Diese Grafik gehöre auf jede Titelseite, schreibt der Volksverpetzer:

„Jede blaue Linie ist ein Jahr seit 1982. Die rote Linie ist 2026. Und sie sticht nicht nur wegen ihrer Farbe hervor. Die Meerestemperatur lag noch nie so weit über dem Durchschnitt wie dieses Jahr. Mittlerweile seit über einem Monat. Und noch ist kein Ende in Sicht…..
….Da die globalen Temperaturen den El Niños um etwa drei bis fünf Monate hinterhinken, erwartet Zeke Hausfather, dass wir die durch den diesjährigen El Niño verursachte Erwärmung erst 2027 so richtig zu spüren bekommen. Es könnte mit deutlichem Abstand als das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen in die Geschichte eingehen. Und auch schon dieses Jahr hat mit 28 Prozent laut den Modellen keine unerhebliche Chance, 2024 den bisherigen Rekord abzunehmen. Mehr Hitzewellen, mehr Unwetter, höhere Lebensmittelpreise, teurere Versicherungen: Die Rechnung für den Klimawandel wird auch bei uns in Deutschland ankommen.“
Dass dieses Ereignis durch den Klimawandel verstärkt wird, liegt auf der Hand:
„Aktuell geht die Forschung davon aus, dass der Klimawandel El Niño-Ereignisse häufiger und stärker auftreten lässt. Aber auch El Niños können einen Einfluss auf die Folgen des Klimawandels haben: Sie heizen die Atmosphäre auf und tragen damit zu höheren globalen Temperaturen bei. Das erhöht das Risiko für Extremwetter, warme Ozeane lassen das Eis schneller schmelzen.“
Im Artikel prangert der Autor dann die Bundesregierung an, die dabei ist, den in bisherigen Gesetzen enthaltenen Klimaschutz abzuwickeln. Angeblich, um die Bevölkerung „nicht zu überfordern“. Neue Studien haben diese Einschätzung, die insbesondere von rechtsaußen behauptet wird, mit breiten Umfrageergebnissen wiederlegt. BILD hatte mit ihrer Heizungshammer-Kampagne daran großen Anteil.
„Und diese Kampagne fahren Medien nicht einfach so, nur weil es sich gut verkauft. Dahinter stehen Menschen mit knallharten Interessen. Bei der BILD zum Beispiel Mathias Döpfner, der seine Blätter nachweislich zur Wahlkampf-Beeinflussung einsetzt („Please stärke die FDP“) und an dessen Axel-Springer-Konzern damals der Private-Equity-Riese KKR beteiligt war – ein Unternehmen mit Investments in fossilen Energien. Döpfner ist auch eng mit dem Faschisten Elon Musk vernetzt, der in Springers WELT zur Wahl der AfD aufrief.“
Schrumpfen statt Wachstum?
Was folgt aus alledem? Erstmal nicht viel, auch in meiner Wahrnehmung ist „die Bevölkerung“ erschöpft von vielen, sich gleichzeitig zuspitzenden Krisen und Veränderungszumutungen. Dass dennoch nach wie vor relevante Zustimmungswerte für mehr Klimaschutz abgefragt werden können, steht dem nicht entgegen.
Kürzlich hab‘ ich mir ein Gespräch mit Ulrike Herrmann im Kanal DER STANDARD angesehen: USA vor Bürgerkrieg, China am Abgrund, Russland zerfällt, in dem Herrmann auch ihr Konzept des „Schrumpfens“ erläutert: Um klimaneutral zu werden, müssten wir voll auf erneuerbare Energien setzen, die jedoch niemals so billig sein könnten wie die fossilen. Statt Wachstum sei also wirtschaftliches Schrumpfen angesagt. Ein bisschen spricht sie auch darüber, wie es dazu kommen könnte, z.B. über erste Rationierungen von Lebensmitteln, wenn in mehreren „Versorgerstaaten“ gleichzeitig große Dürren die Ernten vernichten.
Erst in den letzten zehn Jahren hab‘ ich so richtig verstanden, wie sehr dieses Wirtschaftssystem WACHSTUM benötigt, um zu funktionieren. Deshalb hielt ich Herrmanns Ausblick für komplett irreal, nicht machbar. Dass wir dazu gezwungen sein könnten, wird sich allerdings herausstellen, meint Herrmann.
Was mir aufgefallen ist: Sie wirkt recht fröhlich und kommt positiv und sympathisch rüber, was ich nicht erwartet hatte. Und am Ende sagt sie dazu, sie sei zwar „intellektuell pessimistisch“, aber „emotional optimistisch“. Wie sie das schafft, bleibt mir ein Rätsel!
Stell dir vor…
Manchmal versuche ich, mir ein Leben in der Schrumpfung vorzustellen. Das könnte ich mir einfach machen, indem ich sage: Laut Statistischem Bundesamt betrug das durchschnittliche Bruttogehalt 4851 Euro im Jahr 2025 . In meinem ganzen langen Leben habe ich nur einmal während drei Monaten mehr verdient, sonst sehr viel weniger, ich befand mich eher bei einem Drittel davon, manchmal noch darunter. Dennoch war ich deshalb nie unglücklich, fühlte mich nicht mal besonders arm und hatte keinen Grund zur Klage, denn meine Arbeitsvita und mein Lebensstil basierte auf freiwilligen Entscheidungen, Karriere garnicht erst anzustreben.
Das ist natürlich Quatsch, denn so etwas wie „Durchschnittsgehalt“ gibt es eigentlich nicht bzw. beschreibt die Realität nicht, denn schon mit einem Nettoeinkommen von 3.440 Euro im Monat gehören Singles zu den zehn Prozent mit dem höchsten Einkommen in Deutschland. (Mehr dazu im Tagesspiegel),13,3 Millionen Menschen gelten gar als armutsgefährdet. Und: je mehr Menschen in schlecht bezahlten prekären Jobs arbeiten oder von sozialen Sicherungssystemen leben, desto weniger kann auf „Wachstum“ verzichtet werden, denn das wäre doch eine Absage an jegliche positive Perspektive für ihre Zukunft.
Dennoch: Es gibt ein Leben abseits des Rattenrennens, des stetigen Strebens nach besserer Performance, steigendem Einkommen und einem „gehobenen“ Lebensstil, bezahlt mit ständigem Stress, vielfältigen Abhängigkeiten, aufreibender Konkurrenz und der Sorge, durch einen wirtschaftlichen Einbruch (individuell oder kollektiv) den Standard nicht mehr halten zu können. Ich kann mir nur nicht vorstellen, wie das „großflächig“ organisiert werden könnte!
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