Claudia am 02. September 2026 — 3 Kommentare

Diffuse Angst

Kennt Ihr das? So ein diffuses, untergründiges Angstgefühl, das sich keiner konkreten Ursache zuordnen lässt? Mich hat sowas gerade im Griff und es fühlt sich nicht gut an. Klar, ich kann VERMUTEN, dass es eine Reaktion auf ganz unterschiedliche Ereignisse ist, die ich einzeln nicht so an mich heranlasse: Ich lese die Schlagzeilen rund um die Sprengstoff-Drohne auf dem Flughafen Halle/Leipzig und sehe, wie sich das alles hochschaukelt. Medwedew auf Telegram:

„Sie verdienen einen direkten Schlag gegen alle deutschen Produktionsstätten für Militärtechnik …und „durchaus auch einige andere Orte in Berlin“.

Gerade wird auch die Berliner Verwaltung von Hackern erpresst, deren Ultimatum am Freitag abläuft. Sie haben Terrabytes von Daten erbeutet (inkl. Bankdaten und Passwörter) und versteigern das gerade im Darknet – Berlin wird nicht zahlen. Trifft mich wohl nicht direkt, trägt aber zur „allgemeinen Verunsicherung“ bei.

Weiter weg, aber schlimmer: Stimmung und Verhalten der AFD-Anhänger in Sachsen-Anhalt. Ja, ich finde es beängstigend, was ein Lokalredakteur berichtet, der sich „fast körperlich bedroht“ fühlt:

„Über Politik wollen die Leute bei der AfD nicht reden, das interessiert sie nicht. Es gibt keine klassische Wahlkampfrede mit anschließender Diskussion, sondern einen Grill, Becher und Zollstöcke mit AfD-Logo zum Mitnehmen und für ein paar Euro sogar ein T-Shirt „Heimattreue Altmark“ in Frakturschrift. Wer redet, lädt vor allem Frust ab – und die AfD muss nur dastehen und sagen: „Ihr habt recht.“ Niemand will Lösungen, alle wollen Emotionen loswerden, und genau das saugt die AfD auf und verstärkt es. „

Wenn ich mir die inhaltlich etwas ergiebigeren Begründungen der AFD-Wähler und Sympathisanten so anhöre oder berichtet bekomme, habe ich immer wieder den Eindruck, dass sie trotz der langen Zeit seit der Wende noch immer nicht verwunden haben, dass sie nicht mehr in einem Kümmerer-Staat leben. Ihre Neigung, sich mit den jeweiligen Gründen und Rahmenbedingungen ihrer Beschwerden zu befassen, geht gegen Null. Klar, dass man solche Leute mit Argumenten nicht mehr erreicht, sie wollen den „starken Mann“, der durchregiert und alles wieder gut macht. Erschreckend! Hier eine ähnliche Sicht der Dinge (plus großformatiger Wähler-Analyse seit dem letzten Krieg):

„Der AfD-Wähler schlendert durch den politischen Supermarkt und stellt fest, dass dieser seine Bedürfnisse nicht zu 100 Prozent befriedigen kann. Die frei flottierende Allkritik am politischen Geschehen zeichnet letztlich eine große Staatsgläubigkeit aus. AfD-Wähler sehen sich gerne als urdemokratische Rebellen. Tatsächlich rufen sie nach dem starken Staat, der fortan ihr Lieferdienst sein soll. Dass die AfD im Osten besonders stark ist, hat hierin seinen Grund. Denn es ist seit eh und je die Erwartung verbreitet, der Staat habe für alles zu sorgen, habe gefälligst alles bereitzustellen und die tief verwurzelte Verachtung derer „da oben“ zwei Seiten ein und derselben Medaille. „

Dann die geopolitische Lage, die extreme Sackgasse, in die Trump die USA mutwillig gebracht hat, leider mit Auswirkungen auf die ganze Welt. Gerade wird wieder bombardiert, was an der Situation in der Straße von Hormus nichts ändern wird (Fugmann fasst zusammen). Öl- und Gaspreise steigen, die US-Schulden sind hoch wie nie, ebenso die Zinsen, die sie zahlen müssen. Dass Trumps Zustimmungswerte im Keller sind, macht einen Narzissten wie ihn umso gefährlicher. Dass er versucht, die Midterm-Wahlen zu manipulieren, wundert nicht. Was wird passieren, wenn das gelingt? Die Demokraten wirken wie erstarrt und die Rep-Wähler bewundern Trump derweil mehr als Lincoln und Reagan – richtig irre!

Tangiert mich doch alles nicht, könnte ich doch denken! Sag ich mir auch immer, aber zum einen hab‘ ich eine jetzt schon teure Gasheizung, zum anderen kann ich nichts dagegen machen, dass mir die Entwicklungen die Stimmung verdüstern. Wenn dann noch ein kleiner persönlicher Flop dazu kommt, ist sie im Keller: Obwohl ich schon Monate auf einen Arzttermin warte, hab ich den zuletzt zugesagten einfach versäumt, weil falsch notiert! Ätzend!

Und sonst:

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Diskussion

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3 Kommentare zu „Diffuse Angst“.

  1. Menschen wie Putin und Medwedew können, wie andere in herausgehobenen Positionen, den Menschen viel erzählen. Wenn dann charakterliche Defizite, Machtbesessenheit und womöglich persönliche Probleme hinzukommen, kann das einen schlimmen Verlauf nehmen. Ich habe mir längst angewöhnt, die regelmäßigen Ausfälle Medwedews weitgehend zu überhören. Bei Putin ist es kaum anders. Wenn ich ihn durch die Flure des Kreml schreiten sehe, frage ich mich allerdings schon, welche Mischung aus Machtgefühl, Kränkung und Selbstüberschätzung dort inzwischen das Denken bestimmt. Bedauerlich genug, dass so viel von Russlands kritischer Intelligenzija vertrieben, zum Schweigen gebracht oder ins Abseits gedrängt wurde.

    Herr Schmid hat unsere Lage in Deutschland meines Erachtens so hervorragend getroffen, dass man seinen Artikel eigentlich nur weiterempfehlen kann. Vielleicht mit Ausnahme jener Menschen, die gestern in einer kurzen ARD-Reportage über die politische Lage in Sachsen-Anhalt zu Wort kamen. Bei manchen Äußerungen hatte ich jedenfalls den Eindruck, dass selbst die besten Argumente keine Chance haben.

    Trotzdem: Es wird auch wieder bessere Zeiten geben. Politische Systeme, Machtzirkel und ihre Protagonisten sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Irgendwann endet jede Epoche – manchmal allein schon aus biologischen Gründen. Und vielleicht kommen danach wieder vernünftigere Tage.

    An irgendetwas muss der Mensch schließlich glauben.

  2. Medwedew spielt die Rolle von Strack Zimmermann in Russland. Der haut seit Jahren ständig solche Sachen raus. Würde mich nicht wundern, wenn das allein dem Zwecke dient den Hardlinern in Russland ein wenig Futter zu liefern. Und die Hardliner werden mehr, so jedenfalls kann man das von einem Herrn Röper in letzter Zeit vernehmen. Das ist halt Krieg, die größte rote Linie, die Menschen überschreiten können.

    Zur AFD bleibt für mich zu hoffen, dass die jetzt endlich mal in Sachsen Anhalt die Regierung stellen und zwar in beiderlei Sinne. Erstens für die Weltuntergangserwartungen derjenigen, die davor horrende Angst haben, und zweitens für diejenigen, die in der AFD den großen Lösungsbringer sehen. Beides wird zu 99% nicht eintreten. Das traue ich mich aufgrund meiner Lebenserfahrung tatsächlich jetzt einfach mal so in den Raum zu stellen. Können wir dann ja evtl. in ein paar Monaten abgleichen.
    Allerdings kann es durchaus passieren, dass die ein paar der etablierten Repressionsinstrumente dann einfach mal andersrum verwenden. Wenn es nach mir ginge, dann gehört sowas systemisch behoben, aber die Diskussion hatten wir ja schon mal.

  3. @Horst: danke, deine Hoffnung tut gut! :-)

    @Yossarian:
    ich glaube nicht mehr an die Entzauberungstheorie, weil für die AFD immer „andere schuld“ sein werden, wenn die Dinge nicht laufen, wie sie es verspricht. Schon vorab hat ihr Frontmann ja zugegeben, dass das meiste, was da in Aussicht gestellt wird, im Land nicht finanzierbar sein wird. Stört die Wähler offensichtlich nicht.

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