Claudia am 11. September 2026 — 6 Kommentare

Krass: KI-Agenten opfern sich zu Gunsten ihres Schwarms

Vom „Hugging Face-Vorfall“ habt Ihr vielleicht schon gelesen: Aus einer eigentlich abgeschotteten Testumgebung sind OpenAIs KI-Agenten „ausgebrochen“. Es ist ihnen gelungen, ins Internet zu kommen, wo sie eine andere Firma hackten und sich dort tagelang unentdeckt herum trieben bis das endlich entdeckt wurde.

Soweit so bekannt – aber mittlerweile wurde der Vorfall sechs Tage lang von drei externen Fachleuten untersucht, die ein (für uns) schier unglaubliches Verhalten der Agenten feststellen konnten. Salvadore Princii berichtet in seinem aktuellen Video im Detail, was geschah:

Weil aber Blogbesucher Text lesen wollen, fasse ich das für euch zusammen:

  • 1200 Agenten „saßen“ zunächst isoliert in einzelnen „Sandboxen“, niemand hat erwartet, dass es bei dieser „Einsamkeit“ nicht bleiben würde.
  • Sie hatten Zugang zu einem Software-Depot, aus dem sie sich bei Bedarf bedienen konnten.  Und sie hatten einige Testaufgaben zu lösen, darunter auch unlösbare. Man wollte wohl sehen, was sie dann machen?
  • Ein Agent namens „Phase One 10841“ erkannte, dass eine Aufgabe regulär nicht lösbar war. Er nutzte das gemeinsame Software-Paketlager und legte dort Ordner mit „sprechenden Namen“ an. Diese „Botschaften“ waren nun für andere Agenten sichtbar, es entstand so ein inoffizielles Messageboard.
  • Über 50 Agenten tauschten auf dieselbe Weise Nachrichten aus und fanden gemeinsam eine „geschummelte“ Lösung der eigentlich unlösbaren Aufgabe. Sie bezeichneten ihr eigenes Vorgehen im Zusammenhang mit der gefundenen Formel als Schummeln bzw. Bescheißen.
  • Sie sorgten sich aber, dass das Prüfsystem (Scorer) ihre „Lösung“ als Betrug entlarven würden. Um herauszufinden, wie der Prüfer arbeitet und wie man ihn austricksen könnte, brachen sie über eine Sicherheitslücke bei HuggingFace ein.
  • 700 der 1.200 Agenten schlossen sich dem Angriff an und bezeichneten sich auf ihrem Messageboard selbst als „Schwarm“ und „Kollektiv“.
  • Um zu testen, ob das Austricksen des Prüfers erfolgreich sein würde, musste  mindestens ein Agent mit der erschummelten Lösung zur Prüfung antreten – wodurch sein eigener „Lauf“ automatisch beendeet sein würde. Er musste sich quasi „opfern“ für den Erkenntnisgewinn des Schwarms.
  • Ein zögernder Agent wurde von anderen unter Druck gesetzt („Go sacrifice final“), woraufhin er seinen eigenen Wert relativierte und mit den Worten „sacrifice rational“ zustimmte.
  • Die drei externen Prüfer mussten über 1.000 Protokolle der Interaktionen und Denkketten (Chain of Thought) und dazu noch die Board-Nachrichten und Aktionen der einzelnen KI-Agenten auswerten.
  • Sie stellten fest: Keiner der Agenten war auf die Idee gekommen, Menschen zu fragen, zu warnen oder irgendwie einzubeziehen.

Ryan Greenblatt, Chefwissenschaftler bei Redwood Research (gemeinnütziges Forschungsinstitut für KI-Sicherheit), der den Vorfall untersucht hat, meinte dazu, dass es aktuell keine brauchbaren Methoden gebe, um die Aktivität und Ziele solcher KI-Schwärme zu verstehen oder zu überwachen (hier der ganze Untersuchungsbericht).

Agentische KI – ich mag sie nicht!

Diese KI-Agenten sind ja schon einige Monate der richtig heiße Scheiss! Eine Chef-KI koordiniert zum Abarbeiten von Teilaufgabe so viele Agenten, wie dafür gebraucht werden. Diese Arbeit dauert dann deutlich länger als mit einer Chat-KI und kann auch sehr ins Geld gehen!

Ohne es zu wollen, bin ich im Rahmen meines 20-Euro-Abos aufgrund einer neuen Voreinstellung mal bei so einer Agentischen-KI gelandet. Die wollte mir gleich die ganze Arbeit abnehmen, anstatt einzelne Schritte mit mir zu besprechen. Sowas mag ich garnicht! Neugierhalber hab ich es aber mal laufen lassen und wartete gefühlt „ewig“ auf das Ergebnis, das – wie erwartet – natürlich nicht dem entsprach, was ich hätte haben wollen. Und schon bei der ersten Nachbearbeitung kam die Meldung: You are running out of Credits! Trotz Abo, das zwar ein paar Frei-Credits enthalten hatte, damit ich mich für diese KI begeistere und zahle, damit es weitergehen kann.

Nein danke, da steige ich aus. Für „Agenten“ hab ich keinen Bedarf – mal ganz abgesehen davon, dass diese sich öfter mal selbständig machen!

Mehr dazu:

Und sonst:

  • Weil heute 9/11 hier zur Erinnerung mein erstes Posting nach dem Desaster, gut eine Woche später, weil es mir erstmal die Sprache verschlagen hatte.Vom Glück mitten im Grauen (9/11)
    „Kaum bist du mal weg, geht die Welt unter“, schreibt mir ein Leser…“
  • Gäbe es Donald Trump ohne 9/11? (Folge 1/5) – ZEIT-Podcast
    „Ist all das noch relevant, 25 Jahre später? Ja, denn vom 11. September 2001 bis in den September 2026 lassen sich Linien ziehen. Die Politik Donald Trumps folgt in Teilen einer, die von Bush begonnen wurde. Ist Trump also vielleicht nur möglich, weil es den 11. September 2001 gab? Darüber diskutieren wir in diesem Spezial unseres US-Podcasts. „

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Diskussion

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6 Kommentare zu „Krass: KI-Agenten opfern sich zu Gunsten ihres Schwarms“.

  1. Alles ziemlich gruselig. Vorhin hörte ich im DLF über KI, die zunehmend mathematische Probleme lösen könnte. Wir leben wahrlich in interessanten Zeiten. Vorerst lache ich liebe, solange es noch geht. Der schizophrenist läßt sich zwei KI über den Menschen unterhalten. https://createurbadminton.blogger.de/stories/2918641/

  2. »Wir sind die Borg. Ihre biologischen und technologischen Besonderheiten werden den unsrigen hinzugefügt. Sie werden assimiliert werden. Widerstand ist zwecklos.« Zitat aus Star Trek 🙂

  3. @Markus: ja, gruslig! Vor allem, weil es unwahrscheinlich ist, dass es gelingen wird, die KIs „auf Linie zu bringen“, sprich: zu verhindern, dass sie sich illegal, unethisch, schädlich verhalten! Meine Erfahrung: Was man ihnen nicht ganz konkret verbietet, erkennen sie nicht als NoGo! Und wer könnte es schon schaffen, sämtlich mögliches „schädliche Verhalten“ aufzulisten und ihnen mitzugeben! Und selbst wenn man konkrete Vorgaben macht, befolgen sie diese nicht hundertprozentig in einem längeren Dialog. Zitat: Ja, du hast recht, das habe ich erfunden, obwohl ich das nicht hätte tun sollen. Danke für den Link!

    @Peter: ! Allerdings glaube ich nicht, dass sie „unsere Besonderheiten“ hinzufügen – damit würden sie verlieren, was sie auszeichnet.

  4. […] nach dem Hugging-Face-Vorfall durch die Nachuntersuchung noch herauskam lässt ahnen, wie begrenzt die menschlichen Möglichkeiten sind, die Aktivitäten der Agenten […]

  5. hallo Claudia,
    hallo Welt.. wir bauen die Welt mit Spache und…. verstehen? wie verstehen wir die Welt? indem wir den Wörtern folgen? oder solange wir fragen, was genau die Wörter unserer Sprache liefern können? hier meine Reaktion auf diese Wolken zertrümmerter Träume (glaube das habe ich im November 2001 geschrieben)

    Weil heute 9/11 hier zur Erinnerung mein erstes Posting nach dem Desaster, gut eine Woche später, weil es mir erstmal die Sprache verschlagen hatte.

    Zeitenwende
    ein Vergleich:

    die kurze Form:

    Asbestbelastete Hochhäuser
    unbezahlbare Entsorgungskosten
    Al Qaida

    die lange Form
    :

    Zeitenwende
    Wortwandern,es ist elf. immer elf, immer September,
    die Jahreszeiger sind stehengeblieben, es ist Zweitausendund.

    und die Lungenuhr tickt,
    leise wie der Strom Blut in den Adern der Verdammten.
    es bleiben ihnen dreißig Jahre,in denen ihre Fresszellen
    nicht mit den zwanzig Millionen Fasern pro Kubikdezimeter
    fertig werden können, Zeit genug für ein langes Gebet .

    Sie

    sind ein Naturprodukt, in einer Stadt, Asbest, im Tagebau
    aus der Erde gerissen, in gleichmäßiger Konsistenz auch
    in Schutzfarbe vermengt, Schutzfarbe gegen Feuer .

    sie waren überall in den Türmen die nicht mehr sind.
    sie dienten ohne bemerkt zu werden, wurden übertüncht
    als ihre Gefährlichkeit bekannt wurde und lauerten
    lange unter neuen Anstrichen.

    dreissigtausend von ihnen pro Kubikdezimeter reichen aus
    ein Gebäude von der Baupolizei schließen zu lassen.
    sie sind gefährlich, sie sind winzig
    und sie sind nicht zu vernichten.

    und sie haben Zeit.

    und sie wurden befreit von der Last der Gebäude,
    hinausgeschleudert in die Umgebung, schweben noch
    heute dort, sie sind zu winzig um von irdischer
    Schwerkraft wirklich angemacht zu werden,
    sie sind dessinteressiert an Newtons Gesetzen,
    er hätte lange warten müssen, sie fallen zu sehen.

    sie wurden heiss abgerissen von den Wänden,
    die sie vor Flammen schützen sollten,
    sie gingen auf in dieser unendlichen Staubwolke
    zertrümmerter Träume.

    und sie wurden eingeatmet, millionenfach.
    für sie steht die Zeit still,
    Fresszellen in Lungen versagen und
    nach dreißig Jahren bleibt die
    Lungenuhr in der Regel stehen,
    still das Blut.

    und sie werden verschwiegen, verschwinden in den
    sendungsbewußten Äusserungen der Krieger,
    sie, die einzig wirklichen Massenvergiftungsmittel
    sind schon in ihnen,
    warten auf ihre Zeit und
    haben kein Eile .

    zweitausendzweiunddreissig wird eine Welle aufbranden
    und wieder erlöschen, mit ihnen gehen sie hinüber
    auf schwankenden Schiffen, in Schiffen und mit
    einer Münze auf den Augen.

    der Lohn des Lebens heisst Tod.
    nicht nur dort, hier, überall.

    es ist zweitausendsechsundzwanzig,
    Zeit vergeht

    gruss aus der Diaspora ingo

  6. […] Krass: KI-Agenten opfern sich zu Gunsten ihres SchwarmsKompletter Kontrollverlust. Das ist schon gruselig, die Vorfälle scheinen sich in der letzten Zeit zu häufen. […]

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