Claudia am 26. Mai 2015 — 2 Kommentare

Bereinigte Filter-Bubbles – hilfsweise gebloggt wg. unüberwindlichem Captcha

Vielleicht bin ich ja neuerdings blinder als bisher, wenn ich auch – versehen mit einer funktionierenden Brille – normalerweise die allermeisten Bildschirminhalte klar erkennen kann. Captchas, diese verwitterten Zeichen, durch deren Lesen und Eintippen man beweist, dass ein Mensch und kein Programm kommentieren will, schaffe ich in der Regel gleich oder mindestens beim zweiten oder dritten Mal. Nicht so heute auf „Haltungsturnen“, wo ich sehr gerne kommentiert hätte, denn das ganze Posting „Ein Lob der Filterblase“ bezieht sich auf einen Tweet, den ich gestern Abend über Twitter schickte:

tweet

Natürlich wollte ich den Artikel kommentieren, tippte meinen Kommentar ein und probierte das Captcha: einmal, zweimal, dreimal, sechs mal… zwischen den Versuchen ließ ich mir mehrfach ein neues anzeigen, um eines zu finden, das wenigstens halbwegs erkennbar war. Aber nix! Hier ein paar Beispiele:

Captchas

Regelmäßig scheiterte ich offensichtlich an der Unterscheidung der Buchstaben r,m,n und u.
Zum allerersten Mal im Leben hörte ich mir also das AUDIO-File an, das für Sehbehinderte eine Alternative darstellen soll. Aber das verrauschte Geraune, das da zu hören ist, ist noch weit weniger erkennbar als die Buchstaben. Wolfgang kann nichts dafür, so ein Captcha haben viele und vermutlich hört sich fast niemand dieses Audio-File mal an. Es ist jedenfalls mehr Verhöhnung jener, die womöglich darauf angewiesen sind, als Hilfe! Ich hätte eine glasklare Stimme erwartet, die die Buchstaben einzeln gut betont ausspricht – und nicht den idiotischen Versuch, das Captcha „nachzusprechen“!

Genug davon, ich bin also gescheitert und konnte nicht kommentieren. Deshalb nun hier meine Antwort auf den Artikel, in dem Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach Sinn und Nutzen der Filterblasen beschreibt.

ClaudiaBerlin hat gesagt…

Wow, freut mich, dass mein launiger Tweet einen ganzen Blogpost inspiriert hat!

Normalerweise poste ich auf Twitter fast nur Links zu anderen Medien-Inhalten – 140 Zeichen sind mir einfach zu wenig, für nahezu alles. Obiger Tweet hat Hintergründe, die dort gar nicht vermittelbar sind, zu aufwändig einerseits, zu banal andrerseits.

Für mich sind soziale Medien (Twitter, FB, G+…) und auch Blogs Öffentlichkeit, kein Austauschmedium „mit Freunden“. Natürlich sammeln sich in einer Blog-Stammleserschaft oder auch unter Twitter-Followern/FB-Freunden durchaus etliche Leute, die mir insgesamt näher stehen als komplett Fremde. Sie sind aber immer eine Minderheit, die meisten kenne ich nicht, die meine Postings verfolgen. Deshalb äußere ich mich in aller Regel auch im Bewusstsein, „an XYZ“ bzw. „an alle“ zu senden.

Je weniger „potenziell öffentlich“ die Kommunikation auf einer Plattform ist, desto uninteressanter wird sie für mich.

Warum? Weil mein Bloggen, weiter Melden und Teilen für mich alltagspolitisches Handeln ist. Ich möchte von mir für gut & richtig befundenen Ideen, Sichtweisen, Bewertungen zu mehr Verbreitung verhelfen und sie auch gerne im Detail und in der Tiefe diskutieren. Auch bloß „mögliche Sichtweisen“, die ich interessant und diskussionswürdig finde, ohne dazu schon eine feste Meinung zu haben, poste ich gelegentlich weiter.

So richtig Sinn hat das natürlich nur, wenn man nicht nur mit Menschen „diskutiert“, die sowieso derselben Meinung sind. Was ich erlebe, ist jedoch ein Abschotten und Ausgrenzen von Menschen mit konträren Meinungen – quer durch die verschiedensten Medien.

Gefühlt gibt es (in ganz unterschiedlichen Szenen) jede Menge Blogs, die anscheinend durchweg Kommentare nicht frei schalten, die auch nur ein wenig abweichen bzw. minimale Kritik am Posting-Inhalt üben. So eine „Kommenardiskussion“ wirkt dann wie reines Beifall klatschen bzw. es werden Beispiele und Erlebnisse gepostet, die die Thesen des Bloggers/der Bloggerin bestätigen.
Wie arm! Wie wenig konstruktiv! Als „Sinn“ mag übrig bleiben, dass die Publisher sich wohl fühlen im warmen Strom der Zustimmung. Von außen verstärkt sich der Eindruck: da brauch ich gar nicht erst kommentieren…

Auf Twitter geht das alles schneller und kürzer ab. Und missverständlicher. Es passiert, dass Leute Tweets als irgendwie feindselig empfinden, die völlig anders gemeint sind – und schon wird geblockt. Aber auch das Blocken wg. „anderer Meinung“ ist offenbar sehr üblich – deine Erläuterung des Sinns lässt mich schließen, dass es heute evtl, vielen an realen Gesprächen im kleinen Kreis mangelt, wo sich Meinung erst bildet (unüberwacht, unarchiviert) und man versucht, so etwas durch eine „Bubble“ zu simulieren.

Meine Sorge ist, dass sich Menschen immer mehr in unterschiedlichen Filter-Bubbles voneinander abgrenzen und schon strukturell gar nicht mehr über die Themen des Gemeinwohls (kontrovers!) diskutiert werden kann.
Die Art und Weise, wie es dann oft abgeht, wenn doch mal Kontroverse abläuft, lässt mich begreifen, warum kürzlich laut einer Umfrage 75% der Befragten das Schulfach „Benimm“ sinnvoll fänden.

Mich deprimiert das gelegentlich – und das hab ich in dem Tweet eben mal raus gelassen! :-)

Ein weites Feld – evtl. werd‘ ich mal wieder drüber bloggen…

Diskussion

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2 Kommentare zu „Bereinigte Filter-Bubbles – hilfsweise gebloggt wg. unüberwindlichem Captcha“.

  1. Liebe Claudia
    Deinen Ärger kann ich voll und ganz verstehen,auch ich bin oft an solchen Hürden gescheitert und jedes Mal ärgere ich mich. Die Idee sich auf diese Weise, etwas Luft zu verschaffen, finde ich eine gute Lösung und muss ich bei Bedarf übernehmen. Blogs wo ich nicht frei kommentieren kann, bekommen auch keine Besuche mehr von mir und werden in meinen Follower Listen gestrichen.
    Liebe Grüsse zentao

  2. Hier eine etwas andere Sicht der Dinge:

    Es kann ein wenig lauter werden – über das Diskutieren im Netz.

    .

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