Claudia am 20. Juni 2026 — 3 Kommentare

Warum wird Trump eigentlich nicht ersetzt? (Zusammenfassung der Lage)

Warum ist Trump noch immer am Ruder? Darüber wundere ich mich schon lange! Angesichts seiner irren Aktivitäten und wirren Aussagen, denen kaum mehr jemand glaubt, sollte man doch denken, dass auch sein direktes Umfeld zum Schluss kommen müsste, dass dieser Präsident den USA (und der Welt, aber das ist ihnen ja egal) massiv schadet. Schließlich sind es nicht allesamt Hohlbirnen, die da am Ruder sind, oder vielleicht doch? Man könnte medizinisch begründen, dass er nicht mehr in der Lage sei, seine Geschäfte sinnvoll zu führen: Nach dem 25. Verfassungszusatz bräuchte das eine Mehrheit in seinem Kabinett, ist also prinzipiell möglich.

Wollte er nicht „Kriege beenden“?

Schon seit dem von Trump – ursprünglich auf drei Tage angelegten – Start des Kriegs gegen IRAN wurde von Woche zu Woche deutlicher, dass dieser Angriff ein echter Griff ins Klo war! Zigmal behauptete Trump den militärischen Sieg, was Iran aber nicht davon abhielt in den Golfstaaten schwere Schäden anzurichten, auch (aber nicht nur) bei den dort stationierten US-Truppen: 412 US-Soldaten wurden getötet, 1.800 teils schwer verwundet. An Material verloren die USA mehrere F-35-Kampfjets, sowie Patriot-Abwehrsysteme und Logistikzentren im Wert von ca. 8 Milliarden Dollar. Zu den Gesamtkosten fasst Gemini verschiedene Quellen so zusammen:

„Die Gesamtkosten des Iran-Krieges unter Trump für die USA variieren je nach Einbezug wirtschaftlicher Faktoren von rund 132 Milliarden bis über 192 Milliarden Dollar, wobei langfristige Verpflichtungen sogar über eine Billion Dollar erreichen könnten. Während direkte militärische Ausgaben (inklusive Wiederbeschaffung) auf ca. 109 Milliarden Dollar geschätzt werden, erhöhen Treibstoffmehrkosten für Verbraucher und langfristige Veteranenversorgung die finanzielle Gesamtbelastung massiv. (z.B. NYT v. 19.6.)“

IRAN ist stärker als je zuvor

Ohne jede Sympathie für das menschenverachtende Mullah-Regime bleibt mir doch festzustellen, dass sie Trump regelrecht in die Enge geführt haben, sodass dessen Handlungsmöglichkeiten immer weniger wurden. Die Schließung der Straße von Hormus brachte die ganze Welt gegen Trumpf auf, auch wenn das nicht immer so deutlich verbalisiert wurde. Zu viele sind abhängig von den Öl- und LNG-Lieferungen, den Düngemitteln und dem Helium, ohne das die Halbleiter- und Chipindustrie nicht produzieren kann- entsprechend hoch der Druck auf Trump. Und zuhause fiel seine eh schon gesunkene Beliebtheit in den Keller, weil die Amerikaner plötzlich sehr viel mehr fürs Benzin bezahlen mussten.

Interessanter Schachzug: Iran droht Elon Musk

Immer dringender brauchte Trump einen „Deal“ mit dem Iran. Zigmal kündigte er ihn an, aber Iran dementierte immer wieder die behaupteten Treffen und Fortschritte. Schließlich drohte Trump mit härtester Bombardierung, sollten die Iraner nicht endlich nachgeben, woraufhin  die Revolutionsgarden entgegneten, dann würden sie als Vergeltung die in erreichbarer Nähe ansässigen Firmen von Elon Musk angreifen, einschließlich der Starlink-Bodenstationen. Es vergingen keine zwei Stunden bis Trumpf einen Rückzieher verkündete. Dass es hier einen Zusammenhang gegeben hätte, wird natürlich bestritten.

Was Trump bei alledem wirklich bewegt, sind „die Märkte“. „Stocks up, Oil down“ verkündet er und war richtig stolz darauf, das aktuelle Momerandum of Underständing mit dem Iran im prunkvollen Versailler Schloss unterzeichnet zu haben. (Die 14 Punkte dokumentiert die Berliner Zeitung, die Tagessschau berichtet zudem auch, was nicht drin steht). 60 Tage lang dürfen demnach wieder Schiffe durch die Straßen von Hormus ohne Maut an den Iran zahlen zu müssen. Darüber und manches Andere, (z.B. 300 Milliarden Wiederaufbauhilfe für Iran und Aufhebung aller Sanktionen) soll in dieser Zeit verhandelt werden. Wer’s glaubt…

Geredet werden soll nämlich nur, sofern die Bedingungen der Vereinbarung auch eingehalten werden: Waffenstillstand nicht nur zwischen USA, den Golfstaaten und Iran, sondern auch zwischen Israel und Hisbollah. Netanjahu scheint das egal zu sein, denn die Kämpfe im Libanon gehen weiter, obwohl sich Hamas und Israel zunächst auf eine Waffenruhe geeinigt hatten. Im Moment ist unklar, wie es weiter geht. Zum einen wurden für heute geplante Gespräche in der Schweiz vom Iran abgesagt, andrerseits sind die US-Unterhändler auf dem Weg dorthin – nix Genaues weiß man nicht

Warum schreibe ich das alles auf?

Ein bisschen empfinde ich eine Art Chronistinnenpflicht, weil in der Vergangenheit seit 1999 so manches wichtige Weltgeschehen im Digital Diary irgendwie vorgekommen ist. (z.B. 9/11, Irak-Krieg 2003, Y2K, Ampel off..), auch Trumps Aktivitäten waren vielfach Thema. Nur zum Angriffskrieg auf den Iran fand man bisher hier garnicht  – nun ists immerhin zusammenfassend erwähnt!

Ein anderer Aspekt ist eine Art Abstimmung des Weltbilds: Wer weiß den heute noch ganz genau, ob die eigene Sicht der Dinge den realen Gegebenheiten entpricht? Ich gehe davon aus, dass jemand mich korrigieren würde, wenn ich irgend etwas zusammenfassend berichte, was so garnicht stattgefunden hat. Wohl gemerkt: es geht dabei nicht um Bewertung und Meinung, die sollen und werden nie ganz gleich sein.

Meine aktuellen Info-Quellen

Youtube-Videos: 

Es sind noch viele mehr, aber für jetzt muss das mal reichen! :-) Habt ein schönes, katastrophenfreies Wochenende!

 

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Diskussion

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3 Kommentare zu „Warum wird Trump eigentlich nicht ersetzt? (Zusammenfassung der Lage)“.

  1. Darüber wundere ich mich schon lange!

    «Alle Idioten! Nicht du, aber die anderen alle.» So ähnlich sagte es mein Kollege, wenn er mal wieder mit Entscheidungen des Managements nicht einverstanden war.

    Ich glaube, die große Misere unserer Zeit – und auch die Zurückgezogenheit vieler Menschen aus purer Verzweiflung über das, was jenseits des Atlantiks vor sich geht – ist ein Ergebnis genau dieser Entwicklung. Andererseits wundern sich manche klugen Beobachter darüber, wie einseitig wir Deutschen und teilweise auch wir Europäer auf die Dinge schauen. Herr Kirschbaum, der deutschsprachige US-Journalist, bestärkt dieses Störgefühl immer wieder.

    Eigentlich sollte man meinen, dass allein die Enthüllungen rund um die Verbrechen der Bande um Epstein für ein politisches Erdbeben hätten sorgen müssen. Doch alles, was bislang auf den Tisch gekommen ist, scheint kaum Wirkung zu entfalten. Und die Hoffnung, dass sich daran noch etwas ändert, schwindet von Tag zu Tag. Trump soll angeblich immer noch von rund 43 Prozent der Amerikaner unterstützt werden. Falls diese Zahl stimmt, verstehe ich nicht, weshalb die Midterms für ihn schlecht ausgehen sollten.

    In Deutschland laufen die Dinge ebenfalls nicht so, dass man als normaler politischer Konsument noch problemlos folgen könnte. Angeblich wissen alle, worum es geht. Doch an der Politik ändert sich wenig bis nichts. Im Gegenteil: Die Lage hat sich durch das Zusammenspiel von Medien und Politik so entwickelt, dass die AfD weiter wächst. Selber schuld, möchte man sagen – wenn die Folgen nicht so fatal wären.

    Die Reaktion des Iran auf die ständigen Angriffe Israels im Libanon hat ziemlich genau zu dem geführt, was ich erwartet hatte. Ob Trump inzwischen ein Mauseloch gefunden hat, in das sich der Gimp zurückgezogen hat?

  2. @Horst: vielen Dank für deinen Kommentar! Die andere Seite der Umfrage: Immerhin ergab die Umfrage des Public Religion Research Institute (PRRI) unter 5469 Erwachsenen aus allen 50 Bundesstaaten, dass 59 Prozent glauben, Trump „ist ein gefährlicher Diktator, dessen Macht begrenzt werden sollte, bevor er die amerikanische Demokratie zerstört“. Insbesondere bei ländlichen Wählern soll die Zustimmung ebenfalls zurück gehen (diese Minuswerte finde ich wenig aussagekräftig).

    Wir können froh sein, dass die AFD keine charismatische Person hat: Höcke ist zu vorgestrig, Chupalla viel zu blass, Weidel? Nun ja, manche meinen, sie hätte Charisma… mich erreicht das nicht. Zudem ist sie doch nach wie vor ein Unikum in der AFD, mit ihrem schweitzer Wohnsitz und ihrer Partnerin.

  3. Man kann Trump ja nun alles vorwerfen, fehlender Machtinstinkt gehört nicht dazu.

    Trump hat alle wichtigen Positionen mit äußerst loyalen Mitarbeitern besetzt. Die Republikaner haben im Senat und im Repräsentantenhaus die Mehrheit, also beide Kammern des Kongresses.

    Selbst nach der Blamage im Iran kann man davon ausgehen, dass seine Leute fest zu ihm stehen. Die Republikaner müssen zudem bei allen Aktionen gegen ihren Präsidenten mit einer Schlappe bei den Midterm Elections rechnen. Hier wird der Senat neu gewählt. Die haben sicher kein Interesse daran, ihre Mehrheiten zu gefährden.

    Ein Amtsenthebungsverfahren ist somit so gut wie ausgeschlossen, das Impeachment müsste das Repräsentantenhaus einleiten. Der Druck auf Trump hat zwar zugenommen, insbesondere die kriegserfolgsverwöhnten US Hardliner können mit dem Iran Deal ja nicht zufrieden sein, eine Amtsenthebung wagen die Konservativen trotzdem nicht.

    Zwar steckt Trump derzeit in einem Umfragetief und die jüngsten Ereignisse dem zu Folge die Spritpreise heftig angezogen haben, bescheren ihm inzwischen auch bei seinen Stammwählern vom Land eine negative Zustimmung. Unterschätzen würde ich Trumps vermutliche Reaktionen darauf aber nicht. Der Wähler ist ein vergessliches Wesen, ein paar Steuergeschenke und sinkende Spritpreise vor den Halbzeitwahlen könnten für Überraschungen sorgen.

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