Gestern habe für 299,- Euro für ein Tagesseminar gebucht und gleich bezahlt, das von der Krankenkasse bezuschusst wird und mit Erfolgen von über 90 Prozent wirbt. Im Unterschied zu vielen anderen Angeboten werden hier alle – einzeln weniger erfolgreichen – Methoden gebündelt: Kognitive Verhaltenstherapie, Hypnose, Akupunktur, medizinische Aufklärung – alles inkl. Nachbetreuung, Notfall-Hotline und individuelle Audio-Dateien für Zuhause.
Das Seminar ist am 28.November, sogar bei mir in der Nähe! Obwohl ich noch nie eine Hilfe zwecks Rauchstopp in Anspruch genommen habe, dachte ich mir: Wenns mir schon so nahe kommt, dann gehe ich das jetzt an! Weil es wirklich dringend ist: nach vielen Jahrzehnten erlebe ich jetzt Einschränkungen im Alltag, die ich nicht ignorieren kann: Luftnot schon auf kurzen Strecken und bei geringer Belastung – moderates Krafttraining im Fitnesscenter kann ich gerade noch machen! Vermutlich habe ich COPD und bin nun eine der 3,23 Millionen Betroffenen – gestern hatte ich den Lungenfunktionstest und nächste Woche ist der Besprechungstermin bei einer sehr sympathischen Ärztin, die ich nach langer Suche („wir nehmen keine neuen Patienten auf“ endlich gefunde habe.
Zigmal aufgehört: die Never Ending Story
Mit derm Start des Digital Diarys ist das Thema Rauchstopp eng verbunden, denn mit dem Vorläufer-Projekt „The Power of Now“ (Archiv-Verision) entdeckte ich 1998 das kontinuierliche Bloggen. Es war das erste Nichtrauchertagebuch im deutschsprachigen Web, jedoch hatte sich das Thema nach drei Monaten erschöpft und ich rauchte wieder. Immerhin hatte ich die „neue Art des Publizierens“ entdeckt und startete dieses Blog, damals noch „händisch“ in HTML verfasst. „Keine Rubriken mehr, sondern Beiträge in chronologischer Ordnung, das Neueste immer zuoberst – wie entspannend!“
Merke: ohne diese letztlich erfolglosen Rauchstopp-Versuche gäbe es das Digital Diary vielleicht nicht! Ich versuchte es auch immer wieder und schrieb darüber (z.B. 2011, 2023), 2015 startete ich sogar ein Umsteigerblog „Vom Rauchen zum Dampfen“ (Archiv), dessen letzter Blogpost „Abschied und Neubeginn“ immerhin von 2019 stammt – war ich wirklich solange weg von der Tabak-Zigarette? Das waren immerhin vier Jahre, vielleicht hab‘ ich ja schon früher wieder geraucht und nur das Info-Blog noch ab und zu bedient – keine Ahnung! Letztlich war mir das Dampfen zu aufwändig: dauernd Akkus laden, Liquid mitführen – und vermutlich hab ich „ersatzweise“ bei Freunden Tabak geraucht, weil wieder mal die Dampfe leer war. Auch die Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp hat eine demotivierende Rolle gespielt.
Als Raucherin geboren?
Natürlich bin ich an meiner Raucherkarriere selber schuld, das will ich jetzt keineswegs relativieren. Immer wieder hab‘ ich mich für den Tabak entschieden, für das Dreh-Ritual, die lieb gewordenen Gewohnheiten wie die morgendlichen Zigaretten zum Kaffee. Noch jetzt begleitet mich die Selbstgedrehte beim Verfassen dieses Blogartikels – trotz des Wissens und immer öfter auch Spürens, wie sehr sie schaden.
Aber warum bin ich so unfähig, das Rauchen auf Dauer aufzugeben? Immer mal Tage, Wochen, Monate, aber nie wirklich nachhaltig. Klar, das ist Sucht (hat sogar Helmut Schmidt zugegeben), kombiniert mit Gewohnheiten. Andere schaffen es, rauchfrei zu bleiben, ich (bisher!) nicht.
Es sitzt halt sehr tief und hat früh angefangen: Ich bin 1954 geboren, als Kind stark rauchender Eltern. Damals gab es noch keine Warnungen an Schwangere, ganz im Gegenteil war Rauchen in der Schwangerschaft gesellschaftlich vollkommen akzeptiert und wurde von vielen Ärzten sogar aktiv verharmlost. KI Gemini erinnert:
„Viele Frauenärzte rieten Schwangeren in den 1950er-Jahren sogar aktiv zum Rauchen, da man glaubte, es würde die Nerven beruhigen, Stress abbauen und einer zu starken Gewichtszunahme während der Schwangerschaft entgegenwirken. Es war absolut üblich, dass Ärzte ihren Patientinnen während der Untersuchung eine Zigarette anboten.„
Ich weiß nicht, wie es meine Mutter gehalten hat und mache ihr auch wirklich keine Vorwürfe. Jedenfalls kannte ich meine Eltern nur rauchend. Besonders schlimm war es im Auto, da wurde uns Kindern auf dem Rücksitz regelmäßig richtig schlecht! In der Pubertät erinnere ich die Ermahnungen meines Vaters, der rauchend vor mir saß und meinte: „Kind, fang garnicht erst an! Es ist teuer und schädlich!“ Natürlich gehorchte ich nicht, ganz im Gegenteil! Im Gymnasium trafen wir uns schon in der 10. Klasse im Toilettentrakt und rauchten – es war damals cool und wer nicht mitrauchte, galt als spießig.
Warum ich nichts bereue
Mein Leben als Raucherin bereue ich nicht. Das mag seltsam wirken angesichts der Folgen, die ich jetzt zunehmend erlebe. Dennoch kommen mir nie Gedanken wie: Hätte ich doch nie angefangen! Verdammt, wäre ich doch nicht rückfällig geworden, wenn ich schon mal Wochen oder Monate rauchfrei war?`Wenn ich drüber nachdenke, warum ich nicht ins Selbst-Bashen verfalle, steht mir vor Augen: als Nichtraucherin hätte ich mein Leben nicht SO gelebt – und dieses Leben hat mir die allermeiste Zeit gefallen! Nicht rauchend hätte ich mit Sicherheit andere Partner gehabt, hätte „mainstreamiger“ gearbeitet, wäre kaum Aktivistin in besetzten Häusern und den politischen Gruppen gewesen, die sich rund um den Kampf gegen die Kahlschlag-Sanierung Anfang der 80ger nachts in Kiezkneipen koordinierten, allermeist trinkend und rauchend. Vom Alkohol-Konsum konnte ich mich danach trennen, nicht so von der Zigarette. Der Wusch war einfach nicht da, bzw. nie lange genug. Auch die Männer, mit denen ich fortan zusammen war, waren Raucher – und nach wie vor rauche ich gerne (aktiv!) mit!
An der Motivation arbeiten – was sonst?
Auch jetzt ist meine Motivation schwankend, was ich gestern bemerkte, als ich einen Akupressur-Punkt aus dem ChiGong ausprobierte, was angeblich dazu führen soll, dass man Zigarettenrauch so eklig findet wie ein Nichtraucher. Bzw. wie erfolgreiche Ex-Raucher – eine liebe Verwandte hat das gerade geschafft und wollte ihre Jacke auf dem Balkon aufhängen, um den Rauchgeruch in meiner Wohnung nicht zu übernehmen! Ok, ich versuchte es also, spreizte den Daumen ab, suchte den Punkt und begann, zu massieren. Woraufhin ich nur die Stimme meines Raucher-Selbsts vernahm: Willst du denn, dass die Zigarette zum Morgenkaffee nicht mehr schmeckt? Wünschst du dir wirklich, unter dem Zigarettenrauch deiner Nächsten zu leiden? Im Ernst?
Ich hörte auf zu massieren!
Seitdem versuche ich, an meiner Motivation zu arbeiten, schaue mir inspirierende Videos an, die die Vorteile des rauchfreien Lebens bzw. die Folgen des Rauchens drastisch ausmalen. Zum Einschlafen höre ich „starke Hypnose-Videos“, die angeblich das Unbewusste im Halbschlaf erreichen sollen. Und ich buchte das Tagesseminar, bzw. das „Pro-Paket“ für 299 Euro. Wenn ich erstmal richtig Geld dafür ausgegeben habe, werde ich das doch wohl nicht in den Sand setzen wollen, so meine Hoffnung. Am 28.November ist es soweit, ich bin gespannt!
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Und sonst:
Tabaksteuer im Bundestag:Rauchen soll deutlich teurer werden – auch E-Zigaretten betroffen (Süddeutsche)
Na, das passt ja punktgenau!
Video: Das gleiche Gefühl wie RAUCHEN – aber OHNE Zigarette? (Dr.Jochen Kaufmann)
Gebe zu, DAS hat mich gecatcht! Da hoffe ich auf die Hypnose…
bloggen, als ob … (Wirres.net)
„ins internet schreibende lieben es über das ins-internet-schreiben ins internet schreibend nachzudenken und sich dabei die köpfe einzuschlagen. dabei haben tatsächlich immer alle recht.“ Schöne Sammlung zum Thema!
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