Claudia am 12. April 2011 — 13 Kommentare

Wie blöd ist eigentlich das Volk?

In einer fulminanten Brandrede beklagt Hartwig Bögeholz auf Telepolis den Zustand der „politischen Klasse“, die prinzipienlos und inhaltsleer nurmehr hektisch auf Ereignisse reagiere, anstatt die Zukunft zu gestalten.

Einzig DIE GRÜNEN verfügten noch dank ihrer dreißigjährigen klaren Haltung in Sachen Atomkraft und Umwelt über einige Glaubwürdigkeit, die aber im politischen Alltag in Baden Württemberg ebenfalls drohe, den Bach ‚runter zu gehen. Würde das grüne Programm nämlich wirklich umgesetzt, gäbe es Proteststürme und die neuen Wählerscharen würden sich schnell abwenden, wenn sie merken, dass ihr eigener Lebensstil zur Debatte steht. Denn alles solle so bleiben, wie es ist – dies sei der wahre Wunsch der meisten Wähler:


Weil sich jedoch nicht wirklich verdrängen lässt, dass sich, selbst wenn alles so bleiben soll, vieles ändern muss, hat sich eine Neigung ausgeformt, die allen politischen Kräften, die tatsächlich gestalten wollen, heftig entgegenschlagen wird. Wenn sich nicht vermeiden lässt, dass etwas verändert wird, dann bitteschön woanders – aber nicht bei mir oder uns. So werden diejenigen, die im Lichte einer Katastrophe die Abschaltung der Atomkraftwerke befürworten, laut aufschreien, wenn neben dem eigenen Garten ein Strommast errichtet werden soll, der die dringend erforderlichen Leitungen für den Transport des Windstromes von Nord nach Süd trägt. Als Alternative werden sie darauf die unterirdische Verlegung der Stromkabel verlangen – und ebenso laut aufschreien, wenn diese wesentlich teureren Maßnahmen auf die Strompreise umgelegt werden.
(TP, 8.3.11)

Man kann den Gedanken locker noch weiter führen: Nimmt die Regierung dann neue Schulden auf, um den Umbau nicht auf die Strompreise durchschlagen zu lassen, schreien wiederum alle auf, weil die Neuverschuldung steigt, die Handlungsspielräume weiter eingeschränkt werden und die Stabilität des Euro in Gefahr gerät. Also: egal wie man’s macht, dem Wahlvolk wird es niemals recht sein!

Vom Gärtnern unter Stromleitungen

Das Bild stammt übrigens aus meinem Garten. Als ich die ersten Fotos dieses Gartens im wilden Gartenblog zeigte, formulierten Kommentierer gleich Bedenken, weil er „direkt unter Hochspannungsleitungen“ liegt. Ja, der Strommast steht recht nahe und in luftiger Höhe kreuzen sich sogar zwei Trassen direkt über dem Garten. Der Vorgänger musste Jahre warten, um einen Übernehmer zu finden. Ich hab‘ mir die Pflanzen angeschaut und fand keinerlei Auffälligkeiten – also hab ich beschlossen, dass es mich nicht stört. Bei feuchtem Wetter hört man ein interessantes Zirpen und Knistern, auf das ich mich gut konzentrieren kann, wenn ich zum „Meditieren“ abliege.

Die Industrie-Artefakte im Kontrast zu Büschen, Bäumen und Pflanzen finde ich ästhetisch durchaus interessant. Genau wie ich meine, dass Windräder eine Landschaft nicht zerstören, sondern à la Land-Art verschönern.

Alles hat seinen Preis, auch der Umbau in Richtung erneuerbarer Energien. Dass viele nicht mal bereit sind, ihre ästhetischen Vorstellungen ein wenig den Erfordernissen anzupassen, ist genauso ein Mangel an Gemeinsinn, wie man ihn den ach so Lobby-hörigen Politikern gerne vorwirft.

„Das Volk“ ist nicht wirklich so blöd, gewisse Zusammenhänge nicht zu kapieren. Aber in Teilen verdammt egoistisch, wenn’s darum geht, selber etwas zu den nötigen Veränderungen beizutragen.

Diskussion

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13 Kommentare zu „Wie blöd ist eigentlich das Volk?“.

  1. […] Richtung erneuerbare Energien stattfinden soll. Wer mag, liest mehr darüber im Digital Diary: “Wie blöd ist eigentlich das Volk” […]

  2. Guter Kommentar, dazu fällt mir spontan der Spruch ein: „Wasch mich, aber mach‘ mich nicht nass!“ An BW und den Grünen wird sich zeigen, in wie weit die Bürgergesellschaft wirklich fähig zum Wandel ist.

  3. Na ja, ich finde, so wirklich verwundern wird es niemanden, dass ein Strommast lieber auf dem Nachbargrundstück stehen soll, als auf dem eigenen.
    Über Gemeinsinn könnte man manchmal schon herzhaft lachen, wenn`s nicht so traurig wäre.

    Mir fällt auf, wenn es um die eigenen Besitzstände in diesem Leben geht, dann wird schon mal gerne das Messer gezückt. Geht es aber um Kirchen, Pyramiden… dann, glaubt man in Teilen der Altertumsforschung, haben alle gemeinsam an einem Strick gezogen und reingehauen.

    Wir müssen uns vielleicht gar nicht in Person verändern, sondern nur unsere Sicht der Dinge, z.B.,
    Wenn wir morgens aufstehen und die Kaffeemaschine anwerfen einfach leise dazu murmeln: „Oh, Vattenfall, unser täglich Strom gib uns heute…“
    Vielleicht klappt es ja dann mit Gemeinsinn :)

  4. Tja, da ist sie wieder mal, die Grundaufgabe des heutigen Menschen: Überwindung des EGO bzw. die Zuweisung eines Platzes, wo sich das EGO ausleben darf ohne den Menschen zu beherrschen.
    Da kann nur jeder Einzelne bei sich etwas tun, dann wird sich auch die Gesellschaft verändern. Nur ist es in dieser Zeit der Intransparenz und Verschleierung auch verdammt schwer, sich die Zusammenhänge zu erschließen; z.B. die Kostentransparenz von nahezu allen Produkten (direkte/indirekte Subventionen). Wer weiß schon, was Milchprodukte „eigentlich“ Kosten müßten um dem Bauer ein reelles Auskommen zu ermöglichen.Wer weiß schon wie unendlich teuer der ach so billige Atomstrom wäre, wenn die Folgekosten der Endlagerung (für die nächsten Millionen Jahre) eingerechnet würden. Dagegen ist jeder „alternativ “ erzeugte Strom spottbillig.
    Viele Menschen, die „nur ihren Lebensstandard“ erhalten wollen, sollten wissen das sich dieser seit Jahrzehnten nur durch immer fortschreitende Verschuldung des Staates „erkauft“ wurde, um den „freien“ Bürgern im Westen zu zeigen, wie toll der Kapitalismus ist und wie „armselig“ der Kommunismus. Die gesamte Infrastruktur, der Sozialstaat, die billigen Lebensmittel, die billigen Klamotten basieren entweder auf Verschuldung oder auf Ausbeutung der Menschen weit weit weg.
    Der „ehrliche“ Lebensstandard bewegt sich wahrscheinlich auf einem deutlich niedrigerem Niveau.
    Aber das will natürlich keiner hören, lebt es sich in der durch Werbung und Medien so vortrefflich triebgesteuerten Glamour-Scheinwelt doch so viel leichter.
    50.000 € teure Audis, Porsches, BMW’s , selbst 30.000€ teure Familienkutschen kann sich ein Normalverdiener ohne Erbschaft nicht zusammensparen und müssen ja auch nicht sein, ebenso wie die Pauschalurlaube 1-2 x im Jahr mit der Familie.
    Das ist nicht der ehrlich erarbeitete, gesunde Lebensstandard, das ist EGO-Befriedigung auf Kosten anderer.
    Der Blick auf die Gemeinschaft ist nicht mehr gegenwärtig und soll auch nicht sein,weil Ellenbogengesellschaft und Einzelkämpfertum
    den meisten Profit generieren.
    Sieht man ja wieder am Thema Leiharbeit, Niedriglohnsektor -den einen gegen den anderen ausspielen- (wenn alle das Spiel mitspielen, sonst würde es nicht funktionieren).
    Solange die Meisten noch emsig in ihrem Hamsterrad strampeln und nicht bemerken, das mit ihnen Käfighaltung (wenn auch hübsch verpackt) betrieben wird, werden sie kaum eine Ahnung haben, wie artgerechte Menschhaltung eigentlich aussieht und deshalb entstehen auch manche -nicht das Ganze sehenden- Meinungen zu Überlandleitungen, Krötenwanderungen etc.

    Das Bild „Käfighaltung“ gefällt mir und ist ausbaufähig: Wird nicht für jede Lebenslage „von oben“ (oder von wem?)ein eigener Käfig gestaltet indem sich die Hamsterräder drehen (vielleicht extra angetrieben?) und die es den dort gefangenen Menschen kaum erlauben sich für die anderen Käfige zu interessieren? Mir fallen da spontan folgende Käfige ein: Die Pflegeheim-Käfige in denen die Alten ihre letzten Runden drehen, die chronisch Kranken die im Betreuungsminutentakt-Budgetüberschritten-Käfige gehalten werden, die Ein-Euro-Jobber im Hartz4-Käfig, der Eigenheimverschuldete Familienvater als Anlageberater einer Bank im Hast-du-genug-Bankprodukte-verkauft-damit-unseren-Managern-ihre-Millionen-Boni-sicher-sind-Käfig, usw.
    Gruß aus Hamburg

  5. tja und wie viel aberglaube ( = vollkommen unwissenschaftlich) spielt bei solchen mit-menschen mit ? frage ich mich dann /auch.
    und auf die pflanzen würde ich auch erstmal achten – die flieder sehen für mich wunderbar aus ;)

    es wundert mich u.a., dass niemand von „unseren deutschen“ Fukushima-reaktoren spricht, die munter weiterlaufen.
    stichworte zum guglen : total-ausfall und Gundremmingen (block A)

    hier mal stellvertretend aus der quer-sendung des BR :
    http://blog.br-online.de/quer/windrad-nein-danke-das-kreuz-mit-den-oeko-energien-23032011.html

  6. Nein, ich verzichte auf die anfängliche und wegen der halben Stunde Bedenkzeit nun wieder gelöschte Umkehrung der Frage zuungunsten der Autorin.

  7. Hallo und guten Abend,

    warum den die Alternativ-Energie wieder teuer rechnen? Weil Windenergie und Solarenergie nicht zu Voll-Last-Zeiten zur Verfügung stehen? Weil diese Energie speichern zu teuer ist?
    Klar wenn wir unsere sogenannten Forscher hören dann sicher. Eine einfache Lösung? Wirklich?
    Wasserstoff. Die EINZIGE okonomische und ökologische Lösung. Energie-Träger wird dies Gas. Transportiert über Röhren oder gespeichert in Druckbehältern. Man kann es wieder zu elektrischer Energie umformen. Abgas ist Wasser. Autofahren oder Heizen – kein Problem.
    Technologisch beherrschbar? MIT SICHERHEIT einfacher als Kernenergie.
    Gefährlich? Mit SICHERHEIT ungefährlicher als Kern-Energie.

    Ja und wenn unser Nachbarn aus ……. wieder im Baumarkt einkaufen und selbst einen Wasserstoff-Reaktor bauen?
    Dann gibts einen Bumms – und einen neuen Bauplatz.

    Aber nein, lassen wir doch lieber die renomierten Forscher Speicher erfinden. Das bißchen Edelmetall, giftige Substanzen, chemisch reaktive Stoffe, usw. in Batterien …..
    die nachfolgenden Generationen sollen ja auch noch ein bißchen Spass haben.

    Gruß aus Baden

  8. Ist doch egal, ob die Besserverdiener in grün, rot, gelb oder schwarz durch den Wald trampeln; so lange keiner am System rüttelt, bleibt alles beim Alten. Es geht nur um den Profit, der Rest ist ein Marketing-Gag. Wie die Bibel.


    P.S. Dieser Kommentar hat gemäss Öko-Norm 14582 nur 60 Wörter. Mach mit beim DSDÖ-Wettbewerb „Tschak de Klima!“

  9. Das blöde am „Volk“ ist, daß es sich als „Volk“ wahrnimmt und nicht als König.

  10. Es ist Blöd Grün zu Wählen, denn keine Partei Heuchelt mehr wie DIE GRÜNEN. ATOMAUSTIEG in 20 Jahren wie Geil ist das denn? Hartz IV was eine Geniale Sozialpolitik. Oder die Grüne-Rote Gesundheitspolitik, ist die Sozial? doch nur für die Ärzte und die Krankenhaus -Aktien Gesellschaften. Und so weiter und so weiter … . Aber das ist eben Grüne Politik, nichts Sehen, nichts Hören, Viel sagen!

    Nein Danke

  11. Sie können wählen, Bürger: Es gibt Bohnen, Bohnen oder Bohnen. Was möchten Sie? *Hahahaha*

  12. Die grünen werden die Wirtschaft in Baden-Württemberg ruinieren, da die Firmen abwandern werden, wegen zu hohen Energiekosten. In anderen Ländern denkt man normal, siehe China, Afrika, FRankreich, Rußland. Wir werden irgendwann um Energie betteln müssen, dawir ein kleines Land sind und die Welt nicht ändern können..

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