Claudia am 12. September 2026 — 7 Kommentare

Warum mich saudisches Öl eben doch interessiert (obwohl ich Fahrrad fahre)

Niemand schafft es, die geopolitische Lage so prägnant auf den Punkt zu bringen wie Markus Fugmann, Experte für historische Wirtschaftszyklen & globale Zusammenhänge. Seinen abgründigen Humor bekommt man allerdings nur in seinen Videos zur Situation mit, die er während der Woche zweimal täglich veröffentlicht. Dass er nicht allgemein als relevante Info-Quelle bekannt ist, liegt an seinem Fokus auf „die Märkte“, insbesondere die US-amerikanischen, was ihn für die Mehrheit hierzulande uninteressant macht, wenn nicht sogar dem „Reich des Bösen“ (Finanzkasino!) zuordnet. Aber keine Sorge, im folgenden Langzitat aus seinem aktuellsten Video zur Lage im Irankrieg werdet Ihr davon nichts lesen:

Lenin hat einmal den Satz gesagt: „Es gibt Jahrzehnte, in denen nichts passiert, und es gibt Wochen, in denen Jahrzehnte passieren.“ Wir befinden uns in genau diesen Wochen, denn das gesamte geopolitische Gefüge verschiebt sich – und zwar zu Ungunsten der Amerikaner. Am 25. Jahrestag von 9/11 sind die Amerikaner im Grunde als Supermacht erledigt. Das lässt sich an zwei Dingen festmachen:

  • Erstens hat Donald Trump sich geweigert, Mohammed bin Salman – dem starken Mann Saudi-Arabiens – Hilfe zu leisten. Dieser hatte ihn zweimal angerufen, nachdem die Huthis die Kontrolle über den Zugang zum Roten Meer (Bab al-Mandab) erlangt und vor allem die Pipeline beschädigt hatten, die für die Saudis als Umgehung der gesperrten Straße von Hormus diente. Trump verweigerte die Hilfe mit der Begründung, sich vor den Zwischenwahlen nicht in eine solche Geschichte hineinziehen lassen zu wollen. Das ist ein klarer Bruch des sogenannten Petrodollar-Deals von 1974. Henry Kissinger schloss damals diesen Deal mit dem saudischen König: Wenn Öl gefördert wird, wird es ausschließlich in US-Dollar verkauft. Mit diesen Dollars kaufen die Saudis US-Staatsanleihen oder US-Aktien, während die Amerikaner im Gegenzug militärischen Schutz garantieren. Genau diesen Schutz verweigert Donald Trump nun.

  • Zweitens: Weil die Amerikaner immer schwächer werden und die Golfstaaten erkennen, dass sie durch die USA nicht geschützt werden können (was der Iran-Krieg gezeigt hat), treffen sie sich am Montag direkt in Teheran.

Wie ich mittlerweile in den Nachrichten gehört habe, sind immerhin ein paar „militärische Berater“ bei den Saudis aktiv, wobei aber Wert darauf gelegt wird, dass diese in keiner Weise ins kriegerische Geschehen eingreifen. Die Huthies sind drauf und dran, die Ausweichroute über die Meerenge zum Roten Meer unter ihre Kontrolle zu bekommen. Saudischen Schiffen verbieten sie die Durchfahrt und deren Pipeline durch die Wüste haben sie mit Drohnen beschossen, so dass sie abgestellt werden musste.

Ich mag mir garnicht ausmalen, was das für eine Umweltverschmutzung ergeben hat! Kilometerweit konnten Satelliten dichte Rauchwolken über der Wüste erkennen, durch die Treffer wurden Menschen verletzt und Ruß, CO₂ und giftige Verbrennungsprodukten frei gesetzt. Auch das Beschießen und Versenken von Tankschiffen (US-Vergeltung wg. iranischer Angriffe auf Kriegsschiffe) geht gewiss nicht ohne massive Umweltschäden ab – aber darüber hören wir keine Berichte!

Ich fahre Fahrrad, was interessiert mich Saudisches Öl?

Ja, eigentlich könnte man doch denken: Prima, Benzin und Diesel werden immer teuer (jetzt plus 7 und 9 Cent pro Liter), also wird der Autoverkehr abnehmen – gut für die Umwelt! Allerdings führt das auch zu immer mehr Preissteigerungen bei allen Gütern, denn diese werden ja mehrheitlich in Diesel-Lastern geliefert. Und der Volkszorn, der sich bei jedem Tanken steigert, den weiß die AFD zu kanalisieren: Die Preise seien politisch bedingt, sie fordert „Tankrabatt“ durch Verzicht auf Steuern und Erhöhung der Pendlerpauschale, was zwar die Autofahrer entlasten, aber Milliardenlöcher in den eh schon klammen Staatshaushalt reißen würde. Geld, das z.B. beim Erhalt von Straßen, Brücken und dem Ausbau der teils maroden Infrastruktur fehlen würde. Und na klar, man soll wieder russisches Gas und Öl beziehen…

Zum Schluss was Positives? Gibts: Positive Kipppunkte: Exeter-Report kürt sauberen Strom zum stärksten Hebel

Update 13.9.: Die Golfstaaten treffen sich in Oman, nicht in Teheran – so die Tagesschau.

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Und sonst:

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Diskussion

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7 Kommentare zu „Warum mich saudisches Öl eben doch interessiert (obwohl ich Fahrrad fahre)“.

  1. Tja – da sorgt wohl jeder auf seine Weise dafür, dass den Ölmultis die Gewinne erhalten bleiben.

    Aber so Investitionen in Erneuerbare, welche die Energieversorgung und die Mobilität auf elektrischer Basis preiswerter machen – nääää!

    Frau Reiche besorgt ja mit dem Niedrighalten der Gasspeicher vor dem Winter auch schon wieder das Geschäft der Konzerne, statt qua politischem Amt Schaden vom Volk fernzuhalten.

    Wärmepumpen sind Teufelszeug und lieber bezahlen wir Mondpreise für Heizöl und Gas dank der politischen Entwicklung durch den Krieg gegen den Iran oder verfackeln umweltfreundlich und mit noch weniger Effizienz das Holz wieder direkt im Ofen.

    Ich freue mich schon darauf, mit dem Beginn der kalten Jahreszeit die Murmeltier-Stories von Blackout usw. zu lesen so wie jetzt neben dem Dauerpanikthema AfD mal wieder Pisa das Wort der Stunde ist, während beim Handeln mal wieder nix passiert, weil des koscht ja…

    Immerhin gewinnt ja das BIP wenigstens über die dabei abfallenden höheren Steuern auch etwas mit.

    Ansonsten – wenn uns doch nur einer gewarnt hätte…

  2. @Siewurdengelesen: ist das eigentlich „therapeutisches Schreiben“, wie es Horst beschreibt (Frust rauslassen) das du hier praktizierst? Ich empfinde diese Art Kommentar (auch schon den letzten) als Kampfrede am falschen Ort, denn INHALTLICH sagt das kaum etwas zu Thema, wobei ich immer bemüht bin, mich möglichst konkret auf ein Thema zu beschränken.
    Dir zu antworten wäre auf jeden Fall langwierig, wollt man zu jeder deiner Ansagen etwas erwiedern. Und schon der Einstieg: Wie um Himmels Willen werden durch das geschilderte Geschehen „den Ölmultis die Gewinne erhalten“? Der Ölpreis ist gestiegen, na klar, denn wenn weniger raus kommt aus Saudi-Arabien, dann wird es knapper und bei knappen Gütern steigen die Preise! Hättest du z.B. gesagt, dass eine „Übergewinnsteuer“ eingeführt werden soll, hätte ich es verstanden – aber du lästerst nur ab!

    Was Frau Reiche macht, macht die Wärmepumpen nicht zum „Teufelszeug“

    „Obwohl die Bundesregierung die staatlichen Zuschüsse durch die KfW-Anpassung vom 21. Juli 2026 für viele Haushalte spürbar zusammengestrichen hat, bleibt die Nachfrage auf einem hohen Niveau. Der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) verzeichnete bereits für das Jahr 2025 einen massiven Marktdurchbruch (299.000 verkaufte Geräte; +55 % zum Vorjahr). Dieser Trend setzt sich fort.“

    (KI-Zusammenfassung dazu).
    Die Wärmepumpe setzt sich durch, weil sie auf Dauer kostengünstiger ist als alles andere – WENN das so stimmt (wovon ich ausgehe) finde ich es zumindest nicht völlig irre, Förderung von Seiten des Staats langsam zurückzufahren. Dass die geringeren Fördersummen jetzt sozial gestaffelt sind, sehe ich als Fortschritt.

    WOFÜR bist du eigentlich? Ich lese meist nur zynisches dagegen. Ernst gemeinte Frage!

  3. Die Kommentare sind zugegeben zynisch, aber das Handeln unserer jetzigen Regierung auch.

    Nehmen wir z.B. das Thema der klammen Kassen gerade in Bezug auf das Gas. Statt die Füllstände auf den vorgeschriebenen Wert von 80% zu den jetzigen und anzunehmend günstigeren Preisen zu bringen, spielt man auf Risiko und ordert dann wahrscheinlich teurer das in erster Linie LNG aus den USA.

    Ich gehe nicht davon aus, dass deswegen der Notstand ausbricht, aber die Kosten sind dann eben höher. Kommt dann aus irgendwelchen Gründen der nächste Engpass, geht der Zeiger weiter nach oben.

    Bei den Wärmepumpen ist vermutlich auch die Ironie nicht angekommen, dann das war eines der Killerargumente, als unter der Ampel die Novelle beschlossen wurde, die dann in weiten Teilen von der jetzigen Regierung mit der Phrase „technologieoffen“ zurückgenommen wurde:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Geb%C3%A4udemodernisierungsgesetz#GModG_2026

    Bauindustrie und Handwerk lehnen eine Rücknahme ab, forderten aber auch, das Heizungsgesetz einfacher zu machen und technologieoffen zu gestalten.

    Auch sollen fossilen Brennstoffen befeuerte Heizungen explizit auch über das Jahr 2045 hinaus weiter betrieben werden dürfen, und damit über das Stichdatum hinaus, ab dem in Deutschland per Klimaschutzgesetz die Pflicht zur Klimaneutralität gilt. Unter anderem deshalb wird die Rechtsmäßigkeit des Gesetzes von verschiedenen Seiten angezweifelt.

    Gleiches gelte für die Vereinbarkeit des Gesetzesvorhabens mit EU-Recht. Auch lägen keine Prognosen hinsichtlich der zukünftigen Preisentwicklung von Erdgas, Biomethan und sogenanntem grünen Wasserstoff vor; diese seien „auch nicht belastbar zu erstellen“.[86] Experten rechnen mit hohen Kosten für solche Kraftstoffe, da sie bisher kaum erhältlich sind. Ebenfalls im Juni 2026 stimmte bei einer Abstimmung im Umweltausschuss des Bundesrates eine große Mehrheit der Umweltminister für die Beibehaltung des bestehenden Gebäudeenergiegesetzes, da der Gesetzesentwurf die Klimaziele gefährde und falsche Anreize zugunsten fossiler Heizungen setze.

    Als jemand, der sich so eine Anlage einbauen möchte und auf die Förderung angewiesen ist oder als Handwerksbetrieb bedeutet das nicht gerade Planungssicherheit.

    Auch da wieder die Frage, wessen Geldbeutel das über die Verbraucherpreise am meisten trifft, anstatt dass der Umbau auf die Erneuerbaren weiter forciert wird, der uns auch noch unabhängiger machen würde? Dann lassen sich nämlich auch solche Preissprünge besser abpuffern, von Klimazielen und den Umweltfolgen mal ganz abgesehen.

    Auch wenn der US-Angriff auf den Iran nicht zwingend hätte die Rohöl-und damit die Kraftstoffpreise treiben müssen, aber hier erst einmal die Preisentwicklung:

    https://www.adac.de/verkehr/tanken-kraftstoff-antrieb/deutschland/kraftstoffpreisentwicklung/

    Wer profitiert also davon, wenn nicht die Ölkonzerne?

    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/bp-oelkonzerne-oelpreis-gewinn-bilanz-inflation-100.html

    https://www.transportenvironment.org/te-deutschland/articles/neue-prognose-oelkonzerne-werden-24-milliarden-euro-uebergewinn-auf-kosten-von-europaeischen-autofahrenden-machen

    Die von Dir erwähnte Übergewinnsteuer halte ich übrigens für eine Schimäre, die zwar immer mal wieder aus dem Hut gezogen wird, aber zumindest in D niemals Realität wird, jedenfalls nicht mit dieser Regierung.

    Geostrategisch hat dabei bislang nur der Iran profitiert und ich wage die Prognose, dass auf lange Sicht dadurch sowohl im Iran ein wie auch immer gearteter Demokratisierungsprozess zurückgeworfen wird (siehe Afghanistan nach Abzug der US-geführten Truppen), während gleichzeitig die Terrorgefahr weltweit wieder steigt. Ist halt die Frage, ob die Huthis sich nur auf den Nahen Osten beschränken, oder ob es absehbar auch in unseren Breiten wieder zu mehr und heftigeren Anschlägen kommt.

    Das das weiteres Wasser auf die Mühlen der Rechten und die Law-and-Order-Politiker ist, muss ich m.E. nicht extra erwähnen.

    Und leider kann ich da nahezu nicht anders als zynisch reagieren, wenn nicht nur ein Trumpel und Merz innerhalb kürzester Zeit mit dem Allerwertesten vieles zerlegt, was vorher in Jahrzehnten mühselig aufgebaut wurde, und dann noch auf beleidigte Leberwurst machen, wenn sie dafür zu Recht kritisiert werden.

  4. @Claudia:
    „Allerdings führt das auch zu immer mehr Preissteigerungen bei allen Gütern, denn diese werden ja mehrheitlich in Diesel-Lastern geliefert.“

    Ist natürlich korrekt, aber doch etwas zu kruz gedacht. Die Primärenergie kommt in Deutschland zu über 65% aus Öl und Gas und damit betrifft es natürlich nicht nur den Transport, sondern ganz grundlegend die Wirtschaft in Gänze.
    Den Gas Teil könnte man jedoch jederzeit abmildern indem man die eine verbliebene Nordstream Pipeline wieder in Betrieb nimmt. Ob die AFD mit einer solchen Forderung nur auf Wählerfang geht oder es tatsächlich umsetzen würde, weiß natürlich niemand, aber es ist immerhin ein real umsetzbares Versprechen… jedenfalls so lange noch nicht das gesamte Gas vertraglich durch China gebunden ist. Die Pipeline bauen sie zwar schon, aber fertig ist die -soweit mir bekannt- noch nicht.

  5. Zu dem Zappelstrom, liebe Claudia: Auch die Speicherparks müssen entspr. geschützt werden. Ist das alles mitgedacht?
    Im Prinzip (!) reichen die Erneuerbaren. Da bin ich mir sicher.

  6. @Siewurdengelesen: danke für deinen sachlichen Beitrag mit erläuternden Links. Wir steuern auf eine veritable Energiekrise zu, denn leider hängt ja noch ungeheuer viel am Öl. Eine Deckelung des Preises wird aktuell vielfach gefordert, aber die CDU/Reiche lehnt das ab mit Verweis auf „Staatsfinanzen sowie marktwirtschaftliche Grundsätze.“.

    @Yossarian: Dass die Wiederinbetriebnahme von Nordstream viel bringen würde, ist nicht sicher. Es sprechen technische und politische Gründe dagegen, aber auch historische Erfahrungen (siehe KI-Zusammenfassung dazu).

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