Claudia am 03. Mai 2017 — 3 Kommentare

Manchmal tut ein Shitstorm gut

Nämlich dann, wenn er einen gewissen Mindestanstand in der Auseinandersetzung mit politischen Gegnern verteidigt.

Als ich auf Rivva.de heute über den neuesten Artikel des von mir unterstützten „gemeinnützigen Recherchezentrums“ Correctiv stolperte, traute ich meinen Augen kaum. In übelster Bildzeitungsmanier wird da ein „Sexskandal“ zelebriert, der das vergangene Sexleben einer in NRW kandidierenden AFD-Politikerin als Teilzeit-Prostituierte enhüllt. Mit wollüstigen Details: Sie hat doch tatsächlich Erfahrungen in „Swingerclubs, SM und Fetischszene“ gemacht! Sowas Böses aber auch! Das Ganze auch noch bebildert mit ausgegrabenen Details aus einem lange gelöschten Profil – einfach unterirdisch!

Die Kommentare unter dem Artikel kritisieren dieses Zwangsouting in Grund und Boden, ganz ebenso wie viele Äußerungen in den sozialen Medien. Ein paar Beispiele für viele:

„Mir fehlen wirklich die Worte. Als gäbe es nicht genügend inhaltliche Kritikpunkte, zieht ihr euch in Klatsch-Manier auf die Sexualität der Kandidatin zurück, verletzt ihre Intimsphäre und skandalisiert nebenbei Prostitution. Was wollt ihr damit eigentlich erreichen? Ihr erweist einen absoluten Bärendienst an … ja, eigentlich allem. Euren Prinzipien, eurer Community und dem Konzept „Investigativ-Journalismus“. (Krake)

„Wollt Ihr mal richtig aus der bubble raus und Springer-Kunden ansprechen oder was ist das? Mannomann… (Markus Jordan)

„…Man kritisiert also nicht ihre politischen Positionen – wie es eigentlich sein sollte! – sondern dass sie Sexarbeiterin war. Shaming auf niederem Niveau.
Man liest zwischen den Zeilen Häme und den Geifer förmlich raus. Eine Frau persönlich angreifen und Details über ihre Fetische herauskramen SAMT FOTO, das ist ja schon der Gala fast zu low. … „(Jasmin Schreiber)

„…Zu Toleranz und Weltoffenheit gehört für mich auch besonders, dass wir uns sexuell unbehelligt im Rahmen der Gesetze verwirklichen können. Die Sexualität der AfD Mitglieder ist nun wirklich das Letzte, worüber wir uns aufregen sollten. Ich bin wirklich erschüttert, aber bei den letzten Meldungen (auch zu der Sexualität von Frau Weidel) sehe ich mich leider gezwungen, in nicht unerheblichem Maße Partei für Mitglieder der AfD zu ergreifen. Und das tut weh, Leute.“
(Carolin Yadav)

Der Autor und Correctiv-Gründer Davin Schavren reagierte darauf mit einer wenig überzeugenden Rechfertigung: „Der Skandal ist also nicht, dass eine AfD-Kandidatin als Prostituierte gearbeitet hat. Der Skandal ist, dass sie dies vor ihrer Partei vor der Wahl der Landtagskandidaten verschwiegen hat.“

Soso! Dabei hat Correctiv doch gerade selbst „enthüllt“:

„Sex gegen Taschengeld habe sie nur etwa ein Jahr lang angeboten – zwischen Herbst 2011 und Herbst 2012. Wie es aus ihrem Umfeld heißt, habe sie die Einnahmen aus dieser Tätigkeit, also das angebliche „Taschengeld”, auch ordnungsgemäß im Rahmen einer freiberuflichen Tätigkeit in der Einkommenssteuererklärung angegeben.“

Eine seltsame Idee, dass jemand auf einer Parteiversammlung von derlei Aktivitäten berichten solle! Ist es denn bei männlichen Politikern üblich, dass sie ihre Erfahrungen mit käuflichem Sex berichten, bevor sie gewählt werden?

Das Wort „Sexskandal“ wurde mittlerweile aus dem Titel des Artikels gestrichen, dessen Dateiname – https://correctiv.org/blog/ruhr/artikel/2017/05/02/der-sexskandal-der-afd-nrw/ – aber immer noch zeigt, wie hier nach Klicks gegiert wurde.

Ich habe meine Fördermitgliedschaft bei Correctiv gekündigt. Es ekelt mich.
Aber schön, dass viele genauso empfinden, obwohl es gegen eine AFD-Politikerin geht!

***

Auch zum Thema:

Correctiv greift ins Klo, aber so richtig tief,

Nazi! Hure! AfD!

Und dieser Tweet ist mal richtig hilfreich:

Diskussion

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3 Kommentare zu „Manchmal tut ein Shitstorm gut“.

  1. […] Claudia Klinger: Manchmal tut ein Shitstorm gut […]

  2. „Correctiv“ ist eine Soros-finanzierte Denunziantenbude. Warum sollte man sowas unterstützen? Dann doch lieber das Original, das Ministerium für Staatssicherheit, oder wie es heute heißt: Amadeo-Antonio-Stiftung.

    #widerlich

  3. @Armin: hier ist nicht der Ort für oberflächliches Geschimpfe, das sich auf Falschnachrichten und Unterstellungen beschränkt! Correctiv ist gemeinnützig (=macht keine Profite) und keineswegs insgesamt „von Soros finanziert“, sondern lebt von Mitgliedsbeiträgen und vielerlei Stiftungen. Anders als viele andere macht Correctiv alle Zuwendungen über 1000 Euro öffentlich, man kann das also leicht nachlesen.
    2017 bekamen sie zusätzlich eine Spende (100.000) der Soros-Stiftung, ausschließlich für die Arbeit als Faktenchecker auf Facebook. Diese Arbeit kann man kritisch sehen, doch macht sie nur einen kleinen Teil des Ganzen aus. Der oben kritisierte Artikel ist ein so noch nie da gewesener Einzelfall, der wahrlich nicht repräsentativ ist. Z.B. die Recherche über die Pflege in DE war sehr tief schürfend und wirklich gut!

    Die Amadeo-Antonio-Stiftung hat im übrigen kürzlich die Deklaration für die Meinungsfreiheit als Protest gegen das Maas-Gesetz gezeichnet – passt auch so gar nicht zum Stasi-Vorwurf, mal davon abgesehen, dass eine Stiftung nicht Staat ist und machen kann, was sie will.

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