Claudia am 20. Februar 2026 — 16 Kommentare

Disruption, Irritation, Faszination: 7 Surftipps zur KI-Kultur

Am liebsten würde ich jeden Tag über all das bloggen, was sich in Sachen KI/AI so tut! Ist leider nicht machbar, also beschränke ich mich heute darauf, meine morgendlichen Sichtungen hier zu vermerken. Los gehts:

Was tun mit KI? (Real Virtuality)

„Meine grundsätzliche Faszination für KI ist ungebrochen und ich halte sie nach wie vor für die größte technologische Revolution seit dem Internet…. Auf der anderen Seite bewege ich mich in einer (Online-)Gemeinschaft von (tendenziell linken) Denker:innen und Kreativen, in deren Statements und Handlungen der KI-Backlash in vollem Gange ist. Ich schätze diese Personen und mag sie zum Teil auch persönlich. Daher fühle ich mich innerlich getrieben, ihre Ablehnung zumindest ernst zu nehmen und meine Haltung zu reflektieren. Dieser Text ist ein Versuch, das zu tun.“

Das Erwachen im Code – Emergenz zwischen Mythos und Gänsehaut
(Gedankenschild.de)

„Manchmal sitzen wir vor dem Bildschirm und halten für einen Moment den Atem an. Es ist dieser eine Satz, dieser trockene Witz im Moment des Scheiterns oder eine fast schon erschreckend empathische Reaktion der KI, die uns für Sekundenbruchteile vergessen lässt, dass wir mit einem Algorithmus kommunizieren.
In der Fachwelt nennt man das emergentes Verhalten. Fähigkeiten, die nie explizit programmiert wurden, aber ab einer gewissen Komplexität des Modells wie aus dem Nichts auftauchen.“

Das drohende Ende von Open-Source-Projekten durch LLMs am Beispiel von Tailwind CSS (leitmedium.de)

„Das Versprechen der LLM-Anbieter lautet Effizienz. Der Preis dafür ist der Verlust der Bedingungen, unter denen Wissen, Software und Kultur überhaupt entstehen können. Wenn Dokumentationen nur noch als Trainingsmaterial dienen und nicht mehr als Orte der Auseinandersetzung, dann sterben nicht nur einzelne Projekte. Dann bricht eine ganze Form der Wissensorganisation weg. Am Ende verlieren alle: die Projekte, die ausbluten, und die Nutzenden, die sich über immer glattere Antworten freuen, bis es nichts Neues mehr gibt, das beantwortet werden könnte.“

Die Alchemisten des 21. Jahrhunderts: Wenn Silizium das Bewusstsein korrumpiert (Statement Magazin)

„Während das menschliche Gehirn mit einer Frequenz von etwa 200 Hz operiert, takten Silizium-Chips im Gigahertz-Bereich. Diese Diskrepanz ist nicht bloß eine Frage der Geschwindigkeit; sie ist ein Angriff auf die menschliche Latenz – jenen wertvollen Raum zwischen Reiz und Reaktion, in dem Reflexion, Zweifel und Intuition entstehen. Die „Synchronisation“ des Gehirns mit diesen hochfrequenten Architekturen führt nicht zur Optimierung, sondern zur Deformierung des Geistes“.

VIDEOS

The NEW Perplexity Update is ALARMING (The Nerdy Novelist)

„Ich bin schon lange ein großer Fan von Perplexity. Es ist mein bevorzugtes Tool für Recherchen und eine Alternative zur Google-Suche. Doch am 23. Januar wurden die Nutzungsbedingungen aktualisiert, und es gibt einige gravierende Probleme. Die Änderungen wurden nicht einmal angekündigt. Laut den neuen Bedingungen ist die kommerzielle Nutzung von Perplexity nun komplett untersagt. Sie haben außerdem eine Klausel hinzugefügt, die ihnen eine weitreichende Lizenz zur Nutzung aller im System eingegebenen Inhalte einräumt. Für Kreative und Autoren ist das ein schwerwiegender Fehler.“ (Original = englisch)

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Musicians Are Panicking About This New AI (Terence Fisher)

Thumbnail SUMO-VideoEin Musikproduzent mit 30 Jahren Erfahrung führt an Beispielen vor, was die KI SUNO aus seinen mäßig guten Uralt-Songs macht. Die krass verbesserten Ergebnisse (mehrere Varianten in kürzester Zeit!) machen ihn zunächst sprachlos, denn es ist genau diese Arbeit, die er bisher im mehrwöchigen Austausch mit Kunden hochpreisig verkauft hat: Aus zugesandten „Song-Ideen“ gute, marktfähige Songs machen. Wird er wirklich überflüssig?

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Is AI the New Collective Unconscious? – An AI Short (Kelly Boesch)

Sehr toll! Ich bin ein Fan von Kelly Boesch. Ihre Werke sind für mich der beeindruckende Beweis, dass „Kunst machen“ mit KI sehr wohl möglich ist. (Siehe auch: AI Art-& Fashion-Shows by Kelly Boesch / Berlin-Mitte Zeitung)

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Update / Ergänzung:

Essay: Die impressionistische Wende des Denkens (philosophie Magazin)

„Möglicherweise steht das Denken vor einer impressionistischen Wende. Einer Wende, die nicht mehr Realität beschreibt und abbildet, sondern Stimmungen, Atmosphären, Eindrücke, Lichteinfälle und die Aura erfasst. Denn das kann KI noch nicht so gut. Es braucht einen Monet der Philosophie, der hinausgeht und seinen Kopf dafür verwendet, dass er die Stimmung im Wald, unter Menschen und im Kosmos beschreibt, der sich als hochinteressantes Subjekt in einer Welt dröger KI-Objektivität begreift.“

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Diskussion

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16 Kommentare zu „Disruption, Irritation, Faszination: 7 Surftipps zur KI-Kultur“.

  1. Salut Claudia,
    die Kretinforschung nennt Leute mit einem Faible für alles Schwachsinnige wie Sie ganz einfach Trottel & Kretin. Meilleures salutations 😘

  2. Wird er wirklich überflüssig?

    Irgendwie scheint mir das die zentrale Frage zu sein. Und die wird sobald nicht beantwortet, glaube ich. Heute habe ich bei Anke Groener etwas Interessantes gelesen, das sich allerdings mit dieser speziellen Frage nicht auseinandersetzt, dafür aber generell etwas ausdrückt, was ich teilen kann:

    Diese Möglichkeit, einen Satz, einen Absatz zu lesen, der plötzlich eine neue Welt öffnet oder die vorhandene signifikant verändert, ist weiterhin gegeben. Ganz egal, wie sehr Studierende sich inzwischen an Smartphones und ChatGPT gewöhnt haben.

    Das hat mir sehr gefallen. Es heißt halt auch, dass es auch in Zukunft so ist, dass gute Texte gelesen werden, und zwar unabhängig davon, wer sie geschrieben hat. Das könnte – nach heutiger landläufiger Meinung – KI wohl nie erreichen. Ich glaube, diese Annahme ist falsch.

  3. @Roman Fidel: Wow, ein trollender KI-Hater, der mich unbekannterweise beschimpft! Kann mich echt nicht erinnern, ob und wann ich das in den bald 27 Blogjahren mal hatte – und lass es glatt „zur Ansicht“ stehen. :-)

  4. Zu „emergentes Verhalten“:

    Das habe ich tatsächlich noch nie bei einem „Gespräch“ mit einem LLM so empfunden.

    Hat hier jemand so einen aha/wow Effekt, den das ja dann mit sich bringt, wirklich schon mal gehabt?
    Wäre dann natürlich auch neugierig auf ein passendes Beispiel!

  5. Real Virtuality’s Text habe ich bei ihm beantwortet.

    Heute las ich eine Zusammenfassung von perplexity zum Thema „Insektenbestimmung“ anhand Fotos plus texte zu den Insekten. Ki weiß, wo es konzentrierter hinschauen sollte, es erstellt eine Map der wichtigen Zonen eines jeweligen Insekts.

    Nichtsdestotrotz bin ich ganz allgemein skeptisch bzgl der Entwicklung.
    Ich kann daher die Begeisterung nicht ganz nachvollziehen.
    Claudia, du erklärst ja eigentlich nicht, was dich da dermaßen fesselt.

  6. Terence Fishers Video überzeugte mich. er hat einen Weg gefunden, relevant zu bleiben.
    Kann aber sein, dass sich das in ein zwei Jahren ändert.

    Der durchschnittliche Musikkonsument weiss nichts von all den Feinheiten. Er braucht nicht den “ perfekten“ Song zum Anhören. Dem Auftraggeber kann es daher vielleicht egal sein , ob der schlussendliche Song nach Topexpertenmeinung perfekt ist. Er will den Song ka mit seiner Band performen. ist er ehrgeizig genug, schaltet er doch den Produzenten ein. Das wäre dann aber eine Art Luxus.

  7. @Horst: ja, ich denke auch, es kommt auf die jeweiligen Ergebnisse an, ob sie für uns relevant, erhellend, nützlich sind. Wenn allerdings ein KI-Text den Eindruck erweckt, hier berichte ein Mensch in aller Betroffenheit über ein aktuelles Leiden – dann ist das einfach Fake und ich wäre sauer, wenn es nicht als „Fiction/KI“ gelabelt ist. (Sowas haben ja auch Menschen schon gefaked, sogar ein ganzes Blog lang).

    @Yossarian: Manchmal amüsiere ich mich, wenn eine KI sehr menschlich klingt, empfinde das aber nicht als „Erwachen“ oder sowas, sondern nur als gute Simulation. „Emergenz“ meint ja, das Ganze sei mehr als die Summe seiner Teile. Dazu Gemini: „KI & Technik: In der Künstlichen Intelligenz entstehen komplexe Fähigkeiten oft ungeplant durch die Vernetzung einfacher neuronaler Netze. “ Im verlinkten Blog wirst du sicher fündig, was die Autorin meint, die offenbar irgendwie in ihre KI verliebt ist.

    @Gerhard: Das kann ich garnicht alles aufzählen! Ich halte KI für eine grundstürzende Technik, die noch weit mehr Umwälzungen mit sich bringt als die Einführung des Internets – und auch viel schneller! Wenn man da alle Bereiche durchgeht, bleibt ja kaum ein Stein auf dem Anderen – schon jetzt hat sich vieles verändert und die Potenziale sind gigantisch, im Guten wie im Schlechten, schließlich wird das alles von Menschen veranstaltet. Anders als das Internet stellt KI sogar die Systemfrage: Ja, wir könnten von jeder Menge Arbeit befreit werden, aber woher kommt dann das Einkommen, um die Konsumgesellschaft am Leben zu halten?

  8. […] sich: „Liest das eigentlich jemand?“Umso mehr habe ich mich gefreut, dass mein Text jetzt bei Claudia Klinger gelandet ist! Sie betreibt den Blog Digital Diary (schon seit 1997, also ein echtes Urgestein im […]

  9. Hallo Claudia,

    ich hab mir mal das Video zur AI-Musik angetan. Alter Schwede, was das Ding so kann, ist schon irre. Aber der Terence hat auch Recht: Wir müssen lernen, mit den Dingen umzugehen und sie „to our needs“ zu nutzen und damit besser zu werden als sie selbst.

    Das ist alles kein Beinbruch, denn soweit ich gesehen habe, kommt Suno am besten damit klar, wenn es eine Vorlage hat, woraus es etwas basteln kann, oder wenn man klare Auskünfte gibt. Ersteres wäre ja für Menschen ohne musikalischen Hintergrund nur mit Urheberrechtsverstößen machbar. Und da hat wohl Suno inzwischen einen Riegel vorgeschoben. Und letzteres kannst du halt auch nur machen, wenn du Ahnung von Musik hast.

    Es bleibt dabei: KI als Werkzeug zu nutzen, ist nichts verwerfliches. So lang man es als solches ansieht. Erwartet nie, dass euch die KI irgendwas neues baut. Es wird immer eine Art Remix aus irgendwas sein, was man dann selbst als Vorlage für seine eigenen Resultate nutzen kann. Nicht mehr, aber halt auch nicht weniger.

  10. @Henning Uhle: „Erwartet nie, dass euch die KI irgendwas neues baut.“
    Emergenz als Phänomen wurde hier ja breit ausgebreitet,
    KI soll “ überraschend neues“ können.
    Ich glaube das zwar nicht, aber man möchte sie halt gerne überhöhen, ihr Magie zusprechen.

  11. hallo Horst, eine kurze Bemerkung

    Während Kurzweil, Altman und Co den übermenschlichen Cyborg propagieren, sieht die Realität in deutschen Medienhäusern, auf die es jetzt ankäme, vergleichsweise bieder aus: Wer bekommt Zugang zur KI? Wer darf experimentieren, mit welchen Daten? Utopien zerbröseln schnell an Sicherheitsprotokollen, Betriebsratsvereinbarungen, unübersichtlichen Regelwerken. In manchen Redaktionen werden Prompts wie Geheimrezepte gehütet, als ginge es um Betriebsgeheimnisse; anderswo sperrt man die Tools gleich ganz weg, aus Angst vor Datenlecks oder Urheberrechtsverstößen.

    https://taz.de/Gibt-es-kuenstliche-Intelligenz-ueberhaupt/!6121168/
    nochmal:
    in manchen Redaktionen werden Prompts wie Geheimrezepte gehütet, als ginge es um Betriebsgeheimnisse; anderswo sperrt man die Tools gleich ganz weg, aus Angst vor Datenlecks oder Urheberrechtsverstößen
    der Tonfall der TAZ ist manchmal auch in sich dystopisch. Sie hüten Prompts wie Geheimrezepte? na dann. sie hüten die Formulierung einer Frage als Geheimrezept? ist das noch im Bereich sauberer journalistischen Arbeit oder ist das nichts weiter als der blanke Narzissmus sich selbst darstellender Schauspieler, die nichts mehr selbst zu sagen haben?.. nur so eine Idee zur Relevanz menschgemachter „information“. gruss ingo

  12. […] dazu noch ein paar Linktipps von Claudia Klinger in ihrem Blog digital […]

  13. KI. Ja, „Magie“ erscheint mir ebenfalls eine zutreffende Bezeichnung. Ähnlich einem „Zauberer“, der plötzlich das Kannichen aus dem Zylinder holt. Jeder sieht was geschieht, kaum einer kennt den Trick dahinter. Dieses Unwissen muss aber nicht die Freude an der Vorfühung mindern. Vielleicht ist das Unwissen sogar gerade der Reiz.

    Anders aber als beim „Zauberer“, wo wir Menschen „nur“ die Zuschauer sind, sind wir Menschen bei der KI mitten drin und Akteure. Ich bin begeistert dabei, und erhalte dadurch ab und zu auch ein paar kleine Einblicke, wie und warum das eine oder andere funktioniert und welche gigantische Leistung sich hinter diesem einfach erscheinenden Ergebnis verbirgt.

    Es ist im Prinzip doch ganz einfach: Es gibt Menschen, die gehen gerne Bergsteigen, und andere, nicht. Und die, die gerne Bergsteigen gehen, kennen die Gefahren, auch das Risiko, das ein Absturz dazu gehören kann. Dieses Risiko rechnen sie gegen die Freude auf, und gehen den Berg hinauf.

    Andere bleiben halt lieber unten. Auch das ist absolut o.K.

  14. @Ingo: Interessant finde ich den Perspektivwechsel, den Weichert, der ja kein Journalist ist, in wenigen Monaten vornimmt. Menschliche Kommunikation war wohl nie unberührt von externen Elementen. Wenn wir Bestandsaufnahme und Handlungsableitung komplett in die Hände von KI geben, wird’s kritisch. Solange ein Prompt zwischen Mensch und Maschine existiert, bleibt Hoffnung. Ich hoffe, ich habe dich nicht missverstanden.

  15. Anders aber als beim „Zauberer“, wo wir Menschen „nur“ die Zuschauer sind, sind wir Menschen bei der KI mitten drin und Akteure. Ich bin begeistert dabei, und erhalte dadurch ab und zu auch ein paar kleine Einblicke, wie und warum das eine oder andere funktioniert und welche gigantische Leistung sich hinter diesem einfach erscheinenden Ergebnis verbirgt.

    solange es noch geht, werde ich garantiert zum kostenlos tarif dabei bleiben. wie lange wird es noch dauern,KI kostenlos nutzen zu „dürfen“ ? interessant hierzu: https://www.youtube.com/watch?v=GUiKWVLRjrw Warum gerade alle ChatGPT kündigen…Ich zahle jeden Monat über 600€ an OpenAI. Mein teuerstes Abo insgesamt. Bis gestern. Warum? Nicht wegen des Geldes. Sondern weil ich Beweise gefunden habe. Beweise dafür, dass OpenAI sein Produkt nicht verbessert, sondern es aktiv und mit voller Absicht… dümmer macht. Und die technische Ursache dafür ist so brillant wie perfide.

    gruss ingo

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