Claudia am 07. Oktober 2000 — Kommentare deaktiviert für Alt werden II

Alt werden II

Wie sehr mich doch so eine kurze Tour wie der 3-tägige Berlin-Trip aus der Spur bringen kann! Ich brauche immer einen vollen Tag, um anzukommen, erst der darauffolgende Tag ist wieder halbwegs normal. Früher war das anders: mit zwanzig, dreissig hatte ich noch gar nichts „Eigenes“, lebte auch zuhause, als wäre ich auf einer Reise, immer unterwegs, immer unter Leuten, ununterbrochen redend, denkend, wünschend und planend. Alle Energie drückte nach außen, ließ mich in die Welt wachsen. Umgekehrt spürte ich nur wenig, fast nichts. Da mußte schon ein richtiges Drama kommen, oder ein Unfall, eine Krankheit, bevor ich mich mal mir selber zuwendete. Oder ich probierte es mit Drogen, die verläßlich das Bewußtsein veränderten, möglichst spektakulär, möglichst heftig, alleine vermochte ich nichts anzufangen mit den langweilig scheinenden Eindrücken des Real Life. Weiter → (Alt werden II)

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Claudia am 01. Oktober 2000 — Kommentare deaktiviert für Unbekümmertes Dasein

Unbekümmertes Dasein

Wieder beginnt ein Tag, der mich nach draußen ziehen wird, schön, warm, sonnig, mit dieser Melancholie des Herbstes. Wenn ich meine Untätigkeit der letzten Zeit betrachte, hoffe ich auf schlechteres Wetter, Arbeitswetter, draussen alles neblig, dunkel, trüb, kalt und naß, so dass es das Selbstverständlichste ist, im Virtuellen und Symbolischen zu leben. Weiter → (Unbekümmertes Dasein)

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Claudia am 30. September 2000 — Kommentare deaktiviert für Blick in den Kindergarten

Blick in den Kindergarten

Fernsehen macht träge und dumm. Gestern geisterte so eine „wissenschaftliche“ Untersuchung durch die Medien, in der mit aller Banalität festgestellt wurde, dass längeres Sitzen vor der Glotze aufgrund des Bewegungsmangels zu Trägheit und Fettleibigkeit führt – wie das „dumm“ begründet wurde, daran erinnere ich mich nicht, bzw. nur ganz dunkel: TV-Gucker lesen weniger – oder so… Weiter → (Blick in den Kindergarten)

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Claudia am 28. September 2000 — Kommentare deaktiviert für Wer schreibt?

Wer schreibt?

Bin ich wirklich die „Autorin“ meiner Texte? Gestern zum Beispiel hab‘ ich mit dem Schreiben begonnen, ein Satz ergab den anderen – genau wie jetzt. VORHER habe ich keinen Plan, allenfalls einen Eindruck aus dem Augenblick, ein Gedanke kommt vorbei, und noch einer und noch einer – ich spüre nicht, dass ich etwas tue, von dem ich sagen könnte: DAS ist meine Arbeit als Schreiberin, hier wähle ich aus, da prüfe und verwerfe ich, das hier halte ich für wahr und schreibe es deshalb hin, das andere habe ich abgelehnt, es kommt mir nicht in den Editor… Je mehr ich mich in dieses Rätsel versenke, desto verrückter kommt es mir vor. Dann denke ich an die Leser, Himmel nochmal, das ist dann ein Einbruch, eine Hemmung, der Fluß stoppt, denn ich fühle MICH gefordert und offensichtlich kann ich sowas wie „mich“ nicht bieten, gar nicht auffinden, es ist nur eine Gewohnheit, zur Schreiberin ICH zu sagen, aber was heisst das schon? Weiter → (Wer schreibt?)

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Claudia am 27. September 2000 — Kommentare deaktiviert für Die Magie der Texte

Die Magie der Texte

Wenn ich mir die Texte der letzten Tage so durchlese, wirken sie wie eine Art beschleunigtes Altern: Keine Motivation, Überdruss, auch Traurigkeit. Das ist der HERBST, das Sterben der Natur, von dem ich nicht unabhängig bin, hier draussen noch viel weniger als in der Stadt. Weiter → (Die Magie der Texte)

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Claudia am 26. September 2000 — Kommentare deaktiviert für Alt werden

Alt werden

Mit Mitte 40 redet sie vom Alter? Vielleicht hat sich mancher gewundert, als ich gestern schrieb: „Vielleicht bin ich endlich zu alt, um über Alternativen zu grübeln…“. Doch ich meine es schon ernst, jedenfalls ernst genug für ein längeres Gedankenspiel. Weiter → (Alt werden)

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Claudia am 25. September 2000 — Kommentare deaktiviert für Kein Ärger mehr

Kein Ärger mehr

Auf der Insel Poel vor der Wismarer Bucht. Abgeerntete Felder, teilweise schon wieder mit einem Hauch von frischem Grün. Als ich noch in der Stadt wohnte, glaubte ich, die Erde wäre über den ganzen Herbst und Winter braun und schwarz. Vielleicht war sie das, früher einmal, in den Kinderbüchern. Ostsee Ende September, der Himmel weit und nahtlos blau, ein paar ältere Ausflügler beleben die verlassenen Ferienanlagen, überall wird gebaut: „Hier entstehen 67 Ferienwohnungen, z.B. 45 Quadratmeter, 185.000,–.“ Weiter → (Kein Ärger mehr)

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Claudia am 22. September 2000 — Kommentare deaktiviert für Input? Nein danke.

Input? Nein danke.

Vielleicht sollte ich aufhören, Zeitungen zu lesen. Nicht Internet-World, da kann man was Nützliches lernen, aber zum Beispiel DIE ZEIT und alles, was die Anmutung verbreitet, von einem großen WIR zu erzählen. Das große WIR existiert natürlich nicht, es wird durch das „Reden über“ Unvereinbarkeiten, unterschiedliche Meinungen, Interessen, Tabus und deren Verletzungen konstruiert. Hoeullebec fordert, die Alten zu töten, um den Tod unsichtbar zu machen, und sagt gleich dazu, dass er ja alles sagen darf, weil er in Mode ist. Madonna kann sich als letzte „modellbildende“ Pop-Ikone erlauben, eine CD einfach „Music“ zu nennen, Glückwunsch. Das neueste Retortenbaby soll dem kranken Bruder Knochenmark spenden – darf es das? Ein Bürgerrecht auf billiges Bezin gibt es – natürlich! – nicht und Shakespeare ist immer noch ein Thema, trotz Zlatko. Allerlei Leute müssen hier oder dort abtreten, andere erscheinen im Rampenlicht und erklimmen die Schleudersitze. Alles geht seinen Gang, von Woche zu Woche, und irgendwie werde ich von alledem nicht mehr angeregt, sondern müde. Unendlich müde. Weiter → (Input? Nein danke.)

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