Niemand schafft es, die geopolitische Lage so prägnant auf den Punkt zu bringen wie Markus Fugmann, Experte für historische Wirtschaftszyklen & globale Zusammenhänge. Seinen abgründigen Humor bekommt man allerdings nur in seinen Videos zur Situation mit, die er während der Woche zweimal täglich veröffentlicht. Dass er nicht allgemein als relevante Info-Quelle bekannt ist, liegt an seinem Fokus auf „die Märkte“, insbesondere die US-amerikanischen, was ihn für die Mehrheit hierzulande uninteressant macht, wenn nicht sogar dem „Reich des Bösen“ (Finanzkasino!) zuordnet. Aber keine Sorge, im folgenden Langzitat aus seinem aktuellsten Video zur Lage im Irankrieg werdet Ihr davon nichts lesen:
Lenin hat einmal den Satz gesagt: „Es gibt Jahrzehnte, in denen nichts passiert, und es gibt Wochen, in denen Jahrzehnte passieren.“ Wir befinden uns in genau diesen Wochen, denn das gesamte geopolitische Gefüge verschiebt sich – und zwar zu Ungunsten der Amerikaner. Am 25. Jahrestag von 9/11 sind die Amerikaner im Grunde als Supermacht erledigt. Das lässt sich an zwei Dingen festmachen:
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Erstens hat Donald Trump sich geweigert, Mohammed bin Salman – dem starken Mann Saudi-Arabiens – Hilfe zu leisten. Dieser hatte ihn zweimal angerufen, nachdem die Huthis die Kontrolle über den Zugang zum Roten Meer (Bab al-Mandab) erlangt und vor allem die Pipeline beschädigt hatten, die für die Saudis als Umgehung der gesperrten Straße von Hormus diente. Trump verweigerte die Hilfe mit der Begründung, sich vor den Zwischenwahlen nicht in eine solche Geschichte hineinziehen lassen zu wollen. Das ist ein klarer Bruch des sogenannten Petrodollar-Deals von 1974. Henry Kissinger schloss damals diesen Deal mit dem saudischen König: Wenn Öl gefördert wird, wird es ausschließlich in US-Dollar verkauft. Mit diesen Dollars kaufen die Saudis US-Staatsanleihen oder US-Aktien, während die Amerikaner im Gegenzug militärischen Schutz garantieren. Genau diesen Schutz verweigert Donald Trump nun.
- Zweitens: Weil die Amerikaner immer schwächer werden und die Golfstaaten erkennen, dass sie durch die USA nicht geschützt werden können (was der Iran-Krieg gezeigt hat), treffen sie sich am Montag direkt in Teheran.
Wie ich mittlerweile in den Nachrichten gehört habe, sind immerhin ein paar „militärische Berater“ bei den Saudis aktiv, wobei aber Wert darauf gelegt wird, dass diese in keiner Weise ins kriegerische Geschehen eingreifen. Die Huthies sind drauf und dran, die Ausweichroute über die Meerenge zum Roten Meer unter ihre Kontrolle zu bekommen. Saudischen Schiffen verbieten sie die Durchfahrt und deren Pipeline durch die Wüste haben sie mit Drohnen beschossen, so dass sie abgestellt werden musste.
Ich mag mir garnicht ausmalen, was das für eine Umweltverschmutzung ergeben hat! Kilometerweit konnten Satelliten dichte Rauchwolken über der Wüste erkennen, durch die Treffer wurden Menschen verletzt und Ruß, CO₂ und giftige Verbrennungsprodukten frei gesetzt. Auch das Beschießen und Versenken von Tankschiffen (US-Vergeltung wg. iranischer Angriffe auf Kriegsschiffe) geht gewiss nicht ohne massive Umweltschäden ab – aber darüber hören wir keine Berichte!
Ich fahre Fahrrad, was interessiert mich Saudisches Öl?
Ja, eigentlich könnte man doch denken: Prima, Benzin und Diesel werden immer teuer (jetzt plus 7 und 9 Cent pro Liter), also wird der Autoverkehr abnehmen – gut für die Umwelt! Allerdings führt das auch zu immer mehr Preissteigerungen bei allen Gütern, denn diese werden ja mehrheitlich in Diesel-Lastern geliefert. Und der Volkszorn, der sich bei jedem Tanken steigert, den weiß die AFD zu kanalisieren: Die Preise seien politisch bedingt, sie fordert „Tankrabatt“ durch Verzicht auf Steuern und Erhöhung der Pendlerpauschale, was zwar die Autofahrer entlasten, aber Milliardenlöcher in den eh schon klammen Staatshaushalt reißen würde. Geld, das z.B. beim Erhalt von Straßen, Brücken und dem Ausbau der teils maroden Infrastruktur fehlen würde. Und na klar, man soll wieder russisches Gas und Öl beziehen…
Zum Schluss was Positives? Gibts: Positive Kipppunkte: Exeter-Report kürt sauberen Strom zum stärksten Hebel
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Und sonst:
- Die Akte Zappelstrom: Reichen Wind und Sonne für Deutschland? (Quarks)
- Ethisches Hacken: Raus aus der Grauzone (Netzpolitik)
- Wie wollen wir weitermachen? (Horst Schulte)
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2 Kommentare zu „Warum mich saudisches Öl eben doch interessiert (obwohl ich Fahrrad fahre)“.