Claudia am 04. März 2005 — Kommentare deaktiviert für Suchen und finden

Suchen und finden

Als ich neulich mal wieder die Statistik des Digital Diary ansah, die ich aus sentimentalen Gründen noch immer von Webhits erfassen lasse, beeindruckte mich die Zusammenstellung der Suchbegriffe, über die die Menschen hierher finden. Ich geb‘ sie einfach mal wieder – und verknüpfe einzelne Worte mit den entsprechenden Artikeln:

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Fazit:

Interessant, so eine Zusammenfassung des Begehrens der Suchmachinen-benutzenden Allgemeinheit! Diene ich also der Menschheit mit diesem Diary? Der Sinn des Lebens? Ok, dazu schreibe ich eine Menge, wenn auch nie analytisch. Im Bereich „Porno für Frauen“ hab‘ ich dagegen noch kaum etwas geleistet – immerhin ist das Lustgespinst ein Anfang! :-) Vielleicht sollte ich „download + pay“ anbieten, im erotischen Sektor gibts offenbar den festen Willen, zu bezahlen!
Das Tietze-Syndrom begleitet mich noch immer, mal nervt es, mal gerät es in Vergessenheit – und noch immer weiß niemand, was es eigentlich ist, Pech für die Suchenden! Etliches findet sich dagegen zum Thema Ergonomie, Sitzschäden, Mausarm: gerade sitze ich auf meinem neuen „Gesundstuhl“ und kann jetzt sogar aufstehen, den Tisch hochfahren und im Stehen weiter arbeiten – ich müsste es nur öfter mal tun!

Was ein Hühnertraktor sein soll, weiß ich nicht – aber meine Huhn- und Traktor-Seiten werden täglich mehrmals angesehen, wie schön! Ein „freier, heioßer Bildschirm“ kommt mir aber nicht ins Zimmer, ich mach‘ doch nicht jeden Scheiß mit…

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Claudia am 24. Februar 2005 — Kommentare deaktiviert für Alt werden und Sterben

Alt werden und Sterben

„Du hast nur deshalb Angst vor dem Ersticken, weil du noch nicht mitten drin bist! Sterben ist immer JETZT!“, sagt M. mein Ex-Lebensgefährte. Unser Gespräch nach dem gemütlichen gemeinsamen Abendessen, das ich immer Mittwochs für ihn koche, kreist um Tod und Sterben. Genauer gesagt darum, wie wir es gerne hätten, wenn’s soweit ist. Er möchte am liebsten draußen in der Natur sein, sitzend an einen Baum gelehnt meditieren, bis die Barbiturate wirken. Weiter → (Alt werden und Sterben)

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Claudia am 03. Februar 2005 — Kommentare deaktiviert für Blicke nach drinnen

Blicke nach drinnen

Wenn ich einen Stein ins Wasser werfe, entstehen dort kreisförmige Wellen, die hübsch anzusehen sind. Wenn es windig ist und die Wasseroberfläche nicht gänzlich ruhig, sind sie weniger schön: verzerrt, auseinander gerissen, chaotisch.

Hätte der Stein ein Selbstbewusstsein, würde er vielleicht denken: „Oh, wie großartig! Ich bin ein Genie: so tolle Kreise hat noch keiner hingekriegt!“ Und im andern Fall würde er sich in Selbstvorwürfe stürzen: „Mist, ich kann es nicht, ich bin vollkommen unfähig!“.

Oft geht es mir nicht anders als dem Stein. Ich bin identifiziert mit den Wirkungen meines Tuns oder Lassens und vergesse, dass auch ich geworfen werde. Vielfältige „Ursachen“ bewirken mein Handeln, mein Begehren und Bewerten: Selbst wenn ich lange nachdenke und eine Sache von allen Seiten betrachte, bevor ich mich entschließe, etwas Bestimmtes zu tun, ist die Lage nicht anders. Die, die ich geworden bin, kann nicht anders, sondern eben „nur so“. Das ist dann der „Klinger-Stil“ im Umgang mit dem Leben und üblicherweise ist all dieses Erleben, Abwägen und Handeln mit dem Gefühl eines ICHs verbunden, das Träger all dieser Handlungen ist und sich in diesem Rahmen frei fühlt.

Über dieses Thema ist schon viel philosophiert worden, doch die abstrakte Fragestellung, wie „frei“ der Mensch überhaupt sein kann, interessiert mich nicht mehr so. Mir geht es um die Praxis, das tägliche Leben. Da finde ich mich immer wieder in mehr oder weniger irrationalen Bestrebungen und Tätigkeiten verhaftet: Ich rauche, ich sehne mich nach Arbeit A, wenn ich gerade B verrichten muss, worauf ich mich vorgestern noch richtig freute. Ich klebe vor dem PC, auch wenn der Körper lange schon signalisiert, dass es genug sei. Und ich hänge am regelmäßigen Besuch der Sauna, als sei sie der Garant fürs Seelenheil, obwohl ich doch da nur ein bisschen schwitze.

Wenn es mich nach etwas verlangt, fühle ich mich ganz besonders stark als „Ich“: Ich bin so bescheuert, ab und an Lust auf ein fettes Eisbein mit Sauerkraut zu haben – nun ja, das bin halt ICH! Deshalb, oder wegen all der anderen Verrücktheiten, die MEIN Leben ausmachen, lass ich mir doch von niemandem an den Karren fahren! Ich bin 50 und darf endlich ALLES. Wer sollte mir mit welchem Recht sagen, ich sei auf dem falschen Dampfer? Auf dem falschen Dampfer ganz ich selbst sein ist schließlich immer noch besser, als mich zu verkrampfen und ständig anders sein zu wollen – mit meistens eher weniger als mehr Erfolg.

Ran an den Feind…

Richtig und falsch: Lange Zeit kommen diese Bewertungen von außen, man versucht, sich danach zu richten oder dagegen zu rebellieren. Die Gesellschaft, die Herrschenden, die abendländische Kultur, die Megamaschine – alles böse, wahnsinnig, bekämpfenswert!

Später ist es dann der eigene Verstand, der der Feind zu sein scheint: Was nicht „verstanden werden“ kann, was irrational und unlogisch ist, ist irgendwie nicht in Ordnung. Als Gegenwehr gegen diese allzu beschränkte Sicht beginnt man, gegen den eigenen Verstand anzugehen: Ich bin doch nicht nur Großhirnrinde – der ganze große Rest will auch sein Recht, seine Freude und seine Spielfelder im Leben! Fühlen, Intuitionen, „innere Gewissheiten“ werden auf einmal die wesentlichen Identifikationspunkte: Weil ICH es will, ist es gut so! Niemand muss mich verstehen, auch nicht der eigene Verstand. Freiheit ist, einfach da sein und so sein, wie ich nun mal bin. Wenn ich damit aufhöre, ständig eine Andere sein zu wollen, ist alles gut.

Punkt, Schluss!? Zu Ende philosophiert für dieses Leben? In letzter Zeit bemerke ich das Auftauchen eines neuen Gefühls, das man leicht mit alten, lange überwundenen psychischen Instanzen verwechseln könnte. (Zum Beispiel mit dem inneren Sklaventreiber, der sich stets zu Wort meldet und sagt: Du SOLLTEST ..! ) Und doch ist es ganz anders, nicht vorwurfsvoll, nicht drängend, nicht verurteilend – mehr eine Frage, die gelegentlich auftaucht, wenn ich mal wieder viel Herzblut auf mein „So-Sein“ verwende, wenn ich meine persönliche Freiheit, bzw. das, was ich dafür halte, einfach genieße: Ist das schon alles? Willst du das jetzt bis ans Lebensende so betreiben? Jaaaa, du kannst! Du darfst! Niemand redet dir rein und wenn es jemand tut, lässt du dich nicht beirren. Nun und? WAS fängst du damit an?

Es ist KEIN schlechtes Gewissen, wie man meinen könnte. Sondern eher wie unerfüllte Liebe – die ganz große Liebe, die sich niemals mittels eines konkreten Menschen erfüllt. Eine Liebe zu ALLEM – und die Unzufriedenheit entsteht daraus, dass sie sich nicht genug verströmen und mitwirken kann, wenn ich meine Lebensenergie allzu sehr aufs ganz persönliche Streben, was immer es gerade sein mag, konzentriere.

Mir einen Ruck geben und „was Nützliches tun“ ist da nicht das Mittel der Wahl. Das habe ich im Leben allzu oft praktiziert, es ist nur Kratzen an der Oberfläche. Ich kann mit dem Verstand (noch?) nicht sagen, WAS die andere Qualität ausmacht, bzw. ausmachen würde, wenn ich dem folge. Im Moment weiß ich nicht mal, wie ich „dem folgen“ sollte! Also halte ich mich an das, was ich bereits kenne: Hinsehen, genau hinsehen, was geschieht – ohne Bewertung, ohne Umerziehungsabsichten.

Kein Nest nirgends

Als ich vor vielen Jahren mal das Glück hatte, mehrere Monate in einem Toskanischen Bauernhaus verbringen zu können, schaute ich mir mangels Alternative auch alles sehr genau an. Damals war es ein Blick nach draußen: die Natur, das Wetter, die Pflanzen und Tiere, die Nachbarn und ihre Aktivitäten, die Anwohner und Touristen. Insbesondere die Insekten fand ich sehr interessant, wohl deshalb, weil mich manche davon erschreckten oder gar anekelten. Das gab sich im Lauf meiner Beobachtungen. Ich begann, sie zu bewundern, und auch, sie ein bisschen zu erforschen.

Da war etwa ein kleines Wespennest am oberen Ende eines Balkens, der am Zaun zwischen Wiese und Weg lehnte. Nachts, als die vielleicht dreißig Bewohnerinnen nicht mehr wild herum flogen sondern friedlich schliefen, löste ich das Nest vom Balken und legte es auf einen anderen Balken, einen guten Meter entfernt. Am Morgen sah ich dann, wie die Wespen ausflogen, aber nicht zurück fanden. Sie umschwirrten den ursprünglichen Balken, die Stelle, an der das Nest gehangen hatte und ich fragte mich, was sie dort wohl hinzog. Da war ja nichts mehr!

Lange sah ich ihnen zu. Ihre bewusstlose Automatenhaftigkeit irritierte mich, sie gefiel mir nicht. Ich spürte Bedauern, Mitgefühl – aber nicht so sehr für DIESE dreißig Wespen, die ihre Heimat verloren hatten, sondern für alle Wespen und Insekten, die ihren inneren Programmierungen folgen (müssen…), ohne den Schimmer einer Chance, zu erkennen, was wirklich los ist. Ohne jede Möglichkeit, zu lernen, das größere Ganze in den Blick zu nehmen und entsprechend zu handeln. Wie furchbar!

Kann ICH das denn? Erkenne ICH im Fall des Falles, dass „da kein Nest ist“, wenn ich mich zielstrebig und voller Verlangen in eine Richtung bewege, in die es mich zieht? Sehe ich, „dass da nichts mehr ist“, wenn ich zum Beispiel in Folge immer noch vorhandener psychischer Altlasten nach DIESEM strebe und JENES vermeide?

Es fühlt sich seltsam an, sich als eine solche Wespe zu erkennen. Wenn das innerste Verlangen nicht „Ich“ ist, sondern auch nur ein Programm, das ins Leere läuft – was dann? WER bin ich dann?

Jedenfalls bin ich sehr gespannt, ob dieses „Sehen“ etwas ändert! Kann ich aufhören, das Nest zu suchen, wo es keines mehr gibt? Vielleicht niemals eins gegeben hat?

Schau’n wir mal!

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Claudia am 01. Februar 2005 — Kommentare deaktiviert für Blicke nach draußen

Blicke nach draußen

Heimatstadt

Ich war 26, als ich Wiesbaden verließ und nach Berlin zog. Seither ein Besuch pro Jahr, manchmal weniger. Nichts zieht mich hin außer Mutter, Schwestern, Schwesterkinder. Ich besuche sie im Januar oder Dezember, jedoch niemals punktgenau zu Weihnachten.

Wiesbaden – Landeshauptstadt, Kurstadt, Spielbank, heiße Quellen, schon bei den Römern als Badeort beliebt. Es war eine reiche Stadt, ruhig, gemütlich, schick heraus geputzt, im Krieg nicht zerstört, denn dort wollten die Amerikaner wohnen. Nun sind sie schon ein paar Jahre weg und mit Wiesbaden geht es bergab.

Als ich aus dem Bahnhof trete und durch die Unterführung muss, staune ich über die Verwahrlosung. Sämtliche Rolltreppen außer Betrieb, abgesperrt, beschmiert – und zwar so, dass man sieht, dass daran seit Jahren nichts geändert wurde. Auch die Straßen wirken schmuddliger, Läden stehen leer, wo sich früher ein edles Antiquitätengeschäft ans nächste reihte. Fast hätte meine Schwester einen tollen Job bekommen, weil sie sich als Elternvertreterin so kundig für die Umgestaltung eines Spielplatzes engagiert hatte. „Machen Sie das doch bei allen Plätzen, die ich umgestalte!“, bot ihr die Architektin an. Doch da wurde nichts draus: Roland Koch, der Kanzler-Aspirant mit dem Ohrfeigengesicht hat sämtliche Bauvorhaben gestrichen. Statt dessen ringen die Stadtväter um das Abholzen der großen Platanen vor dem Kurhaus: Sie seien krank, heißt es, und deshalb müssten sie weg – und im übrigen passten sie nicht in die Sichtachsen des historischen Bau-Ensembles aus Theaterkollonaden und Spielbank, der Bereich werde aufwändig umgestaltet. Ich denke an Berlin, an den Streit um die Linden „unter den Linden“. Vorzeigestraßen neu gestalten, letztes Hobby der Stadtgestalter in Zeiten leerer Kassen. „Touristen zuerst!“ – das gilt nicht nur für Tsunami-verwüstete Länder, sondern ganz allgemein.

Zeitgeist

Mehr Religion, mehr Sicherheit durch Überwachung, Kampf den Rauchern, sexuelle „Treue“ als oberster Beziehungswert: das Klima in der Gesellschaft verändert sich drastisch. Bald werde ich die verschrobene Alte mit den komischen Ansichten aus den 70gern sein, doch seltsamerweise ficht mich das nicht an. Nicht mehr so, dass ich mich aufgerufen fühlte, daran etwas zu ändern, indem ich meinen Senf zu allem und jedem dazugebe, um mich zumindest am „Meinung machen“ zu beteiligen. Es ist nicht wichtig, was jemand meint, sondern was einer tut – und darüber wird eher wenig gesprochen. Ich merke es immer wieder, wenn ich z.B. mal in einer Mailingliste ganz unzensiert aus dem eigenen Erleben berichte, ohne das Gesagte in ein Meinungskorsett einzubinden, über das sich trefflich streiten ließe. Die einzig passende Antwort wäre innere Resonanz: Das, was durch einen Text „in den Sinn kommt“ ebenso frei und unkommentiert zeigen – aber wer will sich schon zeigen? Alle fühlen sich offenbar von Feinden umgeben und bemühen sich allenfalls, eine glitzernde, unangreifbare, weltkompatible Oberfläche zu zeigen, die auf dem „Markt“ bestehen kann.

Diesem Markt scheint es dennoch unrettbar schlecht zu gehen, die „Binnennachfrage“ springt nicht so richtig an, die Wirtschaft, an der unser immer noch vergleichsweise immenser Wohlstand hängt, lebt hauptsächlich vom Export. Doch inmitten der Kaufzurückhaltung leisten sich die Deutschen demonstrativ eine beispiellose Spendenwelle: endlich Geld ausgeben mit Sinn! Endlich etwas bewirken – und nicht immer nur verbrauchen!
Das stimmt mich milde: Zeitgeist hin oder her, so ganz lässt sich der Mensch doch nicht zum bloßen Rädchen im Getriebe degradieren, das nur noch Medien konsumiert und sich mit der kundig vergleichenden Auswahl von Produkten, Dienstleistungen und Tarifen befasst. Immer bleibt da ein Rest Unberechenbarkeit, eine wühlende Unzufriedenheit mit der eigenen gesellschaftlichen Stellung: im Produktionsprozess die letzte Instanz vor dem Mülleimer zu sein, reicht einfach nicht. Wir sind DOCH nicht ganz blöd!

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Claudia am 26. Januar 2005 — Kommentare deaktiviert für Neu: Das Lustgespinst

Neu: Das Lustgespinst

Nach längerer Pause stell ich Euch heute eine neue Website vor:

Lustgespinst – Szenen und Geschichten aus Lust und Leidenschaft

Es sind Texte aus dem Kurs „Erotisch schreiben“, die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für die Veröffentlichung frei gegeben wurden. Dabei muss es aber nicht bleiben: Wer mag, kann einen Beitrag einreichen – mehr dazu steht auf der Seite „Mitschreiben“.

Wer noch Fehler auf den Seiten findet: Ich bin immer für Hinweise dankbar!

Und jetzt bin ich erstmal bis Sonntag offline und besuche meine Mutter in Wiesbaden.

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Claudia am 25. Dezember 2004 — Kommentare deaktiviert für Lass dich weiterleiten!

Lass dich weiterleiten!

Nun sind sie da, die stillen Tage. An Weihnachten und Jahreswechselfesten nehme ich dieses Jahr in keiner Weise teil. Weder versammle ich „Jahresendzeitmuffel“ zum besinnlichen Schreiben, noch ist mir selbst danach zumute, weder öffentlich noch privat. Anstatt Texte über Sein und Selbst zu verfassen, genieße ich einfach diese Tage und Nächte, die so wunderbar „undefiniert“ sind, wenn man am allgemeinen Umtrieb keinen Anteil hat.

Da ihr aber nun schon mal gekommen seid, bereit, einen Text im Umfang von drei Din-A4-Seiten zu lesen (ja, sooooo LANG ist ein durchschnittlicher Diary-Eintrag!) und dafür fünf bis zehn Minuten Lebenszeit zu opfern, sollt ihr nicht ohne Alternativen bleiben.

Das wird jetzt aber NICHT die große, wohl sortierte Linkliste zu Freunden und Bekannten, sondern ich zeige hier nur ein paar Seiten, die ICH in diesen Tagen (mehr oder weniger zufällig) besuchte: Nachdenkliches, Unterhaltendes und Informatives, auch „bloß Nützliches“ kann vorkommen. Evtl. wächst die Liste noch bis Januar. Kommt drauf an, ob mich etwas anspricht und ob ich überhaupt Lust auf Surfen habe.

Warum Satsang cool ist – aus dem Tagebuch „Nicht“

Einträge „vom einfachen sprechen“ – Ulrikes Blog

Mit Firefox per Du – 11 Kapitel einer Browser-Freundschaft – (ich bin umgestiegen. Microsoft Explorer ade… )

Mit den Augen eines Freiers – Warum ich ins Bordell gehe

Männer und Sex(ualität) – Erotik im Geschlechterverhältnis – Dokumentation einer Tagung (75 Seiten PDF)

Ich wünsch‘ Euch allen das Beste! Nehmt’s mir nicht übel, dass ich keine Weihnachtsmails versende, ist nicht bös gemeint!

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Claudia am 17. November 2004 — Kommentare deaktiviert für Eis auf heißer Haut

Eis auf heißer Haut

Diesmal ist die Drehschranke ausgefallen und die Frau an der Kasse fordert dazu auf, das Plastikarmband trotzdem ans rote Lämpchen zu halten. Klar, der Saunagast muss ja einloggen ins System, das die Schrankschlösser und eventuell gespeichertes Geld verwaltet. Kleider sind hier nicht erlaubt, aber ohne Chip geht nichts.

Bei meinem ersten Besuch im Blub war gleich das ganze System ausgefallen. Die Leute saßen nackt auf den Bänkchen vor den Spinden und warteten. Mein Begleiter und ich setzten uns in voller Montur dazu, was sollten wir machen? Die Stimmung war erstaunlich gut, niemand ärgerte sich lautstark über die digital verriegelten Schränke, deren rotes Lämpchen nicht mehr zu grün wechseln wollte, Chip-Kontakt hin oder her. Ein Loch in der Zeit hatte sich aufgetan und alle nutzten es, um ein bisschen zu plaudern und miteinander zu scherzen. Sauna ist in manchen Momenten Utopia – echter Friede in Frottee-Handtüchern und Badelatschen.

Nach ca. zehn Minuten erschien ein nervöser junger Mann, der uns verkündete, der Server sei abgestürzt, aber der Admin sei nun gerade dabei, sich einzuloggen. Man werde sehen. Schweißperlen standen ihm auf der Stirn, aber nicht wegen der Raumtemperatur. Ein Fremdkörper in Verteidigungsbereitschaft, der nicht mitbekam, dass gerade kein Angriff drohte.

Nach dem Dampfbad, mit dem ich immer beginne, um der Lunge ein Reinigungserlebnis zu verschaffen, das sie dringend braucht, liege ich im verglasten Halbdunkel unter Palmen. Mein Körper arbeitet auf Hochtouren, um die lange nicht erlebten intensiven Reize zu verarbeiten. Überall angenehmes Prickeln, spürbar intensiver strömt das Blut durch kleinste, ansonsten wohl kaum mehr gekannte Äderchen. Den Atem fühle ich bis hinunter in den großen Zeh und wenn ich mich darauf konzentriere, kann ich überall ein sanftes Pulsieren spüren – ah, wozu noch denken?

Um mit dem Mitmenschen in Kontakt zu bleiben. Mein Begleiter beantwortet die nicht gestellte Frage, indem er das Wort erhebt. Wir sind zwei voneinander getrennte Wesen und können das Pulsieren, das Atmen und Strömen nicht gemeinsam spüren. Wenn ich also mit meiner Aufmerksamkeit in mein Erleben hinein gehe, entferne ich mich von ihm, bin seiner nicht mehr gewahr – und das erscheint als Sünde gegen den Geist des Miteinanders.

Träge fließen meine Gedanken dahin, ich höre zu, nicke, verstehe, merke dann plötzlich, dass mir ein Stück fehlt, muss wohl abgedriftet sein, egal. Atmen ist so schön, es fällt mir schwer, daneben noch etwas zu veranstalten. Vielleicht wär‘ ja ein Leben als Pflanze auch nicht übel.

Bis Mitte dreißig glaubte ich, man könne die Getrenntheit überwinden, indem man sich zusammen aufs Bett legt und fest umarmt. Also ganz oft ausprobiert, mit den unterschiedlichsten Mitmenschen in ebenso verschiedenen Beziehungsformen, mit und ohne Sex. Es klappt aber nicht, man macht sich höchstens etwas vor. Was im glücklichsten Fall stattfindet, ist genau dasselbe wie ohne Berührung: Man driftet ab in die eigenen Bestandteile, wird zur Zelle, zum Blutstropfen, zum Luftstrom in der Nasenhöhle, zur Hautoberfläche, zur sich hebenden und senkenden Brust. Berührung, einmal angenommen, sie sei optimale Resonanz, ohne den Schimmer eines Missklangs, verschmilzt nur einfach mit jenem Orchester sinnlicher Empfindungen, in das hinein ich mich auflöse. Ich verschwinde – egal, ob in Richtung vegetabiler Trance oder in Richtung Orgasmus: je mehr ich die Aufmerksamkeit von der Welt der Bedeutungen abziehe und mich ins Spüren des Daseins vertiefe, desto weniger ist da jemand, der noch jemand anderen treffen könnte. Man mag zusammen KOMMEN, aber man kommt dennoch nicht zusammen.

Irgendwie sind wir jetzt doch zusammen in die Blockhaussauna gekommen, fünf Minuten vor der vollen Stunde, dann beginnt nämlich der Aufguss. Wunderbar, mal wieder all diese vielfältig geformten Nackten zu sehen, echte Menschen, keine Werbeplakate. Gegenüber eine zierliche Asiatin mit so kleinen Brüsten, dass das Wort „Knospen“ mal wirklich passt. Neben ihr die schlanke Endzwanzigerin in vorgebeugter Haltung, auch ihre winzigen Erhebungen betrachte ich mit Staunen. Ich merke, warum ich hinschaue: wer weiß denn, wie lange so etwas noch zu sehen ist?! Mein Blick archiviert das Gesehene bereits für eine Zukunft gleichmäßig aufgeblasener Silikonbrüste, in der es wirklich Mut kostet, sich mit „abweichenden Formen“ überhaupt noch zu zeigen. Dabei werde ich das doch gar nicht mehr erleben – oder doch?

Ich hab‘ mir einen Schneeball aus zusammen gedrückten Eisbröckchen mitgebracht. Inmitten der glühenden Winde, die der Herr des Aufgusses mit einem großen Handtuch entfacht, nachdem er Wasser mit Melissen-Aroma auf die heißen Steine gekippt hat, kühle ich meine Haut mit Gefrorenem. Das ist zwar nicht Sauna-gerecht, denn nur trockene Haut kann richtig schwitzen, aber ich genieße es, will heute gar nicht die reine Lehre, das garantiert Gesunde und Förderliche, will nur spüren und genießen: Eis auf heißer Haut.

Der Mann vor dem Ofen gibt sich Mühe, gießt neu auf, wedelt durch die Luft, doch hält er das Tuch falsch, so dass ihm zwar die Anstrengung ins Gesicht geschrieben steht, aber kaum ein echter „Gluthauch“ entsteht. Ich vermisse Christian, den Meister der Elemente, der so unnachahmlich gelassen das Handtuch schwingt. Der es versteht, durch langsame Steigerung der Intensität die Anwesenden an ihre Grenze zu bringen, bis ein Aufstöhnen durch die Runde geht, wenn er kundig die Luft peitscht. Auf der dritten Etage, wo es sowieso am heißesten ist, glaubt man glatt, nun gleich zu verbrennen. Die Tür ist zu, das Schild „Achtung, Aufguss!“ verwehrt Neuen den Zutritt, und selbstverständlich wagt es niemand, inmitten des Rituals den Raum zu verlassen – ums verrecken nicht, denk ich mir manchmal, während ich mir das Handtuch über den Kopf ziehe, um mich ein wenig gegen das Schlimmste abzuschirmen. Warum tun wir uns das an, frag‘ ich mich, während ich zusammengeduckt den nächsten Gluthauch erwarte und Andere, die noch weit leidensbereiter sind, sogar aufstehen, um der heißen Luft eine größere Fläche zu bieten. Und warum bin ich jetzt mit dem Aufguss des „Ersatzmanns“ nicht zufrieden, wo doch alles so schön im locker erträglichen Wellness-Bereich bleibt?

Mein Eisball ist geschmolzen, den kleinen Rest lasse ich mir auf der Zunge zergehen. Ich genieße die konzentrierte Stille, die Abwesenheit jeglichen Geredes. Es genügt, zu fühlen, zu spüren, zu sehen. Jeder für sich, und doch alle zusammen, niemand will etwas vom Andern, denn das, was ist, reicht völlig aus – na ja fast! Wenn Christian das Handtuch geschwungen hätte….

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