Claudia am 21. Juli 2026 — 5 Kommentare

So hätte ich das nicht bloggen sollen! Wäre mit KI vielleicht besser gewesen…

Bevor ich zum versprochenen schlechten Blogpost komme, etwas zum Anlass dieser Überlegungen: „Ich glaube, ich möchte das nicht lesen“ ist der Titel eine Beitrags, den ich auf Rivva entdeckte – wie ich finde, der geistreichste Clickbait seit je! :-) Klar, dass ICH das lesen will! Es geht um die offenbar zunehmende KI-Nutzung, die Andreas (blogsequenz) so erlebt:

„Ich kann mich täuschen, aber so einige Blogs in meinem Feedreader steigern kontinuierlich ihre Outputs, auch wenn es sich dabei oft um eine One-Man- oder Womanshow handelt. Auch der eher persönliche Schreibstil, neben meinem Themeninteresse ein Grund, warum ich ein Blog lese, wird immer mehr zu einer eher polierten, journalistischen Schreibweise.“

Darunter ergab sich ein interessantes Komentargespräch über die Verwendung von KI in Blogs, an der sich zunächst Horst Schulte beteiligte. Der geht offen mit seiner KI-Nutzung um  und hat genau zu dieser Anmutung kürzlich geschrieben: Weniger Leser durch KI-Nutzung?

Mein Einstieg war ein anderer Aspekt, der auch durch meine bevorzugten Themen (Politik, KI, Weltgeschehen…) bedingt ist:

„Die je „eigene Sicht auf bestimmte Vorgänge auf dieser verwirrenden Welt “ teilen kann ich doch nur, wenn es gelingt, zunächst zu vermitteln, was ich als „hochwahrscheinlich wahr“ ansehe (=was der Fall ist)…. Letztlich bleibt mir nur übrig, alles wirklich Wichtige in meinem zu bebloggenen Thema kurz zu erklären (oder zu einer Erklärung zu verlinken). Es handelt sich dann um die Textsorte „Weltbeschreibung“ – es geht hier noch nicht im „Persönliches“, sondern um ein Abstimmen. Und weil ich immer schon schreibe, kommt dabei ein halbwegs polierter journalistischer Stil dabei heraus. Das Persönliche komt dann später, da wüsste ich garnicht, was eine KI dabei helfen könnte!

These: Helfen könnte sie aber beim Erklär- und Berichteil, indem sie diesen Aufwand abnimmt. Das ginge aber nur, wenn es gelingen könnte, sie „schier unmerklich“ einzubinden.

Abschreckendes Beispiel: Mein letzter Blogpost

Wie es ganz ohne KI und unter allzu fauler Vermeidung des gefürchteten Erkläraufwands laufen kann, zeigt mein letzter Beitrag „El Niño: krasse Temperaturen im Mittelmeer, so früh wie nie zuvor“. Die ersten Absätze handeln ausschließlich von beängstigenden Klima-News, schon die erste Grafik sagt alles! Dann folgen noch ein paar ERKLÄRENDE Zitate, darunter auch (berechtigte) Anklagen über mangelnde Klimapolitik aus dem Volksverpetzer.

Zu einer eigenen Resonanz („persönliche Eindordnung“) kommt es erst im zweiten Teil „Schrumpfen statt Wachstum?„, beginnend mit der Frage, was aus alledem denn folgen solle. Damit hätte ich den Artikel beginnen sollen, nicht mit „schrecklichen“ Klimadaten, wie sie in x-beliebigen Medien stehen. Mit ihnen haben wir Nicht-Leugner uns doch alle schon auseinandergesetzt und wenn es etwas Neues gibt (wie das extrem warme Mittelmeer und El Niño) bekommen wir das sowieso mit. Ist es das, was wir in einem persönlichen Blog lesen wollen? Eher nicht!

Es wundert also nicht, dass niemand etwas dazu sagt. Allein schon der Titel, die Grafik – nein danke, nicht schon wieder! Bis zum „Schrumpfen“ und meiner Problematisierung, ob so etwas überhaupt kollektiv organisierbar ist, kommt man garnicht erst.

Und: Wenn schon so viel Faktenvermittlung sein muss, wäre ein „Einweben“ derselben im „polierten journalistischen Stil“ mittels einer an meine Schreibe angepasste KI wohl besser gewesen als nur ausführliche Zitate zu bringen.

Was ich insgesamt sagen will: Es gibt gute Gründe für den Einsatz von KI in Blogs. Weil die Welt komplex ist und jede/r in einem ureigenen Ausschnitt davon lebt und je eigene Quellen zur Information über das, was der Fall ist, nutzt. Das noch Gemeinsame muss erstmal festgestellt werden! Vom Anspruch her will ich für jede/n verständlich schreiben, was aber gerade heute immer unmöglicher wird angesichts, denn die selbstverständlichen Gemeinsamkeiten schwinden.

Und sonst?

  • Anders sieht es aus, wenn man sich nur an eine bestimmte Gruppe wendet, z.B. Programmierer. Hier kann man ja viel gemeinsames Grundwissen voraussetzen. Beispiel? Der Titel Hürden auf dem Weg in die digitale Unabhängigkeit hat mich durchaus gelockt, aber vom Text habe ich nahezu nichts verstanden außer: Wenn es diesen Aufwand braucht, dann wird es nichts mit der Unabhängigkeit! Warum auch? Es darf doch Dienstleister geben…
  • Noch ein Lesetipp: Kreislauf-Invest: Wie Big Techs KI-Umsaetze sich im Kreis drehen! (Sascha Pallenberg ) . Für mich der beste Artikel zum Thema, den ich je gelesen habe! Mit selbstkritischer Betrachtung der Quellen, Bemühen um Fairness und umfassenden Erklärungen rund um den seltsamen Geldkreislauf. Sascha schafft es sogar, durchweg einen persönlichen Touch zu erzeugen, der den Text von gewöhnlichen Medienartikeln deutlich unterscheidet.
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Diskussion

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5 Kommentare zu „So hätte ich das nicht bloggen sollen! Wäre mit KI vielleicht besser gewesen…“.

  1. Hallo,
    ich muss ehrlich sagen, man sollte es differenziert sehen. Generative KI hat mit Sicherheit nichts in einem Blogbeitrag zu suchen. Ich nutze LanguageTooler, um die Grammatik und Kommasetzung überprüfen zu lassen, aber meine Texte sollte niemals eine KI schreiben, nicht mal umschreiben.
    Ich denke, wir sollten unterscheiden zwischen generativer KI und assistierender KI. LanguageTooler ist ein Beispiel für assistierende KI, wenn man sie richtig anwendet. Und genau in der Assistenz sehe ich die Daseinsberechtigung von KI. Wenn sie mich unterstützt. Sehr gerne, aber wenn sie meine Arbeit, als Autorin (oder Bloggerin) macht, gehört sie ebenso wie das, was sie „rausschmeißt“, in die Ablage „rund“ aka Mülleimer. Aber das ist wie gesagt nur meine Meinung.
    Liebe Grüße
    Daira

  2. Ich denke es ist jedem freigestellt, KI-generierte Beiträge in seinem Blog zu veröffentlichen genauso wie es jedem freigestellt ist, diese Blogbeiträge zu lesen oder nicht. Wo ist also das Problem?

  3. Authentizität ist kein messbarer Zustand, sondern ein Gefühl. Wer den Eindruck gewinnt, ein Text sei teilweise von einer Maschine formuliert, empfindet dieses Gefühl möglicherweise als gestört. Vielleicht verbirgt sich dahinter aber noch etwas anderes: die leise Sorge, beim eigenen Schreiben eines Tages genau das zu verlieren, was die eigene Stimme unverwechselbar macht. Und vielleicht schwingt noch eine zweite Befürchtung mit: dass schon der bloße Verdacht, sich von KI helfen zu lassen, genügt, um das Vertrauen der Leser zu erschüttern und den eigenen Worten einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit zu nehmen.

    Vielleicht erklärt genau das auch die mitunter erstaunliche Unsensibilität gegenüber jenen, die offen zugeben, KI beim Schreiben einzusetzen. Ob sie die Technik nur für eine Überschrift, eine Formulierung oder für weite Teile eines Textes nutzen, spielt dann kaum noch eine Rolle. Der Verdacht allein genügt. Der Stempel ist vergeben.

  4. Ich gebe zu, ich bin auch schuldig was die Nutzung von KI in meinem Blog angeht. Ich lasse ChatGPT keine Artikel schreiben aber zumindest korrigieren. Manchmal hapert es bei mir hier und da mit der Kommasetzung oder vielleicht der Schreibweise. Manchmal lasse ich auch Snippets für SEO auf eine festgelegte Länge kürzen. Die Texte basieren aber ursprünglich aus meiner Feder.

    Komplett KI generierte Blogs oder Inhalte finde ich merkwürdig. Manchmal liest/hört man das total raus, wenn ein Inhalt nur von der KI ist. Gruselig!

  5. @alle: Danke für Eure Beiträge – sogar so schnell! Ergänzend: mein Anliegen ist es nicht, zum xten Mal zu diskutieren, ob KI in einem Blog legitim oder ein Nogo sein soll! Das ist schon deshalb unmöglich, weil es riesige Unterschiede zwischen Blogs gibt, zig verschiedene Gliederungs-, Formulierungs- und Herangehensweisen.
    Statt dessen bin ich den sinnvollen, vielleicht irgendwann unverzichtbaren Anwendungen von KI auf der Spur – deshalb auch das schlechte Beispiel eine eigenen Blogposts, der mit einer „erzogenen“ KI sehr viel besser hätte sein könne, jedenfall was die Einführung der Fakten angeht.

    @Menachem: Natürlich ist das jedem freigestellt, wie sollte es auch anders sein? Bloggen ist keine Auftragsarbeit, wo Chefs ein gewisses Recht haben, Ansagen zu machen, wie gearbeitet wird.
    Diskussionen um das „ob und wann, wenn ja wie, wenn nein, warum nicht“ sind eine gemeinsame Suchbewegung nach dem „richtigen“ Umgang mit den LLM-KIs, wobei das Ergebnis kein kollektives, sondern wiederum ein individuelles sein wird.

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