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Claudia Klinger am 30. August 2012

Leistungsschutzrecht: Glauben die Verlage an den Weihnachtsmann?

Zum dritten Entwurf des Leistungsschutzrechts hab’ ich gerade auf dem Webwriting-Magazin zusammen fassend gebloggt. Was ich dort weglasse, möchte ich hier loswerden: Mir ist komplett unverständlich, wie man so BESCHEUERT sein kann, ein solches Gesetz herbei zu lobbyieren!

Ja, ich bin es gewöhnt, dass “die Herrschenden” auf Kollateralschäden ihres Tuns nicht achten:

  • Dass die Informationsfreiheit massiv tangiert wird, sollten die Presseerzeugnisse nicht mehr als aggregierte Listen für den schnellen Überblick zur Verfügung stehen, ist ihnen egal.
  • Ebenso schnuppe ist ihnen, dass der Anwendungsbereich des Gesetzes unklar ist und Blogger, alternative News-Seiten, sowie Einbinder von Widgets und Herausgeber von RSS-Feeds mit diesem Gesetz große Rechtsunsicherheit fürchten müssen (ABM für Anwälte!);
  • Dass das Gesetz innovative Internet-Projekte und Startups verschreckt und behindert, so dass Deutschland in dieser Hinsicht weiter unter ferner liefen rangiert – alles egal!

Dass es aber auch egal ist, dass sich die Verlage doch absehbar massiv ins eigene Fleisch schneiden, kann ich nicht begreifen! Weder von Seiten der Verlage noch von der Regierung. Wie kann man nur so blind sein? Sie müssen doch nach soviel Diskussion über Jahre mitbekommen haben, dass sie Google & Co. nicht zu Zahlungen zwingen können. Schließlich hat Google bezüglich der belgischen Presse schon vorgemacht, wie auf derlei Vorhaben reagiert wird: durch Auslisten der entsprechenden Verlagsprodukte. Das hat den Verlagen gar nicht gefallen und sie haben sich schnell mit Google geeinigt.

Man mag dem Giganten Google durchaus kritisch gegenüber stehen, doch in dem Fall kann man froh sein, dass Google die Verlage nicht braucht, wohl aber umgekehrt die Verlage Google als Traffic-Lieferanten nicht entbehren können.

Gier macht blind

Vielleicht glauben sie, sie könnten mittels des Wettbewerbsrechts gegen die Auslistung mit dem Argument des “Monopolmissbrauchs” vorgehen? Selbst wenn dem so wäre, wären sie für die urlangen Zeiten der entsprechenden Prozesse DRAUSSEN. Ob sie das verkraften könnten? Auch glaube ich nicht, dass das klappen würde, denn einerseits gibt es noch andere Suchmaschinen, andrerseits kann man vermutlich auch mit dem Wettbewerbsrecht ein Unternehmen nicht zwingen, ein Geschäft zu machen, das es nicht machen will. Google könnte die (übrigens werbefreien) Google-News einfach einstellen – dann ginge es nurmehr um die Suchmaschine selbst. Und auch dort könnte Google die Verlagspresse auslisten, wie in Belgien geschehen.

Wer nicht in der Suche auftauchen wird, hat immer schon eine einfache technische Möglichkeit, das zu erreichen. Doch ganz im Gegenteil geben die Verlage viel Geld dafür aus, mittels “SEO-Tricks” möglichst gut gefunden und weit oben gelistet zu werden. Sie täten das sicher nicht, wenn sie damit nicht Geld verdienen würden: nämlich durch die Klicks der über Google kommenden Besucher auf ihre Werbung, bzw. durch deren schiere Anzahl, wonach sich der Wert dieser Werbung bemisst. Und trotzdem reicht ihnen das nicht, die Gier verblendet so sehr, dass sie es riskieren, gar nicht mehr verlinkt und gefunden zu werden. Sie scheinen an den Weihnachtsmann zu glauben, der ihnen ohne weitere Anstrengungen einen Geldsegen fürs bloße Dasein zuwendet.

Ganz schön irre!

***
Mehr dazu:

Video zur Entstehungsgeschichte des Gesetzes, das auf dem Mist eines einzelnen Springer-Mitarbeiters gewachsen ist:

Ein unmögliches Gesetz – iRights.info;

Das Internet war eine Episode der Freiheit – Perlentaucher;

Die Scheinargumente für ein Leistungsschutzrecht – Stefan Niggemaier;

Noch ein Rettungsschirm – Udo Vetter;

Willkommen im vergangenen Jahrhundert, Deutschland! – Thoma Knüwer;

Leg Dich nicht mit dem Türsteher an! – Uwe Mommert;

Erklärungen zum Gesetzesentwurf (Parteien, Beteiligte, Blogger etc.) – Netzpolitik.org

Lex Google: Viel Kritik, wenig Lob für Leistungsschutz-Gesetz - ZEIT ONLINE;

Die Verlage sind neidisch - Anna Sauerbrey / Tagesspiegel

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2 Reaktionen zu “Leistungsschutzrecht: Glauben die Verlage an den Weihnachtsmann?”

  1. Vom Leben unter’m Himmel, der uns gleich auf den Kopf fällt schreibt:

    [...] mich gestern spontan drei Arbeitsstunden lang am Shitstorm gegen das kommende Leistungsschutzrecht beteiligen konnte. So gut, dass ich ausgiebig nach einem nicht gleich auseinanderfallenden Rasenmäher suchen und [...]

  2. Konsumpf » Das Leistungsschutzrecht – Ein Eigentor der Verlagsbranche schreibt:

    [...] Claudia Klinger „Leistungsschutzrecht – Glauben die Verlage an den Weihnachtsmann?“ (mit diversen weiteren Verlinkungen zu anderen Texten zum Thema) [...]

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