Claudia am 15. Juli 2026 — 1 Kommentar

Von der KI-Blase zur Finanzkrise?

Gilbert von Geist & Gegenwart brachte die Dinge kürzlich in einem Kommentar in wenigen Sätzen auf den Punkt:

„“Das Schlimmste aber ist „Bad Credit“ wie bei der Dot-com
oder Housing-Bubble: Die gesamte Infrastruktur (Rechenzentren,
Spezialchips und Stromversorgung) wird mit gigantischen Krediten
aufgebaut. Diese Investitionen beruhen auf der Annahme, dass
die Nachfrage nach KI-Diensten exponentiell wächst und die
Anbieter irgendwann hohe Gewinne erzielen. Das wird nichts…
Aber ein Glück finanzieren wir Anleger diese Bubble
an der Börse.

Es wird keinen plötzlichen technologischen Zusammenbruch geben, sondern eine finanzielle Korrektur. Erste Anzeichen wären Kreditausfälle, gescheiterte Rechenzentrumsprojekte oder Unternehmen, die ihre Schulden nicht mehr bedienen können. Nicht die Technologie selbst wird scheitern,
aber die Wette darauf, dass sie in kurzer Zeit Billionen
an neuem wirtschaftlichem Wert schafft, erweist sich als
unfinanzierbar. Dot-com.“

Nun, es gibt derzeit beängstigendere Entwicklungen auf dem Planeten als das lange schon vorausgesagte Platzen der KI-Blase, könnte man denken. Trump eskaliert den von ihm angerichteten IRAN-Konflikt zum massiven Krieg, er kündigt die Zerstörung der Kraftwerke und Brücken im Iran an, wobei die Iranischen Revolutionsgarden für diesen Fall schon seit April mit der Bombardierung der Pipelines und anderer Infrastruktur der Golfstaaten drohen, was eine größere und langwierigere Krise der Energieversorgung vieler Staaten bedeuten würde. (Mehr dazu: Iran-Eskalation – der Weg in den Energie-Schock Video).

Dass dies alles doch auch ganz wesentlich mit „den Märkten“ zusammenhängt, konnte man in den letzten Monaten gut beobachten: Immer wenn es so aussah, als werde es nichts mit den Verhandlungen, gingen die Aktienkurse runter, dann machte Trump ein paar beruhigende Srüche und es ging wieder rauf – es ging sogar immer weniger runter, aber mehr rauf: eine Art Gewöhnungseffekt nach dem Motto: ist doch egal, was da Schlimmes passiert, solange die Unternehmen Geld verdienen, interessiert uns das nicht!

Mittlerweile bewirkt auch eine heftige Eskalation kaum mehr als eine kurze Delle! Trump meint also, er könne jetzt voll durchstarten, ohne dass das seiner Peergroup schadet, deren Bereicherung sowieso das einzige zu sein scheint, was ihm am Herzen liegt. Außer natürlich selbst stets der Allergrößte zu sein!

Von „ersten Anzeichen“ des Crashs zur nächsten Finanzkrise

Die von Gilbert genannten „ersten Anzeichen“ sind bereits teilweise verwirklicht: Allein in den USA wurden im ersten Halbjahr 2026 über 75 geplante Mega-Rechenzentren durch Bürgerinitiativen oder behördliche Moratorien blockiert oder verschoben. Lieferengpässe, überlastete Stromnetze, Jahre lange Wartezeiten auf Anschlüsse, neue Kraftwerke und unverzichtbare Netzelemente bilden einen „physischen Flaschenhals“ für die KI-Infrastruktur, der jegliche Hoffnungen auf schnelle Renditen konterkariert. (eine Übersicht dazu hier)

Die Geldgeber werden zwangsläufig misstrauischer! Nicht nur, weil es vielleicht viel länger dauert bis zum „Return on invest“, sondern auch, weil nichts darauf hindeutet, dass die Giganten jemals mit ihren KIs genügend Geld verdienen. Grade erst hat OpenAI (ChatGPT) seine Token-Preise halbiert, was Anthropic (Claude) wohl zwingen wird, nachzuziehen. Auf Unternehmensebene ist man ebenfalls noch sehr weit davon entfernt, wirklich Produktivitätsgewinne durch KI realisieren zu können – eher mehren sich die Bedenken, der KI die eigenen Geschäftsgeheimnisse anzuvertrauen. Hat man Pech, sind sie nächstens Konkurrenten (so berichtet im Fall Claude Design).

Nun ja, dann haben die Besitzer von Aktien und Anleihen der KI-Giganten eben Verluste. Muss uns das interressieren? Offenbar schon, denn weltweit halten Banken und private Institutionen Kredite, Anleihen und Aktien dieser Firmen. Genau wie bei der Subprime-Krise sitzen sie, wenn die Stimmung kippt, auf einem Berg leidender Kredite und Verlierer-Aktien, was genau wie 2007/2008 heftige Folgen haben wird. Die Älteren erinnern sich vielleicht:, wie Merkel und Steinbrück vor die Presse tragen, um zu versichern, dass die Konten der Kleinsparer nicht gefährdet seien (was damals Hoffnung war, nicht echte Sicherheit).

Kurzer Ausflug an die Börse

Weil das ganze Geschehen derart komplex ist, dass es einen Blogpost bei weitem sprengt, habe ich GEMINI beauftragt, die Frage zu beantworten: „Wie könnte aus dem Platzen der KI-Blase eine neue Finanzkrise entstehen?“ – mit einer Nachfrage aus der Sicht einer Euopäerin, die keine KI-Aktien besitzt. Genauer gesagt NICHT MEHR! Denn ca. ein halbes Jahr war ich tatsächlich aktiv, habe ein bisschen rumspekuliert und ein bisschen Plus gemacht. Einen „langen Anlagehorizont“ hatte ich ja nicht mehr, und „Buy and Hold“ soll heutzutage ja sowieso tot sein. Im Mai bekam ich allerdings kalte Füße angesichts der Problematik rund um die KI-Giganten, an denen auch große Teile der Wirtschaft hängen. Zudem bemerkte ich die Irrationalität des Geschehens, sodass ich meine wenigen Ersparnisse lieber wieder auf einem Tagesgeldkonto parkte. Vor ein paar Tagen dann nochmal einen ETF „Developed Europe“ gekauft, 10 Stück für ca. 500,-  den kann ich grade noch gut verkraften ohne Verlustängste zu schieben!

Geblieben ist mir das Interesse am Börsengeschehen, das so sehr viel mehr mit dem großen Rest der Welt zu tun hat, als ich in jüngeren Jahren geglaubt hatte. Drauf gebracht hat mich Trump, der mit seinen Zöllen 2025 einen kleinen Crash verursachte, dann zurück ruderte und schon gab es die „Erholung“. In der Folgezeit lernte ich eine Menge über Börse, Finanzen und Wirtschaft – und über die Verrücktheit, dass es an der Börse nicht wirklich um die Zahlen und Werte der Unternehmen geht, sondern um die Erwartungen für deren Zukunft. Die je nach Lage der Dinge von einem Tag zum anderen krass anders aussehen können, ganz egal, ob das vernünftige Annahmen sind, die da rumgereicht werden, oder nicht. Gefühle, Angst, Gier, Herdentrieb, Psychologie – nicht etwa „Fundamentaldaten“ beherrschen das Geschen. Und immer wieder gibt es diese Blasen mit anschließender Finanzkrise, weil eine neue Generation von Investoren und Tradern aktiv sind, die die Schmerzen des letzten Zusammenbruchs nicht bewusst erlebt haben.

Na, jetzt reicht es aber! So richtig passt das alles nicht in einen Blogpost, aber es hat mich zum Schreiben gedrängt, weil es mich nun mal bewegt!

 

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Diskussion

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Ein Kommentar zu „Von der KI-Blase zur Finanzkrise?“.

  1. Ja, die Börse ist in der Tat ein interessantes „Wettunternehmen“. Neulich las ich auf Politico (Vorsicht, inzwischen Axel Springer ;) , dass der neueste Analystenjob der Börsianer in den USA nur noch darin besteht, Trump zu interpretieren. Das ist gefährlich, aber sagt viel über die Entkoppelung von Börse und tatsächlichen wirtschaftlichen Kennzahlen aus, die du ja oben auch thematisierst. Die ganze Gang rund um DJT ist ein einziger Insider-Trade-Mob. Aber das ist ein anderes Thema.

    Ich will noch zwei Punkte kurz rausgreifen: 1) Ich sage immer gern „wir Anleger“, selbst wenn ich weiß, dass das private Anlegen in Deutschland eher zu selten geschieht. Aber wir hängen strukturell alle mit drin, dazu braucht es nicht erst die kapitalgedeckte Rente in der Zukunft. Wenn die kommt, dann wird es wirklich für jeden wichtig, was an der Börse passiert. In den USA ist die Börse tatsächlich meistens die Alterssicherung (401K) der Leute.

    2) Hinsichtlich Data Centers, die jetzt gebaut werden, kommt zu dem, was oben schon besprochen wird und was auch Stephan Kaufmann schreibt, noch ein wichtiger Aspekt hinzu: Man denkt ja immer, na bauen wir erst mal ein Data Center und wenn das 2026 nicht genutzt wird, dann spätestens 27 oder 28, wenn der industrielle KI Boom sich verspätet. Das geht aber so einfach gar nicht, denn die Chips unterliegen nicht nur Ausfuhberschränkungen, sondern auch ganz krassen Innovationszyklen. Dass heißt, die teuren Datacenter mit ihren heute hochmodernen und teuren Chips, werden in kurzer Zeit nahezu wertlos, wenn sie nicht genutzt und kontinuierlich upgegradet werden. Diese Investitionen der Anleger werden also nie amortisiert, sondern versenkt. Umso krasser und verständlicher, dass Nvidia heute anderen Firmen den Kauf der selbst hergestellten Chips finanziert.

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