar: Not macht erfinderisch. Ich bin überzeugt, daß noch mindestens 500 Bücher in Deine Wohnung passen würden. :-)

  4. Verleihen mach ich durchaus, nämlich in den Fällen, in denen ich den Buchinhalt gerne mit ein bis zwei nahen Freunden teilen will – damit wir eine gemeinsame Wissensbasis zum Diskutieren in der Sache haben (aktuell: das Butler-Buch mit der einst in etlichen Disziplinen und Szenen grundstürzenden These „Nicht nur Gender, auch Sex ist ’sozial konstruiert‘).
    Zum Platzproblem: Bücher kann man verschenken! Ich entledige mich in Abständen von mehreren Jahren aller Bücher, die ich gewiss nicht mehr lesen werde – und zwar jeweils bis dahin, dass der Rest auf 4 Regalbretter á 80 cm passt.
    Ich weiß, dass das für Bücherfreunde nicht nachvollziehbar ist, die sich in aller Regel an wachsenden Bücherwänden erfreuen und das wohnlich und anregend finden. Ging mir ganz früher auch so, doch hatte ich dann zwischen 26 und 38 eine Zeit, in der ich so häufig (8 mal!) umgezogen bin, dass ich einfach keine Lust mehr aufs Bücher einpacken, schleppen, auspacken, einsortieren hatte. Ich nahm also bei Gelegenheit eines weiteren Umzugs ca. 50 Bücher aus der Wand und verpackte sie – dann lud ich Leute ein, die sich am großen Rest bedienen konnten. Es ging fast alles weg – und der Rest kam in den Müll. Hab ich nie bedauert, also machte ich seitdem im Prinzip so weiter – auch wenn jetzt wieder ein paar Bücher mehr bleiben dürfen. :-)

    Im Grunde sind ja alle Bücher immer da, sie müssen nicht „bei mir“ stehen.

  5. An meine Partnerin gebe ich auch manches Buch weiter und sie mir. Doch haben wir im Grunde sehr unterschiedlichen Lesestoff.

  6. Bücher fühlen sich nicht nur anders an. Wenn sie mit Liebe gemacht sind, sehen sie auch gut aus und noch besser, wenn sie viel mit viel Liebe zum Buch gelesen wurden. Und nicht zuletzt: Bücher riechen so gut.

  7. Bücher, ich liebe die, die um mich herum sind, wenngleich ich angefangen habe, die hinten in den Doppelreihen hervorzuholen und sie entweder in öffentliche Regale zu stecken oder in die Papiertonne.
    Was Brendan schreibt, gefällt mir gar sehr!
    Sonja

  8. Im Zug lesen sich E-Books wesentlich besser, im Schlafzimmer auch. a) wegen geringem Gewicht, b) weil nicht vom Funzellicht abhängig. Und man ist auch nicht darauf angewiesen, daß der Verlag es schick fand, besonders kleine Schrift und dafür breite Ränder zu machen.

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