Claudia am 03. Juli 2026 — 10 Kommentare

AU (Krankschreibung) am 1.Tag? Eine Hausärztin sagt, wie es ist.

Dieses Kurzvideo fand ich gerade auf Twitter – und obwohl ich nicht betroffen bin (weil nicht angestellt) bin ich doch fassungslos angesichts einer so unglaublich dummen und ignoranten Regelung, die uns die Regierung gerade als Teil ihres „großen Reformpakets“ unterjubeln will. Die Hausärztin findet die richtigen Worte und sagt, was davon zu halten ist!

Hausäztin

„Die Bundesregierung negiert die Realität und schafft verantwortliches und nachvollziehbares Handeln und eine faktenbasierte Politik ab.

Sie verlangt jetzt ab dem ersten Tag eine AU – also nicht erst ab dem dritten Tag, ab dem ersten Tag eine AU –, schafft gleichzeitig die telefonische Krankschreibung ab und treibt damit Millionen von Menschen überflüssigerweise in die Arztpraxen, während das Gesundheitssystem unter dem GKV-Spargesetz eh schon kollabiert.

Es ist der Bundesregierung völlig egal, und sie setzt noch ein i-Tüpfelchen oben drauf und stellt eine Termingarantie ins Fenster – in einem jetzt schon kollabierenden System. Das muss man sich mal vorstellen! Gleichzeitig entbehrt das jeder Faktenlage: Die DRK-Krankenversicherung hat gezeigt, dass die telefonische AU NICHT zu einem überproportionalen Mehranstieg geführt hat.

Im Gegenteil: Die Gruppe, die in Deutschland am meisten krankfeiert, ist die Gruppe der Bundesrats- und Bundestagsabgeordneten. Die sind allerdings auch noch privatversichert – also es entbehrt jeder Faktenlage.

Es ist keine Politik für die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land. Es ist eine Politik, die die realen Gesundheitsbedingungen, die Bedingungen in den Praxen der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen mit Füßen tritt, Misstrauen schafft und gleichzeitig ein Schlag ins Gesicht ist – und sagt: Wisst ihr was, eure Arbeit ist uns eigentlich vollkommen egal und eure Realitäten haben mit unseren hier in Berlin nichts zu tun – aber auch wirklich gar nichts zu tun.

Es ist ein Schlag ins Gesicht, es ist Bullshit, es entbehrt jeder Faktengrundlage – und keiner muss sich mehr wundern über die Abstrafung in den Sonntagsfragen der Bürgerinnen und Bürger, weil das kann man nicht wählen.

Was für ein Skandal. Mehr kann ich dazu nicht sagen!

***

Ich füge hinzu:

  • Wer massenhaft akut kranke Menschen in die Wartezimmer treibt, erschafft noch mehr kranke Menschen, die sich an ihnen anstecken. Kürzlich war ich eine halbe Stunde in einem Wartezimmer und hatte danach 2 Wochen einen Infekt!
  • Und: Seit Wochen „bewerbe“ ich mich bei verschiedenen Allgemeinmedizinern und Internistinnen um einen Termin. Alle lehnen mich ab, weil „wir nehmen zur Zeit keine neuen Patienten auf“. Die haben also alle genug zu tun!
  • Liest man die Kommentare zu Ärzten, liest man von mehreren Stunden Wartezeit, trotz Termin, von nervösen, missgelaunten Ärzten, von organisatorischem Chaos, unfreundlichen / abweisenden MFAs und engen Wartezimmern voller kranker Leute.

Die Ignoranz ist unfassbar, die unsere Politiker/innen an den Tag legen!

 

***

Mehr dazu:

«Bürokratischer Super-GAU» – Hausärzte warnen vor Ansturm (DIE ZEIT)

Telefon-AU-Aus & Co: „Irrsinn, der für Millionen zusätzliche Arztbesuche sorgt“

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Diskussion

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10 Kommentare zu „AU (Krankschreibung) am 1.Tag? Eine Hausärztin sagt, wie es ist.“.

  1. Es führt zudem sicherlich auch nicht zu weniger, sondern zu mehr Ausfall. Mich betrifft es zwar auch schon lange nicht mehr (selbsständig), aber man kriegt es ja dennoch mit: Wenn ein Arzt dich erstmal krank schreibt, dann ist das selten nur für 1-2 Tage.

  2. Das klassische Aufregerthema. Als Rentner hab ich gut reden. :-) Ich darf allerdings anmerken, dass ich von 1995 bis zur Rente (also 2014) in meinen Verträgen genau dieses Passus stehen hatte: Die Krankschreibung musste am 1. Fehltag vorgelegt werden. Ich kannte das davor nicht. Und auch ab 1995 hat sich für mich gar nichts verändert. Die Unternehmen verlangten nicht, dass der gelbe Schein gleich am ersten Tag abgegeben wurde (wie auch, wenn man kilometerweit weg arbeitet?). In der Praxis wurde das genau so gehandhabt wie ich es davor kannte. Ich war beim Doktor und erhielt die Krankschreibung. Die habe ich dann per Post an die Firmen geschickt. Probleme hat das nie verursacht. Bei meiner Frau war das übrigens (gemäß Vertrag) nicht anders. Sie war allerdings, im Gegensatz zu mir, nie krank — die Glückliche.

  3. […] AU (Krankschreibung) am 1.Tag? Eine Hausärztin sagt, wie es ist. […]

  4. Es ist ein leidiges Thema, immer wieder. Es zeigt aber ganz etwas anderes:
    1. die Bundesregierung misstraut ihren Bürgern
    2. Die Bundesregierung kennt kein Mittel gegen die Wirtschaftskrise und verfällt in blinden Aktionismus.

    Die AU am ersten Tag der Erkrankung gab’s schon immer. Der AG konnte dies ohne Mitbestimmung durch den Betriebsrat einfach verlangen, Punkt. Kluge Unternehmer haben dann die drei Tage Karenzzeit eingeführt. In der Regel haben sich Mitarbeitende nach zwei Tagen zurück gemeldet und waren nicht fünf Tage krank geschrieben.

    Ich habe tagtäglich mit Belegschaften zu tun. Die Stimmung ist eindeutig: Mit den geplanten Renten – und Sozialkürzungen, weitere Einschnitte im Arbeitsrecht zu Ungunsten der Beschäftigten und ihrem ständigen Misstrauen gegen die Bevölkerung ist diese Regierung ein weiteres Mal willfähriger Helfershelfer und Steigbügelhalter der AFD.

  5. Danke für Eure Kommentare zu dieser „Mitschrift“. Ja, FRÜHER war das vergleichsweise unproblematisch aber heute sind die Praxen überlastet und bemühen sich, Patienten garnicht erst kommen zu lassen! Die telefonische Krankschreibung soll auch gleich abgeschafft werden, also müssen ALLE Kranken wieder zum Arzt – selbst wenn sie das nicht am individuell 1.Tag tun müssen, ist es doch ein immenser Mehraufwand, es sitzen Leute im Wartezimmer, die sich gegenseitig anstecken…

    Was ist das nur für ein KINDERGARTEN! War nicht von mehr Digitalisierung und Minderung der Bürokratie die Rede? Und jetzt also zurück ins 20.JHdt?
    Hier ein europäischer Vergleich – ich finde die Schweiz gut, da hält sich der Gesetzgeber ganz aus dem Thema raus!
    Sollte es nicht sowieso Sache des Arbeitgebers sein, sich mehr um die Angestellten zu kümmern, wenn es zu viele Krankentage gibt? Da gibts doch viele Möglichkeiten, vom Gespräch bis zu konkreten Unterstützungen und Anreizen!

  6. Ganz wie schon mannigfaltig vorgekommen:
    Während hier ein Aufregerthema diskutiert wird machen sich die Lumpen in der CDU bereit das IFG (Informationsfreiheitsgesetz) zu schleifen weil es die einzige Möglichjkeit ist (!) ihnen auf die Schliche zu kommen wenn sie ihre krummen Geschäfte hinter dem Rücken der Öffentlichkeit betreiben.

    Es ist also immer die Frage angebracht:
    Welche Schweinerei versteckt sich hinter einem Thema das aktuell für Aufregung sorgt?

    [So nebenbei:
    Die AfD lacht sich ins Fäustchen – noch ein paar Prozente mehr, ohne Aufwand …!]

  7. @Wolfgang: Ich habe dieses Vorhaben, das Informationsfreiheitsgesetz abzuschaffen, durchaus mitbekommen.

    Schwarz-Rot plant Frontalangriff auf Journalismus und Transparenz (Netzpolitik)

    Was hätte ich bitte dazu schreiben sollen, das über das in diesem und ähnlichen Artikeln Vermittelte hinaus geht? Noch nie habe ich eine Anfrage gestellt oder stellen lassen, gleichwohl bin ich natürlich dafür, dass das Gesetz bleibt wie es ist. Aber braucht das einen Diary-Eintrag? Die Hausärztin habe ich weiter gereicht, weil sie mir spontan aus der Seele sprach, denn ich mache gerade eine ganze Reihe schlechter Erfahrungen mit dem kaputten Gesundheitssystem!

    Wenn du meinst, es fehlt etwas hier, kannst du übrigens gerne Links dazu hinterlassen, es gibt hier im Kommentarfeld extra die Verlinkungsfunktion!

  8. @Peter Ich glaube, es sind in erster Linie wohl die Unternehmen, die ihren Mitarbeitern nicht vertrauen. Die Politik setzt das um, was ihnen die Bonzen ins Ohr flüstern. Das macht es nicht besser. Erinnerst du dich noch an die Zeit, in der in jeder People Policy eines Unternehmen die Huldigung der MA auftauchte? Alles gelogen.

  9. @claudia: @Wolfgang

    Meine Schwester hatte mich gestern auf Arne Semsrotts TAZ – Artikel aufmerksam gemacht. Ich habe dazu prompt was geschrieben. :-) https://horstschulte.com/zwischen-transparenz-und-alarmismus-uebertreibt-arne-semsrott/

  10. @ Claudia
    Ich wollte hier keinesfalls auf Konfrontation gehen, da liegt ein Mißverständnis vor!

    Meine Einlassung soll lediglich aufzeigen, daß dieses Muster Aufregung zu schüren und dann Unverschämtheiten im Hintergrund ablaufen zu lassen, in der Hoffnung die allgemeine Aufmerksamkeit sei genügend *abgelenkt*, immer wieder genutzt wird …. große Sportereignisse, Feste wie Karneval, Weihnachts- und Osterzeit …. allesamt schon so genutzt!

    Im Übrigen verweise ich auf bsky – dort wabert die Diskussion auf & ab, mit Recht, wenn man die Folgen für die Demokratie einschätzt.

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