Thema: Lebenskunst, Philosophisches

Reflexionen über Wesentliches

Claudia am 28. Juli 2001 — Kommentare deaktiviert für Kein Kampf

Kein Kampf

Seit vorgestern bin ich heftig erkältet. Mitten in der größten Hitze ist das eine komische Sache, irgendwie unpassend. Heute fühle ich mich aber auf einmal wohl damit: diese fiebrige Schlaffheit ergibt eine physische Ruhe, die ich allein vom Fühlen und Denken her nur selten und bruchstückhaft zustande bringe, allenfalls mal nach intensivem Yoga oder einem langen Spaziergang. Weiter → (Kein Kampf)

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Claudia am 24. Juli 2001 — Kommentare deaktiviert für Geburtstag

Geburtstag

Gestern hatte ich Geburtstag, wie immer ohne Feier oder besonderes Aufhebens. Ich wüßte gar nicht, was ich da veranstalten sollte, mag sowieso keine Feste und wenn mir jemand gratiuliert – so richtig face to face, mein‘ ich – dann spüre ich Verlegenheit, weiß nicht, was ich sagen soll und komme mir wie ein schlecht programmierter Automat vor.

Mit 18, also ab dem ersten selbstbestimmten Geburtstag, hab‘ ich das alles ersatzlos gestrichen und war einfach unendlich froh, daß mich niemand mehr an den Ohren zieht. Das ist nämlich eine Form des Gratulierens, die in Italien üblich ist, wo ich neun Jahre lang mitten im Familienurlaub zu einem Zwangsfest mit großem Auftrieb verdonnert war. Mein Vater hatte dafür immer Unmengen bayrisches Bier und Würstchen angeliefert, es erschienen bis zu 100 Gäste, mehrere italienische Großfamilien mit unüberschaubarem Anhang – und alle alle alle kamen auf mich zu, überschütteten mich mit ihrem Redeschwall, umarmten mich überschwenglich und zogen mich rituell an beiden Ohren. Nach wenigen Stunden glühten die Ohrläppchen – oh wie gerne wäre ich einfach unsichtbar geworden!

Bin ich ja dann auch, zumindest, was Geburtstage angeht. Dabei hat mich neulich ein guter Freund nochmal nachdenklich gestimmt: Es sei eine Frage der eigenen Wertschätzung, ob und wie man Geburtstage feiert, sich also selber feiert oder eben nicht. Gestern ist mir das dann eingefallen, ich hab‘ mir tatsächlich überlegt: Soll ich ‚was Besonderes machen? Mir richtig ‚was gönnen? Aber wie meistens ist mir nichts eingefallen, ich wollte einfach nur weiter am PC sitzen und am Design einer neuen Website experimentieren.

Das war gerade sehr sehr spannend: Zum ersten Mal nach langer Zeit gelingt mir nämlich ein neuer Stil, eine andere Herangehensweise, eine andere Art, mit Raum, Bild und Farbe umzugehen – und GESTERN war der Durchbruch in diese Richtung! Endlich weicht die Stagnation von mir, die mich lange davon abgehalten hat, meine Ideen und anstehenden Projekte definitiv anzugehen und umzusetzen. Ich war mir selber so unendlich langweilig geworden, wollte mich nicht immer nur wiederholen, so gut das im Einzelfall auch aussehen mag. Jetzt auf einmal geht etwas Anderes und vor mir liegt offene Weite, ein riesiges Spielfeld, auf dem ich das Neue in vielen Gestalten verwirklichen kann. Wie wunderbar! Ist das nicht ein tolles Geburtstagsgeschenk?

With a little help from my friends. Ohne die Inspiration durch andere Webwerker würde ich vermutlich noch lange in der Stagnation gesessen haben: Steffen (digitab.de), Becz (Becz.de) und Mia (Pandora’s Büchse) zeigten mir auf ihren Seiten ganz andere Webwelten – und für Mias Feedback, ihre konkreten Tips und Tricks bin ich ganz besonders dankbar! Nicht zu vergessen Udo, der bereit ist, mit seiner künftigen Homepage das Spielfeld abzugeben, auf dem ich mich in aller Freiheit austoben kann.

Ja, es war ein guter Geburtstag! Zum ansehen gibts erst was, wenn ich weiter bin… Weiter → (Geburtstag)

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Claudia am 22. Juli 2001 — 1 Kommentar

Vom Ziel der Suche

Das ganze Leben ist eine Suchbewegung, man kommt einfach nicht davon weg. Jedes Baby sucht die Nahrungsquelle, Wärme und Berührung, Kinder suchen Erfahrungen, Abenteuer, Wissen von der Welt. In der Pubertät erwacht ein neues Verlangen und wir suchen Erfüllung beim Anderen, in Verliebtheit und Sex. Einige Beziehungserfahrunen weiter fällt uns auf, daß das nicht alles ist, Erfolg und Anerkennung im Beruf oder anderen Formen des Engagements werden enorm wichtig. Sind wir dann endlich erfolgreich, versuchen wir, das Erreichte abzusichern – und suchen schon bald nach Abwechslung, wenn das „abgesicherte“ Leben zur Routine wird.

Zen-KreisIn all diesem Streben gibt es gute und schleche Zeiten. Alles kann flutschen und wir hüpfen leichtfüssig von Gipfel zu Gipfel, das Leben erscheint als Freudentanz. Es kann aber auch schief gehen. Liebesleid und Mißerfolge, Verletzungen und Verluste, Krankheit, Alter und Tod sind unausrottbar und erwischen uns immer auf dem falschen Fuß. In diesen Tiefs rückt dann auf einmal eine andere Suche in den Blick: wenn wir nämlich zu fertig, ausgelaugt und verzweifelt sind, um gleich ans nächste Werk zu gehen, den nächsten Kampf zu wagen oder wieder andere Menschen zu suchen, mit denen vielleicht alles besser geht als mit den Allernächsten.

DANN vernehmen wir auf einmal andere Stimmen, lesen neue Suren, öffnen uns für die spirituellen Lehren, die – auf welche Weise auch immer – versprechen, das Übel an der Wurzel auszurotten. Warum unter größtem Einsatz immer wieder neue Häuser bauen, wenn sie doch früher oder später alle einfallen? Wenn der kalte Hauch der Vergänglichkeit die Grundfesten erzittern läßt, auf denen wir so fest zu stehen meinten, dann dürsten wir nach der „Endlösung“ und sind zu allem bereit. Bis die Lage sich wieder entspannt hat, alles wieder besser läuft, vielleicht sogar mit Hilfe einer kurzzeitig geübten spirituellen Praxis, die uns harmonisiert, beruhigt, konzentriert und zu innerer Distanz verhilft. Der Kampf ums Dasein geht gleich wieder leichter von der Hand, warum hab ich mich nur so aufgeregt? Ist doch alles so schön bunt hier… Und schon sind wir wieder am aufbauen, entwerfen, erobern, verteidigen und absichern, blind dafür, daß all dieses Tun wie in den Sand geschrieben ist.

Ich sehne mich nach einem Zuhause, daß von Menschen und Dingen unabhängig ist, nach einem Ankerpunkt, der logischerweise nur im Nichts liegen kann, etwas Unmögliches also. An diesem Verlangen stelle ich verwundert fest, daß die Suche wieder da ist. Die Suche, von der ich lange glaubte, sie abgelegt zu haben nach dem Motto: Tu, was anliegt und erwarte nichts! Oder wie ZEN sagt: Holz hacken, Wasser holen.

Jetzt stelle ich fest, wie weit ich von solcher Einfachheit entfernt bin. Welches Holz? Welches Wasser? Was immer ich tue, fächert sich auf in ein Feld von Möglichkeiten und die alten Formen, aus den Teilen ein Netz zu knüpfen, haben sich totgelaufen. Ich greife also irgendwie hinein, und versuche vielleicht, Wasser zu hacken – so kann das nicht gehen! Hinzu kommen Anstöße und Irritationen, die mir Fragen stellen: Was bist du, ohne deine Gesundheit, ohne deine Nächsten, ohne dein Bankkonto?

Wer warst du, bevor dein Vater und deine Mutter sich trafen?

Ich weiß es nicht, aber die Frage ist mir nicht mehr egal. Weiter → (Vom Ziel der Suche)

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Claudia am 12. Juli 2001 — 1 Kommentar

Was du nicht erfühlen kannst, das wirst du nicht erjagen

Vier Tage ohne Diary. Ohne mich zu verbiegen bzw. „zusammenzureißen“ hätte ich einfach keinen sinnvollen Satz hinschreiben können, also laß ich es lieber ganz. Eine Phase der Leere hat mich im Griff: Der große Umzug ist überstanden, die Stadt wieder ein Stück Normalität geworden – und was kommt jetzt? Weiter → (Was du nicht erfühlen kannst, das wirst du nicht erjagen)

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Claudia am 08. Juli 2001 — Kommentare deaktiviert für Ein Jahr gewonnen… ;-)

Ein Jahr gewonnen… ;-)

Die Hitze ist vorbei, die Tage der Trägheit finden so ihr natürliches Ende. Leider hab‘ ich das Gewitter, nach dem ich mich so gesehnt hatte, heute nacht gar nicht mehr mitbekommen. Jetzt ist es angenehm kühl, richtiges Arbeitswetter!

Arbeiten? Sonntags? Warum nicht, schließlich hat mich auch nichts abgehalten, am Freitag an den Werbelliner See zu fahren. Ein alter Freund hat dort einen Wohnwagen stehen, meine Güte, es ist 31 Jahre her, daß ich einen Campingplatz von innen gesehen habe! Damals – jeden Sommer zwischen 9 und 17 – war Camping-Urlaub DER große Familienevent, auf den das ganze Jahr hingespart und hingesehnt wurde, immer ging es auf denselben italienischen Campingplatz, der uns zur zweiten Heimat wurde. Ich sprach schon bald fliessend italienisch und meine Sozialisation bezüglich des anderen Geschlechts wurde wesentlich von den Jungs auf dem Platz beeinflußt. Die waren schwer romantisch, aber auch sexuell sehr direkt, dauernd mußte ich mich verteidigen, fast war es eine Art Krieg.

Mit 18 hatte sich „Camping“ dann erledigt, ich fand das Ganze schon lange schrecklich spiessig (=uncool), fuhr mit meinen Freunden selbstbestimmt nach Frankreich und Spanien und genoß die Freiheit ohne Family – doch immer auf der Suche nach diesem harzigen Piniengeruch, ohne den die richtige Urlaubsstimmung einfach nicht aufkommen wollte, genauso wenig wie beim Übernachten in Hotels. Solche Konditionierungen sitzen verdammt tief, noch jetzt genieße ich den Duft der Brandenburger Kiefern ganz besonders.

Wie wir so gemütlich beisammen saßen, erwähnte mein Gastgeber sein Alter: „Mit meinen 46 Jahren….“. Ich stutzte, denn mit diesem Mann war ich dereinst nach Berlin gezogen und ich wußte noch genau, daß wir doch mal gleichaltrig waren! Wieso hatte ich auf einmal ein Jahr mehr auf dem Buckel? Ich rechnete nach und – oh wunder! – stellte fest, daß ich wieder mal meiner Zeit ein Jahr voraus gewesen war. Wie bei D-Mark-Beträgen hab‘ ich mir nämlich angewöhnt, ab der Hälfte aufzurunden: Im Winter, mit 46,5 Jahren, antwortete ich auf die Frage nach dem Alter immer schon: 47. Durch meine Vergeßlichkeit war ich dann bald der festen Meinung, mein nächster Geburtstag sei der 48! Tja, so kann man sich irren und jetzt fühle ich mich, wie ein ganzes Jahr zurück versetzt. Schon komisch. :-)

Mir scheint, heut krieg ich die Kurve zu allgemein interessierenden Themen einfach nicht hin! Deshalb hier ein Lese-Tipp von weltwichtiger Bedeutung:

Berliner Zeitung:
Müssen wir uns Bill Gates als einen glücklichen Menschen vorstellen?
Über den reichsten Mann der Welt – von Mathias Greffrath

Sehr lesenswert. Von dem gebotenen Blick auf die Welt kann einem zwar richtig schlecht werden – aber langweilen wird Euch der Artikel sicher nicht! Was mich wirklich beängstigt – neben der Charakterstudie, die wieder mal zeigt, dass die Welt von den gestörtesten Typen beherrscht wird – ist die Aussicht, daß Gates tatsächlich die Macht über die Inhalte dergestalt übernehmen will, daß der gemeine Netz-User einfach keine Seiten mehr aufrufen kann, die nicht von Microsoft (oder anderen Privaten) „zertifiziert“ sind. Das wäre das Ende des privaten und auch allen nonkommerziellen Webworkings. Und weit und breit sehe ich keine Lobby, die unsere Politiker gegen solche Vorhaben einnehmen könnte…. oder was meint Ihr? Weiter → (Ein Jahr gewonnen… ;-))

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Claudia am 19. Juni 2001 — Kommentare deaktiviert für Angekommen!

Angekommen!

Berlin-Friedrichshain, Tag 2. Der Umzug ist geschafft, sogar die Kartons sind schon alle im Keller. Ich fühle mich wie nach einem schier endlos langen Urlaub auf dem Land: endlich wieder daheim! An der Straßenkreuzung seh‘ ich einen Punk, der seine Freundin in einem mit Kissen ausgepolsterten Einkaufswagen vor sich her schiebt, sie trägt rosa-grün geringelte Strümpfe und hat ein Bein in Gips. Wie mir solche Anblicke doch gefehlt haben! Weiter → (Angekommen!)

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