Claudia am 08. Oktober 2026 — 0 Kommentare

Zum 7.Oktober – einen Tag zu spät

Horst Schulte hat gestern den großartigen Blogpost „Der 7. Oktober und die Jahre danach: Ein Abgrund, der immer größer wurde“ verfasst. Sehr sehr lesenswert! Im ersten Teil formuliert er das Grauen angesichts des fürchterlichen Massakers vom 7.Oktober, wie auch das Entsetzen darüber, dass einige Hamas-Anhänger in Berlin das feierten, indem sie auf der Straße Süßigkeiten verteilten. Der zweite, „schwierige Teil“ ist getitelt mit „Das Grauen wird nicht kleiner, wenn wir über Gaza reden“ und „Auch das Westjordanland gehört zu dieser Geschichte“. Sein Fazit:

„Deutschlands Geschichte verpflichtet uns zur Solidarität mit jüdischem Leben und zur Sicherheit Israels. Aber sie kann doch nicht bedeuten, dass wir gegenüber dem Leiden anderer Menschen unempfindlich werden. … Ich will das nicht. Ich möchte an die israelische Mutter denken dürfen, deren Kind am 7. Oktober ermordet wurde. An die Familien der Verschleppten. An Menschen, die Stunden in Schutzräumen ausharrten, während draußen Terroristen von Haus zu Haus gingen. Und ich möchte verstehen, warum dieser Tag bei vielen Israelis eine existentielle Angst ausgelöst hat, die für uns Deutsche vielleicht kaum nachzuempfinden ist….. Aber ich möchte ebenso an die Mutter in Gaza denken, die ihr Kind unter Trümmern verloren hat. An palästinensische Familien im Westjordanland, die Angst vor bewaffneten Siedlern haben. An libanesische Familien, die zum wiederholten Mal ihre Häuser verlassen mussten.

Keine dieser Tränen löscht die anderen aus. Vielleicht ist das die einfachste und zugleich schwierigste Erkenntnis dieses seit Jahrzehnten andauernden Konflikts. Juden sind nicht Netanjahu. Palästinenser sind nicht Hamas. Libanesen sind nicht Hisbollah.“
Und ein ermordetes israelisches Kind und ein getötetes palästinensisches oder libanesisches Kind stehen in keinem Wettbewerb darum, wessen Tod uns mehr berühren darf.

Meinen Kommentar zu Horsts Blogpost halte ich auch hier mal fest:

„Alle Achtung, du schaffst es wieder einmal, emphatisch und „ausgewogen“ über all diese Schrecknisse zu schreiben! Ich packe das nicht, hab daran gedacht, aber nicht gebloggt. Zu schwierig erschien mir der Anspruch, bloß nichts „Falsches“ zu sagen – und vermutlich würde ich dazu neigen, denn das entsetzliche Massaker ist drei Jahre her, das kriegerische Vorgehen der israelischen Armee in Gaza und der Siedler im Westjordanland währt bis heute.

Etwas zur Ergänzung: mir ist vor ein paar Jahren plötzlich aufgegangen, dass es auch für Juden in Israel ein „Nie wieder!“ gibt – nur bedeutet das etwas anderes als bei uns: nämlich sich „mit allen Mitteln“ zu verteidigen und dabei keinerlei Rücksichtigen auf irgendwen zu nehmen. Das sage ich nicht, um irgend etwas zu relativieren oder zu entschuldigen, ebenso weiß ich, dass bei weitem nicht alle Israelis hinter Netanjahu und seiner rechtsradikalen Regierung stehen.

Und nach wie vor bleibt Fakt: Ohne die monströsen Verbrechen unserer Vorfahren gäbe es kein Israel und keinen Konflikt mit den Palästinensern. Deshalb verstehe ich auch die Zurückhaltung: Müssen es ausgerechnet wir Deutschen sein, die den regierenden Israelis Vorhaltungen machen? Ich verstehe es, teile das aber nicht. Es gibt ja sogar jüdische Stimmen, die genau das von UNS bzw. unseren Politikern einfordern.“

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