Claudia am 10. Juli 2026 — 5 Kommentare

Aufmerksamkeit und Ablenkungen

Grade läuft im DLF „Auf der Suche nach der verlorenen Aufmerksamkeit“: Mit Hörer/innenbeteiligung wird über Handy-Sucht, Multitasking, schwindende Fähigkeiten zur Selbststeuerung und Konzentration debattiert. Mehrere Stunden pro Tag am Handy zu verbringen, ist offenbar keine seltene Verhaltensweise, Kinder seien besonders gefährdet, TikTok zu verfallen und alles andere zu vergessen.

Persönlich fühle ich mich da kaum betroffen, obwohl ich morgens um fünf oder sechs, wenn ich aufwache, über das Smartphone Radio höre, erste Nachrichten, „Informationen am Morgen“… und dann döse ich wieder weg.

Das Einschlafen gelingt tatsächlich leichter, auch nachts, wenn ich irgend etwas höre, das mich nicht aufregt oder geistig fordert. Youtube hält da eine ganze Reihe Formate bereit, die genau zu diesem Zweck geschaffen sind, aber die meisten davon kommen bei mir nicht an. Insbesondere nicht diese einschmeichelnden Stimmen, die das Einschlafen noch zu irgend etwas Nützlichem nutzen wollen, sei es „Heilung“ oder diverse Selbstoptimierungen. Brauch ich nicht, nervt nur! Lieber lausche ich den paranormalen Geschichten des Mythen Metzgers (tolle Stimme!) oder den Reden einer Introvertierten auf Wanderlust – immer mit automatischer TV-Abschaltung nach einer Stunde und mit Augenbinde, um das Licht des Screens nicht mitzubekommen.

 

Wanderlust - Kanaltitelbild
https://www.youtube.com/@wanderlustintrovert

Tja, so ist das heute! Ich schaue auch tagsüber lieber wandernden Menschen zu als dass ich das Haus verlasse und selbst herumwandere. Das liegt sicher auch daran, dass mir die nähere Umgebung allzu bekannt ist, ich finde sie langweilig, obwohl ich nur ein paar hundert Meter vom Spreeufer entfernt wohne. Dieses Ufer ist aber alles andere als „naturnah“ und bietet nur den bekannten Ausblick auf die Oberbaumbrücke und einen asphaltierten Uferweg. Immerhin gibts ja noch den Garten, aber auch der ist aktuell mehr Pflicht als Lust: es muss gegossen werden, was wir angeplanzt haben!

Aufmerksamkeit und Ablenkungen: Bei mir ist es Youtube, das mich mit seinen höchst unterschiedlichen Videoformaten lockt und spätnachmittags oder abends stundenlang am TV hält. Manchmal kann ich mir vormachen, mich hier „nur“ zu informieren, wie es über gängigere Medien garnicht möglich wäre. Da sind z.B. die Kriegsberichte von Mark Reicher, der die Erfolge der Ukraine feiert und auch berichtet, was russische Militärs in ihren Telegram-Kanälen so erzählen. Über Geopolitik und Märkte informiert täglich Fugmann („Fugi“) auf Finanzmarktwelt – höchst informativ und mit einem trockenen Humor, der seinesgleichen sucht!
 

Fugmann, Finanzmarktwelt
https://www.youtube.com/watch?v=OWy5oq8v9x4

Kanäle für den Eskapismus

Wo ich nun schon dabei bin, will ich gleich auch ein paar Youtuber zeigen, die mich mit ihren Videos in andere Welten entführen, weitab von den Aufregern des Weltgeschehens! Da sind z.B. diese Leute, die zuhause ausgiebig Google Earth sichten, bis sie etwas finden, das irgendwie seltsam ist. Dann reisen sie hin, egal wie abgelegen die Gegend ist, und filmen diese Wanderung – und natürlich die „Funde“.

Der erste, den ich fand (und noch immer der Beste trotz vieler Nachahmer) ist der POV-Channel (Exploring Planet Earth’s most unique places), der sich in Landschaften wagt, die absolut erstaunlich sind! Z.B. ein Gebiet mit riesigen Löchern, seltsamen Felsformationen, sagenhaft engen Canjons, Höhlen und Siedlungsresten – er läuft dann da rum und verschont uns mit Hintergrundmusik! Man hört nur den Wind pfeifen und ab und an sagt er was zu dem, was er gerade erwandert, mal mit seinem Hund, mal ohne. 

 

OOV Channel
https://www.youtube.com/watch?v=PDYrJCl62NY und https://www.youtube.com/watch?v=y_tgA4GXGhU

Deutlich spektakulärer sind die Reisemystrerien / Travel Mysteries: „a documentary channel exploring the world’s most impossible places, hidden wonders, and mysterious destinations“. Während ich schon Pausen brauche, um in den 3.Stock zu kommen, steigen Touristen hier über 2000 Meter Treppen hoch bis zu einem Kloster in den Wolken – irre!

 

Tjen men Mountain
https://www.youtube.com/watch?v=okSt5LsQeTk

Wie toll das doch ist, jetzt zumindest Ansichten und Erlebnisse aus allen erdenklichen Weltgegenden vom Sofa aus genießen zu können. Ganz ohne sich dem Stress aussetzen zu müssen, der heute wegen des „Overtourism“ erheblich mehr geworden ist! 2024 war ich in Rom, wo ich in den 60gern als Kind schon öfter war. Damals konnte man im Forum und im Colloseum einfach so rumlaufen, es war nicht mal besonders belebt! Heute: Alles umzäumt, nur mit Online-Ticket zu festen Uhrzeiten zugänglich! Ich erinnere mich noch, wie ich einst im Pantheon stand und nach oben zu dieser spektakulären runden Öffnung in der Kuppel aufschaute. 2024 waren auf dem Platz vor dem Pahtheon solche Absperrungen in Schlangenlinien, wie man sie vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen hat (im Oktober!). Neid danke, darauf hatte ich dann doch keine Lust mehr.

Also reise ich nur noch mental vom Sofa aus!

***

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Diskussion

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5 Kommentare zu „Aufmerksamkeit und Ablenkungen“.

  1. Einschlafschwierigkeiten kenne ich nicht, brauche also da keine Hilfen.
    im Gegenteil: Sitze ich wie im Sofa nicht aufrecht, drohe ich einzuschlafen.

    Schön, solche magischen Orte per Video kennenzulernen, aber die Mühe, sie in realita zu meistern, greift tiefer als… zuzuschauen.
    Klar meide ich auch Touri- Hotspots. Zweimal war ich in Paris, sah mir beim ersten Mal vor 35 Jahren nur einige wenige Werke im Louvre an (war zuvor informiert), das 2. Mal ging ich garnicht mehr rein.
    Aber es gilt: Reisen bildet, aber es muss auch nicht zwingend sein.

  2. @gerhard: danke für deinen Kommentar zu diesem zugegeben eher langweiligen Blogpost voller Video-Tipps!
    Rumreisen, gar an entlegene Orte, ist mir nicht mehr möglich – ich muss (wie sich gezeigt hat) an Orten bleiben, an die binnen 15 Minuten spätestens ein Rettungswagen kommen kann und ein Krankenhaus in der Nähe ist. Städtereisen also… und besser hierzulande.

  3. Eine Zeitlang schaute ich Circle-Videos, in denen DJs an tollen, exotischen Orten alleine performten. Jetzt fehlt mir etwas die Zeit dazu.

  4. @Gerhard, „Reisen bildet“, dass unterschreibe ich sofort. Wenn ich beruflich in der EU unterwegs war, und mich dabei in Strukturen und Mentalitäten anderen Länder neu einfinden musste, habe ich immer am meisten neu gelernt und verstanden. Dieses „reisen“ gehört mit zu meinen wichtigsten Lebenserfahrungen, die mich möglicherweise auch zu einem wohlwollenderem Blick auf unser Land geprägt haben,- wozu auch das Gesundheitswesen gehört.

    @Claudia, „langweiliger Blogpost“? Find ich gar nicht. In deinen Beiträgen ist immer irgendetwas, was triggert. Find ich gut. Das dein Malheur aus dem Sizilien-Urlaub noch seine Schatten wirft hatte ich mir bereits gedacht, als du zuletzt über das „kranke Gesundheitssystem“ klagtest. Mir ist es vor 2 Jahren ähnlich wie dir gegangen, allerdings habe ich mit meinem kleinen Schlaganfall, einer TIA, nur gute Behandlungs-Erfahrungen gemacht. Auf der Notfallstation versorgte mich ein gut eingespieltes Erst-Team perfekt, fast wie beim Boxen-Stop der Formel 1. Und auch die OP 3 Tage später,- Respekt,- was und wie die Ärzte das machten. Ich denke es ist wichtig auch diese Seite mal zu zeigen, für alle, die mal von jetzt auf gleich im Notfall-Wagen liegen. Ich hoffe und wünsche dir sehr, dass du ganz bald gute und akzeptable Gesundheitslösungen für dich findest.

    Reisen allerdings KANN ich seitdem auch nur noch im nahen Umfeld. Aufregen DARF ich nicht mehr. Posts einer angeblichen Hausärztin treiben meinen Blutdruck direkt in schmerzhafte Höhen. Also überwiegend nur noch leichtgespülter Medienkonsum,- was nicht heißt, dass ich mich an keinen kontroversen Themen mehr beteilige. Solange sie sachlich, ruhig und in einem gut verträglichen Umgangston stattfinden bin ich gerne dabei. Alles was anheizt meide ich wie Gift. Das hat schon fast was Positives im Sinne geistiger Hygiene.

    Verzichtet hätte ich gerne auf all das. Manchmal habe ich auch Angst. Aber die Meta und YouTube Algorithmen wissen mittlerweile, wie sie mich mit Gerhard Polt oder thailändischen Street Food wieder auf andere Gedanken bringen.

  5. @Menachem:
    Deine letzten 2 Kapitel habe ich nochmal gelesen.

    Kontroverse Themen weitgehenst vermeiden, ist erstmal eine gute Sache.
    Ich bin z. Zeit in einer Sketchergruppe von 60 Mitgliedern. Dort sind unbedachte politische Meinungen tabu. Das zerreisst die Gruppe nur.
    Wir haben ja nur das Zeichnen im Sinn und selbst da gibt es ja Meinungsunterschiede, was zum Zeichnen so alles gehört oder nicht gehört/gehören sollte! Das allein wirft schon leichte Wellen. Da braucht es sicher keine zusätzlichen Stürme, sonst wäre der ganze monatelange Aufbau der Gruppe zum Teufel!

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