Claudia am 20. November 2000 — Kommentare deaktiviert für Nichtrauchen heisst umdenken

Nichtrauchen heisst umdenken

Der Mensch ist eine Ganzheit aus Geist, Körper und Psyche. Ob man es als Konglomerat verschiedener Wesenheiten betrachtet oder als Aspekte derselben Sache, ist eine Diskussion, die im realen Leben kaum je Bedeutung gewinnt. Auch beim Rauchen, bzw. den Versuchen, davon loszukommen, ist es recht egal, ob ich Materialist oder Pneumatikerin bin: die Sucht macht keinen Unterschied.

Das Loskommen vom Rauchen bietet jedenfalls ein weites und interessantes Versuchsfeld, um das Zusammenspiel der Aspekte Denken, Fühlen und körperliches Empfinden an sich selbst zu beobachten; im Ernstfall, nicht in der Theorie. Ich glaube sogar, dass diejenigen wenig Chancen haben, von den Kippen frei zu werden, die so ein Hinsehen vermeiden wollen und glauben, Rauchen (oder Sucht ganz allgemein) sei eine Art Krankheit und mit Hilfe eines Medikaments oder anderen stofflichen Inputs wegzubekommen.

WER wird rückfällig? Aus einer beliebigen Gruppe ehemaliger Raucher würde ich diejenigen benennen, die von „den Schönheiten der EINEN Zigarette nach dem Essen“ schwärmen oder vom Genuß, den es immerhin gelegentlich gebracht hätte, von der Entspannung bei Nervosität, etc. – die ganze Arie vom Rauchen, die nur Raucher herunterbeten und wer so denkt, ist nun mal Raucher und kein Nichtraucher. Um Nichtraucher zu werden, muss man UMDENKEN. Ansonsten ist das „Umhandeln“ einfach nicht von Dauer – eigentlich klar, oder?

Immer wenn eine Zigarette meine Aufmerksamkeit gewinnt – als Anblick im Aussen oder als inneres Bild – dann müssen die Gedanken an all die vollen Aschenbecher kommen, an die verstopften Bronchien, die beim Atmen hörbar mitpfeifen, an die verqualmten Zimmer und den abgestandenen Rauch, der sich in alle Textilien setzt und einfach nur fürchterlich stinkt. Auch die Gedanken an das elend viele Geld, an die Schlaffheit und Trägheit schaden nicht, genau wie die Erinnerungen an die Unfreiheit: Ohne Zigaretten kann man sich als Raucher NIRGENDS wohl und zufrieden fühlen. Vor allem aber muss im Bewusstsein stehen, dass es DIE EINE Zigarette nicht gibt (sie schmeckt einfach nicht), sondern dass man sich ja erst „einrauchen“ muss, um an der jeweils nächsten Zigarette „Freude“ zu haben: Weil sie den Entzug lindert, der durch das schnell schwindende Nikotin ausgelöst wird.

Ohne solches Umdenken bedarf es immer einer gewissen Anstrengung und Willenskraft, um während gelegentlicher Verlangensattacken das selbstverständliche Zusammenspiel von Fühlen („ich will eine Zigarette“), Denken („gelegentlich EINE bringt durchaus Genuß“) und Handeln (eine rauchen) zu unterbinden. Selbst wenn diese Kraftanstrengung noch so gering ist, so wird sie doch keinesfalls dauerhaft aufrecht erhalten werden können: immer gibt es Tage oder Momente, die all unsere Kraft oder unsere Leidensfähigkeit für andere Dinge benötigen – und schon hängt man wieder an der Zigarette!

Man mag über Willenskraft und ihre Möglichkeiten eine hohe Meinung haben, eines ist gewiss: Aus dem Willen heraus kann mensch mal eben sehr hoch springen, aber der Wille ist ungeeignet, den „Normalzustand“ zu verändern, der sich ergibt, OHNE dass speziell Wille eingesetzt wird. Das ist nicht nur wahr, sondern sogar richtig logisch, nicht?

Sobald also der Konsum eines schädlichen, letztlich tödlichen Stoffs Teil unseres Normalzustands geworden ist, und das Wechselspiel zwischen dem Reiz der Droge und der zunehmenden Immunität des Körpers langsam oder schnell zur Steigerung der Dosis führt, können wir nicht weiterhin im Halbschlaf mit dem „Autopiloten“ durchs Leben fahren. Wenn ich diesen Dreck wieder loswerden will, weil das Leiden daran mittlerweile die „Freuden“ übersteigt, muss ich bereit sein, mich der Sache – bzw. MIR SELBST – zuzuwenden. Und erforschen, was funktioniert, wenn es der Wille nicht tut.

Bei dieser Betrachtung bleibt wenig, vielleicht nichts von mir übrig. Das zu sehen, ist nicht sehr angenehm. Immer wieder greift man lieber nach etwas, und sei es nach der Form der Darstellung, nach der Identitfikation, die aus dem Verfassen von Texten kommt, nach neuen „Besonderheiten“, die sich aus dem Erleben vielleicht doch noch generieren lassen – aber leider: dies alles ist nur Fassade und Verpackung. Das spürt man, so ganz ohne das „innere Gerüst“, das das Nikotin vorher auf den Innenseiten der Zellwände angelagert hatte, fast wie eine Schicht Hartplastik, hart genug, um dem Leben etwas ENTGEGEN zu setzen…

Na, jetzt werde ich fast poetisch, das wollte ich nicht. Eigentlich hatte ich vor, vom Umdenken, vom Denken allgemein und von der „Wahrheit“ zu schreiben – und von Allen Carr, dem Lehrer für’s Umdenken. Das muß ich jetzt allerdings vertagen, denn die Arbeit ruft. Das Thema ist zu groß für einen Eintrag, ich kratze gerade mal an der Oberfläche. Wer sofort mehr will, kann mal den Eintrag vom 15.11. in Steinhoffs Nichtrauchertagebuch lesen. Der bekannte STERN-Reporter hat mit seinem Diary die publizistisch erfolgreichste Nichtraucher-Aktion seit Jahren losgetreten – interessant, dass er mit Alan Carr Probleme hat (siehe u.a. sein Eintrag vom 5.Tag „ohne“).

…wird fortgesetzt!

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Claudia am 18. November 2000 — Kommentare deaktiviert für Newbees unter Frontpage: Schrott siegt!

Newbees unter Frontpage: Schrott siegt!

Gestern hatte ich noch richtig Spaß mit meinem allzu ernsten Diary-Eintrag! Hab‘ nämlich mal ein Webspeech-Plugin geladen, das neuerdings im Forum „angeboten“ wird: Hinter jedem Eintrag steht da auf einmal „Vorlesen?“ – na, da war ich doch neugierig! Weiter → (Newbees unter Frontpage: Schrott siegt!)

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Claudia am 17. November 2000 — Kommentare deaktiviert für Politik zum Weghören

Politik zum Weghören

Derzeit kann ich es kaum mehr ertragen, das Radio anzuschalten. Erst wochenlang „Leitkultur“, eine lächerlich aufgeregte Debatte um ein Wort und seinen möglichen oder vielleicht doch nicht möglichen, seinen so oder vielleicht doch anders gemeinten Inhalt. Grauslig! Weiter → (Politik zum Weghören)

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Claudia am 15. November 2000 — Kommentare deaktiviert für Geld machen mit Herz?

Geld machen mit Herz?

Da ist er also wieder mal heftig abgestürzt, der Neue Markt! Ich sehe es mit einer gewissen Genugtuung, denn während der euphorischen Phase im letzten Jahr, die bis in dieses Frühjahr reichte und unendliche Gewinne versprach, war ich nicht dabei: Zu dumm, zu ängstlich, zu arm, meine Steuerrücklage vergammelte „arbeitslos“ auf einem Konto und andere sahnten gewaltig ab. Das heisst, wenn sie reichtzeitig ausgestiegen sind, was vermutlich kaum jemand geschafft hat. Weiter → (Geld machen mit Herz?)

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Claudia am 11. November 2000 — Kommentare deaktiviert für Was Sache ist (zu Ossis gesprochen)

Was Sache ist (zu Ossis gesprochen)

Heute abend war ich in Schwerin, die Stadt, auf die ich mich hier – 10 Minuten davon entfernt in einem abgelegenen Dorf wohnend – eigentlich beziehen muß, Städterin, die ich bin. Schwerin ist in letzter Zeit unter die Großstadtgrenze von 100.000 Einwohnern gefallen. Der Osten entvölkert sich, immer noch, vor allem Mecklenburg. Das ist auch an Schwerin sichtbar, eine so wunderschöne Stadt wie Freiburg oder Siena, doch keinesfalls wie diese überlaufend und Andenken-strotzend, sondern seltsam leer – und nicht mal eine Uni, ein zusätzliches Handicap. Weiter → (Was Sache ist (zu Ossis gesprochen))

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Claudia am 06. November 2000 — Kommentare deaktiviert für Schaffenskrise: Sinn – Sein – Sinnlichkeit

Schaffenskrise: Sinn – Sein – Sinnlichkeit

Mehrere Tage ohne das morgendliche Diary-Schreiben bringen mich in eine neue Form von Entzug, doch noch nicht in neue Dimensionen der Arbeit, bisher nicht. Zwar staut sich das, was normalerweise alsbald zum Ausdruck kommt, nun zu größeren Mengen an und entfaltet mehr Druck, mehr Verlangen, mehr Drive. Dennoch packe ich es einfach nicht, die Energie sinnvoll zu nutzen und von der Gedankenebene auf die symbolische Schiene zu kommen.

Im Kopf schreiben sich gleich mehrere Kurzessays gleichzeitig, doch wenn ich mich hinsetze und das in eine konsumierbare Form bringen will, läßt der Elan schnell nach, versickert nach ein paar Sätzen wie ein Glas Wasser in der Wüste – warum nur? Es ist, als wandele mich in dem Moment, in dem etwas vom Möglichen ins Wirkliche übergeführt werden soll, mit aller Macht die Sinnfrage an, also immer dann, wenn es beginnt, in irgend einer Weise anzustrengen.

Wenn ich Familien mit Kindern sehe, beneide ich sie manches Mal. Sie verströmen eine Anmutung von Normalität, Sinn, Selbstverständlichkeit, Fraglosigkeit, konkretisierter Form und Heimat in dieser Form, wie es ein einzelnes Individuum niemals zustande bringen kann. Das große „Worum willen“, das als unbekannter Beweger hinter allen Aktivitäten steht, ist ein- für allemal geklärt, es gibt nur das „Wie?“, aber keine Überlegung, ob überhaupt, und wenn ja, warum eigentlich…

Dieser eigenartigen Schaffenskrise kann ich mich nur hingeben, weil derzeit kein Druck aus dem Bereich der Brotarbeit auf mich wirkt. Und genau darauf habe ich ja hingearbeitet! Es war mein größter Wunsch, einige Zeit frei zu haben, undefiniert frei, nicht etwa Urlaub oder Krankheit oder Töpfern in der Toscana. Wenn ich mich so umsehe, gibt es kaum Leute, die einfach mal untätig sind, ohne Plan und Ziel, ohne vorgegebenen Zweck. Nein, es ist im Gegenteil so, dass praktisch alle guten Freelancer, die ich kenne, überlastet, ausgebucht und bis ins nächste Jahr verplant sind. Sie arbeiten und arbeiten – ja woraufhin eigentlich? Ist das eine unzeitgemäße Frage? Ist Arbeiten & Geld verdienen mittlerweile selbst letztes Ziel und finaler Sinn? Wir arbeiten, damit wir nicht aus dem Geschäft kommen, damit wir immer weiter arbeiten dürfen?

Ich kenne vier Gründe, um zu arbeiten: Lebenserhaltung, Anerkennung, Freiheit, Selbstvergessenheit. In dieser Reihenfolge werden sie bewußt, werden sie wichtig und wieder unwichtig. Der Bereich der Lebenserhaltung ist keineswegs so groß, wie man gemeinhin denkt. Würden alle nur soviel arbeiten, wie unbedingt nötig, wäre der ganze wirtschaftliche Umtrieb längst nicht so auschweifend. Die Sehnsucht nach Anerkennung treibt dagegen viel weiter als die Notwendigkeit, und wer die Siegertreppchen nicht (mehr) braucht, wünscht zumindest Freiheit – Freiheit in Zeit und Raum, also in der Regel genug Geld auf der Kante.

Doch es gibt keine wirkliche Unabhängigkeit, man ist immer im Austausch, immer betroffen von Anderen, von der Umwelt, der Gesellschaft. „Fertig werden“ ist keine ernstzunehmende Arbeits-Utopie, und das ist sogar ebenso schön wie schlimm: Der untätig am Strand herumlungernde Millionär aus der Werbung ist nur eine lächerliche Figur, der alsbald schon psychisch vor die Hunde gehen würde, fände er keinen ganz persönlichen Sinnhorizont – tätig oder untätig.

So bleibt also nur die Selbstvergessenheit: Etwas arbeiten, in das ich so hineinversinke, dass es daneben nichts mehr gibt, vor allem nicht mich selbst mit meinen langweiligen Anliegen. Wenn ich zum Beispiel im Fotoshop experimentiere oder ein Webprojekt designe, manchmal auch, wenn ich einen Text niederschreibe – dabei bin ICH als Konglomerat von Gedanken, Fähigkeiten und Energie genau so wichtig oder unwichtig wie die Maus, die Tastatur, die Grammatik, der Strom oder sonstige Komponenten, die zum fertigen Werk führen. Ich falle dabei also sinnvoll in eins zusammen mit allem, was sonst noch da ist und mitwirkt. Es gibt nichts Schöneres, aber leider läßt es sich nicht zwingen. Weil es derzeit nicht gelingt, die Selbstvergessenheit in der Arbeit zu erleben, wechsle ich einfach die Ebene und switche in die Sinnlichkeit: Musik hören, Saunabesuche, Yoga-Übungen, einfach nur daliegen….

(Ich hoffe ja doch, dass sich das bald mal wieder ändert! :-)
Meine Musikempfehlung heute: Einstürzende Neubauten – Silence is sexy)

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Claudia am 02. November 2000 — Kommentare deaktiviert für Kleiner Abschied, lange Rede

Kleiner Abschied, lange Rede

In den letzten Tagen hab‘ ich mich mal wieder nach Sinn & Ziel dieses Diarys gefragt. Tatsache ist, dass es mir großen Spaß macht, dass ich mich freue, wenn die „Schreibzeit“ anbricht, wenn ich – meist ohne vorher festgelegtes Thema – so in mich „versinke“ und warte, bis Worte und Sätze kommen. Oft sind es dann gleich mehrere Themen, die erstmal miteinander konkurrieren, letztlich kann ich nicht sagen, wie und warum nun DIES und nicht JENES die Datei füllt, auf jeden Fall befriedigt es mich, was immer es ist. Das Hinschreiben an sich ist wohltuend und wenn ein Beitrag ins Netz gestellt und das Forum gesichtet ist, könnte ich eigentlich den PC ausmachen. Weiter → (Kleiner Abschied, lange Rede)

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Claudia am 01. November 2000 — Kommentare deaktiviert für Shangrila

Shangrila

Heute ist ein wunderbarer Tag. Ich fühle mich klar und zuversichtlich, ohne dass es dafür besondere Gründe gäbe. Hab‘ gestern ausgespannt, Sauna, ein Spaziergang auf dem Flohmarkt, Besuch bei den Nachbarn und abends einen Serienmörder-Krimi. :-) Schon sieht die Welt wieder richtig freundlich aus, Sinnfragen verblassen im Morgenlicht, treten in den Hintergrund – bis zum nächsten Mal? Weiter → (Shangrila)

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