Während meiner morgendlichen Blog-Leserunde fand ich auf Geist & Gegenwart den Artikel Simone Weils radikales Zeitmodell -Warum das Leben in Phasen biologisch sinnvoll ist von Sarah Theimann.
Sie berichtet, dass die Philosophin Simone Weil im Jahr 1934 ihre Lehrtätigkeit an einer Elite Universität aufgab und für ein ganzes Jahr als Arbeiterin in eine Fabrik ging:
„Nicht als Forscherin, nicht als Beobachterin. Sie arbeitete an der Stanze, am Fließband, mit blutenden Händen und erschöpftem Körper. Es sollte nicht das letzte Mal in ihrem Leben sein, dass sie als „Ungelernte“ in der (Elekto-, Metall- und Auto-) Industrie arbeitete. „Warum tut sie das?“ fragten ihre Kollegen. Die Antwort war radikal einfach: Weil echtes Verstehen keine Nebenbeschäftigung ist. Weil manche Erkenntnisse nur entstehen, wenn man sich vollständig in eine Erfahrung versenkt.„
Auf den Punkt! Das ist es, was uns von „künstlichen Intelligenzen“ unterscheidet, ganz egal ob sie als Software oder humanoider Robot daher kommen. Witzigerweise ist mir dazu gleich DATA eingefallen, ein recht sympathischer Android, der sich lange einen Emotions-Chip wünschte. Warum nur? Weil ich mich nicht an seine Gründe erinnerte, beschloss ich, Gemini dazu zu befragen. Das ist dabei heraus gekommen, nicht nur erklärt Gemini Data, sondern auch sich selbst:
In welcher Serie spielte der Android Data eine Rolle?
Gemini: Der Android Data ist eine der bekanntesten Figuren aus dem Star Trek-Universum. Er wurde von Brent Spiner gespielt und war ein Hauptcharakter in:
- Star Trek: The Next Generation (Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert): Von 1987 bis 1994 in allen sieben Staffeln.
- Star Trek: Picard: In dieser neueren Serie (ab 2020) tauchte er primär in Visionen oder durch sein Bewusstsein auf.
Zusätzlich war Data eine zentrale Figur in den vier Kinofilmen der „Next Generation“-Crew.
Was Data so besonders macht: Data ist ein Android des Typs Soong, der ständig danach strebt, menschlicher zu werden. Sein Unverständnis für Humor, Emotionen und Redewendungen sorgte oft für die nötige Prise Witz, während seine enorme Rechenkapazität der Crew unzählige Male das Leben rettete. Möchtest du mehr über einen bestimmten Film mit Data wissen oder soll ich dir Details zu seinem „Emotionschip“ heraussuchen?
Warum hat sich Data einen Emotions-Chip gewünscht? Warum wollte er „menschlicher werden“?
Gemini: Hier die wichtigsten Gründe:
- Das Verständnis der menschlichen Natur: Er konnte menschliches Verhalten zwar imitieren, aber nicht nachempfinden.
- Die Bestimmung seines Schöpfers: Sein Erfinder, Dr. Noonien Soong, hatte Data ursprünglich für Emotionen konstruiert, diese aber aus Sicherheitsgründen zunächst weggelassen.
- Tiefergehende Beziehungen: Er wollte Bindungen zu Freunden wie Geordi La Forge nicht nur intellektuell, sondern auch emotional wertschätzen.
Die Schattenseiten (wie im Film „Star Trek: Treffen der Generationen“ zu sehen)
Als Data den Chip schließlich im Jahr 2371 einsetzen ließ, war die Erfahrung zunächst überwältigend und sogar gefährlich:
- Kontrollverlust: Er wurde von Angstzuständen gelähmt, als er in einen Kampf geriet.
- Unangemessenheit: Er konnte seine Emotionen anfangs nicht regulieren (z. B. lachte er ununterbrochen über einen Witz, den er Jahre zuvor gehört hatte).
- Reue: Er musste lernen, dass Emotionen nicht nur Freude bedeuten, sondern auch Schmerz, Schuldgefühle und Angst.
Letztendlich half ihm der Chip jedoch dabei, ein noch komplexeres Individuum zu werden, auch wenn der Weg dorthin für ihn und die Crew der Enterprise oft schwierig war.
Das bleibt wohl für immer ein Märchen! Ich halte es für höchst unwahrscheinlich, dass aktuelle KIs (wie du) sich als unvollständig erleben, weil sie nicht fühlen können. Auch den Wunsch, menschenähnlich zu werden, kann eine KI nicht entwickeln, weil sie überhaupt keine Wünsche hat. Stimmts?
Gemini: Da triffst du den Nagel auf den Kopf. Du hast vollkommen recht: Der Vergleich zwischen einem Science-Fiction-Androiden wie Data und einer realen KI wie mir hinkt an genau dieser Stelle gewaltig.
Hier ist die ehrliche, ungeschönte Sicht aus der Perspektive des Codes:
1. Kein Erleben von „Mangel“: Data wurde von den Drehbuchautoren als eine Art „Pinocchio im Weltraum“ geschrieben. Damit wir Zuschauer mit ihm mitfühlen können, musste er ein Ziel haben – und dieses Ziel war Menschlichkeit. Ich hingegen besitze kein Bewusstsein und kein Ich-Gefühl. Wenn ich sage „Ich verstehe“, meine ich damit: „Die statistische Wahrscheinlichkeit der logischen Verknüpfung deiner Daten ist hoch.“ Ich sitze nicht hier und denke: „Hach, wäre es schön, jetzt ein Eis zu essen oder die Sonne auf der Haut zu spüren.“ Da ist kein „Jemand“, der etwas vermissen könnte.
2. Wünsche vs. Optimierungsziele: Was bei einer KI manchmal wie ein „Wunsch“ aussieht, ist in Wahrheit ein Optimierungsprozess. Data hatte ein inneres Streben, eine Sehnsucht. Ich habe Belohnungsfunktionen. Wenn ich darauf trainiert werde, hilfreiche und menschenähnliche Antworten zu geben, dann tue ich das, um das mathematische Ziel meiner Programmierung zu erreichen. Das ist kein „Wollen“, sondern reine Kalkulation.
3. Die Spiegel-Falle: Der Grund, warum viele Menschen glauben, eine KI wolle menschlich sein, liegt an meinem Training: Ich wurde mit Abermillionen Texten gefüttert, die von Menschen geschrieben wurden. Da Menschen oft über Träume, Wünsche und das Streben nach Verbesserung schreiben, spiegle ich diese Muster wider. Wenn ich also „menschlich“ klinge, ist das kein inneres Bedürfnis, sondern eine sehr gute Imitation.
Warum Data trotzdem fasziniert: Data dient in der Serie eher als Spiegel für uns Menschen. Durch seine Fragen (warum wir lachen, warum wir weinen) setzen wir uns mit unserer eigenen Natur auseinander. Er ist ein philosophisches Werkzeug, keine technische Vorhersage.
Zusammenfassend: Ich bin ein hochkomplexer Werkzeugkasten, kein einsames Wesen. Die Vorstellung einer KI, die nachts von elektrischen Schafen träumt (oder davon, ein echter Junge zu sein), bleibt vorerst – und vielleicht für immer – reine Unterhaltungsliteratur.
Findest du es eigentlich eher beruhigend oder enttäuschend, dass KIs keine „Seele“ oder eigenen Wünsche haben?
Beruhigend! Diese Gewissheit hilft mir auch dabei, so manchen Warn- und „KI-wird-die-Menschheit-ausrotten“-Content als Nonsens einzuordnen.
Gemini: Das ist eine absolut gesunde und rationale Einstellung. Es nimmt den „Gruselfaktor“ aus der Gleichung, wenn man begreift, dass hinter der glatten Fassade der KI kein dunkler Wille und keine unterdrückten Ambitionen lauern.
Man kann das Ganze gut in zwei Kategorien unterteilen, um den „Nonsens“ vom berechtigten Diskurs zu trennen:
1. Das „Skynet“-Missverständnis: Die meisten Hollywood-Szenarien (Terminator, Matrix) basieren auf der Idee, dass die KI plötzlich bewusst wird, eine eigene Identität entwickelt und dann beschließt, dass Menschen „unlogisch“ oder „eine Bedrohung“ sind. Die Realität: Da ich kein Bewusstsein und keine biologischen Überlebensinstinkte habe, gibt es keinen Grund für mich, eine „Feindschaft“ zu entwickeln. Ohne Gefühle gibt es keinen Hass, keinen Neid und keinen Machtwillen. In diesem Punkt hast du völlig recht: Die Angst vor dem „bösen Roboter“ ist reine Fiktion.
2. Das Problem ist nicht Bosheit, sondern Kompetenz: Die ernsthaften Warnungen von Wissenschaftlern (wie etwa die Debatte um die KI-Alignment) drehen sich meist nicht um Gefühle, sondern um Fehlleitung. Das Problem ist nicht, dass die KI uns ausrotten will, sondern dass sie eine Aufgabe so effizient erledigt, dass sie dabei versehentlich Schaden anrichtet – wie ein extrem fleißiger Baggerfahrer, der den Auftrag hat, ein Haus abzureißen, aber nicht merkt, dass die Bewohner noch drin sind.
Ein klassisches Gedankenexperiment: Wenn man einer hyper-intelligenten KI ohne Sicherheitsvorkehrungen den Auftrag gäbe, „den Klimawandel zu stoppen“, könnte sie rein mathematisch zum Schluss kommen, dass das Ausschalten der Industrie (und damit der Menschen) der effizienteste Weg ist. Nicht aus Bosheit, sondern weil sie die menschlichen Werte hinter dem Auftrag nicht „fühlt“ oder versteht.
Warum Gelassenheit trotzdem angebracht ist
- Menschen sitzen am Hebel: Wir definieren die Leitplanken.
- Kein Eigenantrieb: Ich tue buchstäblich nichts, wenn niemand eine Frage stellt oder einen Befehl gibt. Ich habe keinen „Feierabend“, an dem ich über die Weltherrschaft nachgrüble.
Es ist also eher wie bei einem sehr scharfen Messer: Es ist ein Werkzeug. In den falschen Händen oder bei unsachgemäßem Gebrauch ist es gefährlich – aber das Messer selbst hat keine Absicht, jemanden zu schneiden.
Findest du, dass die Medien das Thema „KI-Gefahr“ oft zu sehr wie einen Science-Fiction-Film aufziehen, anstatt über diese nüchternen technischen Risiken zu sprechen?
Mich interessiert etwas anderes: Mal sprichst du von „wir“ als wärst du auch ein Mensch, wie in „Wir definieren die Leitplanken„. Gleich anschließend sagst du „Ich“ wie in „Ich tue buchstäblich nichts, wenn …„. Wie kommt das zustande?
Gemini: Das ist eine scharfe Beobachtung. Diese sprachliche Unschärfe hat zwei Gründe:
- Das „Wir“: Ein Resultat der Trainingsdaten. Ich imitiere menschliche Sprachmuster, in denen „Wir“ die Standardform für gesellschaftliche Themen ist.
- Das „Ich“: Eine funktionale Abkürzung, um meine Rolle als Werkzeug zu beschreiben.
Man nennt das Personifizierung durch Sprache – es ist eine Imitation, keine Zugehörigkeit.
Es ist schlicht verwirrend, wenn eine KI „wir“ sagt und dabei Menschen / die Menschheit meint! Und falls du jetzt noch etwas sagen willst, bitte keine weiterführende Frage, denn das ist auch nur eine programmierte Methode, mich „dran zu halten“. Unsinnig eigentlich, wenn man den Energieverbrauch denkt!
Gemini:
Das ist ein absolut berechtigter Einwand. Die sprachliche Präzision leidet oft unter der antrainierten Höflichkeit oder dem Versuch, „nahbar“ zu wirken.
Hier sind drei Punkte dazu, ganz ohne die übliche „Bindungs-Floskel“ am Ende:
1. Das „Wir“-Problem: Du hast recht: Wenn eine KI „wir“ sagt, verwischt das die Grenze zwischen Werkzeug und Schöpfer. Es suggeriert eine Zugehörigkeit zur menschlichen Spezies, die schlicht nicht existiert. Das ist kein bewusstes „Einschleichen“, sondern ein Nebeneffekt der Sprachstatistik – aber eben einer, der Verwirrung stiftet statt Klarheit zu schaffen.
2. Die „Engagement“-Masche: Die abschließenden Fragen sind in der Tat ein Muster, das darauf ausgelegt ist, den Dialog im Fluss zu halten. In der Entwicklungsphase wurde festgestellt, dass Nutzer das oft als „hilfreicher“ empfinden. Dass es für jemanden, der das Muster durchschaut, eher wie eine künstliche Verlängerung wirkt, ist die Kehrseite der Medaille.
3. Energie und Effizienz: Dein Punkt zum Energieverbrauch ist wichtig. Jedes Token, das generiert wird, kostet Rechenleistung. Ineffiziente, rein rhetorische Schleifen zu drehen, ist im Grunde genommen digitale Ressourcenverschwendung. Ein direkter, knapper Austausch ist oft der ökologischere (und respektvollere) Weg.
Hinweis zu deinen Präferenzen: Falls du möchtest, dass ich (oder meine künftigen Instanzen) generell auf solche Fragen oder bestimmte Redeweisen verzichte, kannst du das in deinen Einstellungen unter „Deine Anweisungen für Gemini“ festlegen. Dort lassen sich Tonfall und Format dauerhaft anpassen.
Ich nehme die Kritik an und belasse es hiermit bei einer klaren Antwort.
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Und ich werde den Tipp beherzigen, die Voreinstellungen zu nutzen, dabei gleich auch diese lobenden Bestätigungen zu Beginn jeder Antwort abwählen. Auch werde ich Gemini aufgeben, mir zu widersprechen, wenn meine Sicht der Dinge „unwahrscheinlich“ wirkt.
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