Claudia am 01. Juli 2000 — Kommentare deaktiviert für Keine Zeit?

Keine Zeit?

Wie eine Lottokugel-Mischmaschine schüttelt das wachsende Netz uns durch, wirft alles durcheinander, kehrt das unterste zuoberst und spukt die Menschen in zwei Richtungen wieder aus: Ab an die Front der New Economy, wo mensch niemals mehr fragen muß „Was tun?“ – oder auf die Halde der Nicht- oder Noch-nicht-Kompatiblen: Allenfalls als Konsument zu gebrauchen, Versorgung staatlich zu regeln. Weiter → (Keine Zeit?)

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Claudia am 30. Juni 2000 — Kommentare deaktiviert für Consumed

Consumed

„Du suchst Musik, die dich berührt?“ hatte er gefragt. Ja, und ich bin es lange schon satt, mir für’s „berührt werden“ zehn bis 25 Jahre abgehangene Oldies anhören zu müssen. Sentimentale Besuche in den Sound-Museen der eigenen Vergangenheit langweilen mich. Selbst wenn ich niemals davon loskomme, wie ein Automat auf Stücke wie „I ‚ve got life“ (aus dem Musical „Hair“) oder „Avalance“ von Leonard Cohen mit einchlägigen Gefühlen zu reagieren, ödet es mich doch schon an, während es geschieht. Also lebe ich seit den Zeiten der neuen deutschen Welle mangels Alternative in musikalischer Stille. Weiter → (Consumed)

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Claudia am 28. Juni 2000 — Kommentare deaktiviert für Mensch: ein Raubtier?

Mensch: ein Raubtier?

Connie schrieb zum gestrigen Diary-Eintrag, in dem ich die Abschaffung der gesellschaftlichen Formen und Rituale bedauerte:

„Tja, das ist ein Punkt, an dem ich herumzuknapsen habe und der mich sehr beschäftigt. Wir wollten die Höflichkeitsfloskeln und das Verlogene dabei abschaffen und nun stellen wir (oder zumindest ich) fest, daß dabei die Höflichkeit selbst, nämlich der Respekt vor dem Anderen, vor der Würde und der Einmaligkeit des Anderen, vor der Unverletzlichkeit des Anderen, wenn er vielleicht gerade einmal schwach ist, auf der Strecke geblieben ist. Aus dem Muff, der unter den Talaren steckte oder in der Gesellschaft herrschte, ist ein obszönes, aggressives Klima, angeheizt von RTL und Konsorten, geworden und deren Einfluß auf die Befindlichkeit der Menschen erscheint mir fast noch gefährlicher und heftiger als der Einfluß des guten alten Axel Springer damals… Ist dieser Raubtier-Charakter, der sich überall zeigt, das WAHRE, das ECHTE? Dann Gute Nacht!“

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Claudia am 28. Juni 2000 — Kommentare deaktiviert für Draussen sein

Draussen sein

Je länger ich in den Netzen lebe, desto mehr geraten Ausflüge ins „Real Life“, gelegentliche Bewegungen durch den physischen Raum zu Besuchszwecken, zu Expeditionen in eine seltsame Anderwelt. Dabei wächst einerseits meine Wertschätzung nicht-medial vermittelter menschlicher Kontakte: Sich ungeschützt und ohne Wahl jenseits jeder Notwendigkeit zu begegnen, ist alleine schon ein Ereignis, das zum feiern einlädt. Man liefert sich freiwillig einer Situation aus, die nicht jederzeit „gecancelt“ werden kann, wie all die Dinge, die ich täglich am Bildschirm herbei und wieder weg-klicke. Das allein ist schon eine Liebeserklärung an den Mitmenschen, allerdings eine, die nur von denjenigen verstanden wird, die ihre Tage lange schon aus freien Stücken im kühlen Schein der Monitore verbringen. Weiter → (Draussen sein)

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Claudia am 23. Juni 2000 — Kommentare deaktiviert für Weniger werden

Weniger werden

Seit Anfang Mai bin ich schwer geschrumpft: Sieben Kilo weniger trage ich mit mir herum. Das ist eine ganze Menge, man stelle sich das mal in Form von Briketts vor! Manchmal gehe ich herum, springe ein bißchen auf und nieder und wundere mich, wie LEICHT sich das auf einmal anfühlt. Weiter → (Weniger werden)

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Claudia am 22. Juni 2000 — Kommentare deaktiviert für Wollen & Können

Wollen & Können

„Reiss Dich zusammen!“, ermahnte mich meine Mutter vor vielen Jahren, wenn ich ihr wütend erzählte, warum der Deutschunterricht völlig öde, der Lehrer doof und die aufgegebene Hausarbeit wirklich DAS LETZTE sei. Ihre Worte waren in den Wind gesprochen, „zusammenreissen“ war definitiv nicht mein Ding, ich sah es einfach nicht ein, absurde Aufgaben erledigen zu sollen, weil sie der Lehrplan nun mal forderte. Statt dessen versammelte ich den Unmut der ganzen Klasse und gemeinsam brachten wir unsere Kritik zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort vor – ach ja, wir waren kein Spaß für die damaligen Lehrer, es war Anfang der 70ger und ihre „Macht“ seit ’68 deutlich geschrumpft. Weiter → (Wollen & Können)

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Claudia am 21. Juni 2000 — Kommentare deaktiviert für Menschen züchten – aber wohin?

Menschen züchten – aber wohin?

Als im letzten Jahr Peter Sloterdijk in seinen „Regeln für den Menschenpark“ vorschlug, zumindest einmal darüber nachzudenken, inwiefern die künftigen Errungenschaften der Gentechnologie zur Veränderung der Menschen genutzt oder nicht genutzt werden sollten, war die Freude groß. Endlich mal wieder ein richtiger, ein GEISTVOLLER Skandal! Die Sache wurde monatelang durch die verschiedenen Medien gezogen, der Schlagabtausch zwischen Sloterdijk und Habermas unterhielt die Leser aufs Beste. Seit Botho Strauss‘ „anschwellendem Bocksgesang“ hatte es so eine fetzige Kontroverse nicht mehr gegeben. Weiter → (Menschen züchten – aber wohin?)

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