Claudia am 13. März 2007 — 3 Kommentare

Vom eigentlichen Leben

Gerade hab‘ ich mir das neue Buch von Gerd-Lothar Reschke „Selbsterkenntnis und die Erfahrung der Leere“ gekauft und bin hin und weg! In der Mitte aufgeschlagen und angefangen zu lesen, konnte ich kaum wieder aufhören. Seine Sprache und die Klarheit seiner Gedanken, die ganz aus dem eigenen Erleben schöpfen, faszinieren mich, ganz unabhängig davon, wie mich das Gesagte im Einzelfall anmutet. Er ist für mich der einzige Autor weit und breit, den ich in Sachen Erleuchtung & Erwachen (und damit leben) richtig ernst nehme, denn er setzt sich nicht auf ein Podest und belehrt die Leute, wo sie lang zu gehen hätten. Wer das tut, verschweigt in der Regel all die problematischen und verstörenden Seiten, die mit mancher spirituellen Erhellung einher gehen. Gerd-Lothar thematisiert sie ausführlich, nicht theoretisierend, sondern anhand der Alltags-Erfahrung, die durch die größere Wachheit allerdings gar nicht mehr „alltäglich“ wirkt.Michael fragte im Webzettel neulich nach dem „eigentlichen Leben“. Das Thema ist einen eigenen Artikel wert, doch nach allem, was ich erfahren habe, ist das „eigentliche Leben“ nichts, was bestimmte Außenbedingungen benötigt, sondern ein Zustand größerer Wachheit. Dieser Zustand ist – im Prinzip – in jedem Augenblick erreichbar, doch braucht es mehr Energie, ihn zu halten, als der übliche alltägliche Halbschlaf. Deshalb empfehlen so viele Yogis und andere spirituelle Lehrer ein gesundes Leben als Voraussetzung, denn falsches Essen, Genussgifte und ein dem Körper wenig bekömmliches Sitzleben vernichten die Energie, die es braucht, um (absichtslos!) im Augenblick ganz wach und aufmerksam zu sein.

Es hilft aber auch nichts, sich nun zielgerichtet zusammen zu reißen und ein „reines Leben“ zu führen, in der Hoffnung, das bedeute automatisch das Ticket zur Wachheit. Man muss auch motiviert sein und wer nur im Geist des „nice to have“ an seiner „spirituellen Entwicklung“ arbeitet (!), wird in der Regel nichts erreichen. Echte Motivation ist meist ein LEIDEN, und zwar eines, das sich niemand wünschen kann. Mir persönlich geht es einfach (noch?) zu gut, als dass ich mich gefordert fühlen würde, nach mehr zu streben als nach der einen oder anderen kleinen Verbesserung im Alltag. Dass der Draht zum „ganz Anderen“ nicht völlig abreißt, danke ich im Wesentlichen der Lektüre von Lothar-Reschkes Selbsterkenntnis-Texten.

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Claudia am 07. März 2007 — Kommentare deaktiviert für In der Erde wühlen und Webseiten bauen

In der Erde wühlen und Webseiten bauen

Seit Anfang der Woche hab‘ ich mich wieder für gesund erklärt. Ein bisschen schwach noch, aber was soll’s, vor dem Monitor sitzen ist ja nicht sooo anstrengend. Mittags gehe ich oft in den Garten, der zur Zeit jeden Tag neue Überraschungen bietet. Ich bin ja keine alteingesessene Hobby-Gärtnerin und hätte letztes Jahr um diese Zeit noch nicht im Traum geglaubt, dass ich mal Herrin über so eine „grüne Wildnis“ sein werde. Noch dazu in fußläufiger Entfernung von meiner Wohnung in Berlin-Freidrichshain! Weiter → (In der Erde wühlen und Webseiten bauen)

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Claudia am 03. März 2007 — 8 Kommentare

Krank 2: What the Bleep do we know….

Kaum zu glauben: nun ist eine Woche verstrichen, doch bin ich immer noch nicht wieder gesund. Dabei hab‘ ich mich brav „geschont“, bin die ersten Tage im Bett geblieben, dann immer nur stundenweise an den PC gesessen, um das Allernötigste zu arbeiten, ohne Stress, ja, mit Vergnügen. Und jetzt ist es schon wieder Samstag, 10 Uhr früh, aber ich fühl‘ mich immer noch matschig und schwach – eine Zumutung!

WAS wird mir da zugemutet? Was mute ICH mir da zu? Fortgesetzte Besinnung, ich komme daran nicht vorbei. Das Erkennen, wie sehr ich an meinen Aktivitäten hänge und wie weitgehend entkoppelt dieses bloße „Machen“ bzw. tätig sein von irgend einem Sinn bereits ist, habe ich geahnt, aber nicht wirklich ins Bewusstsein dringen lassen. Im Gegenteil: jede „Lücke“, die sich irgendwo zwischen dieser und jener Aktivität auftat, schüttete ich eilig zu, meistens mit dem Konsum irgendwelcher Medien. Bloß nicht den Blick vom Außen abwenden und nach innen richten, lieber der nächste schöne Naturfilm bei Phönix über die neuen Nomaden in Sibirien oder das Abschmelzen des Eises in der Arktis.

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Claudia am 28. Februar 2007 — 5 Kommentare

Krank

Vor ein paar Tagen dachte ich noch, ich sei immun gegen den grassierenden Infekt, der meine Nächsten und auch viele Ferneren in diesen Wochen mal eben aufs Krankenlager streckte. Falsch! Nun hat es mich auch erwischt: Matschbirne, Fieber, Schnupfen – das Übliche und daher kaum erwähnenswert. Wäre es nicht das erste Mal seit weiß-nicht-wieviel Jahren, dass ich mich tatsächlich ins Bett lege und nicht arbeite, jetzt gar schon den zweiten Tag!

Wie seltsam, solange im Bett liegen zu bleiben. Kein Buch, in das ich mich versenken könnte, keine Zeitung, keine Lust zu gar nichts. So zappe ich durch die Kanäle und erlebe das mediale Deutschland: Kinderbetreuungsdebatte, Koch-Shows, Zoo-Shows, Gerichtssendungen, Frauentausch, Talksshows – um Himmels Willen, wie muss jemand drauf sein, der all das dauernd guckt und nicht nur bei Fieber? Weiter → (Krank)

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Claudia am 17. Februar 2007 — Kommentare deaktiviert für Melanie Delfft: Mein Lied

Melanie Delfft: Mein Lied

“Analyse eines Lebens – fast ein Roman” – der Untertitel zu Melanies Buch wirkt harmlos, zurückhaltend, sehr bescheiden, und enthält keinerlei WARNUNG vor dem schockierenden Inhalt dieser Berichte aus dem realen Leben. Als ich um die Jahrtausendwende noch in Mecklenburg wohnte, hatten wir übers Netz zueinander Kontakt gefunden. Sie schickte mir verstörende Texte, die so ganz anders waren als das, was ich selbst als “persönliches Schreiben” in meinen rücksichtsvollen Diary-Artikeln zelebrierte: ich verschone den konkreten Menschen, auch dann, wenn ich in besonders miesanthropischer Stimmung bin.

Anders Melanie in ihren sezierenden Betrachtungen, die auch vor dem Allernächsten nicht halt machen. Da heißt es zum Beispiel:

“Ich habe schon lange nicht mit meinem Mann gesprochen. Wenn er nicht schläft, sitzt er auf dem Sofa und sieht fern. Er geht zivilisierten Beschäftigungen wie sich waschen, Zähne putzen, rasieren, sich saubere Sachen anziehen nicht mehr nach. Er trinkt Rotwein, schläft, steht auf, schüttet sein Glas wieder voll, nimmt Pillen zum Weiterschlafen, schläft wieder, schlürft ins Klo, holt sich ein anderes volles Glas, schläft wieder, liest ein wenig Zeitung, holt ein neues Glas Rotwein, schläft wieder, steht gegen fünf nachmittags auf, setzt sich auf die Couch, sieht fern, trinkt Rotwein. Er bewegt sich tagaus, tagein nur im engen Triangel von Bett, Sofa und Toilette und riecht mit der Zeit so stark, daß ich am liebsten mit dem Taschentuch vor der Nase ins Wohnzimmer ginge.”

Von solchen Passagen, mit denen Melanie nicht spart, war ich regelrecht geplättet und fragte mich: Warum tut sie sich das an?? WER ist diese Frau? Wie kann sie so leben und so schreiben???

Die Oldenburgische Volkszeitung schrieb dazu:

“Die Autorin versteht es trefflich, ihr Leserpublikum tief in ihre eigene Geschichte hinein zu ziehen, Empathie zu erzeugen. Mit wachsender Faszination folgen wir ihrem Lebensweg, der sie nach Paris und Kalifornien und nach einem Zwischenspiel in München wieder nach Paris führt, mit Erschütterung und Bewunderung folgen wir ihr in das Leben neben ihrem dahin siechenden Mann und fragen, wieso sie nicht einfach fort geht, ehe wir erkennen, dass die erniedrigende Existenz mit dem vom Alkohol zerstörten Mann ein Teil des Befreiungsprozesses ist, den sich diese starke Frau verordnet hat”.

Anhand der Texte, damals noch Stückwerk, konnte ich die positiven Aspekte einer Selbstbefreiung noch nicht erkennen. Ich stellte mir die Autorin als unglückliche, leidende, in nicht nachvollziehbaren Zwängen gehaltene Frau vor, die sich nicht einmal den Ausdruck ihres Leidens gestattet. Denn alles, was sie da an verstörenden, demütigenden Details aus ihrem Leben berichtete, kam seltsam emotionslos daher, so als stünde sie neben sich und berichtete über jemand anderen. Manchmal blitzt eine Art trockener Humor durch, doch kann das auch meine Projektion sein. Die Emotionen entstehen jedenfalls erst im Leser, die Erzählerin klagt nicht und schimpft nicht – es hat mich tief beeindruckt!

Als sie mich dann bei Gelegenheit einer Deutschlandreise aufsuchte, staunte ich einmal mehr. Elegant, heiter, zeitlos schön, sehr gebildet, jedoch gar nicht eingebildet, stand eine Wahl-Pariserin vor mir, die vom Kind meiner Nachbarn spontan als “die Dame” bezeichnet wurde. Und ja, das war sie, ich hätte mich nur nicht getraut, es zu benennen! Neben ihr kam ich mir verlottert vor, doch störte das unser Miteinander nicht. Ich bewundere Frauen mit Stil, die davon kein Aufhebens machen!

In den Plauderstunden, die wir dann in der weiten Mecklenburger Landschaft miteinander verbrachten, erkannte ich, dass sie auch “von Angesicht zu Angesicht” kein Leiden zeigen würde – zumindest nicht das große Lebensleid, das ich aus ihren Texten kannte. Einmal mehr hab’ ich begriffen, dass es Menschen gibt, die es verstehen, aus ihren tiefen Gefühlen und prägenden Erfahrungen wahre Literatur entstehen zu lassen – und das bedeutet, sie eben nicht auf die plumpe Art zu Tage treten zu lassen und so zu “verbrauchen”.

Ich freue mich, dass aus den Texten ein Buch geworden ist und mehr noch, dass Melanie (sie heißt nicht wirklich so!) meinem Rat gefolgt ist, eine Website dazu zu veröffentlichen. Es ist eine Website “im alten Stil”, kein Schnickschnack, nur das Wesentliche: der Text.

meinlied
Analyse eines Lebens – fast ein Roman.
390 Seiten, 19,80 Euro.

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Claudia am 08. Februar 2007 — 7 Kommentare

Die Suche nach der Leidenschaft

Morgens fange ich nicht gleich mit dem Arbeiten an. Ich schau mal in die Emails, surfe auf diese oder jene Website, besuche ein Forum, gucke auf den letzten Diary-Eintrag – tja, auf was warte ich, was suche ich in diesen militant Sinn-freien Aktivitäten?

Es steht ja schon im Titel: ich suche die Leidenschaft, das Aufblitzen eines heftigen Interesses, das mich ergreifen und zum Einstieg in den Tag begeistern soll. In den ersten Jahren des Webs war dieses Erleben leicht zu haben, denn alles war neu und das Neue ist an sich schon reizvoll, ob man das nun blöd findet oder nicht. Irgendwann wird jedoch alles zur Routine, zum allzu Bekannten, das aus sich heraus keinen großen Reiz mehr ausübt. Wie ich feststellte, gilt das sogar für soziale Prozesse, die ich immer sehr spannend fand. Auch sie haben ihre üblichen Verläufe, Menschen bringen sich ein, setzen sich auseinander und wieder zusammen, einige scheiden aus, andere steigen zu Meinungsführern auf, Gruppen zerfallen und bilden sich neu – nun ja… Weiter → (Die Suche nach der Leidenschaft)

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