Claudia am 16. September 2026 — 7 Kommentare

Berlin: 116 Bäume sollen für einen Radweg gefällt werden (obwohl einer vorhanden ist!)

Mich empört dieser für den 1. Oktober geplante Baumkahlschlag so sehr, dass ich drüber bloggen muss, obwohl ein so lokales Thema hier höchst selten vorkommt. Als Radfahrerin freue ich mich grundsätzlich über Radwege, aber dass für einen Neubau 116 große alte Straßenbäume fallen sollen, obwohl bereits ein Radweg vorhanden ist, finde ich idiotisch und richtig richtig fies!

Verantwortlich ist ein CDU-Bezirksstadtrat, der das allen Protesten zum Trotz umsetzen will: Protestiert haben bereits eine engagierte Bürgerinitiative Ollenhauer Straße, der Umweltverband BUND Berlin, das Netzwerk Fahrradfreundliches Reinickendorf sowie der ADFC Berlin, die gemeinsam mit vielen genervten Berlinern bei den Mahnwachen und Demonstrationen auf der Straße aktiv waren. Ich hoffe, dass die CDU im Bezirk Reinickendorf bei der Wahl am Sonntag die Quittung für dieses widerliche Vorhaben bekommt!

Ollenhauer Straße
Ollenhauer Straße mit Radweg, alle Bäume sollen weg!

Fallen sollen 116 große alte Bäume ca. 50 Jahre alt!

Es geht hier nicht um ein paar kleine Sträucher: Es trifft eine alte Allee aus großen, tief verwurzelten Ahornbäumen und Linden. Die Bäume dort sind im Schnitt 48 Jahre alt, einige stehen seit über einem halben Jahrhundert an ihrem Platz.

Besonders übel wird der Kahlschlag für die Anwohner der Wohnblöcke in der Ollenhauerstraße 87–96. Die riesigen Ahornbäume dort bilden eine grüne Wand, die als natürlicher Hitze- und Lärmschutz für die mehrgeschossigen Wohnhäuser dient. Sie kühlen das Viertel im Sommer, spenden Schatten und sind für das Stadtklima durch nichts zu ersetzen. Und ich würde wetten: Kein Radfahrer dieser Welt will, dass für einen neuen „Hochbordradweg“ eine ganze Baum allee stirbt! Ich will im Schatten von Bäumen fahren und nicht über ihre Gräber! Junge Nachpflanzungen (die nur teilweise vor Ort gepflanzt werden sollen) bräuchten unter den heutigen, extrem trockenen Klimabedingungen Jahrzehnte, um auch nur ansatzweise diesen Verlust auszugleichen.

Der verantwortliche Bezirksstadtrat Sebastian Pieper (CDU), der die Abteilung Ordnung, Umwelt und Verkehr leitet,  rechtfertigt die Baumfällungen formal und behauptet stur, die baumschonende Alternative sei nicht mit dem Berliner Mobilitätsgesetz vereinbar. Ein Vertreter der Bürgerinitiative (BI) stellte diese Argumentation im Gespräch jedoch als reine Schutzbehauptung bloß: „Wir haben uns natürlich das Mobilitätsgesetz angesehen! Da steht nirgends drin, dass es ein Hochbordradweg sein muss!“

Es gäbe genug Platz für eine Alternative!

Die Ollenhauerstraße ist eine extrem breite, vierspurige Magistrale. Es gibt genug Platz, um den neuen Radweg problemlos auf der jetzigen Fahrbahn entlang zu führen (wie jetzt). Wenn man ihn unbedingt „sicherer“ machen will, kann man sogenannte „Protektionselemente“ bzw. Leitschwellen  einsetzen, wie sie bereits auf vielen anderen Straßen in Berlin funktionieren. Die alten Baumreihen auf dem jetzigen Grünstreifen blieben so unberührt.

Die CDU-geführte Verwaltung hat die Baum-erhaltende Alternative allerdings rigoros zurückgewiesen. Warum? Weil man die heilige Kuh des Berliner Autoverkehrs nicht anfassen will! Die vier Spuren für den Kfz-Verkehr müssen um jeden Preis unberührt bleiben. Lieber opfert man 116 gesunde, alte Bäume und schiebt den Radverkehr auf den Gehweg, als den Autos auch nur ein paar Zentimeter Asphalt wegzunehmen. Dass der CDU-Stadtrat sich auf das Berliner Mobilitätsgesetzes beruft, obwohl das Gesetz flexiblere Lösungen auf der Fahrbahn ausdrücklich erlaubt, ist einfach nur dreist!

Wer mag, kann sich der Petition gegen den Kahlschlag anschließen, die ich auch gerade gezeichnet habe. Nicht weil ich glaube, dass der
Wahnsinn dadurch noch gestoppt wird, aber es tut mir gut, zumindest meinen Protest zu dokumentieren.

Ständig werden Bäume gefällt, nicht alle sind krank!

Allein im Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain wurden und werden 2026 jede Menge Bäume gefällt. Als Grund wird häufig angegeben: „gefährdete Bruch- und Standsicherheit„, aber ich vermute, dass das einfach eine Standard-Phrase für Fällungen ist, die man aus anderen Gründen vornimmt. Zwar bin ich keine Baum-Sachverständige, aber die drei Bäume aus der Liste im Bereich Revaler/Modersohnstreaße kannte ich gut: Nicht sehr alt, voll im Saft, aber schon mit dickem Stamm und schöner großer Krone. Und wie die Schnittseiten zeigen: keineswegs ein fauler Kern, sondern gesundes Holz ohne Macken!

Mehr dazu:

 

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Diskussion

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7 Kommentare zu „Berlin: 116 Bäume sollen für einen Radweg gefällt werden (obwohl einer vorhanden ist!)“.

  1. Man sollte doch meinen, dass die Verantwortlichen aus diesem Hitzesommer gelernt haben und zwingend den Hitzeschutz der Städte vorantreiben. Es scheint wie immer – aus den Augen aus dem Sinn – bis zu den nächsten 38 Grad im Schatten.

  2. Ohne Näheres zu wissen über all die Umstände,Hintergründe:Bäume sollten ein Vorrecht haben vor allen anderen Erwägungen.

    Kann sein, dass bei der ersten Planung die Somnerhitze kein solch ein wichtiger Punkt war, aber 2023 war ja auch schon heiss.

  3. Das mit den Bäumen ist zum Haare raufen, das neueste hier ebenso!
    Ich blogge ganz bewusst über total Harmloses, dann werden die Haare wieder schön glatt. Neee, im Ernst, liebe Claudia, …

  4. Emotional trifft es mich, wenn solche vielleicht ja schon irgendwie sinnvollen Maßnahmen auf der anderen Seite dazu führen, dass so viele Bäume getötet werden. Auch Politiker, die solche Entscheidungen für uns treffen, werden wohl solche inneren Konflikte kennen. Da heißt es wieder einmal abzuwägen, wie die Prioritäten richtig gesetzt sind. Ich finde, Gerhard hat recht. Die Bäume sollten stehenbleiben.

  5. @alle: herzlichen Dank für Eure Kommentare zum leidigen Thema! Die BI hat jetzt geschrieben:

    „Wir bereiten eine Klage auf Unterlassung der Baumfällungen und der Neubaumaßnahmen in der Ollenhauerstraße vor.
    Als Verbündeten und klageberechtigten Naturschutzverband haben wir die NaturFreunde Deutschlands, Landesverband Berlin e.V. gewinnen können, der die Klage führen wird.“

    Vielleicht gibt es ja wenigstens eine Verzögerung…

  6. Das kommt einem irgendwie bekannt vor.

    Hier gibt es ebenfalls ein Bauprojekt, wo ein Naturdenkmal zwecks besserem Zugang auch für Menschen mit Handicap umgebaut wird und attraktiver für Besucher gemacht werden soll. Zum Aufhübschen wurden als Ersatz für die zu fällenden Bäume im Projekt neu anzupflanzende dafür integriert.

    Während des Baus wurden diese aus Kostengründen entfernt, aber dafür gibt es eine feine Terrasse bis direkt ran, damit der Cafe-Betreiber am Objekt mehr Bestuhlungsfläche hat. Für mich ist das dann nur noch eine Art Disneyland und der natürliche Charakter ist sowieso bereits futsch. Irgendwann verlangen sie wahrscheinloch noch Eintritt dafür.

    Fun fact am Rande: Am Steilhang gab es bereits während des Baus mehrere Erdrutsche, wo die alten Bäume gefällt wurde und dort wird jetzt massiv Beton eingetragen.

    Was das Berliner Thema angeht und das scheinbar beliebte Hobby, mit Verweis auf die Sicherheit Bäume umzunieten, wo es nur geht, während gleichzeitig auf Klimaschutz usw. herumgeritten wird, kann ich nur sagen, dass es einmal mehr dieses Abgehobene vieler Politiker bis in die regionale Ebene zeigt.

    Da ist die heiße Phase noch nicht recht vorbei und schon sind sie wieder beim Business as usual. Nix gelernt, aber bei der nächsten Wahl werden wieder die Instrumente Medien und Panik bemüht gegen alles und alle, was dem eigenen Machtanspruch im Wege sein könnte. Selber bewohnen die sicher nicht so eine muffige und aufgeheizte Bude inmitten einer Betonwüste.

    PS. Gezeichnet, auch wenn solche Petitionen eher wenig bringen…

  7. Ich bekam grade ein Mail, da ich unterzeichnert habe – sieht aus, als GIBT es eine Verzögerung. Die Baumfällungen sind bis 31.12.2026 ausgesetzt.

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