Claudia am 05. Dezember 2012 — 15 Kommentare

Energie sparen – mal ganz persönlich betrachtet

Mein Arbeitszimmer ist derzeit der einzige Raum, den ich tagsüber beheize. Momentan zeigt das Thermometer 19 Grad, womit ich mich im Moment noch ganz wohl fühle. Einer der beiden Heizkörper im Zimmer ist abgestellt: direkt neben meinem Schreibtisch mag ich die trockene Wärmeabstrahlung nicht, und auch den Pflanzen, die auf dem Fenstersims stehen, geht es so besser.

Gegen Abend öffne ich die Türflügel zum Wohnschlafzimmer und heize auch dort mit nur einem Heizkörper auf Arbeitszimmertemperatur auf. Die Tür zum Flur bleibt geschlossen, Bad und Küche betrete ich nur kurz, heize die Räume aber punktuell auf, wenn ich mal länger koche oder bade. Ebenso, wenn ich Besuch bekomme, der länger bleibt als nur für einen Kaffee im Arbeitszimmer.

Mein grüner Energie-Lieferant Lichtblick hat mir gerade angekündigt, dass meine GAS-Rate von 88 auf 96 Euro im Monat erhöht wird. Die Stromrate lag bisher bei 36 Euro, auch dieser Betrag wird deutlich steigen. Da ich nicht mehr die ganze 70-Quadratmeter-Wohnung heize, hab‘ ich mir jetzt eine Zwischenabrechnung bestellt – mal sehen, ob ich den GAS-Abschlang so senken kann.

Spar-Licht? Nicht wirklich gemütlich!

Länger schon hab‘ ich auch alle Lampen durch Energiesparlampen eingetauscht. Das Licht ist nicht gerade berückend, aber man gewöhnt sich dran. Da ich aber mit der Verteilung von Quecksilber in der Welt nicht einverstanden bin, hab‘ ich auch schon teure LED-Leuchten gekauft: das Licht schafft es bisher jedoch einfach nicht, ausreichend „warm“ zu wirken.

Schon öfter fühlte ich mich versucht, mich dem Ganzen zu verweigern und im Internet wieder einen (durchaus noch kaufbaren) Vorrat an normalen Birnen zu besorgen. Umsetzen kann ich die Idee dann aber doch nicht, denn sie widerspricht allzu sehr meiner innersten Überzeugung, dass Energie-Sparen wirklich angesagt ist. Lieber stell ich eine Kerze auf, wenn’s mir nach „gemütlich“ ist.

Produkte: maximale Energie- und Ressourcen-Verschwendung

Das Nexus-7-Tablet, das ich mir im Sommer kaufte, kann man nicht öffnen, um den Akku auszutauschen. Ein Ex-und-Hopp-Produkt, wie auch viele andere Tablets und etliche Smartphones. Und das in einem Massenmarkt! Dabei gibts sogar eine EU-Batterieverordnung, die in §11 vorschreibt:

“Elektro- und Elektronikgeräte, die vollständig oder teilweise mit Batterien oder Akkumulatoren betrieben werden können, sind so zu gestalten, dass eine problemlose Entnehmbarkeit der Batterien und Akkumulatoren sichergestellt ist.

Das scheint allerdings niemanden zu interessieren, nicht die Hersteller, nicht die Kunden und auch nicht die Politiker. Als ich das NEXUS 7 bestellte, war mir dieser Aspekt noch nicht klar – nochmal werde ich ein „verschweistes“ Gerät ganz sicher nicht kaufen. DÜNN hat einfach nicht der oberste Wert zu sein, verdammt nochmal!

Dass es darüber hinaus praktisch kein Elektronik-Produkt mehr gibt, das vom Hersteller noch repariert wird, ist eine Ressourcenverschwendung, die jeglicher Rede von Nachhaltigkeit und Umweltschutz Hohn spricht. Auch die „seltenen Erden“, um deren Bezug sich Politik und Wirtschaft sorgen, scheinen SO selten ja nicht zu sein, wenn man das ganze Zeugs so locker in die Tonne kloppen kann! Und ab nach Afrika damit:

„Aus Deutschland werden nach Schätzungen etwa 155 000 Tonnen pro Jahr illegal exportiert. In vielen Entwicklungsländern landen die Geräte nach Angaben des Parlaments auf illegalen Deponien. Nur ein Bruchteil werde umweltgerecht und effizient wiederverwertet.“ (Quelle: FOCUS)

Was bringts, wenn ich Ressourcen spare?

Gegen die Mega-Trends der Ex- und Hopp-Kultur erscheint persönliches Energie- und Ressourcen-Sparen als bloßer Hauch eines Tropfens auf den heißen Stein. Bin ich denn blöd, mich persönlich einzuschränken, wenn doch die große gefühlte Mehrheit auf die Folgen der Verschwendung scheißt? Ich hab ja nicht mal Kinder, die mir leid tun könnten! Fünf Grad plus in ein paar Jahrzehnten? Da bin ich lange tot….

So denkt auch mein Kopf ab und an. Allerdings merke ich immer wieder, dass es nicht mehr nur ein „Thema im Kopf“ ist. Es geht mir tatsächlich gefühlt wider den Strich, mich allzu deutlich als Umweltsau zu verhalten, nur weil das ein bisschen mehr Spaß macht oder bequemer ist. Durchweg konsequent bin ich dabei aber nicht, nehme z.B. auch mal ein Taxi, anstatt nach einem Fest in Nieselregen und Kälte zum nächsten ungemütlichen S-Bahnhof zu laufen, oder verwende doch wieder Plastiktüten als Mülleimer, weil das Etablieren einer Alternative nicht wirklich geklappt hat.

Mehr arbeiten für mehr Verschwendung?

Außer dem Umweltgewissen spielen zum Glück auch die Finanzen eine immer größere Rolle. Wegen mir darf die Energiewende ruhig was kosten, womit ich allerdings nicht das beiläufige Absahnen der Stromkonzerne meine, das sie unter dem Mäntelchen „steigende Kosten für Erneuerbare“ derzeit praktizieren.

Anstatt für steigende Gas- und Strompreise mehr zu arbeiten, sehe ich lieber zu, was ich einsparen kann. Man kann das auch als Sport begreifen, dann macht es sogar Spass!

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15 Kommentare zu „Energie sparen – mal ganz persönlich betrachtet“.

  1. Finde ich cool, dass du trotz einiger schwierigkeiten am Energie sparen festhälst und den weg weitergehen willst. Das „Problem“ mit den LED Lampen kenne ich, allerdings gewöhnt man sich nach einiger zeit schon etwas dran und im Wohnzimmer kann man sich wirklich mit Kerzen abhelfen.

  2. “ Bin ich denn blöd, mich persönlich einzuschränken, wenn doch die große gefühlte Mehrheit auf die Folgen der Verschwendung scheißt? “

    Nein, das bist du nicht. Denn genau das ist die Herausforderung – und die ist manchmal verdammt schwer zu meistern.

  3. Ein paar extrem ketzerische (und verschwörungstheoretisch bestens untermauerte, mit Verfolgungswahn sehr fein garnierte sowie durch schizoide Weltuntergangshysterie scharf gewürzte) Anmerkungen:

    Das individuelle (Spar-)Verhalten ist weder Motor noch Katalysator des gesellschaftlichen, sondern lediglich sein Appendix. Im Kleinen zu sparen ist ein typischer Angst-Reflex. Wie die gesellschaftliche Reaktion auf Knappheit im Großen aussieht, machen gerade US-amerikanische Ölkonzerne vor, welche Fracking (eine Technik, die den Teufel [Raubbau an Ölvorräten] mit dem Beelzebub [Raubbau am Grundwasser] austreibt) im großen Stil einsetzen wollen (demnächst wird das sicherlich auch in good old Europe Schule machen) und damit (wieder einmal) das Prinzip des Ausbeutens bis hin zum Ausbluten zukunftsorientiert, marktkonform und ökonomisch-technisch-wissenschaftlich abgesichert über das der Sparsamkeit und Nachhaltigkeit stellen.

    Das ist natürlich die klassische Lösungsstrategie des Spielers: nach jedem Verlust den Einsatz erhöhen, bis alles oder nichts mehr geht. Und in der Tat spielt all das Sparen der kleinen Leute keinerlei Rolle, weil es nie zum Anschub einer Neuorientierung des gesellschaftlichen Handelns (etwa staatlicher Vorgaben) wird, sondern nur eine inner-psychische Beruhigungsstrategie (vorzugsweise der Mittelschichten relativ reicher Ökonomien) ist.

    Eine globale Umkehr im Verbrauch und Umgang mit den natürlichen Ressourcen dieser Welt, die ein Leben und Wirtschaften im Sinne der bürgerlichen Gesellschaften des 19. Jahrhunderts (mit freien Konsum- und Investitionsentscheidungen des Individuums und einer Elitenauswahl durch egalitäre Auswahlverfahren und dem Ziel einer Stabilisierung von Lebens-, Einkommens-, Bildungs- und Entwicklungschancen für eine zunehmende Zahl der Bürger) weiterhin garantieren kann, ist vermutlich weder möglich noch konsensfähig und käme, falls sie wider Erwarten doch in Angriff genommen wird, auf jeden Fall zu spät.

    So weit ich sehe, wird (außer in eher sektiererischen Kreisen und dem Feuilleton) ohnehin nirgendwo mehr ernsthaft damit gerechnet oder geplant. Im Gegenteil, Zukunftsinvestitionen erfolgen scheinbar primär auf Gebieten, die ich als Escape-Technologien elitärer Minderheiten ansehe, nämlich als da sind:

    – effizientere Lenkung anonymer Menschenmassen durch Adaptionstechniken aus dem Bereich der Schwarmintelligenz, durch individuelle Steuerung qua Substitution körpereigener Regulierungssubstanzen (z.B. über die Manipulation von Nahrungsgewohnheiten und Umweltbedingungen), durch gruppendynamische Steuerung über Gewaltersatzszenarien wie Sport oder Spielsimulationen, durch Reduktion individuell-physischer Reichweiten durch Erweiterung virtueller, extern vermittelter (und damit auch leichter begrenzbarer) Reichweiten wie etwa Internet-Techniken;

    – zentral durchführbare Kontrolltechniken für obstruktive Kräfte, etwa durch automatisierte Waffen- und Überwachungssysteme oder soziale Netzwerke als einfache, die klassischen Print- und Funkmedien ergänzende bzw. ersetzende Methode für (Des-)Informationskampagnen;

    – Überlebens-Szenarien der Eliten. Da Südamerika wegen der unerwartet aufgetretenen und nicht beherrschbaren Gefahr durch Vulkanasche als Paradies der Reichen ausfällt und viele der klassischen [Insel-]Paradiese wohl demnächst unter Wasser liegen werden, wird vermutlich irgendwann so etwas wie ein modernes Arche-Noah-Projekt im Erd-Orbit dabei herauskommen, das obendrein gegenüber erdgebundenen Reservaten den Vorteil der leichteren Kontrolle des physischen Zugangs sowohl subversiver Individuen wie auch von Krankheiten, Viren, Bakterien und anderen Substanzen besitzt. Ein erster Ansatz dazu ist m.E. die fortschreitende Privatisierung der Entwicklung von und die anlaufende Kommerzialisierung der Nutzung von Raumfahrttechnologien.

    Dennoch ist es natürlich persönlich absolut ehrenhaft, keine klassischen Glühlampen mehr einzusetzen, sondern tapfer sein Geld auf dem neuen Warensegment der Energiesparlampen zu verpulvern. Schließlich wurde hier enorm viel Kapital investiert (z.B in die Lobbyarbeit), um eine erprobte, billige Ware qua Instrumentalisierung staatlicher Instanzen aus dem Markt zu drängen und durch eine höherwertige (i.e. hochpreisige) Ware zu ersetzen.

    Mit etwas galligen Grüßen (und der Hoffnung, viel zu schwarz zu sehen)
    Susanne

  4. Wenn wir nicht alle im Rahmen der uns zu Verfügung stehenden Möglichkeiten versuchen, Energie einzusparen, dann werden nicht erst unsere Kinder ein Problem haben. Wir werden selbst in den nächsten zehn Jahren erhebliche Kostensteigerungen verkraften müssen. (Obwohl dies wahrscheinlich auch ohne Sparbemühungen auf uns zukommen wird. Aber das darf als Entschuldigung nicht gelten.)

    Weiter so. Ich komme eben vom Hausrundgang zurück, auf dem ich die Heizungsregler in allen Bädern unseres 5-Personen-Haushalts wieder mal auf „normal“ zurückgedreht habe. Die Kiddies reden zwar gerne über Ökologie, aber das eigene Engagement berücksichtigen sie leider keineswegs.

    Manchmal komme ich mir vor wie ein überreagierender Energiespardrache. Was mich aber nicht davon abhält weiterzumachen. Soviel Eigensinn und persönliche Überzeugung muss einfach sein.

    Venceremos!

  5. „Dennoch ist es natürlich persönlich absolut ehrenhaft..“

    Deine etwas sarkastische Einwendung, @Susanne, ist dennoch echt eine Überlegung wert. Wenn wir jetzt alle die Energiesparlampen boykottieren, bringt uns das vielleicht etwas im demographischen Wandel.

    Geben erst einmal die alten Glühlampen ihren Geist auf und es wird dunkel in der Hütte, so soll ja, wie einst in New York geschehen, 9 Monate später ein echter Babyboom auftreten.

    So gesehen, hat die neue Verordnung gar nichts mit Energiewandel zu tun, sondern mit einem langfristigem Konzept der Rentenfinanzierung.

    Die Politiker sind aber auch Schlaufüchse…. hoi, hoi, hoi, …da muss man mal erst drauf kommen

  6. @Susanne: bin grad spät heim gekommen und hab bisher nur deinen Text gelesen. Wieder mal fühl ich mich danach, dir für deine elaborierte Form und wie du sie mit „ordentlichem Inhalt“ verbindest, spontan zu applaudieren!

    Und doch: die Keller-Ralley ist nicht die einzige Wahrheit! Das kann und mag ich heut nacht nicht mehr ausführen, bin mir dessen aber gewiss: No pasaran! Nicht, wenn wir nicht mitmachen… aber das Mitmachen bringt halt uns allen noch so viele Benefits, dass wir vorziehen, weiter Teil des Problems zu sein – aus Besitzstandswahrungsinteresse, Angst vor Veränderung, Misstrauen gegenüber der potenziell ja jederzeit und immer noch aktivierbaren „Solidarität“…

    Wir (fast) alle hier in Europa werden nicht GEWALTSAM versklavt! Wir können noch anders, wenn wir denn wollten!

    Von daher bin ich optimistisch: das ist nur Sóftware, bzw. GEIST – und der ist beeinflussbar, der lernt auch aus Erfahrung…

  7. @Wortmischer: jetzt hab ich doch noch auch deinen Post gelesen und kann ihn gut nachvollziehen.

    Ich hatte von 1992 bis 1995 die Gelegenheit, als „Arbeitsplatz“ Energiesparkampagnen machen zu dürfen: für Mieter. Gewerbe, Behörden/Büros – ein Super-Job nach allen mehr und weniger ehrenwerten Kriterien (analog BAT 3 als Projektleiterin).

    Wir waren verdammt engagiert und erfreut, dieses Engagement zu so angenehmen Bedingungn umsetzen zu können (es gab Ausnahmen: Absahner, die ihre Arbeitslosigkeit zum Beruf gemacht hatten). Und wir taten alles, um uns zusammen zu raufen – optimale Bedingungen also.

    Kurzum: wir führten spitzenmäßige Kampagnen bei diesen Zielgruppen durch. Die Mieter sparten binnen einiger Monate ungemein viel Energie – aber nur so lange, wie sie UNS als Animateure hatten! Danach versackte das im Alltag…

    Das ist natürlich ätzend. aber man kann es auch als Chance sehen: WENN es gelingen würde, dass jeder durch sein Mittun Wertschätzung und Aufmerksamkeit erfährt – ja, dann hätte die Sache mehr Chancen! Und mit den mittlerweile existierenden sozialen Medien sollte es eigentlich noch besser laufen…

  8. Nochmal was @Susanne: Ich spare nicht „aus Angst“ Energie – gefühlt DROHT mir persönlich ja gar nichts, wenn ich das unterlasse. Auch empfinde ich die persöliche Reichweite per Internet als größer denn je zuvor – wir interagieren ja nicht mit virtuellen Illusionen, sondern mit realen Menschen!

    Die Eliten im Orbit? Na, viel Spaß dabei! :-)

    @Menachem: danke für den Zuspruch!

  9. Ich hatte das auch mal so gehalten, kaum benutzte Zimmer kalt zu lassen. Ich kenne zudem auch Leute, die bestimmte Arbeitszimmer richtig eiskalt werden lassen.
    Ich denke, es tut einer Wohnung nicht gut, wenn die Zimmer nicht zumindest temperiert sind. Wenn man nicht unbedingt jeden Penny umdrehen muß, stellt das Warmhalten eine Art „Hygiene“ und auch ein Sich-ernst-nehmen und Wertschätzen dar.
    Ich habe einen Freund, so erinnere ich mich gerade, dessen Elternhaus nach dem Sterben des Vaters weiterhin bis zum Verkauf warm gehalten wurde. Man hätte das Haus auch bei 4 Grad Plus vor sich hin frösteln lassen können. Damals wunderte mich die „Energieverschwendung“ jedenfalls sehr. Vielleicht war da auch ein Stück Irrationalität im Spiel – die darf aber m.E. auch sein!

  10. Ich bin auch der Meinung, dass es wichtig ist, zu tun, was das eigene Gewissen für richtig hält.

    Was die LED-Lampen angeht, gibt es erhebliche Unterschiede und ich sah etliche mit Licht, das mir Unbehagen bereitete, in der Regel war es zu blaustichig oder grünstichig, was weniger schlimm ist als blaustichig. Ganz ok finde ich die Lampen „Osram LED Star Classic A 40, Warm White 8 W 470 lm“.

  11. @Claudia

    Natürlich will ich nicht gegen den privaten, sorgsamen Umgang mit Ressourcen (Benzin, Gas, Strom, Rohstoffe usw.) argumentieren, auch nicht dagegen, sich das so gemütlich wie möglich zu machen (Licht, Kamin usw.). Ich stelle selbst stets den Heizkörper auf De-Frost, wenn ich mir eine Zigarette anzünde!

    Trotzdem spüre ich bei vielen Menschen, die sehr bewußt mit ihrer Umwelt umgehen, im Hintergrund eine heimliche Heilserwartung, die ich mir vor allem durch eine vage Angst vor dem, was die Zukunft (für sich und ihre Kinder und deren Kinder usw.) bringen wird, erkläre, denn eine rationale Rechnung entlarvt vieles Sparen als Verschwendung.

    So geht etwa in die Herstellung und Entsorgung von Energiesparlampen meines Wissens weitaus mehr Energie ein, als die Konsumenten ahnen, so daß die Dinger an sich Energie-Verschwendungs-Lampen heißen müßten. Gleiches gilt für andere Techniken, etwa die Wärmedämmung mit aufwendig hergestellten Dämm-Materialien und später notwendig werdenden Belüftungsanlagen, für Elektroautos, Computer und Telefone mit Batterien, deren Produktion jenseits von Gut und Böse ist, was Ressourcenverschwendung und Umweltbelastung angeht, so daß fraglos vorhandene Einsparungen durch Informations-Optimierung dagegen kaum ins Gewicht fallen dürften, u.v.m.

    Das alles können wir Einzelnen jedoch selten umfassend bewerten oder herausfinden, zumal alle Expertisen zu solchen Themen von Experten stammen, die beruflich Interessen verpflichtet sind, die ihren Expertisen kaum offen abzulesen sein dürften. Damit ist die Frage der individuellen Reichweite angesprochen, die nicht nur in technischen Bereichen, sondern viel mehr noch auf politischen und ökonomischen Gebieten mir deutlich geringer erscheint, als sie wohl tatsächlich ist.

    Die (gefühlte) Reichweite, die uns Medien wie Internet heute anbieten, ist nämlich weder gekennzeichnet durch große Mündigkeit (niemand kann all die Informationen und ihre Quellen auch nur annäherungsweise prüfen, die dort auf uns einstürmen) noch existiert sie aus eigener Kraft und Verantwortung (ein einfacher Schalter im nächst gelegenen Knoten/Sender/Kraftwerk wirft dich auf das Apothekerblättchen von letzter Woche und das ‚Hamse-schon-gehört?‘ der Nachbarn zurück).

    Es mag zwar gute homöopathische Tradition sein, in tendenziell unendlicher Verdünnung eine Potenzierung der Wirksamkeit einer Substanz zu vermuten, ich sehe in tendenziell unendlicher Vergrößerung der Reichweite meiner Informationswerkzeuge und des Umfangs der mir angelieferten Informationen jedoch nicht per se eine Potenzierung des Informationsgehaltes, sondern ebenso oder vielmehr eher eine schleichende Ausdünnung mit der Tendenz zu läppischer Parteinahme (siehe den albernen Like-Button oder die unsägliche Follower-Kultur in sozialen Netzwerken) oder zu geistloser Verdammung (siehe shitstorms) des nicht mit der eigenen Meinung Übereinstimmenden.

  12. Das Wort „Mündigkeit“ in Deinem Text sprach mich direkt und stark an. In der Tat kann niemand mehr die Informationen prüfen, die uns zu einem Sachverhalt überkommen. Zu fast jedem Thema gibt es garantiert ganz widersprüchliche Studien und letzlich bleibt es so Glaubenssache, welchen Parteigang man begeht.

  13. @Susanne: mal zu den E-Sparlampen:

    „Auch in der Gesamt-Energiebilanz schneiden Energiesparlampen besser ab. Für ihre Herstellung und Entsorgung wird zwar deutlich mehr Energie als für eine Glühlampe benötigt. Jedoch wird gemäß einer Studie der EU von 2008 in der Nutzungsphase soviel Energie eingespart, dass dies nicht ins Gewicht fällt. Pro Lichteinheit und Stunde verbrauchte die Glühbirne insgesamt etwa vier mal so viel Energie wie die Energiesparlampe.“

    http://umweltinstitut.org/fragen–antworten/energie/rohstoffe/energiesparlampen-706.html

    Und ja, die erste Generation ging schon auch mal schnell kaputt – von den neueren ist bei mir aber noch keine ausgefallen. Zudem senkt es die eigene Stromrechnung schon deutlich, wenn nicht mehr über 90% der Energie als Wärme nutzlos abgegeben werden.

    PRÜFEN kann ich Gutachten nicht, wohl aber den eigenen Stromverbrauch – immerhin!

    Was die Informationslage angeht, fühle ich mich heute tatsächlich sehr viel besser und umfassender informiert als früher. Wenn ich mal Tagesschau gucke, kenne ich die dort verhandelten Ereignisse/Themen in der Regel seit 1 bis 2 Tagen – und nicht nur von der Position aus bewertet, die in den Nachrichten ‚rüber kommt. Ich lese morgens nicht nur die mainstreamigen Google-News, sondern auch Rivva (=andere Welt) und NetNewsExpress – insgesamt kommt da schon ein Überblick zustande, den ich so früher nie hatte.

    Klar, man kann sich fragen: was bringts? Ich kann mich ja nicht überall einmischen und nur wenigen Themen wirklich intensiver widmen. Trotzdem ist mir diese Informiertheit wichtig – eine Säule der „Mündigkeit“, auf die ich nicht mehr verzichten will, auch wenn „Wahrheit“ da durchaus oft im Nebel verschwimmt. Das ist nun mal so, wo Interesse-geleitete Menschen Ereignisse berichten und bewerten. Durch das Internet ist das nun DEUTLICHER als jemals zuvor.

    Wie z.B. die Mainstream-Journaille während der letzten Wochen in großer Geschlosseheit eine geradezu lügnerische Kampagne in Sachen Leistungsschutzrecht fährt, hätte ich früher gar nicht erkennen können. Jetzt raubt mir das Erlebnis den Rest des Glaubens an die „Objektivität“ dieser Medien… gut so!

  14. Schön, Wie Du schreibst! Getragen vom Glauben an das Positive!

  15. @Claudia

    Danke für den Link.
    Schau Dir (als neueren Beitrag von 2012) mal das an: ZDF 19.4.2012
    Vielleicht verliert sich dann der Glaube an das Positive (in den Energiesparlampen) ein klein wenig…

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