Bevor ich zum versprochenen schlechten Blogpost komme, etwas zum Anlass dieser Überlegungen: „Ich glaube, ich möchte das nicht lesen“ ist der Titel eine Beitrags, den ich auf Rivva entdeckte – wie ich finde, der geistreichste Clickbait seit je! :-) Klar, dass ICH das lesen will! Es geht um die offenbar zunehmende KI-Nutzung, die Andreas (blogsequenz) so erlebt:
„Ich kann mich täuschen, aber so einige Blogs in meinem Feedreader steigern kontinuierlich ihre Outputs, auch wenn es sich dabei oft um eine One-Man- oder Womanshow handelt. Auch der eher persönliche Schreibstil, neben meinem Themeninteresse ein Grund, warum ich ein Blog lese, wird immer mehr zu einer eher polierten, journalistischen Schreibweise.“
Darunter ergab sich ein interessantes Komentargespräch über die Verwendung von KI in Blogs, an der sich zunächst Horst Schulte beteiligte. Der geht offen mit seiner KI-Nutzung um und hat genau zu dieser Anmutung kürzlich geschrieben: Weniger Leser durch KI-Nutzung?
Mein Einstieg war ein anderer Aspekt, der auch durch meine bevorzugten Themen (Politik, KI, Weltgeschehen…) bedingt ist:
„Die je „eigene Sicht auf bestimmte Vorgänge auf dieser verwirrenden Welt “ teilen kann ich doch nur, wenn es gelingt, zunächst zu vermitteln, was ich als „hochwahrscheinlich wahr“ ansehe (=was der Fall ist)…. Letztlich bleibt mir nur übrig, alles wirklich Wichtige in meinem zu bebloggenen Thema kurz zu erklären (oder zu einer Erklärung zu verlinken). Es handelt sich dann um die Textsorte „Weltbeschreibung“ – es geht hier noch nicht im „Persönliches“, sondern um ein Abstimmen. Und weil ich immer schon schreibe, kommt dabei ein halbwegs polierter journalistischer Stil dabei heraus. Das Persönliche komt dann später, da wüsste ich garnicht, was eine KI dabei helfen könnte!
These: Helfen könnte sie aber beim Erklär- und Berichteil, indem sie diesen Aufwand abnimmt. Das ginge aber nur, wenn es gelingen könnte, sie „schier unmerklich“ einzubinden.
Abschreckendes Beispiel: Mein letzter Blogpost
Wie es ganz ohne KI und unter allzu fauler Vermeidung des gefürchteten Erkläraufwands laufen kann, zeigt mein letzter Beitrag „El Niño: krasse Temperaturen im Mittelmeer, so früh wie nie zuvor“. Die ersten Absätze handeln ausschließlich von beängstigenden Klima-News, schon die erste Grafik sagt alles! Dann folgen noch ein paar ERKLÄRENDE Zitate, darunter auch (berechtigte) Anklagen über mangelnde Klimapolitik aus dem Volksverpetzer.
Zu einer eigenen Resonanz („persönliche Eindordnung“) kommt es erst im zweiten Teil „Schrumpfen statt Wachstum?„, beginnend mit der Frage, was aus alledem denn folgen solle. Damit hätte ich den Artikel beginnen sollen, nicht mit „schrecklichen“ Klimadaten, wie sie in x-beliebigen Medien stehen. Mit ihnen haben wir Nicht-Leugner uns doch alle schon auseinandergesetzt und wenn es etwas Neues gibt (wie das extrem warme Mittelmeer und El Niño) bekommen wir das sowieso mit. Ist es das, was wir in einem persönlichen Blog lesen wollen? Eher nicht!
Es wundert also nicht, dass niemand etwas dazu sagt. Allein schon der Titel, die Grafik – nein danke, nicht schon wieder! Bis zum „Schrumpfen“ und meiner Problematisierung, ob so etwas überhaupt kollektiv organisierbar ist, kommt man garnicht erst.
Und: Wenn schon so viel Faktenvermittlung sein muss, wäre ein „Einweben“ derselben im „polierten journalistischen Stil“ mittels einer an meine Schreibe angepasste KI wohl besser gewesen als nur ausführliche Zitate zu bringen.
Was ich insgesamt sagen will: Es gibt gute Gründe für den Einsatz von KI in Blogs. Weil die Welt komplex ist und jede/r in einem ureigenen Ausschnitt davon lebt und je eigene Quellen zur Information über das, was der Fall ist, nutzt. Das noch Gemeinsame muss erstmal festgestellt werden! Vom Anspruch her will ich für jede/n verständlich schreiben, was aber gerade heute immer unmöglicher wird angesichts, denn die selbstverständlichen Gemeinsamkeiten schwinden.
Und sonst?
- Anders sieht es aus, wenn man sich nur an eine bestimmte Gruppe wendet, z.B. Programmierer. Hier kann man ja viel gemeinsames Grundwissen voraussetzen. Beispiel? Der Titel Hürden auf dem Weg in die digitale Unabhängigkeit hat mich durchaus gelockt, aber vom Text habe ich nahezu nichts verstanden außer: Wenn es diesen Aufwand braucht, dann wird es nichts mit der Unabhängigkeit! Warum auch? Es darf doch Dienstleister geben…
- Noch ein Lesetipp: Kreislauf-Invest: Wie Big Techs KI-Umsaetze sich im Kreis drehen! (Sascha Pallenberg ) . Für mich der beste Artikel zum Thema, den ich je gelesen habe! Mit selbstkritischer Betrachtung der Quellen, Bemühen um Fairness und umfassenden Erklärungen rund um den seltsamen Geldkreislauf. Sascha schafft es sogar, durchweg einen persönlichen Touch zu erzeugen, der den Text von gewöhnlichen Medienartikeln deutlich unterscheidet.
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5 Kommentare zu „So hätte ich das nicht bloggen sollen! Wäre mit KI vielleicht besser gewesen…“.