Thema: Leben & Arbeiten

Claudia am 28. Juli 2006 — 3 Kommentare

Kraft zur Veränderung II

Mir kommt es vor, als hätten wir noch NIE so eine heftige Hitzeperiode gehabt! Nur morgens erlebe ich ein zwei drei Stunden, in denen ich mich halbwegs aktionsfähig fühle, dann bin ich geradezu überfallen von allem, was ich tun wollte, sollte, müsste, aber derzeit wegen der Hitze aufschiebe. Ich springe also von diesem zu jenem, um wenigstens ein Stückchen weiter zu kommen in alledem, was nicht unbedingt die beste Methode ist, denn Ergebnisse produziert man anders. Na, es wird wieder kühler werden, der Himmel ist heute morgen verhangen und der Wetterbericht verspricht Abkühlungen für die nächste Woche. Weiter → (Kraft zur Veränderung II)

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Claudia am 18. Juli 2006 — 22 Kommentare

Kraft zur Veränderung ?

Jeden Morgen öffne ich die Espressokanne, indem ich die obere Hälfte aus dem Gewinde drehe. Der Alu-Einsatz mit dem feuchten Kaffeesatz von gestern wird über dem Mülleimer ausgeklopft, dann ausgespült. Nun kommt Wasser in die untere Hälfte, dann mahle ich den Kaffe, fülle den Einsatz mit dem duftenden Pulver, streiche die Oberfläche glatt und schließe die Kanne wieder. Die Milch kommt in einen extra Topf, dann entzünde ich die Gasflammen. Gute fünf Minuten werden verstreichen, bis der Kaffe durch den entstehenden Dampfdruck in die obere Hälfte der Kanne gepresst wird und mittels eines röchelnden Geräusches signalisiert, dass er fertig ist. Wenn ich in dieser Zeit an den PC gehe und mich in die ersten Mails des Tages vertiefe, kann es gut sein, dass ich es überhöre, bzw. vergesse. Dann erinnert mich irgendwann der Kaffeeduft, ich springe auf und rette, was zu retten ist – die Milch ist schon mal übergekocht, hat sich aber auch wieder „beruhigt“. Nun gieße ich den Espresso aus der Kanne in den Milchtopf und dann in eine Tasse – der Tag kann starten! Weiter → (Kraft zur Veränderung ?)

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Claudia am 12. Juni 2006 — 6 Kommentare

Schreiben und Verstummen: Selbstmanagement

„Oh entschuldige, ich versacke zur Zeit wieder mal in den 10.000 Dingen“, schreibe ich an eine Freundin, deren Mail ich lange lange liegen ließ. Seit dem letzten Diary-Artikel ist auch wieder unziemlich viel Zeit verstrichen, das „Lustgespinst-Blog“ hat noch immer kein Design und wartet im Verborgenen auf Befassung. Das „Modersohn-Magazin -ein Blog aus der Hauptstadt“, besteht bisher aus Bildern und Ideen, die leider das Licht des Netzes noch nicht erblickt haben und wenn ich z.B. ans Webwriting-Magazin denke, das seit Jahren als Webleiche dahin dümpelt, wird mir ganz schlecht! Das hat es bisher nämlich nicht mal auf die ToDo-Liste geschafft und fällt mir jetzt nur ein, weil ich mal wieder über Webdesign schreiben will, für Diary-Leser eher ein ödes Thema. Dafür aber müsste ich es erst „runderneuern“, und dazu komm‘ ich einfach nicht, wie ich auch zu vielem anderen nicht komme, was ich als „Vorhaben“ vor mir her schiebe. Weiter → (Schreiben und Verstummen: Selbstmanagement)

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Claudia am 19. September 2005 — Kommentare deaktiviert für Die Wüste belebt sich

Die Wüste belebt sich

Erste Schritte aus dem Tief

Seit meinen „Meldungen aus dem persönlichen Finanztief“ sind vier ereignisreiche Wochen vergangen. Die Republik hat gewählt, doch nichts ist entschieden. Der Hurrikan Katrina verwüstete New Orleans und zeigte, was ein „schwacher Staat“ bedeutet. Rot-Grün ist Geschichte, Fischer wird Hinterbänkler, Schröder gibt den Wiederauferstandenen und führt vor, wie man Realitäten umdefinieren kann, bis sie passen. Was der Fall ist, ist das, was eine Mehrheit glaubt und wünscht, Macht wird errungen, indem man sie behauptet – ich bin gespannt, wohin die Magie der Behauptungen führen, welche Wirklichkeit sie erschaffen wird.

Meine ganz persönliche Wirklichkeit ist im Moment noch unübersichtlich. Als ich den letzten Diary-Beitrag schrieb, schien es möglich, dass ich mich bald ins Heer der Hartz4er einreihen muss. Diese „mögliche Zukunft“ hat sich zum Glück nicht verwirklicht, ist aber auch noch nicht ganz weg vom Fenster. Ich arbeite dran, sie zu verhindern und freu‘ mich über jede Unterstützung!

Zu „schwächeln“, wie man das gern so herablassend nennt, wenn jemand sagt, dass er Schwierigkeiten hat und sich gar um die nächste Miete sorgen muss, bringt auf jeden Fall innere Entspannung: Ohne um die „Außenwirkung“ besorgt zu sein, kann man die Situation besser überblicken, kann die Probleme, ihre Ursachen, aber auch die Chancen und Möglichkeiten unverstellt erkennen. Auf die eigene Lage schauen, als ginge es um jemand Anderen, führt zu einer subtilen „Freude am spannenden Problem“. Lust auf Veränderungen stellt sich ein und ich werde offener für Experimente.

With a little help from my friends…

Wenn das Ende des Dispo ganz nah ist, die geschäftlichen Horizonte sich verdüstern und der Glaube an die Kraft, sich selber an den Haaren aus der Sch… ziehen zu können, plötzlich erlahmt, dann braucht es mehr als ermunternde Worte, um diese Situation zu verändern. Dieses „Mehr“ ist mir geschenkt worden, als ich wirklich nichts Positives mehr erwartete, nicht von „da draußen“ und nicht von mir selbst. Ich konnte es kaum glauben, als ich den Brief eines lieben Freundes öffnete, der nichts enthielt als ein paar Geldscheine und die Worte „fürs Frühstück – Liebe Grüße!“. Und das von einem Menschen, von dem ich weiß, dass er selber auch so seine Finanztiefs auszuhalten hat! Ich war entzückt und unsäglich erleichtert, denn aktuell war mir einfach NICHTS mehr eingefallen, was ich hätte tun können, um die drastisch zugespitzte Lage „auf die Schnelle“ zu verbessern. Jetzt fiel ein Sonnenstrahl in diese Düsternis, die unerwartete Finanzspritze verschaffte mir ein bisschen Luft: ich spürte wieder „Lust auf das Problem“ und die Kraft, mich ihm auf neue Weise zuzuwenden.

Auch andere, näher und ferner stehende Menschen halfen mir mit Rat und Tat, empfahlen mich Bekannten als Webdesignerin, ein „Auftraggeber in spe“ zahlte Raten an, und ich bekam interessante Vorschläge, wie ich meine Fähigkeiten und Talente vielleicht ein wenig ertragreicher unters Volk bringen könnte. Ein lieber Leser, der mich zufällig genau am „Tag vor dem Gerichtsvollzieher“ in Berlin besucht hatte, machte sich gar die Arbeit, eine Art Coaching-Prozess mit mir durchzuziehen: ich veranstaltete eine Inventur all meiner Kosten, Außenstände, Schulden und Einkommenserwartungen bis zum Jahresende, listete sämtliche Aktionsfelder auf und prüfte sie mittels verschiedener Fragen: Warum tue ich das? Ist es eine rein kommerzielle Aktivität oder geht es um andere Ziele? WAS soll dabei im besten Fall heraus springen? Wie wäre es zu verbessern? Was kann ich NOCH tun?

Und jetzt bin ich schon ein paar Tage am „Umsetzen“, erfinde meine berufliche Seite ein Stück weit neu und werde auch weiter darüber schreiben: Sagen, was ich brauche, suche, anbiete und WAS GENAU ich gerne arbeiten würde, findet hier in Zukunft genauso Platz wie meine mehr oder weniger erbaulichen „Betrachtungen über Gott und die Welt“.

Konkrete Vorhaben, neue Experimente

Eine wesentliche Neuerung wird der Minijob sein, den ich ab Oktober übernehme: zweimal die Woche pflege ich dann die Website eines Printmagazins (Connection Spirit – das Magazin fürs Wesentliche) – das bringt zwar nicht viel, aber endlich mal ein bisschen verlässliches, monatliches Einkommen! Und es motiviert, nach weiteren regelmäßigen Quellen zu suchen, wenn ein „Grundstein“ schon mal gelegt ist. Am besten gefiele mir eine weitere Site-Pflege oder eine Community-Betreuung. Schließlich bin ich ein bewährtes Kommunikationsmonster und kann auf unterhaltsame Art Foren und Mailinglisten aus dem Tiefschlaf erwecken. Warum nicht mal gegen Honorar?

Nächste Idee: Verkaufe alles, was du hast! Nun ja, ich besitze nichts über das hinaus, was ich zum Leben und Arbeiten brauche, aber um die immer noch bestehende Finanzlücke zu schließen, werde ich mich entschlossen von dem trennen, was ich nicht wirklich, sondern nur „vielleicht mal“ brauchen kann. Das ist vor allem mein immer noch ungenutzter Samsung-Notebook – leicht und flach, technisch up to date – vielleicht genau das, was du gerade suchst? (lies mehr..)

Schreiben und schreiben lassen: Mit zu dem, was ich am Liebsten tue, gehört das freie Schreiben über Dinge, die mich bewegen. 1996 und 1997 schrieb ich für Zeitungen und Magazine. Es war eine Zeit, in der ich mein jeweiliges Thema selber wählen konnte, Hauptsache, es hing irgendwie mit dem Internet zusammen, das gerade mit Macht ins Bewusstsein der Öffentlichkeit drang. Das änderte sich jedoch schon bald, reduzierte sich auf Themen wie Shoppen, Arbeiten, Erotik im Internet, immer weniger Kultur war gewünscht, dafür Technik, Technik, Technik. Nach einem Artikel über „HomeSite 3.0, den neuen Code-Editor“ sah ich ein, dass das nicht mein Weg war und hängte das Schreiben gegen Zeilenhonorar an den Nagel. Im Rahmen verschiedener selbst erschaffener Projekte (Missing Link, Glück, Webwriting-Magazin, u.a.) erkundete ich dann die Möglichkeiten eigener Veröffentlichungen im Web und seit 1998/99 ist das Digital Diary die Form, mit der ich rundum glücklich bin.

Glücklich schon – aber leider finde ich heute viel zu selten die rechte Muße, um morgens, in der Zeit des noch unverschmutzten Geistes, auf ein leeres Winword-Dokument zu schauen und meditativ in mich hinein zu lauschen, was „sich schreiben will“. Ich werde es weiter mit Freude tun, wann immer es mir möglich ist, doch ab sofort gibt es ZUSÄTZLICH für die Freunde des Digital Diary einen Weg, die Abstände zwischen den einzelnen Beiträgen zu verringern und sogar Themen selbst zu wählen. Es ist ein Experiment und ich bin gespannt, was dabei heraus kommt! (lies mehr..)

Weiterbildung – technische Neuerungen: Im Zuge des Minijobs muss ich mich in ein umfangreiches CMS (Content-Management-System) einarbeiten, wovon in Zukunft auch andere Kunden profitieren werden. Außerdem plane ich, das gesamte Diary seit 1999 in ein Blog-Script oder MiniCMS zu überführen – es sollte optisch so bleiben können, also auch mit DIESER Art Menü anstatt der üblichen Monatskalender. Über Vorschläge freue ich mich – und danke gleich auch mal denen, die mich da bereits mit Tipps und eigenen Erfahrungen beraten haben!

Die Schreibimpulse-Kurse werde ich weiter veranstalten. So etwa vier Kurse pro Jahr wären gerade die richtige Dosis! (Im Lustgespinst * sind soeben die ersten Texte aus dem letzten Erotik-Kurs erschienen. Weitere folgen in Kürze!) Ich bin sehr froh, dass der Kurs „Gegen den Strom – über Lust und Last des Alterns in Zeiten des Jugendwahns“ * nach zweimaliger Verschiebung nun doch zustande kommt. Es sind noch ein paar Plätze frei: vielleicht bekommt ja noch jemand Lust, das spannende Thema im „geschützten Raum“ einer überschaubaren Runde schreibend zu erkunden? Wer sich bis zum 30. September noch entschließt und auf diesen Artikel beruft, bekommt den Frühbucherpreis – umdefiniert zum „Last-Minute-Rabatt“. :-)

Ich hab‘ im Moment viele Ideen, wie ich „mein Business optimieren“ könnte, doch will ich nicht mit Unausgegorenem zur Ankündigungsministerin werden. Eine Idee, ein Konzept, ein neues Projekt ist schnell erdacht und auf ein paar Seiten verschriftlicht. Schwierig wird es erst, wenn die Mühen der Ebene beginnen – nur Beharrlichkeit bringt Gelingen und genau DA liegt des öfteren mein Problem!
Für heute belasse ich es deshalb bei den kleinen Schritten, die dieser Beitrag berichtet – alles weitere folgt, sobald die Dinge über das Ideen-Stadium hinaus gewachsen sind.

Und jetzt bin ich gespannt, wie lange es dauern wird, bis die künftige Regierung dieses Landes mehr ist als eine Reihe verrückter Ideen!

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Claudia am 22. August 2005 — Kommentare deaktiviert für Durch die Wüste zu den Sternen?

Durch die Wüste zu den Sternen?

Meldungen aus dem persönlichen Finanztief

Als ich kürzlich in einem Forum erwähnte, dass mein Konto derzeit zwischen plus und minus 500 schwankt, hat mir ein eifriger Moderator den Satz wegzensiert: „Hey, denk noch mal drüber nach, ob du das wirklich schreiben willst!“ Diese ungebetene Sorge um meine finanzielle Privatsphäre hat mich seltsam berührt, handelte es sich doch um ein erotisches Forum, dessen Teilnehmer ein weitgehend „tabuloses“ Selbstverständnis in Bezug auf die verhandelten Themen pflegen. Wie man sich fühlt, wenn man komplett in Aldi-Klarsichtfolie verpackt ist, darf berichtet werden, aber beim Geld ist Schluss mit lustig!

Die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz ist bei „abhängig Beschäftigten“ aus bekannten Gründen zur allgemein üblichen Geste geworden, doch von Selbständigen wird nach wie vor erwartet, dass sie eine Aura des Erfolgs um ihre berufliche Sphäre erzeugen. Wer hat, dem wird gegeben, deshalb tun wir lieber so, als hätten wir genug, zumindest aber keine echten Probleme! Allenfalls die allernächsten Freunde erfahren, wie es wirklich steht – und manche trauen sich nicht einmal das, fressen ihre Sorgen in sich hinein, pflegen eiserne Selbstdisziplin und verdoppeln ihre Anstrengungen, um „irgendwie“ die Fassade des Funktionierens aufrecht zu erhalten: Bloß nicht schwächeln! Bis sie vielleicht eines Tages durch Krankheit oder Unfall gewaltsam aus der Bahn geworfen werden, deren freiwilliges Verlassen gänzlich undenkbar schien. Das zumindest wird mir nicht passieren!

Hartz 4?

Als ich vor ein paar Tagen darüber nachdachte, ob ich demnächst „Hartz4“ beantragen soll, um meine übernächste Miete zu sichern, war ich an einem Tiefpunkt angelangt: Ein langjähriger Kunde ist quasi insolvent und zahlt ausstehende Honorare nicht, mit denen ich fest gerechnet hatte. Den Schreibimpulse-Kurs zum Thema „Altern“ musste ich verschieben, da mir Teilnehmer abgesprungen waren – und mehr braucht es gar nicht, um mich in echte existenzielle Nöte zu versetzen, denn über Rücklagen verfüge ich nicht. Als sich dann noch der Gerichtsvollzieher wegen einer uralten Inkasso-Sache aus wilden Jugendjahren ankündigte, erschien mir der Punkt erreicht, meine Selbständigkeit an den Nagel zu hängen und mich ins Meer der Arbeitslosen einzureihen. Zumindest hätte ich dann wieder mehr Zeit und Muße zum Schreiben: wer vermittelt schon eine 50plus, die fast ein Jahrzehnt selbstständig war und alles Andere als einen marktkompatiblen Lebenslauf vorzuweisen hat!

Die Schachspielerin, die ich früher einmal war, meldete sich im Hinterkopf zu Wort: WAS DROHT? Die schlimmste aller denkbaren Möglichkeiten ins Auge fassen und schauen, ob ich damit leben kann – so hatte ich Schach gespielt, so begegne ich noch immer Schwierigkeiten, wenn sie sich zeigen. Nun defilierten also die zu erwartenden Härten vor meinem inneren Auge vorbei: Statusverluste? Kein Problem, an so etwas hatte ich nie gehangen. Armut? Ich lebe sowieso sehr bescheiden, was soll’s! Umzug in eine kleinere Wohnung? HALT! Das will ich nicht! Meine zwei großen Altbauzimmer mit viel Licht und genug Raum über dem Kopf, mit Ausblick auf mehr als nur eine Hauswand gegenüber – daran hänge ich! Da ich zuhause lebe und arbeite, brauche ich eine Umgebung, die mich nicht mit Enge und Dunkelheit bedrückt. In irgend ein Hartz4-verträgliches Loch will ich nicht ziehen – was für ein übertriebener Aufwand auch, wenn man bedenkt, dass schon bald alles wieder viel besser aussehen könnte!

Einige Zeit kreiste ich in deprimierenden Zukunftsvorstellungen, kritisierte mich selbst für das „Anhaften“ am Luxus (Wohnung!), das eine leidvolle Beschränkung meiner Flexibilität bedeutet. Wer an nichts hängt, braucht keinerlei Verluste fürchten – ich sehnte mich nach der Freiheit der Asketen und Stoiker und imaginierte mir Zilles zugige Dachkammer als künftiges Rufugium: ob ich mich daran gewöhnen könnte?

Mein innerer Problemlösungsautomat schlug mir vor, mir im Fall des Falles lieber eine Bürogemeinschaft zu suchen, wo ich z.B. gegen Web- oder auch Putzdienstleistungen in Höhe der Miete meinen gewohnten Tag am „Cockpit der Macht“ verbringen könnte – und an dieser Stelle erkannte ich endlich, dass ich auf dem falschen Dampfer war! Egal, wie materiell beschränkt und schwierig meine Zukunft werden würde, ich sah mich darin nie und nimmer als das, worauf ich mich gerade behördentechnisch versuchsweise einlassen wollte: als ARBEITSLOS.

Die Liebe zur Arbeit

„Venus im sechsten Haus: Sie haben eine Begabung, die vielen Menschen abgeht: Sie lieben Ihre tägliche Arbeit!“. Zwar glaube ich nicht an Astrologie, doch dieser „Aspekt“, den mir ein lieber Freund neben anderen horoskopischen Bemerkungen zuschickte, trifft den roten Faden, der sich durch mein gesamtes Arbeitsleben zieht. Es ist eine Wahrheit mit einer hellen und einer dunklen Seite: Was ich tue, tue ich mit Begeisterung und Herzblut – wenn ich mich aber nicht begeistern kann, bringe ich auch nichts zustande. „Irgend etwas“ tun, egal was, nur um Geld oder noch mehr Geld zu verdienen, war mir immer vollkommen fremd. Abstraktes Marketing, das von der eigenen Person absieht und ausgewählten Zielgruppen Dienste anbietet, die so auch jeder Andere im gleichen Metier anbieten könnte, war nie meine „Methode“, um an Aufträge und Jobs zu kommen. Ich war überhaupt nie methodisch, sondern lebte ein aktives Leben, mischte mich ein, wo mich ein Thema interessierte, leistete Beiträge im Rahmen meiner Fähigkeiten, entwickelte Ideen und Projekte, oft jenseits jedes kommerziellen Gedankens. Dies aber nicht aufgrund einer wie immer gearteten moralischen Verurteilung des Geld Verdienens, nicht aus Ressentiment gegen „Kommerzialisierung“, sondern einfach, weil ich andere Prioritäten lebe, die mir so selbstverständlich erscheinen wie ein bestimmter Geschmack in der Wahl der Klamotten. Ich verwirkliche mich arbeitend, drücke mich dadurch aus – und der Aspekt des Gelderwerbs ist mir inhaltlich ungefähr so wichtig wie der unvermeidbare Papierkram, der mit fast allem einhergeht, was man in dieser Welt unternehmen kann.

Die Liebe zur Arbeit – ein Luxus, den man sich leisten können muss? Eine Krise wie die jetzige stellt in aller Schärfe aufs Neue die Frage: Soll, kann, muss ich mich ändern? Ist diese Einstellung, die ich eher wie eine Veranlagung empfinde, das Problem? Sie hat mich zwar nie reich gemacht, doch ging es mir auch nie wirklich schlecht. Immer gab es Menschen, die genau das nachfragten, was ich gerade anbot – sei es, dass sie mich im Rahmen meiner frei gewählten Arbeiten kennen lernten und unbekannten Dienstleistern vorzogen, sei es, dass sie direkt an dem Gefallen fanden, was ich inszenierte (z.B. die Schreibimpulse-Kurse). Manche mögen die Art, wie ich Webseiten gestalte und empfehlen mich weiter, andere schätzen meine „Schreibe“ – Aufträge kamen allermeist wie von selbst, was mich gar nicht in die Lage kommen ließ, mich irgendwie „anpreisen“ zu müssen.

Dass die Zeiten schlechter wurden, merkte ich gleichwohl. Immer öfter musste ich den Dispo in Anspruch nehmen, die vierteljährliche Umsatzsteuer klappte „gerade so“ – und jetzt hat sich die Lage in einer Weise zugespitzt, dass Veränderungen unvermeidlich scheinen. Aber welche? „Hartz 4“ ist keine Lösung, allenfalls ein Weg, der gegangen werden muss, wenn sonst nichts mehr geht. Was aber ist in meinem Fall dieses „sonst“? Soll ich versuchen, was ich noch nie beherrschte: Marketing auf Teufel komm raus? Mich in alle möglichen Dienstleister-Datenbanken eintragen, Zielgruppen anschreiben, Business-Netzwerken beitreten, kommunizieren allein um des kommerziellen Effektes willen?

Ich käme mir dabei ähnlich vor, wie wenn ich versuchte, auf einmal sehr weibliche Rüschchenkleider zu tragen: so authentisch wie ein Karnevals-Transvestit ohne echte Neigung! Gleichzeitig würde ich mit denen konkurrieren, denen diese Art Selbstvermarktung selbstverständlich ist und oft sogar Freude macht – keine wirklich erfolgversprechende Aussicht. Die Dachkammer liegt mir da glatt näher!

Energie!

So grübelte ich also in etlichen düsteren Stunden über die Lage, empfing zwischendurch den Gerichtsvollzieher, der sich nicht mal groß umsah, sondern gleich sagte: „Ich taxiere ihre Wohnung mit einem Blick: Sie sind vermögenslos im Sinne des Gesetzes!“. Wo er Recht hat, hat er Recht – aber was mach‘ ich jetzt?

Keine Stimmung, kein Gefühl hält sich über längere Zeit, wenn man es einfach betrachtet. Überrascht merkte ich, wie sich meine Laune wieder besserte. Ja, auf einmal spürte ich die brisant-abenteuerlichen Aspekte meiner Situation: Etwas NEUES beginnen, alle Trägheit hinter mir lassen, wieder aktiv werden und Ideen umsetzen, anstatt im Gewohnten zu verharren – wer nichts hat, hat nicht viel zu verlieren, und wer zuwenig Aufträge hat, hat Zeit!
Warum nicht Dinge tun, die mir lange schon durch den Kopf geistern, denen ich bloß nicht näher trat, weil sie zu entlegen oder gar „zuwenig kommerziell“ erschienen? Wer aktiv ist, dem tun sich neue Möglichkeiten auf, die dem grübelnden Verstand per direkter Suche weder auf- noch einfallen. Und Fakt ist, dass ich weit besser „im Geschäft“ war, als ich noch keinen Gedanken daran verschwendete, ob das, was ich gerade tue, auch einen „Return on Invest“ haben wird. Vielleicht ist ja meine „Veranlagung“, diese Liebe zur Arbeit mit Herzblut, nicht etwa das Problem, sondern die Lösung? Und ich bin nur vom Wege abgewichen, hab‘ mich einlullen lassen vom Mainstream, mir ein schläfriges „business as usual“ mit Stolz aufs freie Wochenende angewöhnt, das kaum mehr die Highlights vermittelt, die lange Zeit „Claudia Klingers Webwork“ ausmachten?

Ein Kribbeln im Bauch, im Wind ein lang vergessener Blütenduft – Veränderung geschieht, ich werde sie zur Begrüßung umarmen!

, Geld

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