Thema: Lebenskunst, Philosophisches

Reflexionen über Wesentliches

Claudia am 27. September 2001 — Kommentare deaktiviert für Einander verstehen

Einander verstehen

In den Wochen seit DEM Ereignis hat es mir doch weitgehend die Sprache verschlagen. Das „große Gespräch“, das aus allen Kanälen sämtlicher Medien dröhnte, hat mich regelrecht umgehauen und verstummen lassen. Und zwar nicht wegen etwas Bestimmtem, das da gesagt worden wäre und mich vielleicht verstört oder wütend gemacht hätte, nein, es war das Kommunikationsgeschehen insgesamt, bis hin zu den Mailinglisten, Webforen, Tagebüchern. Es erschien mir, als werde der Krieg zumindest mit Worten vorweg genommen, nicht nur in den traditionellen Medien mit ihren martialischen Akteuren, sondern auch in so „netzigen“ Communities wie den I-Workern (die Liste wurde sogar eine Woche geschlossen!) oder dem Forum der 13, wo es Austritte hagelte. Je emotionaler, desto feindseliger, könnte man zusammenfassen. Und von einem Ereignis wie diesem Terroranschlag bleibt wohl niemand unberührt, auch diejenigen nicht, die sich jetzt wieder ganz cool geben. Weiter → (Einander verstehen)

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Claudia am 24. September 2001 — Kommentare deaktiviert für Rüstungen ablegen  – Rilke-Gedichte

Rüstungen ablegen  – Rilke-Gedichte

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange E-Mails schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke,
updated.

***

Texte sind Ritterrüstungen, sagt mein Lebensgefährte. Und ich bin manchmal so unendlich müde von ihrem Gewicht! Dann lese ich Gedichte, die sind so wohltuend anders, singen Lieder aus dem Herzen, eine Art Musik aus Buchstaben und Gefühlen.

Rilke mag ich zum Beispiel sehr.

Spaziergang

Schon ist mein Blick am Hügel, dem besonnten,
dem Wege, den ich kaum begann, voran.
So faßt uns das, was wir nicht fassen konnten,
voller Erscheinung, aus der Ferne an –

und wandelt uns, auch wenn wirs nicht erreichen,
in jenes, das wir, kaum es ahnend, sind;
ein Zeichen weht, erwidernd unserm Zeichen …
Wir aber spüren nur den Gegenwind.

***

Auch im Herbst berührt mich das nächste ganz besonders, vielleicht gerade im Herbst!

Vorfrühling

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
an der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,
greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigens.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.

***

 

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Claudia am 22. September 2001 — Kommentare deaktiviert für Zueinander kommen

Zueinander kommen

Ist es in den Zeiten des Terrors und der Kriegsvorbereitungen überhaupt möglich, über Sex zu schreiben? Das hab‘ ich mich schon gefragt, als mir Willie am 14.September einen Kommentar zu einem älteren Diary-Beitrag (Sex als Dienstleistung) ins Forum postete – und dann doch geantwortet. Welches Thema wäre schon „passend“, um den Horror abzulösen, über den nachzudenken, nachzuspüren, zu reden und zu schreiben leicht zur verzweifelten Endlosschleife geraten kann? Weiter → (Zueinander kommen)

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Claudia am 10. September 2001 — Kommentare deaktiviert für Schöne Welt: Unter Nackten

Schöne Welt: Unter Nackten

Nie hätte ich geglaubt, eines Tages ein Sauna-Fan zu sein! Bis mich meine Schwester vor gut zwei Jahren in die Wiesbadener Thermen führte, war das ganz undenkbar: Nackt unter völlig fremden Menschen? Sich womöglich anstarren lassen, mit dem herrschenden Schönheitsideal aus den Werbespots verglichen werden? Nicht mit mir! Dazu diese Hitze: Wie soll ein Mensch bei 90 Grad überhaupt überleben? Weiter → (Schöne Welt: Unter Nackten)

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Claudia am 01. September 2001 — Kommentare deaktiviert für Luftverbesserung

Luftverbesserung

Seit vorgestern nicht mehr geraucht, auch den Milchkaffe weggelassen. Normalerweise trink‘ ich einen guten Liter pro Tag, oft auch mehr. Da Kaffe und Zigaretten eine jahrzehntelang eingeübte Verbindung aufweisen, lasse ich am besten gleich beide weg, um den Kippen zu entkommen. Weiter → (Luftverbesserung)

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Claudia am 20. August 2001 — Kommentare deaktiviert für Ciao Buddha!

Ciao Buddha!

Wenn ich jetzt meinen Eintrag vom 12.Juli „Was du nicht erfühlen kannst“ nochmal lese, kann ich es kaum glauben, wie schnell sich die Dinge verändern – kaum hatte ich meine Stagnation ausformuliert, begann sie auch schon, sich aufzulösen… Naja, so sieht es jetzt das positive Erinnerungsvermögen, immerhin hat der Zustand, den ich bei mir „Wüste“ nenne, lange lange angehalten: Nicht mehr wissen, WOZU das Ganze, nicht mehr träumen, keinen Wunsch mehr erleben, der über das Stadium „blasser Gedanke“ hinaus kommt – und das dann auch noch für einen sinnvollen Endzustand halten, nur leider zum Geld verdienen nicht besonders geeignet… Jetzt find‘ ich das schon wieder richtig lustig! Weiter → (Ciao Buddha!)

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