Mich empört dieser für den 1. Oktober geplante Baumkahlschlag so sehr, dass ich drüber bloggen muss, obwohl ein so lokales Thema hier höchst selten vorkommt. Als Radfahrerin freue ich mich grundsätzlich über Radwege, aber dass für einen Neubau 116 große alte Straßenbäume fallen sollen, obwohl bereits ein Radweg vorhanden ist, finde ich idiotisch und richtig richtig fies!
Verantwortlich ist ein CDU-Bezirksstadtrat, der das allen Protesten zum Trotz umsetzen will: Protestiert haben bereits eine engagierte Bürgerinitiative Ollenhauer Straße, der Umweltverband BUND Berlin, das Netzwerk Fahrradfreundliches Reinickendorf sowie der ADFC Berlin, die gemeinsam mit vielen genervten Berlinern bei den Mahnwachen und Demonstrationen auf der Straße aktiv waren. Ich hoffe, dass die CDU im Bezirk Reinickendorf bei der Wahl am Sonntag die Quittung für dieses widerliche Vorhaben bekommt!

Fallen sollen 116 große alte Bäume ca. 50 Jahre alt!
Es geht hier nicht um ein paar kleine Sträucher: Es trifft eine alte Allee aus großen, tief verwurzelten Ahornbäumen und Linden. Die Bäume dort sind im Schnitt 48 Jahre alt, einige stehen seit über einem halben Jahrhundert an ihrem Platz.
Besonders übel wird der Kahlschlag für die Anwohner der Wohnblöcke in der Ollenhauerstraße 87–96. Die riesigen Ahornbäume dort bilden eine grüne Wand, die als natürlicher Hitze- und Lärmschutz für die mehrgeschossigen Wohnhäuser dient. Sie kühlen das Viertel im Sommer, spenden Schatten und sind für das Stadtklima durch nichts zu ersetzen. Und ich würde wetten: Kein Radfahrer dieser Welt will, dass für einen neuen „Hochbordradweg“ eine ganze Baum allee stirbt! Ich will im Schatten von Bäumen fahren und nicht über ihre Gräber! Junge Nachpflanzungen (die nur teilweise vor Ort gepflanzt werden sollen) bräuchten unter den heutigen, extrem trockenen Klimabedingungen Jahrzehnte, um auch nur ansatzweise diesen Verlust auszugleichen.
Der verantwortliche Bezirksstadtrat Sebastian Pieper (CDU), der die Abteilung Ordnung, Umwelt und Verkehr leitet, rechtfertigt die Baumfällungen formal und behauptet stur, die baumschonende Alternative sei nicht mit dem Berliner Mobilitätsgesetz vereinbar. Ein Vertreter der Bürgerinitiative (BI) stellte diese Argumentation im Gespräch jedoch als reine Schutzbehauptung bloß: „Wir haben uns natürlich das Mobilitätsgesetz angesehen! Da steht nirgends drin, dass es ein Hochbordradweg sein muss!“
Es gäbe genug Platz für eine Alternative!
Die Ollenhauerstraße ist eine extrem breite, vierspurige Magistrale. Es gibt genug Platz, um den neuen Radweg problemlos auf der jetzigen Fahrbahn entlang zu führen (wie jetzt). Wenn man ihn unbedingt „sicherer“ machen will, kann man sogenannte „Protektionselemente“ bzw. Leitschwellen einsetzen, wie sie bereits auf vielen anderen Straßen in Berlin funktionieren. Die alten Baumreihen auf dem jetzigen Grünstreifen blieben so unberührt.
Die CDU-geführte Verwaltung hat die Baum-erhaltende Alternative allerdings rigoros zurückgewiesen. Warum? Weil man die heilige Kuh des Berliner Autoverkehrs nicht anfassen will! Die vier Spuren für den Kfz-Verkehr müssen um jeden Preis unberührt bleiben. Lieber opfert man 116 gesunde, alte Bäume und schiebt den Radverkehr auf den Gehweg, als den Autos auch nur ein paar Zentimeter Asphalt wegzunehmen. Dass der CDU-Stadtrat sich auf das Berliner Mobilitätsgesetzes beruft, obwohl das Gesetz flexiblere Lösungen auf der Fahrbahn ausdrücklich erlaubt, ist einfach nur dreist!
Wer mag, kann sich der Petition gegen den Kahlschlag anschließen, die ich auch gerade gezeichnet habe. Nicht weil ich glaube, dass der
Wahnsinn dadurch noch gestoppt wird, aber es tut mir gut, zumindest meinen Protest zu dokumentieren.
Ständig werden Bäume gefällt, nicht alle sind krank!
Allein im Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain wurden und werden 2026 jede Menge Bäume gefällt. Als Grund wird häufig angegeben: „gefährdete Bruch- und Standsicherheit„, aber ich vermute, dass das einfach eine Standard-Phrase für Fällungen ist, die man aus anderen Gründen vornimmt. Zwar bin ich keine Baum-Sachverständige, aber die drei Bäume aus der Liste im Bereich Revaler/Modersohnstreaße kannte ich gut: Nicht sehr alt, voll im Saft, aber schon mit dickem Stamm und schöner großer Krone. Und wie die Schnittseiten zeigen: keineswegs ein fauler Kern, sondern gesundes Holz ohne Macken!
Mehr dazu:
- Bürgerinitiative gegen Fällung von Straßenbäumen (RBB Video)
- Bund Berlin: Bäume in Zahlen (es wurden in den letzten Jahren deutlich mehr gefällt als gepflanzt)
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